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Preis vierteljährig 1 fl. l2 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen.

Ne.. Samstag kn 27. Januar 1872.

Bestellungen auf deu Gießener Anzeiger MnLdVb-tm ®*lf aIS auc8 bei Qen

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben für die Monate Februar und März zu 40 kr.

Brodpreise vom 27. Januar bis 2. Februar 1872, nach eigener Erklärung der Bäcker:

2 Kilo gemischtes Brod 22 fr. 1 Kilo gemischtes Brod 11 kr. Z Kilo Roggenbrod 19 kr. 1 Kilo Roggenbrod 9V2 kr.

Amtlicher Theiß.

Bekanntmachung. ä

Bei der am 26. Januar d. I. vorgenommenm Wahl sind zu Mitgliedern des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde Gießen gewählt worden: Sigismund Bock mit 35 Stimmen, Isaak Hanau 22

Es wird dies mit dem Anfügen öffentlich bekannt gemacht, daß während drei Lagen, nämlich den 29., 30. und 31. d. Mts. das Wahlprotokoll mit allen Anlagen auf dem Bureau des 1. Vorstehers Herrn Julius Wallach offengelegt sein wird und daI während der unerstrecklichen Frist dieser drei Tage jeder Stimmberechtigte, sowie jeder Gewählte von dem Wahlprotokoll und dessen Anlagen Einsicht nehmen und auch Einwendungen gegen die Wahl oder gegen die Gewählten, beziehungsweise auch Ablehnung der Wahl, bei Vermeidung des Ausschlusses bei Großherzoglichem Kreisamt Gießen vorbringen kann.

Gießen, den 26. Januar 1872. Der Regierungs-Commissär:

Hellwig, Regierungs-Accessist.

Politisch

Deutschland.

Darmstadt, 24. Januar. Der Abgeordnete K. I. Hoffmann beantragt als Referent des Finanzausschusses, einem von den Abgeordneten Goldman« und Fink gestellten Antrag entsprechend,die Regierung um baldigste Vorlage zu ersuchen, voncch den Gemeinden und resp. Kreiskassen in Südheffen Vergütung der betreff. Auslagen vorweg aus dem Antheile SüdheffenS an der von Frankreich zu zahlen, den Kriegsentschädigung zu gewähren ist." Die Regierung erklärt sich irnWescnt-, lichen mit der Tendenz einverstanden. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer hält täglich langandauernde Sitzungen über das Budget ab, und die Referenten find mit ihren Berichten fast nahezu fertig, so daß der Druck vorausstchtlich bald beginnen wird. Heute stand der mehr als 76jährige Makler Salomon Erlanger von hier wegen Urkundenfälschung, Dersthung eines auf 50 fl. lautenden Wechsels mit dem gefälschten Namen eines hrestgev Beamten, vor den Geschworenen. Noch dem Ausspruch derselben erschien der Angekogte, welcher seither in gutem Ruf ge- standen, nur des vrrsuchten Betruges schuldig und wurde zu einer Gesängnißfirafe von 6 Monaten verurtheilt. (Fr. I.)

Fulda, 25. Jan. Wie aus Kassel bestimmt verlautet, soll oie hiesige Direc- tion der Bebra-Hanauer Eisenbahn diesen Sommer als Centraldirection nach Zranksurt überfiedeln.

Weilburg, 22. Jan. In den katholischen Ortschaften Diühausen und Prob- bach hiesigen Amtes stand früher der suspendirtePfarrer", eigentlich bloßer Dicar, Wilhelm Jost. Der geistliche Herr hatte sich zum Feldprediger beim Aus­druck des Krieges gemeldet, vom Domcapitel zu Limburg wurde ihm indessen kein Urlaub $ur Annahme dieser Stelle ertheilt. Später deshalb zur Verantwortung, aufgefordert, wurde Hr. Jost für unwürdig für solche Stelle erklärt und auf drei Jahre suspendirt. Da Jost indessen, ein tüchtiger Redner und humaner Mann, keinen geistlichen Hochmuth zur Schau trägt, so ist er in seiner Gemeinde beliebt. Die Gemeinde soll wiederholt um Wiedereinsetzung ihres Pfarrers beim Dom­capitel eingekommen sein, aber stets abschlägigen Bescheid erhalten haben. In Folge dessen hat sich in der Gemeinde Aufregung und Erbitterung entwickelt, und die Leute behaupten jetzt, sie brauchten kein Domcapitel, sondern nur ihren Pfarrer Jost, nd damit das Domcapitel diesen nicht vertreiben könne, wolle man sich vom Domcapitel lossagen und beidem Glauben der Väter", dem alten katho­lischen Glauben, verbleiben. (Mittelrh. Ztg.)

Berlin, 25. Januar. An vielen Orten wurde der Tag der Proclamirung de- deutschen Kaiserreichs festlich gefeiert, von zahlreichen Seiten liefen Telegramme zur Beglückwünschung des Kaisers ein. In Antwort auf dieselben veröffentlicht derReichsanzeiger" folgenden allerhöchsten Erlaß:

Zur Erinnerung an die am 18. Januar'4871 erfolgte Annahme der Kaiser- würde sind Mir aus vielen Orten inner- und außerhalb des Reiches von Seiten deutscher Patrioten telegraphische und schriftliche Glückwünsche zugegangen. Ick habe diese wohlthuenden Beweise von Liebe und Anhänglichkeit mit freudigem Herzen entgegengenommen und fühle Mich gedrungen, für dieselben allen Bethei- ligten Meinen freundlichsten Dank zu erkennen zu geben. Ich veranlasse Sie, dies alsbald zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.

Berlin, den 20. Januar 1872. Wilhelm.

An den Reichskanzler.

er T h e t l.

Als sehr bezeichnend für die Art, wie verschiedene Parteien über dasselbe geschichtliche Factum denken können, sei es uns erlaubt, hier die Aeu^erungen zweier Blätter einzufügen. Zweifelhaft ist es freilich nickt, wohin die Majorität des Volkes neigt. Die in Kaiserslautern erscheinendePfälzische Post" bringt zum 18. Januar einen Artikel, in welchem gefragt wird, woher es komme, daß das neue Kaiserreich so rasch im Volke sich eingebürgert habe? Den einen Grund sieht Ur Artikel in der Tradition, welche sich an die Kaiserwürde knüpfte, der Kaiser sei der AuStreck der nationalen Einigkeit; der zweite Grund der Popu­larität des neuen Kaiserreichs liege aber in der Person des Kaisers. Der Schluß des Artikels lautet: Wo der greise Held im Kriege vorübcrzog, da dünkte es dem Volke, als sei der alte Hrhenstause wirklich aus dem Kyffhäuser hervorgegangen, staunend hörte und las man, wie der greife Fürst alle Strapazen und Anstren­gungen des Feldzuges treulich mit seinen Soldaten theilte. So hat dieser Kaiser Wilhelm nicht nur die alten Provinzen Elsaß, Lothringen, Schleswig und Hol­stein, sondern vor allem tje Herzen des ganzen Volkes erobert. Einem solchen gerechten, geraden, opfeimuthigen, thäligen Kaiser unterwarfen sich die deutschen Fürsten gern, ihn schließt das Volk rasch ins dankbare Herz. Und cs will uns bedünken, wenn wir des kräftige Hohenzollerngcschlecht betrachten, als falle hier ter Apfel nicht weit vom Stamme. Auchunser Fritz", der Marschall des süd­deutschen Heeres, wußte sich bald die Liebe und das Vertrauen seiner Soldaten zu erwerben, und wird, wie wir hoffen, eine lange Aera des Friedens mit allen seinen Segnungen bringen. So sind wir denn also wohl in der Luge, den heu- ligen Tag freudig und hoffnungsvoll zu begehen, und überall, wo deutsche Herzen schlagen, von der Meeresküste bis zur Alpenwand, wiederhallt der Ruf: Es lebe der Kaiser!

Dagegen schreibt am 19. Januar das bekannte Jesuitenblatt, dasBaye­rische Vaterland" unter Anderem Folgendes: Alles, was Preß-Preuße ist, feierte gestern das Gcburtsfest desDeutschen Kaiserreichs", sintemalen am 18. Januar 1871 wir mit einemDeu.scheu Kaiser" sammtReich" gesegnet worden sind, ober, wie Bismarck'SNorddeutsche" sagt:des Reiches versunkene Herrlichkeit wieder lebendig geworden ist" im Schatten der Preußischen Gottesfurcht und Pickelhaube. Wir haben keinen Grund, uns dafür nachträglich zu erhitzen. Da außer Gott nichts, nicht einmal die schöne Welt ewig ist, so steht zu vermuthen, daß auch dieDeutsche Kaiserei" wieder einmal ein Ende nehmen wird."

Sollte man nicht meinen, diese Herren schrieben für Frankreich, wo AlleS noch heut Preußisch heißt, was die Franzosen nicht leiden mögen? Wir Preußen freuen uns, nunmehr Deutsche geworden zu sein; und Jene klagen und zetern, daß Deutschland nur noch Preußen sei.

Berlin, 25. Jan. Abgeordnetenhaus. Cultusminister Dr. Falk bringt im Namen des erkrankten Justizministers die Vorlage in Betreff des zur Eheschließung nothwcndigen Lebensalters ein, welche die in mehreren LandeStbeilen hierüber herrschenden Verschiedenheiten beseitigen soll. Auf Die Interpellation Löwe'S be­züglich etwaiger Regierungömaßregeln gegen die neuerdings angekündigten 4pCt. Meininger Prämienpfandbriefe, erklärt Der Handklsminister an Stelle des Justiz- mimsters, Die Entscheidung, ob der Vertrieb des betreffenden Papiers gesetzwidrig sei, falle den Gerichten zu. Die Regierung habe keine Veranlassung, hier einzu­greifen. Es folgen hierauf Petitionen.