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Rhein-Marne-Saarcanal und dem hiesigen Hafen eine Dampfschleppschifffahrt mit Drahtseil bis nächstes Frühjahr errichtet wird, wobei noch in unserem Hafen eine Dampfkrahnen-Anstalt ins Leben tritt.

Oesterreich.

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Wien, 22. Januar. Der gefeiertste Dichter der Gegenwart, der Stolz Oesterreichs und Deutschlands, Franz Grillparzer ist gestern aus diesem Leben geschieden. ^Wie selten einem Sterblichen, war es Grillparzer vergönnt, nach den vielfachen Stürmen und Kränkungen des Lebens den Nest seiner Tage in dem tröstenden Bewußtsein zu verleben, daß sein Dichtergenius die höchste Anerkennung der Zeitgenossen gefunden. Der achtzigste Geburtstag dieses großen Dichters, den man mit Recht denSchiller Oesterreichs" nannte, wurde in der solennesten Weise gefeiert und selbst vom Throne herab wurden ihm die Zeichen der glänzendsten Anerkennung zu Theil, während gleichzeitig die Stadt Wien, die Künstler und Schriftsteller Oesterreichs und Deuischlanbö, kurz alle Kreise der Gesellschaft dem mit Recht Geleierten ihre Huldigung varbrachten. Franz Grillparzer, der am 15. Januar 1791 geboren wurde, feierte vor sieben Tagen seinen 81. Geburts­tag, an welchem Ehrentage er aber nicht mehr die zahllosen Glückwünsche seiner Freunde und Verehrer persönlich in Empfang nehmen konnte, da ihn bereits ein Unwohlsein an dem Empfang von Besuchen verhinderte. Nur die Gratulationen der Abgesandten des kaiserlichen Hauses empsing der Nestor der österreichischen Dichter persönlich. Das Unwohlsein Grillparzers gab Anfangs zu keinen Be. sorgniffcn Veranlassung, dennoch aber kamen täglich ein Professor und sein Neffe, ein Arzt, in die schlichte Behausung des Dichters, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen, und in gleicher Weise nahm namentlich Erzherzog Ludwig Victor Antheil an dem Schicksale Grillparzer's, indem er täglich in der Wohnung des- selben nachfragen ließ. In den letzten Tagen nahm die Schwäche bei dem Dichter immer mehr überhand; um ihn jedoch nicht zu erschrecken, machten ihn die Haus, leute auf seinen Zustand nicht aufmerksam. Gestern Nachmittags nach dem Essen setzte sich Grillparzer in seinen Lehnstuhl und plauderte noch mit seinen Haus­genossen. Plötzlich wurde seine Stimme immer schwächer und schwächer, die treue Haushälterin befürchtete die Katastrophe und sandte eiligst nach dem Geistlichen, allein als derselbe kam, war es bereits zu spät. Ruhig und sanft, wie er gelebt, hatte er seinen letzten Seufzer ausgehaucht. Er war angekleidet im Lehnstuhle für immer entschlafen. Sein Andenken wird durch seine Werke ewig leben!

Wien, 24. Jan. Die amtlicheWiener Zeitung" veröffentlicht folgende diplomatische Ernennungen: Zum Gesandten in Kopenhagen Graf Paar, in Stock- Holm Baron Walterskirchen, im Haag Ritter Haymerle, in Rio de Janeiro Baron Sponnleitner, in Athen Baron Pottenburg. Der Gesandte Pfusterschmidl in Karls­ruhe ist in gleicher Eigenschaft auch in Württemberg und Hessen mit dem Sitze in Stuttgart accreditirt, Baron Frankenstein zum Gesandten in Dresden und bei den großherzoglich sächsischen Häusern ernannt.

Frankreich.

Paris, 23. Jan. Marschall Mac Mahon hat die ihm angebotene Vtce- präsidentschaft ausgeschlagen. Bei dem Herzog v. Aumale findet nächsten Donner­stag ein großes Diner zu Ehren Thies' statt. Aus Lyon kommen neuerdings Proteste gegen die Rohstoff-Zölle.

Italien.

Nom, 20. Jan. Man hat auffällig wahrgenommen, daß viele Cardinäle der letzten Zeit ihre sammtlichen Prachtwagen und andalusischen Hengste ver­kauft haben. Die edeln Thiere werden, da die meisten von einem Fuhrunternehmer erstanden worden sind, von nun an ein viel angestrengteres Dasein haben. Man sieht die Fürsten der Kirche auf der Straße in schwarzen Kleidern zu Fuß und in Begleitung nur eines Geistlichen oder Laien. Im Vatikan durchkreuzen sich die Jatriguen, je dringlicher die Angelegenheit der neuen Cardinals-Ernennungen wird. Die Jesuiten wollen natürlich ihren Günstlingen den Purpur verschaffen, während die römischen Cardinäle keine Majorität im h. Collegium sehen wollen, welche sich für die Abhaltung der zukünftigen Papstwahl außerhalb Roms entscheiden könnte. Mittlerweile ist das Confistorium vertagt worden.

Rußland.

Aus Petersburg, im Jan., wird derGegenwart" geschrieben:Hinsicht­lich des Thronerben, den man als fanatischen Anhänger der jungrussischen Partei- doctrinen zu betrachten gewohnt ist, pflegt man in den schlimmsten Befürchtungen sich zu ergehen; seiner Thronbesteigung glaubt man als dem Beginn einer der bestehenden direct entgegengesetzten deutschfeindlichen Politik entgegensehen zu müssen. Nun soll nicht geläugnet werden, daß Vieles aus der Vergangenheit des Groß- fürsten-ThronfolgerS solchen Anschauungen Vorschub geleistet hat. Allein so viel ist gewiß: seit lange waren Anzeichen genug vorhanden, daß die Einflüsse gewisser Parteimänner nicht mehr in dem Grade wie früher sich maßgebend zeigten, und daß jene anti-preußische Stimmung oder M'.ßstimmung allmählich der Vergangen­heit anzugchören begann. Bei Weitem positiver kann man sich seit dem Besuch der GeorgSritter aussprechen. Des Großfürsten Haltung war entschieden wärmer, als einfach nach den Gesetzen der Courtoifie geboten schien, und wenn er am Abend des Diners im Winterpalais auf den Trinkspruch seines kaiserlichen Vaters Bezug nehmend, gegen eine auch in Deutschland verehrte hohe Persönlich, keit äußerte, daß er die innige Annäherung der beiden großen Reiche mit freudigem Herzen begrüße und dieselbe auch kommenden Zeiten erhalten zu sehen hoffe, so ist auf diese spontane Kundgebung wohl mehr Gewicht zu legen, als sonst auf bloße Worte. So wird zum mindesten derjenige urtheilen, welchem die wenig demonstrative Natur des Großfürsten bekannt ist, und welcher weiß, daß demselben stets und von allen Seiten wenigstens die Anerkennung zu Theil geworden ist, Mann seines Wortes zu sein."

Petersburg, 12. Jan. Mit dem Beginne des neuen Jahres ist eine wesent­liche Verbesserung in der materiellen Lage der Offiziere in der russischen Armee eingetreten. Einem kaiserlichen Befehle zufolge wird nämlich den Offizieren, welche früher Tischgelder erhielten, eine mit dem Range progressiv sich erhöhende Ver­mehrung derselben zu Theil und denen, welche bisher keine Tischgeloer erhielten, eine solche in der Form besonderer Portionsgelder im Betrage von 8 Rb. monat­lich verliehen. Außerdem ist die im Jahre 1868 den zu Offizieren ernannten jungen Leuten gewährte Summe von 100 Rb. zur Equipirung um 50 Rb. er­höht worben. Zur Bestreitung dieser Kosten sind 3y2 Mill. Rb. neu in das Budget des Kriegsministeriums ausgenommen.

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Handelsberichte.

FtnanzieUeS aus Frankreich. Die Kaarmerdebatte hat über die Finanzlage wenia c* verbreitet, da Äußerungen über Rüstaugen und Festungöanlageu vermieden worden, und daher außer den bekannten Schäden noch ein Bedarf besteht, den man auf mindestens 500 Mül. schätzt, auch sind seit 1868 alle RechnanzSablagen noch im Rückstand, die Rechnungen von 1870 unb 1871 sind so sehr in einander verwoben, daß man nur schwer herauSsinvet, waS dec Kciea hat. Tüe blsherigen Anlehen belaufen sich auf 4500 Millionen, und eS müssen noch 3750 Millionen mittelst Anlehen aufgebracht werden. Den pcäliminirten Einnahmen ist um so weniger zu trauen, als sie nach den Ergebnissen früherer Jahre geschätzt sind und der Rückschlag des Krieges auf Industrie und Wohlstand außer Acht gelassen ist. Die meisten der neuen Steuern drucken so sehr auf Handel und Verkehr, daß man eS später bereuen wird, sie so hastig einaeführt zu haben, und damit ist, wie Thierö selbst in seiner Rede zugab, die Steuerkratt 'des Lande« erschöpft. Zwischen der Regierung und der Bank ist eine Differenz entstanden; erstere will die Zinleu auf den geleisteten Vorschuß von 1 Procent auf % Proeent rebuciren, waS die Bank ver­weigert. Das Sous-Comptoir der Bauunternehmer hat mit der Stavt St. Cloud einen Contract wegen der Neubauten abgeschloffen, nach welchem dasselbe zu einem um ein Drittel geringeren den üblichen Hypothekenzins die Gelder unter Garantie der Departements Seine und Oise vorschießt. Im Allgemeinen iällt den Departementen nun sehr schwer, ihre Anlehen unterzu- bringen; von dem Anlehen für vas Departement Herault von 1,500,000 Francs wurden nur 54,000 Fr. unterzeichnet. In Aubuffon hat em Banquier mit 2,500,000 Fr. fallirt der Verlust fällt ganz auf kleine Kapitalisten der Umgegend. Die Börse bleibt fest, seitvem die ^Abwickelung am Jahresschluß über alle Erwartungen günstig vor sich gegangen; sie glaubt, alles andere werde sich auch arrangiren lassen und die Bank werde in der nächsten Zeit schon ihren DiSconto redu- ciren. Die Comptantkäufe waren in letzter Woche sehr bedeutend, nur die Haute Banane bleibt zurückhaltend. Italiener wurden im Tausch gegen Rente viel verkauft. Eisenbahnen bleiben sehr matt, nur österreichische Staatsbahn machten eine Ausnahme. Pariser Stadtanleihe dringend angeboten. Creditbanken sehr fest, Comptoir d'Eöcompte 700, Soe. Generale über 600 Francs da die Jahresdividende 25 Francs betragen soll. Oefterreichischer Bodencredit hat den franröst' schen bei 940 eingeholt. Französischer Mobilier sehr schwach behauptet.

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 24. Januar. Mittags noch auf stolzen Rossen, Abends durch die Brust geschossen! Unsere Haussiers hatten gestern Abend alle Ursache, sich der citirten Strophe des be­kannten Volksliedes zu erinnern, denn ganz unerwartet traf sie die aus Wien telegraphirte Nach­richt vom Tode des Kaisers von Rußland und die zugleich eintreffenden rapid heruntergegangenen Wiener Course rissen die hiesigen natürlich mit sich, so daß eine Verwirrung entstand, die für den der sehen wollte, sehr lehrreich sein konnte. Das Gerücht vom Tod des russischen Czaaren ist wohl auf einen Jagdunfall, der diesem begegnet, zurückzuführen. Aber auch sonst schwirrten allerlei Gerüchte umher, wie z. B. das Scheitern des ungarischen Eiseubahngeschäfts mit der Credit- anstalt u. s. w. Kurz, es war eine Art Panik, von deren Eintritt man gestern Mittag noch keine Ahnung hatte und durch deren Plötzlichen Eintritt die Course der SpeculationSeffecten her- untergmgen, Cceditactien namhaft, z. B. gleich um 8 fl. Zum Unglück ist seit gestern Abend auch die Telegraphenleitung mit Wien unterbrochen, unb da von dort der Impuls fehlt so gelang eS nicht, die gestern erlittene Einbuße wieder nachzuholen. Nichtsdestoweniger war dieStimmunq doch eine feste und wußten sich die Course von gestern Abend gut zu behaupten, Credit zwischen 354 und 356, Staatsbahn 419, Lombarden 219%220, Silberrente 63%; am meisten schwank- ten Nationalbank, die im Laufe der Börse bis 870 sanken und sich später wieder auf 886 erholten. Aulagepapiere wurden von dec allgemeinen Flauheit nicht berührt und auch auf die Subscriptionen hatte diese Feinen Einfluß. Denn nicht nur die Meininger Prämienpfandbriefe wurden über­zeichnet, sondern auch die Goldanleihe der Stadt Newyork 56fach, so daß auch da starke Re- duction eintreten muß. In den nächsten Tagen kommen auch wieder zwei neue amerikanische An- leiben zur Auflage, und zwar eine durch Gebr. Sulzbach, die andere, dec Chesepeake-Obio Eisen­bahn, durch die Hauser Speyer-Ellissen und L. A. Hahn. v

3" Bahnpapieren war der Verkehr heute nur von geringer Ausdehnung. Galizier beliebt bei 271, Buschterader matter. Gotthard gingen mit 105 um, größere Posten Saalbahn-Prior.- Stammactien bei 92y4. Banken ebenfalls wenig belangreich. Darmstädter, Meininger Frank» furter Bankverein niedriger, letzterer um 1% Procent. Deutsche Vereinsbank offerirt, 'daaeae» Oesterrelchsich-deutsche, Italienisch-deutsche und Frankfurter Wechslerbank fest.

Loose in gutem Verkehr. Oesterreichische 1860er, 1854er und Ungar!, ose, wie auch Raab- Grazer besonders hervortretend.

Von Amerikanern wurden die neuen Western-Pacific mit 86V2 gehandelt, bei 1 Proc. Agio.

DerRussische Regierungsbote" bringt in seiner Nummer vom 1. (13.) D. Mts. eine Ueberschau der Ereignisse des abgelaufenen Jahres; es werte tu den Annalen der Menschheit einen hervorragenden Platz einnehmen, denn es habe inmitten eines blutigen Krieges begonnen und inmitten der Segnungen des Frieden- gcenbigt. In der Ucbersicht heißt es von Frankreich, daß ihm Ruhe und Samm- lung noththue, um dereinst wieder die frühere Stellung unter den europäischen Staaten einnehmen zu können; es wird ferner die Genugthuung hcrvorgehoben, welche Rußland in den Londoner Conferenzen anläßlich derFrage des Schwarzen Meeres" zu Theil geworden, und bei diesem Anlässe darauf hingewiescn, daß aller Orten, und so auch in Oesterreich, die öffentliche Meinung und die Presse sich weit günstiger über die Tendenzen Rußlands aussprechen, als dies im Beginne des Jahres 1871 der Fall gewesen. Das officlelle Blatt constatirt ferner, daß nach wie vor aufrichtige Sympathie zwischen Rußland und Preußen bestehe, und freut sich schließlich der friedlichen Lösung, der die Alabama-Frage entgegengehe, so wie der ruhigen Art und Weise, in der die Sclaven-Emancipation in Brasilien zur Lösung gelange.

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5% östr. F. St. E. B. 419% Lombard. Bahn 220%

' Ludwigsh.-Bexbach 198% Maxbahn 147% Bayer. Ostbahn 150 Khein-Nahebahn-Aot. 41% Hess. Ludwigs b.-Act. Oberhessen 83%

Prioritäten.

3% öster. Stsb.-Prior. 60 3% öst. s. Lombard 84% 3% Livorneser 39% 5% Tosoaner 62% 5% Elisabeth.-Prior. 83% do. II. Emiss. 82

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Kurh. 40 Thlr. Loose 69% Nassau 25 fl. 44% 4% bayr. Präm.-Anl. 117 Ansbacher 7 fl. 11% 4% badische Loose 114% Badische fl. 35 Loose 70% 30/0 Oldenburg, ä 40Thlr. 38% Oestr. fl. 250 v. 1854 84% 1858r Priori tätsloose 198 1860r Loose 93% 1864r 154

Braunschweiger 21 Stadt Florenz 83

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24. Januar 1872.

Preuss. 4% % Oblig. 102% Frankf. 3%% Obi. 88% Nass. 4%% Obi. 99% Kurhess. 4% » 93% Gr. Hess. 5% Obi. 102% 4% 97%

» » 37-0/0 92

Bayer. 5% n 100%

4% o/g 1jährige 100

4% 1jährige 95 Würtemb. 4%% Obi. 99% Baden 4%% Obi. c. E. L. 99% Oesterr. Silberrente 63%

T Papierrente 54% Amerik. Bonds 1881 r 102%

n 1882r 96%

1885r 97%

n 1887r 98%

Spanier, neuest. 3% 32%

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Frankf. Bank 14074

Frankf. Vereins-Kasse 1307z

Darmst. Bankaot. 488

Wien Bankaktien 885

Galizien 271%

Oest. Creditact. 3563/4