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Asien.
Die chinesischen Staats- und Hof-Astrologen haben nun endlich, nachdem sie alle Sternbilder des Firmaments durchforscht, den glückbedeutenden Tag für oie Vermählung des jungen Beherrschers des Reiches der Mitte ausfindig gemacht. Wie man der „Jndep. belge" aus Schanghai, 30. April, schreibt, ist dieser Tag der nächste 26. October, und die beiden Kaiserinnen, die Großmutter und die Mutter des allerhöchsten Bräutigams, haben bereits den Untertanen des himmlischen Reiches kund und zu wissen thun lassen, daß die der Hochzeit vorangehenden Feste, bas Ra-Tsai oder das Verlobungsfcst am 16. August, das Ta-Tscheng oder der Austausch der Hochzeitsgeschenke am 19. September stattfinden werben. Mit seiner Verheirathung wird der junge Kaiser gleichzeitig mündig. Sein Vater starb vor 11 Jahren, am 22. August 1861, im Jagdschlösse Jehol. Bei dessen Tove warfen sich drei hohe Mandarinen, Sushun, der Prinz I und der Prinz von Tschrng zu Regenten des unmündigen Thronfolgers auf, wurden aber durch eine von den Kaiserinnen und dem Prinzen Kung hervorgerufene Bewegung sofort gestürzt. Die Prinzen I und Tscheng erhielten ihrer Abstammung wegen das Recht, sich selber erdrosseln zu dürfen, Sushun wurde geköpft. Seitdem theilten stch die Kaiserin und der Prinz Kung in die Vormundschaft und Regentschaft.
Amerika.
Newyork, 23. Juli. Senator Schurz hat in einer zu St. Louis stattgehabten Volksversammlung eine Rede gehalten, worin er hervorhob, daß die liberale Bewegung einen Umschwung bedeute, welcher die demokratische sowie die republikanische Partei absorbire, den Norden und Süden aussöhne wie die Verwaltung umgestalte. Schurz bekämpft?' ferner die Candibatur Grant's und unterstützte diejenige Gceeley's, indem er einen Brief des Letzteren verlas, worin die vollständige Reform der Civil-Verwaltung verheißen war.
der Frankreich gegenüber kennen zu lernen.
in der Frage der Handelsverträge einzunehmenden Haltung
Spanien.
Ueber die gegenwärtig- Luge der Dinge in .Spanien wird der „Morning Po»" aus Madrid geschrieben: .Die vollkommenste Ruhe herrsch, in hohen voi iischen Regionen, wo man stch fast ausschließlich mit den Vo.bereiiungen für die kommenden Wahlen beschäftigt. Fünfundzwanzig an dem letzten Aufruhr in $ere4 bttbtiligt gewesene Individuen sind zum Tode des Erschießens verurtheilt worden aber man glaubt, die Regierung werde sie begnadigen. In Catalonien ist die'Lage der Dinge noch immer eine schlechte. Die Carlisten verüben die arbbsten Exccffe auf der Bahn von Saragoffa nach Barcelona; sie haben die Compagnie um eine Summe von 10,000 Duro's (ä 5 Fres.) beraubt und den □ ufl in glommen g-steckt. Jüngst versuchten sie einen anderen Zug zu zerstören, standen aber schließlich auf Flehen der Passagiere ab. Die Direcloren haben der Regierung angezeigt, daß sie genöthigt sein würden, den Fahrdienst cinzustellen, falls nicht Truppen zum Schutze der Circulation abgesendet würden."
In einer Reihe von Telegrammen sind die bisher bekannt gewordenen Umstände des Mordanfalles gegen den König mitgetheilt worden. Die Verbrecher haben jedenfalls das Gegeatheil von dem erreicht, was sie bezweckten. Den König wird die bestandene Gefahr und die von feinen Feinden verübte Schandthat nur um so populärer im Lande machen. Es wird freilich nicht an Leuten fehlen, hie da behaupten, das Attentat sei gerade zu diesem Zwecke in Scene gesetzt worden- aber die Thatsache, daß von den Angreifern einer g-tödtet und -wei verhaftet wotden, spricht doch zu laut gegen jene auch au» anderen Gründen zu verwerfende Verdächtigung. Andererseits ist es auch noch zu früh, die Schuld an dem Verbrechen auf eine bestimmte Partei zorückzufuhren. Sind es Carlisten, Alsonsisten (reine oder unreine), Republicaner oder Internationale, auf welche man zuerst den Verdacht werfen soll? In allen diesen Parteien wird eS Böse» wichter geben, welche vor dem Meuchelmorde nicht zurückschrecken. Zum Glück hat man zwei der U-b-lthäter in sicherem Gewahrsam, und so wird denn die Untersuchung voraussichtlich nicht so resultatloS bleiben, wie bisher die Nachforschungen nach den Mördern des Generals Prim.
England.
London, 22. Juli. Gestern wurde zu Nottingham ein Congreß der britischen Abtheilung der Internationale abgehalten. Der Vorsitzende Smith verlas den Bericht mit der Erklärung, die Gesellschaft bezwecke die Emancipation der Arbeiter. Die Gesellschaft habe Filialen in allen Hauptorten Englands, ausgenommen in Irland. Der Congreß nahm mehrere Resolutionen, welche sich auf geschäftliche Angelegenheiten bezogen, an. Darunter war eine der Sinnes, daß die Bildung der Arbeiterpartei nöthig sei, und zwar auf der Basis der Grundsätze der Internationale zur Erreichung von politischen Zwecken.
Rumänien.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 23. Juli. Die feste Stimmung, mit welcher gestern die Börse die neue Woche eröffnete, hielt auch heute an, und wenn auch die Umsätze im Allgemeinen noch immer sehr gering find, so trägt doch der Verk.hr einen lebhafteren (Zharacter als in der letzten Zeit. Geld ist ziemlich flüssig und der neueste WochenauSweiS der Frankfurter Bank ist nach jeder Richtung hin befriedigend, so daß man dem kommenden Ultimo mit ruhigeren Blicken entgegcnseheu zu können glaubt. Zudem kommen auch von auswärts gute Notirungen. Auch die Übeln Wirkungen, welche man von der französischen Anleihe befürchten zu müssen glaubte stellen sich jetzt, wo der Schleier über die näheren Bedingungen dieser letzteren gelüftet ist, als übertrieben heraus, ja man glaubt sich vielmehr von der reichen Befruchtung, welche die französische Contribution unserem Markt bringen wird, glänzende Tag« versprechen zu dürfen. Für heute beschränkte sich die Speculation darauf, Creditactien um ca. 2 fl. nach vorwärts zu stoßen, und zwar weil die Creditanstalt bei dem französischen Anleihen stark betheiligt sei. Staatsbahn hielten sich auf ihrer gestrigen Höhe, und nur Lombarden machten aus Verdruß über die ihnen zu Theil werdende Nichtbeachtung eine kleine Schwankung nach rückwärts. Oesterreichische Nationalbank etwas matter, wie denn überhaupt die Stimmung für Banken wieder etwas nachgelassen hat. Doch waren heute Londoner und Frankfurter Weckslerbank beliebt, ebenso Deutsche Gffectenbank, welche, nebenbei bemerkt, ebenfalls Subscriptionen für die Milliarden-Anleihe entgegennimmt. Subscrip- tionsresultate wurden gestern und heute mehrfach gehandelt. Süddeutsche Staatspapiere verkehrten heute in verschiedenen Posten bei festen Preisen. Eisenbahnen blieben vernachlässigt und waren österreichische Sorten größtentheils offerirt. Von deutschen Linien gingen Hessische LudwigSbahn, actien hier wie in Berlin in die Höhe, in Folge eines Gerüchts, daß der Staat (welcher?» die Bahn käuflich erwerben wolle. Bayerische alte Ost 139. Von Loosen warm Darmstädter 50-fL# Loose gefragt. Im Nebligen verkehrte man auch hier lustlos.
Jassy, 16. Juli. Der Metropolit per Moldau hat dar Ministerium ersucht, schleunige Maßregeln zur Ausrottung des Skopzenthums (jener Ausgeburt religiösen Fanatismus, weiche, von Rußland ausgehend, die geschlechtliche Verstümmelung zum Glaubenssatz erhoben hat) zu ergreifen. Seiner Adresse ist eine Petition eine« gewaltsam „Getauften" beigeschlossen, die eine Haarstraubende Geschichte erzählt. ___________________________________________
Allgemeiner Anzeiger.
Versteigerungen.
Erndte-Versteigerung.
3402) Samstag den 27. Juli l. I-, Nachmittags um 2 Uhr,
soll die Erndte von 43/< Morgen Gerste auf dem Versuchsfelde des landnnrthschaft- lichen Instituts dahier loosweise unter den vor der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen an Ort und Dteue versteigert werden.
Das Versuchsfeld liegt zwischen der Llcher Chaussee und dem Schießplätze. — Der Hlurschütz Völker dahier ist beauftragt, auf Verlangen den Steigliebhabern die Erndte vorher zu zeigen und nähere Auskunft zu ertheilen.
Gießen, den 19. Juli 1872.
Großherzogliches Unw.-Rentamt.
Schmidt.__
3057) Mittwoch den 7. August d. I-, Nachmittags 2 Uhr,
soll auf dahiesigem Rathhaus die dem Jacob Vogt dahier gehörige Flur Nr. UlKlftr-
i/917 34 Hofraithe m der Wall-
thorstraße
meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 25. Juni 1872.
Großherzogliches Ortsgericht Gießen. Semmler, Octsgerichtsmann.
Feilgebotenes.
763) Photographie-Rah- men und Goldleisten bei
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