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fich geweigert, die Glocken bei dem Begräbnis eines jüngst dort verstorbenen Israeliten läuten zu lassen. DieWormser Ztg." berichtet zugleich von einem erfreulichen Gegenstück. In dem benachbarten rheinbayerischen Dorfe Kindenheim wuroe in letzter Zett ein schöner Thurm gebaut, zu dessen Kosten Protestanten, Katholiken und Juden gleichmäßig beitragen und dessen Glocken Gliedern aller drei Bekenntnisse gleicherweise zur letzten Ruhestätte läuten. Vor Notar und Zeugen wurde heute die Verloosung der gelegentlich unserer Local-Gewerbe- und Industrie-Ausstellung angekauften Gegenstände vorgenommen.

Berlin, 21. October. Ja hiesigen Osficierskreisen spricht man sich mit vieler Anerkennung über den guten Geist und die Disciplin der eingetretenen Elsässer Freiwilligen aus.Wenn die eben in Elsaß-Lothringen ausgehobenen Reernten, die bereits in Berlin eintreffen, das halten, was die Freiwilligen bisher versprochen haben, so gewinnt die deutsche Armee gute Soldaten", meint ein hiesiges Blatt.

Der deutsche Botschafter in Paris, Graf Arnim, befindet sich zur Zeit in Berlin und hatte heute Vormittag eine längere Conferenz mit Herrn von Balan im auswärtigen Amte. Unseren Abgeordneten, bemerkt dieD. R. C.", werden in nächster Wintersaison ganz außergewöhnliche Annehmlichkeiten geboten werden, indem in unmittelbarer Nähe des Abgeordnetenhauses von einer Brauerei ein Concertsaal mit Bierausschank erbaut wird, derselbe wird nicht allein die nöthige Harmonie in den Abendsitzungen bringen, sondern dürfte überhaupt, da die Concert- proben in derartigen Localen immer am Tage abgehalten werden müssen, manchem Redner unserer Kammer Gelegenheit bieten, ihre Vorträge melodramatisch in Aus­führung zu bringen.

Berlin, 22. Oktober. DieNational-Zeitung" veröffentlicht folgende Zuschrift:

An die Redaktion derNational-Zettung."

Von einer längeren Reise zurückkehrend, wird mir eine Pariser Cor.espondenz Ihres Blattes vorgelegt, in welcher gesagt ist, es habe mir zu Ehren im Cercle Republicain in Paris ein Bankett stattgefunden. Mir ist von einem derartigen Bankette nichts bekannt geworden. Eine Anzahl von Mitgliedern des Cercle Republicain cffm jeden Freitag an einer gemeinschaftlichen Table b'hote im Clublocal. Von einem Freunde in den Club eingeführt, habe ich an einer solchen Table d'hote Theil genommen. Niemand hat daran gedacht, diesem regelmäßig stattfindenden einfachen Mittagessen gelegentlich meiner Anwesenheit einen politischen Charakter oder gar denjenigen einer Feierlichkeit zu geben. Hochachtungsvoll Leopold Sonnemann.

Frankfurt a. M., 21. October 1872.

Berlin, 22. Oktober. Von einem hiesigen Correspondenten verschiedener auswärtiger Blätter wird im Widerspruch mit anderen Nachrichten behauptet, daß Fürst BiSmarck bereits in dieser Woche nach Berlin kommen und vorläufig seinen weitern Aufenthalt hier nehmen werde. Bon anderer Seite wird dem Reichskanzler die Absicht zugeschrieben, der Feier der goldenen Hochzeit des sächsischen Königshauses beizuwohnen.

Die in Posen erscheinendeOstdeutsche Ztg." bringt sehr merkwürdige Belege für die Nolle, welche der Erzbischof Ledochowski als polnischer Agitator spielt. ES werden Fälle angeführt, wo der Erzbischof deutschen Jünglingen, weil sie nicht auf einem katholischen Gymnasium der Provinz, d. h. auf einem polni- Nischen, ihre Bildung gesucht, sondern außerhalb der Provinz auf deutschen Gym­nasien den Unterricht genossen, die Aufnahme in sein Diöccsanseminar verweigerte; wo er die Aufnahme in das posener Seminar von der nöthigen Kenntniß der polnischen Sprache abhängig machte, wo er den Protest einzelner Lehrer gegen die Anwendung der deutschen Sprache im ReligionSunierricht entschieden unterstützte u. s. w. Herr v. Ledochowski scheint sich immermehr alsPrimas von Polen" und immer weniger als preußischer Bischof zu geriren.

Berlin, 23. Oktober. DieGermania" veröffentlicht eine Erklärung dee Bischofs von Mainz gegen diePcovinzial-Correspondenz" und deren letzten das Verhalten des deutschen Episkopats kennzeichnenden Artikel. Das Schriftstück facht nachzuweisen, daß die dem Episkopat gemachten Vorwürfe falsch sind.

W e dieVoss. Ztg." berichtet, hätte der ermeländische Bischof nunmehr wegen der Temporalienfperre einen Proceß gegen die Staatsregierung eingeleitet.

Berlin. 23. Oct. Die neuesteProvinzialcorrespondenz" bringt einen Leit­artikelVas Herrenhaus und die Kreisordnung", weichen sie, nachdem sie die Genesis der Vorlage besprochen, mit folgenden Worten schließt: Die Regierung ist in vollster Einmüthigke t überzeugt, baß ein Mißlingen der Vereinbarung jetzt, nachdem Alles für das Gelingen vorbereitet ist, ein nicht wieder gutzumachenoer Schaben gerade für eine stetige und konservative Entwicklung unserer inneren Ver­hältnisse und zugleich der schwerste Schlag für die conservative Partei in Preußen sein würde. Sie legt daher nicht blos den allergrößten Werth darauf, baß diese Gesetzgebung endlich zum Abschluß gelang, sonvern ist auch der Zuversicht, baß der besonnen praktische Geist, welchen das Herrenhs-iS in Augenblicken wichtiger Entscheidungen noch niemals verleugnet hat, sich auch jetzt bewahren weioc.

Berlin, 24. Oct. Dem BundeSrathe ging ein Gesetzentwurf zu betreffs der Veräußerung der Straßburger Tabaksfabrik im Wege des schuft ich n Sub- Missionsverfahrens. Dem Reichskanzler wird der definitive Zuschlag vorbehalten.

Berlin, 24. Oct. Des Kaisers Schiedsspruch in der San-Juan-Frage er­klärt , baß Die Ansprüche der Vereinigten Staaten völlig übereinstimmt.n mit der wahren Interpretation des Vertrage- vom 15. Juni 1846 unb baß also die Grenze durch den Harocanal zu laufen habe.

Frankfurt, 24. Oct. DieFr. Presse" erklärt, von einer Ernennung des Regierungsraths Hergenhahn in Wiesbaden zum hiesigen Polizei-Präsidenten fei in unterrichteten Kreisen" nichts bekannt; am Allerwenigsten könne von einem Dienstantritt in dieser Woche die Rede sein.

Bonn, 19. October. DieBonner Zeitung" enthält folgende Erklärung: Die verehrliche Redaction derBonner Zeitung" ersuche ich andurch ganz er- gebenst, zur Vermeidung einer Mißdeutung, wozu die von derAachener Zeitung" ausgegangene Veröffentlichung des das vatikanische Concil betreffenden Schreibens des Bischofs von Rottenburg vom 11. November 1870 und der auf mich bezüg- liche Schlußsatz der hierauf von Seiten des Herrn Bischofs imDeutschen Volks­blatt" zu Stuttgart erfolgten Entgegnung Veranlassung geben konnte, baldmöglichst meine folgende Erklärung in die Spalten derBonner Zeitung" aufnehmen zu wollen, nämlich: 1) daß ich niemals Vorsitzer eines Vereins ber sogenannten Alt- katholiken gewesen bin, auch bereits seit dem Mai 1871 jede Verbindung mit den Leitern Der antiinfallibilistischen Agitation vermieden habe; 2) daß da- an den Herrn Bischof von Rottenburg und mehrere andere deutsche Bischöfe im Auftrage!

einer großen Anzahl hiesiger und in drr Nachbarschaft wohnender Katholiken au- Den höheren Ständen in Gemeinschaft mit anderen StandeSgenossen gerichtete Gesuch vom 4. November 1870, von mir nicht in Eigenschaft als Vorsitzer eine» sogenannten Comites, sondern lediglich nach der alphabetischen Reihenfolge der Namen primo loco unterzeichnet worden; 3) daß Die hierauf erfolgten Antwort­schreiben, insbesondere auch jenes Des Herrn Bischofs von Rottenburg vom 11. November 1870 zwar zunächst an mich aDressirt, aber zur Weiterbeförderung an Die Mitunterzeichner des Gesuches vom 4. ejus dem oDer Doch zur Circulation bei denselben bestimmt waren, auch Die Mittheilung ihres Inhaltes an sämmtliche Auftraggeber, Deren Namen und Charakter am Schluffe des gedachten Gesuche­ausdrücklich bezeichnet waren, gegen das Versprechen strenger D.scretion nicht wohl verweigert werden durfte; 4) daß die, der ausdrücklichen Zusage zuwider, ohne Erlaubniß Des Herrn Bischofs, unD zwar zu meinem allertiefsten Bedauern ge- schehene Veröffentlichung des in Rede stehenden Schreibens weder von mir, noch von einem der Mitunterzeichner des Gesuches vom 4. November 1870 veranlaßt worden. Mit Hochachtung und Ergebenheit Bauerband."

München, 24. Oct. Die Absicht Der Altkatholiken, an den König eine Vorstellung bezüglich ihrer Angelegenheiten zu richten, ist gutem Vernehmen nach vorerst aufgegeben.

Nürnberg, 21. Oct. Herrn v. Lutz ist es bei seiner letzten Audienz beim Könige also in der That gelungen, sich Die Gewißheit Dafür zu verschaffen, daß seine Stellung vorläufig noch nicht so gefährdet sei, wie e- nach den Anzeichen de^ Unmuihs zu erwarten stand, welche an allerhöchster Stelle bald nach Dem scheitern der Gaffer'schen Combination hervoigetrttcn waren. Wenn es wahr ist, was von glaubwürDiger Seite versichert wirb, Daß der bayerischen Kirchen­politik ihr schwankender Charakter weniger von Herrn v. Lutz selbst, als von einem Höherstehenden ausgeprägt worden ist und wird, Der, obwohl ein entschie- oener Gegner des Ultramoutanismus, doch einen entschlossenen, thatkräftigen Kampf mit der Kirche scheut, so wäre des Räthsels Lösung bald gefunden: eS hat nicht Jeder die Wachsnatur des Herrn v. Lutz, der bis j tzt nur in der Gaffrr'schen Angelegenheit gezeigt hat, daß er bei einer politischen Utberzeugung au-zuharren unc> sie zu realisiren vermag, und auch in Diesem Falle erst dann, als er Der Mit hülfe seiner sämmtlichen Collegen sicher war. Herr v. Pranckh mußte mit Den Wasserstiefeln voran spazieren.

Stuttgart, 24. Oct. DasDeutsche Volksblatt" bestätigt die Grund» losigkeit Der Zeitungsnachricht von einem Gratulationsschreiben Der deutschen Bi­schöfe an Hefele.

Schweiz.

Basel, 23. Oktober. DieBasler Nachrichten" bringen folgendes Tele­gramm aus Genf vom heutigen Tage: Gestern Abend wurde an den Straßenecken eine Proklamation des Staatsrathes angeschlagen, welche besagt: Der StaatSrath hat erklärt, Daß Den Befehlen Des Bischofs Mermillod keine Folge zu geben sei. Die Pfarrer von Genf weigern sich indeß, dem Verbot nachzukommen, und Der Bischof Marilley von Freiburg will für die Pfarrvacanzcn keine Vorschläge machen, oa er Die DeSfallstgen Rechte im Jahre 1865 au Mermillod übertragen habe. Oer StaatSrath hat sich Daher für kompetent erklärt, Die protestirenDen Pfarrer abzusetzen. Da er aber Den Schein von Feindseligkeiten gegen Den KatholiciSmuS nicht auf sich laDen, vielmehr blos dem Gesetze Achtung verschaffen will, so macht er folgende Gesetzentwürfe: 1) Die Pfarrer werden durch die Gemeinden ernannt. 2) Kein Würdenträger darf Pfarrer sein. 3) Der Eid Der Pfarrer soll so redigirt weiden, daß keine Zweifel über Den Sinn möglich sind. 4) In Folge Der Erklärung Der Pfarrer sollen in allen Pfarreien Neuwahlen stattfinden.

Frankreich.

Die Parteiverhältnisse in Der französischen Nationalversammlung dürften bei oem Wiederzusawmentritt Derselben sich ganz ander- gestalten, al- sie bei der Vertagung Derselben waren. Wie DieBien publik' hört, würde eine gewisse Anzahl Mitglieder Des rechten Centrums sich dem linken anschließen. Da- Blatt Des PräsiDenten Drückt Dabet Die Hoffnung aus, Daß Die gemäßigte Linke Dieselben willkommen heißen unD so eine Regierungs-Majorität zu StanDe kommen werDe. Aus dieser Mittheilung erhellt, daß Thiers sich wieder zu denen hinneigt, welche die Republik von Der jetzigen National-Versammlung aus organistren lassen wollen. Unter Den Deputieren, welche Der Versailler Versammlung constitionelle Reformen vorschlagen sollen, befinDen sich Casimir Perier, Duchatel, Lacaze, Paul Göttin, V ngtain, Bardoux, Leon de Malleville, Marcö e, FranciSque Rive unD De Rumilly. M hrere Derselben gehören zu Den persönlichen Freunden Des Herrn Thiers. Sie >elbst nennen sich konservative Republikaner.

Paris, 22. Oktober. Die radicalc Partei in Frankreich und Der Schweif, Der zuletzt glaubt und mit Ungestüm Dinn wieDerholt, was man ihm hundertmal vorgesungen hat, bemühte sich mtt Erfolg, Gambetta bei Der großen Nation al- DenHöros de la defense nationale in Scene zu setzen unD alsFrankreichs Ehrcnretter" zu preisen. Charles De Mazade hat sich an Die Arbeit gemacht und, Die Aktenstücke in Der HanD,Die Gamoetta'sche Legende" geprüft unD sein Gut­achten in Der Revue De- deux Monde- medergelegt, wo es in vielen gebildeten Kreisen Des In- unD Auslandes gelesen werden wird. Mazade weist nach, daß Der Haupifehler Gambetta's und Freycinet's Darin bestaub, Daß sie, statt sich damit zu begnügen, HülfSquellen zu schaffen und die Begeisterung wach zu halten, sie selber Die militärischen Operationen leiten wollten und durch ihre unkluge und unruhige Einmischung Alles verpfuschten. Chanzy klagt in einem Briefe über diese tolle Einmischung, indem bald dieser, bald jener von seinen Generalen vom Mtnisterium Befehle erhalten hatte, von denen er, der Oberbefehlshaber nichts wußte und welche die von ihm crngeordneten Combinationen durchkreuzten. Ucbrigens bat Thiers in seiner Rede vom 8. Juni 1871 dieseanti-nationale, durch ihre Erfolge grausame, arrogante, freche Prätention, daß Einige sich an die Stelle Aller setzen wollten", mit dem schärfsten Tadel belegt. Mazade's Arbeit liefert zu diesem Urtheile Des Redner- den Beweis des Historikers.

England.

London, 21. Oktober. Wenn Der frühere Kriegsschiff-Baumeister Reed mit seinem Briefe an Die Time- Recht hat, so hätte England in Den letzten zwei Jahren thatsächlich f:ine Ueberlegenheit zur See eingebüßt, indem es zu einer Zeit die Hände in Den Schooß gelegt und gefeiert hat, wo andere Mächte, namentlich Rußland und Deutschland, Schiffe bauten, welche, wie das russische PanzerschiffPeter der Große" im StanDe seien, eine ganz? Flotte der bisherigen