Nd)t,
Hn mAuntq
Kohle »e- —^^lnann. A?s
1,1 d°r 6Ä
««ich, Ärtethno m w der Bach. '
ifflGLEi -n-Expedition, aQi Main, f> 'm t. Stock fall, 50;
erstrasse, 45. berg, 29;
Neuer Markt, 11;
Königshaus; rinistrasse, 1 ß- ergasse, 1; '
B Grabenstrasse, 13; eu Molard, 2.
L
fine ©eit er al- Mitglieder auf
6 Uhr, itn zahlreiche Bf Erstand.
IL
l von W Msie zm Dickorv.
[e an ein GesLäfi iennng wird M
na Orth.
S70:
rblr.
ftalt iW «J* oeriicheruE- )(ränHettH
HO 1872.
ffin JefuH
»>
wHf-’SS fltr auf c?ura:
bad " ^gch
Prei8 vrerteljähng 1 fl. 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 jL 27 fr.
Gießemr Anzeiger.
Erscheint täglich, mit^AuL- nahme Sonntags.
Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen.
Nr. V3. Dienstag Den 23. April 1872,
Bestellungen auf den Gießener ^lnzeiger Expeditionen und den Land-Postboten entgegen' genommen.
Amtlicher D h e i l.
Nr. 11 des Reichs>Gesetzblattes, ausgegeben am 9. April 1872, enthalt:
(Nr. 809) Verordnung, betreffend den Verkehr mit Apothekerwaaren. Vom 25. März 1872.
(Nr. 810.) Allerhöchster Erlaß, betreffend den Gebrauch des Kaiserlichen Adlers zur Bezeichnung von Maaren oder Etiquetten. Vom 16. März 1872.
(Nr. 811.) Ernennung von Stationscontroleuren bei verschiedenen Haupt-Zoll- und Steuer-Aemtern im Königreich Preußen, Königreich Sachsen, Großherzog- thum Baden, Großherzogthum Hessen und in der freien und Hansestadt Hamburg.
(Nr. 812) Ernennung von Konsuln, bezw. Vicekonsuln des Deutschen Reichs zu La Paz, Honolulu, Cap Haiti, Basel, La Guaira, Caracas, Braila und in den Dardanellen.
(Nr. 813.) Ertheilung des Exequatur an den Vicekonsul der Schweizerischen Eidgenossenschaft Paul Ed. Nölting zu Hamburg.
Nr. 12 des Rei'chs-GeseMattes, ausgegeben am 15. Apul 1872, enthält:
(Nr. 814) Bekanntmachung, betreffend die Ausführung des Allerhöchsten Erlasses vom 16. März d. I. über den Gebrauch des Kaiserlichen Adlers zur Bezeichnung von Maaren und Etiquetten. Vom 11- April 1872.
(Nr. 815.) Ernennung von Konsuln, bezw. Vicekonsuln des Deutschen Reichs zu Blumenau, Desterro (Santa Catharina), Dona Francisca, Maroim, Pernam- buco, Petropolis, Porto, Alegre, Rio Grande do Sul, Sao Luiz de Maranhao, Cearu, Parü de Belem, Santos, Paranagüa und Marei6.
Nachträge zur Eichordnung vom 16. Juli 1869 und zu dem Erlaß vom 15. Februar 1871, betreffend die Eichung und Stempelung von Maaßen und Meßwerkzeugen für Brennmaterialien, sowie für Kalk und andere Mineralproducte. Vom 31. Januar 1872.
Gießen, den 22. April 1872. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Röder.
* Herr Thiers im Elysee.
Es ist in hohem Grade characierlstisch für die französischen Zustände, daß keine der sich einander bekämpfenden Parteien, so groß ihre Erbitterung und Be- glhrlichke t auch ist, sich zu einer ganzen und entschiedenen That entschloßen kann. Sie wachen cs, wie em allzu bedenklicher ängstlicher Feldherr, der die Verant- Wortung für einen entscheidenden Schlag nicht auf sich zu nehmen wogt, und dessen Feldzuosplan sich dohrr in lauter Demoustrotionen verlaust, die vielleicht sehr geschickt sind, aber eine Entscheidung nimmermehr hcrbeisühnn können. Ebenso erschöpfen sich die französischen Parteien in Demonstrationen, nicht um durch die- selben einen bestimmten Plan einzuleiten oder um die Augen des Gegners von der Stelle obzulenkcn, wo der Schlag geführt werden soll, sondern weil sie einen bestimmten Plan gor nicht hoben, weil sie sich unfähig fühlen, einen solchen zu fassen, und doch das Bedürfniß empfinden, von Zeit zu Zeit em Lebenszeichen zu gibcn, damit die Franzosen bemerken, dcß sie noch vorhanden sind.
So hat sich denn das politische Treiben in ein wahres Chaos von Demonstrationen aufgelöst. Der Graf von Chambord demonstrirt durch Manifeste, in denen er den Franzosen seinen Standpunkt klar macht, ober jeden Gedanken, die Reinheit seiner Grundsätze durch eine That zu entweihen, nachdrücklich ab- weist. Seine Anhänger in der Nationalversammlung wollen nicht hinter ihrem Führer zurückbleiben; sie verfassen ein Manifest, erschrecken aber alsbald vor ihrer eigenen Kühnheit und legen ihr Manifest ad acta bis auf bessere Tage. Die Orleans dcmonstriren bald mit ihrem historischen Regenschirm; bald lassen sie sich in der Nationalversammlung sehen, verhalten sich aber so schweigsam, als ob ein Schwur ihre Lippen zuschlösse; bald zeigen sie sich als Gönner der Künste und Wissenschaften, machen der trauernden Schönen Paris den Hof, aber Paris verschmäht sie, oder vielmehr es beachtet sie gar nicht. Wenn sie sich aber einmal zu einem kühneren Schritt verleiten lassen, der, wie der Besuch der Militäretablis- sements in Bourges von Seiten des Grafen von Paris, auch nur dem leisesten Verdacht Raum gibt, als ob sie sich mit dem Gedanken an eine That trügen, so erheben alle Journale ein Zetergeschrei über die unerhörte Verwegenheit, das darauf berechnet ist, ihnen ähnliche Schritte für die Zukunft zu verleiden, und auch wohl die beabsichtigte Wirkung haben wird.
Die Republikaner demonstriren aus ihre Weise. Sie plänkeln unaufhörlich gegen die Majorität der Nationalversammlung, ohne zu bedenken, daß sie durch die Art, wie sie es thun, nur dem Bonapartismus in die Hände arbeiten, der ganz allein darauf specultrt, daß die Parteien sich durch ihre gegenseitigen Demonstrationen selbst aufreiben werden, wie sie es 1849 gemacht haben. Natürlich demonstrirt auch der Bonapartismus; aber sein ganzes Auftreten macht doch den Eindruck, daß er, wenn sich ihm die Gelegenheit bieten sollte, auch zu handeln verstehen wird. Nur dadurch, daß man ihm diese Fähigkeit zutraut, ist er eine Macht. Er würde in Staub zerfallen, sobald aus dem Chaos der gegen einander ringenden Kräfte sich ein anderer fester Krystallisationspunlt herausarbeitete.
Offenbar könnte ein fester Kern sich gegenwärtig nur um Herrn Thiers krystallistren. Aber der Gedanke, sich aufrichtig um Herrn Thiers als Führer zu fpaaren, versetzt die Majorität in Empörung. Thier- ist nicht der Vertreter der Nation, er ist der Geschäftsführer der Versammlung, die Niemanden mit so großer Eifersucht überwacht, als ihn. Und Thiers fühlt sich keineswegs stark genug, sich dieser Ueberwachung zu entziehen. Er ringt unausgesetzt nach einer selbstständigen Stellung. Aber es geht ihm, wie allen Parteien: er kommt über Demonstrationen nicht hinaus.
Thiers sehnt sich seit langer Zeit nach Parts zurück; aber die Versammlung denkt nicht daran, ihren Bannspruch gegen die Hauptstadt aufzuheben. Dieser
ausgesprochenen Abneigung der Versammlung gegenüber wagt cs Thiers nicht, das Gewicht feiner Autorität und seiner Meinung in die Wagschale zu werfen. Aber er kann es doch nicht lassen, sich während der Vaconzen eine kleine Demonstration zu Gunsten ton Paris zu gestatten; er nimmt, wie es ja auch jeder Schüler thut, ein gewisses Ferienprivilegium für sich in Anspruch. Um 12 Uhr Mittags erscheint Herr Thiers im Elpsce und trifft die Vorbereitungen zum Empfange feiner Gäste, die sich in dcr Abendstunde um feine gastliche Tafel vereini- ßir Nach der Tafel ist Empfang. Beamte, Militärs, die großen Finanzmänner, die Orleans von der Pariser Linie mit Gefolge, selbst einige kühne Deputirte, die dem Zorn der Majorität zu trotzen wagen, drängen sich um den Präsidenten, der beim Herannahen der Giistcrstunde seine Gäste verläßt, damit nicht, wie es ein Journal ihm boshaft in Aussicht stellte, ein strenger Deputtrter als Wächter des Gesetzes mit der Uhr in der Hand ihn zur Rückkehr in seine Versailler Residenz mahne.
Daß die Franzosen an diesen EmpfangSobenden ihren Spott üben, ist sehr natürlich; auffallend ist nur, daß ihnen der Spott nicht so recht von Herzen kommt, daß sie im Grunde doch die Neigung haben, die Demonstration des Prä- sidentin zu einer großen und hochgefährlichen, oder, je nach dem Standpunkt, den der Beobachter ernnimmt, auch glänzenden und glückverheißenden Haupt- und StaatSaction aufzublähen. Ein officiöses Blatt knüpft an die Besprechung der Festlichkeiten eine überaus schwülstige Betrachtung über Frankreichs unverwüstlichen civilisatorischen Beruf, während die Catonen der permanenten Commission mit imponirendem Ernst die Frage erörtern, ob Herr Thiers befugt gewesen sei, im Elysee zu tafeln und Hof zu halten; und die Mehrzahl intscheidet den bedenk- lichen Casus dahin, daß sich der Präsident allerdings einen Exceß habe zu Schulden kommen lassen. Ein erbauliches Schauspiel wäre es in der That, wenn die klyseeischen Abende noch den Stoff zu einer hitzigen Debatte in ter Nationalver- sammlung bieten sollten.
Das ist eben die Folge der zahllosen kleinlichen Demonstrationen, daß die Staatsmänner die Fähigkeit einbüßen, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden, daß sich die Politik in eine Reihe von Etiquettenfragen auflöst. Damit kommt man nicht weiter; man bringt es auf diesem Wege wohl zu stürmischen Debatten, aber weder zu fruchtbaren Arbeiten noch zu Entscheidungen.
Deutschland.
Darmstadt, 20. April. Mit Schreiben der Großh. Ministerien der Justiz und des Innern vom 12. April d. ist der zweiten Kammer Der Stände ein Gesetzesentwurf, die Todeserklärung von Personen, welche an dem Feldzug der Jahre 1870 und 1871 Theil genommen haben und vermißt werden, betr. vorgelegt worden.
Berlin, 19. April. Die „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht einen Erlaß des Cultusministers an den Bischof von Ermeland in der ExcommunicationS- Angelegenheit, sowie die Antwort des Letzteren. Der Erlaß des Ministers, welcher am 11. März erging und am 28. März in Erinnerung gebracht wurde, geht davon aus, daß die über Wollmann und Michelis verhängte große Excommuni- catlon keine rein geistliche Strafe, sondern durch die Aechtung der Betreffenden in socialer Beziehung auch eine bürgerliche Bedeutung hat und deshalb den Landesgesetzen gemäß nicht einseitig von kirchlichen Oberen, sondern nur nach Einholung der staatlichen Genehmigung veranlaßt werden kann. Der Minister fordert unter Zustimmung des Staatsministeriuws den Bischof Kremeutz auf, den Widerspruch


