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und der Grundsatz, daß Thiers die Republik befestigen will, die Majorität sich dagegen die Rückkehr zur Monarchie Vorbehalt, kann auch durch die versöhnlichste Stimmung nicht aus der Welt geschafft werden. Jeder Maßregel, welche die prtncipielle Anerkennung der Republik zur Voraussetzung hat, wirb die Rechte natürlich widerstreben. Dagegen läßt sich doch andererseits nicht verkennen, daß sie, nachdem es ihr gelungen ist, Thiers von der Linke» zu trennen, genau dasselbe Interesse, wie Thiers hat, einen lebensfähigen Status quo, einen modus vivendi zwischen Nationalversammlung und Regierung herzustellen. Einer partiellen Er­neuerung der Versammlung wird sie allerdings den äußersten Widerstand entgegen­setzen, denn eine solche würde ja grade aus eine völlige Veränderung des that- sächlichen Status quo htnauSlaufen. Gegen Errichtung einer zweiten Kammer wird sie aber vielleicht weniger e nzuvenden haben. Nicht leicht wird es dagegen sein, über die Ministerverantwortlichkeit Einoerständmß zu erzielen. Wie die Dinge aber gegenwärtig liegen, ist es nicht wahrscheinlich, daß Thiers um dieser Frage willen cs zu einem Bruch mit der Majorität kommen lassen wird.

Im Allgemeinen haben sich also für Frankreich die Aussichten auf eine ruhige Entwickelung für die nächste Zukunft durch die Sonnabendssitzung befestigt. Die Bürgschaft für eine lange Dauer kann natürlich Niemand übernehmt». Denn man darf nicht vergessen, daß es sich bei Allem, was gegenwärtig in Frankrtich geschieht, nicht um eine definitive Losung, sondern um eine Vertagung der ent­scheidenden Krisis handelt. Und ob Gambetta eine lauge Vertagung dulden wird, vermag noch Niemand zu ermessen.

Deutschland.

Darmstadt, 19. Decbr. Die Wahlen sind jetzt bis auf fünf voll- zogen, die deutsche Fortschrittspartei wird tn dem 21. Landtag die absolute Majorität besitzen; es gehören ihr bis jetzt sechs und zwanzig Sitze in der Kam­mer. Wenn also auch die noch rückstehenden fünf Wahlen wie nicht wahr- scheinltch ihr ungünstig ausfielen und die Nachwahlen, deren es ebenfalls fünf sind, theilwetse rückschrittlich ausfallen würden, so vermöchte sich bas Ge- sawmtcrgebniß doch nicht zu ändern, voraussichtlich wird aber die Majorität der Fortschrittspartei sich in Folge Zutritts verschiedener noch unentschiedener oder unbestimmbarer Abgeordneten auf 30 Stimmen erhebe», es ist ihr sonach der entscheidende Einfluß auf die Gesetzgebung des Landes tn den nächsten drei Jah­ren und die bevorstehenden wichtige» Reformen gesichert. Sie hielt gestern Abend ihre erste Fractionssitzung ab, welche »och nicht stark besucht war, da sehr diele Abgeordnete erst in der Nacht oder heute eintreffen werben.

Darmstadt, 19. Decbr. Im Nachstehenden theilen wir das Programm über die Eröffnung des 21. Landtags mit. Samstag den 21. d. Mts., vormittags 11 Uhr, wird der 21. Landtag von Seiner König!. Hoheit dem Großherzog tn dem Großherzsglichen Residenzschloffc eröffnet. Die beiden Kam­mern, sowie die Ministerien versammeln sich um 3/4 auf 11 Uhr, die erste Kam­mer in den Affemblöe-Zimmern, die zweite Kammer in dem weißen Saale, die Ministerien in den russischen Zimmer». Die zweite Kammer wird durch den als Eeremonienmetster suncttouirenven Kammerherrn von Werner in den Thronsaol eingeführt. Nachdem dieselbe ihre Plätze eingenommen hat, »erden die erste Kammer durch den Ober - Eeremonienmetster, und den functiontrendeu Ecremo- ntenmrister abgeholt und in den Thronsaal eingeführt. Die erste Kammer erhält ihre Plätze zur rechten, die zweite Kammer zur linken Seite des Thrones. Die Ministerien nehmen die Plätze zur linken Seile des Thrones ein, tn dem Raume zwischen demselben und den Sitzen der Abgeordneten. Sobald die Ministerien tn den Thronsaal ctngeführt sind, benachrichtigt der sunctionirende Eeremonienmetster hiervon den Oberst-Ceremontenmetster, welcher es Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog meldet.

Seine König!. Hoheit der Großherzog erscheinen in Begleitung der Prinzen , des Hauses, unter Vortritt Allerhöchst Ihres Dienstes tn folgender Ordnung: 1) Der Hoffourier. 2) Der functionirende Eeremonienmeister Kammerherr v. Wer­nen 3) Zwei Kammerjuukcr: Kammerjunkcr Freiherr v. Gagern. Kammer- junker Freiherr Schenk zu Schweinsberg. 4) Zwei Kammerherren: Kammer- Herr und Hofgcrichtsrath Freiherr v. Lepel. Kammerherr und Hofgerichtsrath Freiherr v. Ricou. 5) Der Oberst-Eeremonienmetster v. Werner. Seine Königl. Hoheit der Großherzog. Die Prinzen des Hauses. 6J Die nicht functioniren- den Obersthofchargen und Hofchargen. 7) Die Generalabjutanten und Flügel adjutante». 8) Der Dienst der Prinzen drS Hauses: a) Seiner Großherzog ltchen Hoheit dcs Prinzen (Sari: Kammerhcrr Freiherr v. Pieuschen. Aejutant Major v. Zangen, b) Seiner Großherzoglichen Hoheit des Prinzen Alexander: Kammerherr und Major Freiherr v. Ricou. Adjutant Major Freiherr v. Rots- wann, c) Seiner Großherzoglichen Hoheit des Prtnjcn Ludwig: Hofmarschall und Adjutant Major Westerweller v. Anthoni, Kammerherr und Major Frciherl v. Rvtsmavn. d) Seiner Großherzoglichen Hoheit des Prinzen Wilhelm: Kam­merherr Rudolph v. Helmolt.

Die Prinzen des Hauses erhalten Stühle zur rechten Sette des Thrones. Der Seiner Großherzoglichen Hoheit dem Großherzog vertretende Dicnst begiebt sich auf die linke Sette des Thrones. Die Generaladjutanten und Flügelavju- tanten, die nicht functionirenden Obersthoschargcn und Hofchargen und der Dienst der Prinzen des Hauses begeben sich auf die rechte Seite des Thrones, hinter die Stühle der Prinzen.

Nach gehaltener Thronrede verliest der Minister des Großherzoglichen Hau­se- und des Aeußcrn und Präsident des Grsammt-Ministeriums, auf Befehl Sei­ner Königlichen Hoheit dcs Großherzogs, die Eidesformel und fordert die neu- ringetrctencn Mitglieder der ersten Kammer, sodann sämmtliche Mitglieder der zweiten Kammer auf, den Eid zu leisten. Jedes Mitglied tritt auf den Aufruf, vor den Thron, leistet da« Handgelöbniß, spricht mit aufgehobener Rechten:ich schwör'" und begiebt sich an seinen Platz zurück. Nach der Eidesleistung erklärt der Minister des Großh. Hauses und de« Aeuhern und Präsicent des Gesamwt- Ministeriums, auf Befehl Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, dcn Land­tag für eröffnet.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog verlassen in der nämlichen Be­gleitung und Ordnung, in welcher Allerhöchstdikselben eingetreten waren, den Thronsaal.

Man erscheint in Gala.

Die Wagen fahren an der Treppe bei der Schloßwache an.

Darmstadt, 20. December. Die zweite Kammer schlug zu Präsidenten vor: Hoffmann, Metz, George, Kuhl, Sc.iba und Becker.

Berlin, 18. Decbr. In derHansa", welche der Rcichstags-Abgeordnete M. v. Freeden in Gemeinschaft «it dem Präsidenten des Deutschen nautischen " Vereins H. Teckienborg herausgiebt, wird constatirt, daß, wenn am Vorabend der verhänqnißvollen Sturmfluth vom 13. November aus Riga, Windau und Mewel noch Sturwttlegramme »ach Weste» versandt worden wären, die hart- betroffenen Punkte der deutschen Ostfeeküste 6 bis 18 Stunden Zeit gehabt haben würde», sich auf den Sturm und dir Hochfluth einzurichten. Nicht wenige Der- luste an Menschenleben, Vieh u. dergl. hätten dadurch abgewehrt, die lieber- schwewmung des neuen Docks bei Kiel z. B. bedeutend eingeschränkt werden kön­nen. Es scheint daher, um die Wiederholung derartigen vermeidbaren Uaglücks zu verhüten, durchaus nothwendig, daß die Wetterbeobachtungs - Stationen an- gewiesen werden, in Fällen besorgnißerregenden Wetter- und WasserstanbeS mehr als nur einmal om Tage zu telegraphiren, und zwar entweder so ost, als sie es rathsaw erachten, oder mindestens einige Male täglich, zu bestimmten Stunden. Die dadurch entstehende Mehrausgabe verschwindet gegen den ungeheuren Um­fang de« Schadens, der sich dadurch gegebenen Falls abwenden läßt.

Berlin, 18. Decbr- DieGermania" hat, wie zu erwarten war, di« Entscheidung des Disctplinarhofes in der Disciplinar-Untersuchungssache gegen den katholischen Fettpropst NamSzanowski incorrect angegeben. NamSzanowski hatte bekanntlich behauptet, Voß er nicht preußischer Militärbeamter sei und daher auch nicht unter den für Militärbeawte geltenden DiSciplinar-vorschristkn, fUge- recht auch nicht unter dem DiSciplinarhofe stehe. Daß und weßhalb cs dem Feldprobst NamSzanowski ganz befondels darauf ankam, diese feine Behauptung ourchz--sttztn, liegt auf der Hand. Der DlSciplinarhof hat jedoch den Einwand gegen seine Compctenz ausdrücklich verworfen und aus Grund des Gesetzes ausge» sprachen, daß NamSzanowki als katholischer Fcldprobst preußischer Mililärbeamter und als solcher den Disciplinar - Vorschriften für Militärbeamte unterworfen sei. Derselbe ist deßhalb auch wegen Entfernung au« seiner Garnison ohne Urlaub bestraft worden.

Die von derGermania" behauptete Inkompetenz - Erklärung bezieht sich auf zwei Anklagepunkte, htnsichtS welcher cs zweifelhaft ist, ob das ihm zur Last gelegte Berhaltr» in feiner Stellung als katholischer Bischof entschuldigt wird, sich aber zur Zeit nicht vollständig überseh?» ließ.

Der schon telegraphisch mitg theilte Beschluß des Brandenburger Eonsisto- riums gegen Spdow ans Amteentsetzung soll, wie man glaubt, erst vollzogen werden nach Rückäußerung des evangelischen Oberkirchenraths, welche« der Be­schluß der unteren coußstorialen Behörde zuvor mitgetheilt werden muß. Uebri- gens wird allgemein angenommen, daß, auch wenn wirklich das Urtheil des Eonsistoriums publicirt werden sollte, es vom evangelischen Oberkirchenrath refor- »irt werden würde. Dank der langjährigen segensreichen Wirksamkeit des Herr» v. Mühler besteht der evangelische Oberkirchenrath noch aus Freigeister» im ver­gleich zu der Zusammensetzung der meisten Kirchcnconststorien.

Berlin, 19. Decbr. Abgeordnetenhaus. Der Handelsminifter bringt die große Etsenbohnvorlage ein, welche bezweckt: 1) die Herstellung einer directca Bcrbindung zwischen Eydtkuhnen und Metz, von der Linie sind fertig die Strecken Eyctkuhnln-Berlin und Diedenhosen-Metz. AuSzubauen sind die Strecken: Berlin- Wetzlar über Stolberg, E>chwege, Lahnstein, Trier, Diedenhofen, da die Strecke Wetzlar Lahnstein bereit-fertig ist; 2) die Herstellung einer Eisenbahn-Berbindung zwilchen Hanau und Friedberg; 3) einer solchen zwischen Godelheim und Ott- bergkn; 4) einer solchen zwischen Welver und Dortmund; 5) einer solchen zwi­schen Haarburg und Hannover; 6) einer solchen zwischen Saarbrücken-Neunkirchen; 7) die Beendigung der Berliner Verbindungsbahn. Die Koste» hierfür belaufen sich auf 101,920,000 Thlr. Ferner werde» verlangt 3 Millionen für zweite und Dritte Geleise, für Vermehrung von BetrtebSmatertal 9 Millionen.

Wetzlar, 20. Decbr. Heute Nacht entwich der Eisenbahn-Cassicr-Gehülse Glück mit voller Kasse.

Karlsruhe, 19. Decbr. Die neuesten Bulletins über das Befinden der Großherzogin lauten nicht günstig. In dem heute Dormittag ausgegedeuen heißt ' es:Gestern Abend und in der Nacht sehr lebhaftes Fieber, nelcheö heute früh noch anhält. Ausschlag sehr stark entwickelt. Eompl cationen nicht vorhanden." Auch Nackmiltags dauerte dashohe Fieber" fort.

Karlsruhe, 20. December. Einem heute Morgen ausgegcbenen Bülletin über da- Befi.iden der Großherzogin zufolge trat nach gestern gesteigertem Fieber Nachts ein wohlthätiger Schweiß ein, worauf das Fieber sich minderte und die Kopf- und Brustbeschwerden schwächer wurden.

Stuttgart, 20. December. Die Abgeordnetenkammer hat sich heute bis zum 3. Januar n. I. vertagt.

Aus Bayern, 17. Decbr. DemFr. Kur." schreibt man: Die für das deutsche Heer im vorigen Monat erlassene Discipliaarstlafordnung und Kriegs­artikel treten durch königliche Verordnung von Neujahr an auch i« deutschen Heere in Wirksamkeit. Sin heute erschienenes Kricgkministcrial - Rcscript be* stimmt, daß die Dienstleistung der Civilbeamtcn der Militär verwaltung als eine Ableistung der Wehrpflicht im Sinne des Kriegsdienstgesetze« nicht zu erachte» ist. Aus München wird demN. W. T." gemcld t: Dem vernehmen nach soll Prinz Friedrich Karl zum Oberst-Inhaber eines bayerischen Regimentes er­nannt werden. Man spricht von einer besonderen Mission des Generals v. d. Tann nach Berlin. DieN. N." schreiben: Nachdem sich eine Deputation unserer beiden Gemeindecollegirn vorgestern zu Herrn Prof. Dr. Pettcnkofer begeben hatte, um denselben von der Verlrihung des Ehrenbürgerrecht- in Kcnntniß zu setzen, begab sich dieselbe, um die Erhaltung des hochverdienten Gelehrten für München zu erwirken, gestern Morgen zum Staat-Minister des Innern, Herrn v. Pfeufcr. Zu gleichem Zwicke wird die Deputation heute dem Herrn Cultusminister v. Lutz eie Aufwartung machen. Es besteht die Hoffnung, daß die Bemühungen der Vertreter unserer Stadt nicht ohne den gewünschten Erfolg bleiben werden. Der vormalige Inhaber einer Dachauer Bank, Graf v. Holnstein aus Bayer», ist heute wegen Betrugs verhaftet worden.

Frankreich.

Paris, 20. December. Nachrichten aus den besetzten Departements melden, daß die Baracken der Besatzungstruppen durch den fortdauernden Regen frhr gelitten haben und theitveise unbewohnbar geworden sind. Es würde deßhalb ein Theck der deutschen Truppen wieder bei den Einwohner» cinquartiert Verden. Auch hier fortdauernd heftiger Regen.

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