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Frankreich.

Pgrig, 18. Juli. Das Kriegsgericht in Lyon hat die der Ermordung des Krämers Arbinet Angeklagten, den Exgeneral Cremer und Herrn de Serres, schuldig befunden und zwar des leichtsinnigen Mordes mit Zulassung von mil­dernden Umständen. Das Urtheil lautete für beide Angeklagte auf einen Monat Gefängniß und Zahlung der Gerichtskosten. Nächsten Sonntag soll bei gün­stiger Witterung auf dem Longchamps eine Revue über 120,000 Mann Truppen stattfinden. Man glaubt, daß noch in den letzten Tagen dieser Woche abermals «ine Anzahl zum Tode verurtheilter CommunardS bei Sartory erschossen werden sollen. Das Kriegsgericht hat Lutz, den Chef des RakctencorpS unter der Com­mune, zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilt.

Paris, 18. Juli. Es ist oft ausgefallen, daß die französische Armee so viele Oifiziere, besonders in den höheren Chargen, zählt, welche sich zu äußerst clerikalen Gesinnungen bekennen. Die Liste der vor einigen Tagen in der Ecole Saint Cyr aufgenommenen Leute wirft ein Helles Licht auf die Sache. Unter diesen jungen Leuten befinden sich nämlich 117 Mann, die aus den Jesuiten- Erziehungsanstalten hervorgcgangen sind. Bei dieser Gelegenheit erfährt man auch, daß die französischen Jesuiten schon seit Jahren nach ihnen aus Rom zu- gegangenen Instructionen darauf hinarbeiten, den größtmöglichen Theil der ihnen anvertrauten Jünglinge dazu zu bestimmen, in die Armee einzutreten! Der Zweck, welchen die Jesuiten dabei verfolgen, liegt zu nahe, als daß man ihn näher an- zugeben brauchte. Daß derselbe auch vollständig erreicht wird, beweist zur Genüge die Haltung der aus den Jesuitenanstalten hervorgegangenen Offiziere. Abgesehen davon, daß die, welche bei den Jesuiten erzogen wurden wie die Erfahrung sattsam gelehrt hat, sich von den Principien, die sie dort einzesogen, fast nie vollständig lossagen können, lassen die Jesuiten auch ihre früheren Zöglinge nie aus den Augen, und in einem Lande, wo die Geistlichkeit so allmächtig ist, wie hier, fehlt es daher keineswegs an Mitteln aller Art, um dieselben durch Förde­rung oder Behinderung in dem Gehorsam zu erhalten, wie es Rom verlangt.

Spanien.

Madrid, 19. Juli. Heute hat eine große Volkskundgebung stattgefundcn; die Menge ging dem Könige, der sich auf der Straße befand, entgegen; mehrere Tausende jauchzten ihm mit Begeisterung zu. Eine unzählige Volksmenge begab sich darauf zum Palaste und brachte dem Könige eine neue Ovation dar. Das ganze diplomatische Corps, von dem deutschen Gesandten Frhrn. v. Canitz als Sprecher geführt, hat dem Könige seine Glückwünsche zu seiner Rettung ausgedrückt.

England.

London, 18. Juli. Der Prinz von Wales hat das Präsidium der königlichen Commission für die Wiener Ausstellung angenommen. Dieser Umstand ist von der österreichischen Regierung und Commission sehr hoch ausgenommen worden.

Dem hiesigen türkischen M'.ssionSvereine schreibt ein Correspondent aus Teheran, daß in dieser Stadt allein 106,000 Menschen durch Hunger umge- kommen seien. Die Anzahl aller in Folge der HungerSnoth umgekommenen Menschen betrage 3,000,000. Die Beiträge aus den christlichen Ländern haben auf die Muselmänner Persiens einen großen Eindruck gemacht. Der Bewohner jüdischen Glaubens hat sich Sir Moses Montefioce großherzig angenommen. In den Zahlen übertreibt diese Mittheilung wahrscheinlich sehr stark; ganz Teheran hat nicht so viele Einwohner, wie nach obiger Angabe in der Statt um- gekommen sein sollen. m

LMon, 20. Juli. Daily News enthalt etn Telegramm aus Nom vom 19. d., wonach der deutsche Geschäftsträger dem Cardinal Antonelli mündlich eine Note der deutschen Regierung mitgetheilt hat, daß dieselbe nicht begreife, warum Maßregeln, die bestimmt seien, die Wohlfahrt des Reiches zu fördern, ohne die Interessen der katholischen Kirche zu compromittiren, den Papst ver- drossln hätlen.

Türkei.

Binnen zwanzig Tagen sind in Konstantinopel drei von Rom abgefallene armenische Bischöfe, nämlich Vactozian, Pabiaran und Küpelian, vom Schlage gerührt worden, was die Armenier in große Bestürzung versetzt hat." Das hat sich das PariserUniverS" aus Genf (!) telegraphiren lassen. Küpelian ist be­kanntlich der statt des ultramontanen Hassun gewählte neue Patriarch der Armenier.

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 22. Jult. Der heutige Wochenanfanq unterscheidet sich nur dadurch von dem Schluß der Vorwoche, daß StaatSbahnactten um ca. 5 fl. in die Höhe getrieben wur­den, Dank den Bestrebungen eines internationalen HausseconsortiumS. Im Uebrigen verkehrte aber die Börse gleich lustloc wie an den vorhergehenden Tagen, obwohl bei fester Haltung. Auf spe- culativem (Gebiet marschirten, wie gesagt, StaatSbahnactien kühn voran und eröffneten mit 3597z. Da man aber sah, daß man sich zu weit vorgewagt hatte, schlug der Cours wieder eine rück­gängige Bewegung ein und setzte sich bei 358Vz fest. Creditactien blieben ohne Animo bd 34774 und nur Lombarden erfuhren eine kleine Aufbesserung von 1 fl. Nationalbank war über Notiz gefragt, die anderen Banken hielten sich im Allgemeinen fest. Deutsche Vereinsbank verkehrte etwas matter, Darmstädter und alte Meininger ebenso; Deutsche Effectenbank 129, Frankfurter Bankverein 14274- Bei den Cisenbahnwerthen macht sich daS mangelnde Eingreifen der Privat­käufer noch immer fühlbar; das Geschäft bewegt sich in den engsten Grenzen. Nur Elbthalactten erfreuten sich einigen Begehrs. Auch Prioritäten wurden heute nickt so lebhaft gehandelt als wie in den letzten Tagen, doch hielten sich die Preise auf ihrem vorwöchigen Niveau. Schwach ver­kehrten österreichische Renten. 1872er Russen beliebt. Spanier eine Kleinigkeit besser. Auf dem Loosenmarkt war eS insofern etwas lebhafter, als viele kleine Pöstchen Schweden, Finnländer, Pappenheimer, Braunschweiger u. s. w. ihre Besitzer wechselten. Zu einem auf die Course influirenden größeren Umsatz kam eS jedoch auch hier nicht. Von amerikanischen StaatenbondS wurden 1885er in Post-n gekauft. Prioritäten dagegen waren bei äußerst geringem Geschäft eher billiger zu haben. Wie man vernimmt, find die Häuser M. A. v. Rothschild u. Söhne und I. S. H. Stern hier als ofsicielle Zeichnungsstellen für die Drei-Milliarden-Anleihe von der französischen Regierung bestimmt. Außerdem werden auch noch andere hiesige Häuser, wie Gebr. Sulzbach, A. Siebert u. s. w. Zeichnungen annehmen. Die näheren Bestimmungen werden mor­gen bekannt gegeben werden. Bei den zwei officiellen Zeichnungsstellen sollen die Einzahlungen in süddeutscher Währung gemacht werden können.

BorsennAChrichteß.

22. Juli 1872.

Preuss. 41/zv/o Oblig. 103 Vs Frankf. 31/2% Obi. 873/8 Nass. 41/20/0 Obi. 993/6 Kurhcss. 4% 93 */2 Gr. Hess. 50/0 Obi. 103

Bayer. 5% n 1005/8 n 41/zv/o 1jährige 10l)i/g 40/0 1jährige 95Vs

Würtemb. 47z % Obi. 993/i

Baden 4i/2°/o Obi. c. E. L. 99?/6

Oesterr. Silberrente 64'/2

Papierrente 587g

Spanier, nenest. 30/0 283/4

Amerik. Bonds 1881r 993/4

_ 1882r 9 6'/g

_ 1885r 97 V4

, , 1887r 975/g

Astlen.

Frankf. Bank 1413/4

Frankf. Vereins-Kasoe 142

Darmst. Bankaot. 482

Wien Bankaotien 899

Oeat. Creditact. 348

Galizien 2567z___

AetlöEto 50/g östr. F. St. E. B. 360 Lombard. Bahn 2207z Ludwigsh.-Bexbaeh 2007z Maibahn 145

Bayer. Ostbahn 139 Rhein-Nahebahn-Act. 453/4 Hess. Ludwigsb.-Aot. 1787z Oberhessen 82i/g

Prioritäten»

3O/o öster. Stsb.-Prior. 5874 3% erst. s. Lombard 503/4 ZO/o Livorneeer 39 50/g Tosoaner 50/g Elisabeth.-Prior. 843/4 do. II. Emiss. 837z

Anlehen*loo*e.

Darmstädter fl.50Loose 190 25 53

Kurh. 40 Thlr. Loose 7P/4 Nassau 25 fl. 457z Braunschweiger 217z 3% Oldenburg, ä 40Thlr. 39 4% bayr. Präm.-AnJi. 1135/g 40/g badische Loose Badische fl. 35 Loose 707s Oestr. fl. 250 v. 1854 857z 1858r Prioritätslooae

eehael.

Amsterdam k. 8. 987g

Augsburg k. S. 993/4

Berlin k. S. 1047g

Bremen k. S. 1757g

Brüssel k. 8. 93%

Hamburg k. 8. 873/6

Leipzig k. 8. 105

London k. 8. 1187g

Lyon k. 8.

Paris k. 8. 93 72

Wien k. 8. 1053/4

ditto m. ß. 1055/8

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1860r Loose 9<74

1864r 156

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