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rechnen zu muffen. Noch auffallender tritt diese Erscheinung bei einem großen Thcil der deutschen katholischen Geistlichkeit hervor. Das deutsche Reich hält sich — ob mit Recht oder Unrecht, dürfte in dieser Beziehung ziemlich gleichgiltig sein — in ferner Existenz durch Nom gefährdet, cs trifft Maßregeln zur Abwehr und ruft dadurch einen heftigen Kampf hervor. Durfte man nicht erwarten, daß der Clerus, wenn auch nicht die Partei des Staates ergreifen, doch so viel Anhänglichkeit zum Mutterlande besitzen würde, um eine vermittelnde und versöhnende oder mindestens eine neutrale Stellung einzuncbmen? Statt dessen, was sehen wir? Offenste, rücksichtsloseste Bekämpfung des Reiches, hingehendste Unterstützung Roms. Es mag durch Besorgniß hervorgerufene Uebertreibung sein, wenn lhnen jetzt schon direkte Verbindungen mit auswärtigen Feinden zur Bekämpfung des eigenen Landes nachgefagt werden; aber moralisch leisten sie solchen fremden Bestrebungen ungemeinen Vorschub dadurch, daß sie Deutschland schmäben und verunglimpfen, wie cs schlimmer nicht dessen ärgste Feinde thun. Und doch wäre es Unrecht, diese Gesinnung der ganzen deutschen Geistlichkeit oder gar dem ganzen katholischen Volke in Deutschland beizumessen; nur mußte cS unerklärlich bleiben, wie es kam, daß der nationaler und patriotischer gesinnte Theil nicht nur jene« feindliche Gebah.cn nicht mit Erfolg zurückwies, sondern sich im Großen und Ganzen bisher passiv verhielt. Hauptsächlich war es die ultrawontane Presse, welche fast ohne Ausnahme eine Sprache gegen Deutschland führte, welche der im französischen „UniverS" nur wenig nachgab. Als dcr Papst in einem unbewachten Augenblick seiner feindseligen Gesinnung gegen das Reich durch eine Prophezeiung von reffen Vernichtung Ausdruck gab, und nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa, etwa mit Ausnahme Frankreichs, über dieses empörende Benehmen ent- rüstet wurde, da jauchzten die deutschen katholischen Blätter und riefen dem Pontifex in Rom Beifall zu. DaS scheint jetzt anders werden zu wollen. Schon hat wenigstens ein katholisches Blatt den Muth, jenes Auftreten des Unfehlbaren in herben Worten zu tadeln und jede Solidarität mit den anderen Organen des
Berlin, 16. Juli. Schon vielfach ist die Bemerkung gemacht worden, daß Volk so viele antin.itionale Elemente in seiner Mitte zählt, als Deutschland, sogenannten Demokraten, Internationalen und noch einige andere Vervindun- sehen ni<ptS Arges dabei, wenn sie bei ihren Bestrebungen in die Lage vcr- werden, mit der Uneinigkeit oder gar der Zertrümmerung des Vaterlandes
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Wohnung, womöglich mit Garten, oder eine Miethentschädigung anzusprechen, welch' letztere je nach der Größe der Gemeinten zwischen 50 und 150 fl. schwankt.
Berlin. Zwischen der „Germania- und der „Schlesischen Volkszeitung" hatte sich bekanntlich die neuliche Aeußerung des Papstes in Bezug auf das deutsche Reich eine von beiden Seiten energisch geführte Fehde erhoben. Die „Schles. Volksztg." deutete den betreffenden Ausspruch ehrlich auf das deutsche Reich und betrübte sich deshalb über das bedenkliche Wort des heiligen Vaters, welches ave deutschen Katholiken nur mit Bedauern erfüllen könne. Wohl tröstete sich die „Germ." mit der Hoffnung, das schlesische Schwesterblatt werbe bald wieder in fein richtige- Fahrwasser einlenken, aber schon waren der sonst entschieden katholischen und ultramontanen „Schles. Volksztg." im weiteren Verla f bcs Streites die ernsten Worte entschlüpft: „Bietet unsere Position gar keine Schwächen? Wie viele Katholiken giebt es, die keine Katholiken mehr find? Wie viele, die es bis jetzt sind, weil sie ohne schweren Nachthell es fein dursten, die aber anders reden Eden in anderer Zeit? Auch wolle man sich erinnern, daß die Art und Weise, wie das Dogma dcr päpstlichen Lehramtsunfehlbarkeit zu Stande gekommen, auch bei Vielen, Die sich gläubig und ordnungsmäßig dem Ausspruche der Kirche unterworfen haben, einen Stachel zurückgelassen hat, und aus der Geschichte sollte man wissen, daß ein Stachel in deutschem Gemüthe sich anders äußert, als in anderen Gemüthern." Mag nun auch immerhin, wie die „Germania" hofft, die Unterwerfung des bischöflichen Blattes erfolgen, — jenes augenblickliche Aufbäumen einer ernsten katholischen Uebcrzeugung erscheint um so bedeutsamer, und wir stimmen vollständig den Schlußbetrachtungen des diese Angelegenheit behandelnden Leitartikels der heutigen „Prov.-Corr." bei, welche also lauten: „Keine nach- trägliche Unterwerfung kann das Geständniß eines in Den katholischen Zusiänden unzweifelhaft heimischen Schriftstellers ungeschehen machen, Daß Das Zustandekommen der päpstlichen Unfehlbarkeit einen Stachel selbst tn den Herzen Deutscher Katholiken, auch nachdem sie sich gläubig unterworfen haben, zurückgelaffen habe, — fein WiDerruf wird die Wirkung des Zeugnisses abschwächen, daß nur täuschende Berichte nach Rom gehen und die Wiederherstellung guter Verhältnisse zwischen Rom und Deutschland verhindern. Nicht minder bedeutsam ist das Anerkenntniß, daß bisher noch so gut wie Nichts gegen Die Kirche geschehen sei, unD daß Der Staat noch nicht zum eigentlichen Angriffe übergegangen sei. Jrrthümlich freilich wird als Grund dafür angegeben, daß der Staat mit seinem KriegSplane noch nicht fertig sei. Der wirkliche Grund ist vielmehr, daß die Regierung unen Kampf gegen Die Kirche nicht gewollt und nicht gesucht und deshalb auch einen Kriegs- plan von vornherein nicht entworfen hat. Die Regierung hat sich, wie aus allen ihren Aeußerungen und Schritten hervorgeht, in Den ersten Stadien des Kampfes lediglich auf die Abwehr kirchlicher Uebergriffe beschränkt, ohne zum eigentlicven Angriffe gegen die Stellung Der Kirche vorzugehen. Erst die neuesten Kundgebungen einer offenbaren Feindschaft der päpstlichen Curie gegen das deutsche Reich haben die unbedingte Nolhwendigkeit nahe gelegt, bei den weiteren Schritten der Staatsgewalt Den tieferen Zusammenhang Der kirchlichen Angriffe in'S Auge zu fassen und hiernach Die Mittel Des Kampfes zu bemessen. Mit Recht erinnert das katholische Blatt seine Glaubensgenossen daran, daß seitens Der Regierung noch bei Weitem nicht bitterer Ernst gemacht sei. Was geschehen kann und muß, wenn es „bitterer Ernst" wirD, darüber wird die Staatsregierung im Großen und Ganzen schon jetzt nicht mehr im Ungewissen sein, und Die nächsten Sessionen des Landtags und Reichstags werden darüber voraussichtlich schon einige Klarheit bringen. Die Regierung unseres Kaisers und Königs wünscht gewiß, treu Den preußischen Ueberliefcrungen und in vollster Aufrichtigkeit, noch heute, daß eS zum „bitteren Ernst" nicht kommen möge; aber immer geringer wird leider die Hoffnung, daß die Stimmen, welche zur Mäßigung mahnen, selbst die Stimmen ernster und erprobter deutscher Katholiken, bis nach Rom dringen oder Dort Gehör finDen."
1) Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, das Reglement über die Erhebung des städtischen Octroi's zu Gießen, insbesondere die Rück- Vergütung des Octroi's von ausgeführtem Bier und von wieder auSgeführtem Hafer betreffend.
2) Oeffentliche Anerkennung einer edlen That. Am 27. März d. I hat der Hülfsbahnwärter bei der Hessischen LudwigSeisenbahn-Gesellschaft P ter Strack auö Ramsen, im Königreich Bayern, an dem Planübergang Nr. 6 bei Gonsen heim einem Kinde des Johannes Gebhard zu Gonsenheim, welches ungeachtet des abgeschloffenen UebergangS, unmittelbar vor dem Herannahen eines Zuges, über die Schienen ging, hängen blieb und umfiel, dadurch das Leben gerettet, daß er über die Schienen eilte, das Kind ergriff und von Dem Geleise in Dem Moment entfernte, als gerade Der Zug anfuhr. Seine Königliche Hoheit Der Großhcrzog haben dem Peter Strack aus Ramsen für diese menschenfreundliche, mit eigener Lebensgefahr ausgesührte That das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für Rettung von Menschenleben" Allergnädigst zu verleihen geruht. In Gemäßheit Allerhöchster Entschließung wird dieses hiermit zur öffentlichen Kenntniß geb.acht.
3) Uebersicht Der für das Jahr 1872 genehmigten Umlagen zur Bestreitung Der Communalbedürfnisse Der israelitischen ReligionSgemeinDen des Kreises Büdingen.
4) Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigft geruht: am 30. Juni den Schullehrer an Der evangelischen Schule zu Maibach, im Kreise Friedberg, Friedrich Frey, zum Lehrer an der Realschule zu Alsfeld, unter Vorbehalt seiner Eigenschaft als Volksschullehrer zu ernennen, und an demselben Tage Dem SchulamtSaspiranten Heinrich LinDnrr aus Sandlofs, im Kreise Lauterbach, Die evangelische Schulstelle zu Gunzenau, im Kreise Lauterbach, zu übertragen; am 2. Juli den Ortseinnehmer Karl Friedrich Dieffendach zu Osthofen zum Steueraufseher zu ernennen.
5) Characterertheilung.
6) Concurrenzeröffnungen. Erledigt ist: die zweite evang. Schulstelle zu Rimbach, im Kreise Lindenfels, mit einem jährlichen Gehalte von 316 fl.; dem Herrn Grafen zu Erbach-Schönberg steht das Präsentationsrecht bezüglich dieser stelle zu; dis evang. Schulstelle in Zeilhard, im Kreise Dieburg, mit welcher ein Gehalt von 300 fl. 26 fr. (ausschließlich des May'fchen Legats) verbunden ist.
7) Sterbefälle. Gestorben sind: am 15. Mai der pensionirte Forstmeister Urich zu Büdingen; am 18. Mai Der Schullehrer Philipp Erdmann zu Lützel- Wiebelsbach; am 28. Mai Der pensionirte Schullehrer Heinrich FrieDrich Roth zu Biebesheim; am 2. Juni Der Schullehrer Plößer zu Pfifftigheim; am 3. Juni Der Schullehrer Leonhard Schwarz zu Günterfürst; am 6. Juni Der evangelishe Pfarrer Wrllenbücher zu Pfeddersheim; am 7. Juni Der pensionirte Schloßoer- walter Wildmeister Albert zu Kranichstein; an demselben Tage Der Schullehrer Johann Karl Steinhäuser zu MichelstaDt; am 14. Juni Der evangelische Pfarrer Heinrich Reutzel zu Nieder-FlörSheim; an demselben Tage der pensionirte Di» strictSeinnehmer Rendant Theodor Scharmann zu Bensheim; am 17. Juni Der pensionirte Schullehrer AnDreas Kleinhans zu Pfeddersheim; am 28. Juni Der LandgerichtSdikner Johann Heinrich Eifenhuth zu Groß-Gerau; an Demselben Tage Der Oberrechnungsrevisor Heinrich Berz zu DarmstaDt.
Darmstadt, 19. Juli. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 33 enthält:
1) Bekanntmachung, Die Vergrößerung Des Familien-Fideicommiffes des Herrn Fürsten zu Solms-Hohensolms-Ltch betreffend.
2) Oeffentliche Anerkennung einer edlen That. Am 14. Mai D. I. stürzte Der zweijährige Sohn des Nikolaus Blechschmitt zu Fehlheim in den in Der Hof- raithe de« Lorenz Humbert II. Daselbst befindlichen bei einem Wasserftande von 5 Fuß etwa 20 Fuß tiefen Ziehbrunnen. Auf das Geschrei eines andern in Der Nähe befinDlichen Kindes eilte Der PolizeiDiener Mathias Schneikect zu Fehlheim herbei, ließ sich an Der Kette des Brunnen-EimerS bis zum Wasserspiegel hinab, packte das im Wasser liegende Kind, während er sich mit beiden Füßen gegen die Brunnenwände stemmte, erfaßte Dasselbe Dann an seinen Kleidern mit Den Zähnen, und ließ sich mit Dem Kinoe von inzwischen herbeigeeilten Frauen hinaufwinden, indem er sich nur mit den beiden beim Herunterlaffen in Den Brunnen schon verletzten Händen an Der Kette festhielt, ohne für seine Füße einen Stützpunkt zu haben. Seine Königliche Hoheit der Großberzog haben Dem Polizeidiener Mathias Schneikert für Diefe glückliche, von ihm mit Muth und eigener Lebensgefahr ausgesührte That, neben einer Geldprämie, Das allgemeine Ehrenzeichen mit Der Inschrift : „Für Rettung von Menschenleben" Allergnädigst zu verleihen geruht.
3) Bekanntmachung, die gerichtlichen Anzeigen in Der Provinz Rheinhessen betreffend. Nachdem das Großherzogliche Bezirksgericht Mainz in seiner General- Versammlung vom 6. Juli 1. I. in Gemäßheit der Allerhöchsten Verordnung vom 12. Januar 1852, an der Stelle des Mainzer Journals das „Mainzer Tagblatt" als dasjenige in Der Provinz Rheinhessen erscheinende Zeitvngsblatt bezeichnet hat, Durch welches Die in Dem Bezirke Des genannten Gerichts nothwendig werdenden, im Artikel 1 Der gedachten Verordnung aufgeführten gerichtlichen Anzeigen für den Rest des Jahres 1872 zu verkünden sind und dieser Beschluß die nach Art. 2 Der erwähnten Verordnung erforderliche Genehmigung des Großherzoglichen Ministeriums der Justiz erlangt hat, so wird dieses andurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
deutschen UltramontaniSmuS entschieden abzulehnen. Es muß tn Der That Aufsehen erregen, mit welcher Kühnheit die „Schief. Volksztg.", welcher man nahe Beziehungen zum Fürstbischof von Breslau zuschreibt, Den Paroxismus De« Hoch- muths tm ultramontanen Lager geißelt, wie ste die wüthenden Schreier in SHom mit Denen in Oesterreich und Frankreich vergleicht, und wie ihr Die Lage der Dinge ähnlich zu fein scheint jener in Den genannten Staaten kurz vor Ausbruch des Krieges, der sie so schmählich zu Falle gebracht hat. Osficiöse Correspondenzen
Darmstadt, 19. Juli. Der Den Ständen vorgelegte Gesetzentwurf Die Gehalte Der Volksschullehrer normirt nachstehende Minimalgchaltssätze:
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