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Frankreich.

Euch wie Schuppen von den Augen fallen und dann werbet Ihr dem ^Straß­burger Boten" Recht geben, wenn er oben sagte, der 1. October 1872 sei be* timwt, ein Tag besonderer Nützlichkeit für uns Alle zu werben!

Oesterreich.

Wien, 15. September. Während der deutsche Reichskanzler beim Empfange res Berliner Ehrenbürgerbiploms erklärt hat, baß bei ver Kaiser-Zusammenkunft ein politischer Act weder beabsichtigt worden noch zu Stande gekommen sei, weiß eine CorresponDenz desVaterland" offenbar die alte französische Quelle aus Bismarck's Worten doch ein indirektes Zugeständniß herauszuvestilliren, daß ein Vertrag geschloffen oder wenigstens preußischerseits im Entwürfe vorgelegt worden sei und zwar jenes absonderliche Dokument, welches unlängst vom Vaterland" aufgetischt wurde. Nun, der Glaube macht selig, und den wollen wir dem ultramontanen Blatte nicht rauben. Andererseits schreibt man der Deutschen Zeitung" aus Berlin, baß die drei Minister beS Aeußern von Deutsch- land, Oesterreich und Rußland über einm technischen Punct zur Übereinstimmung gelangt seien, nämlich auf die Vervollkommnung des internationalen SeerechteS in dem Sinne einzuwirken, daß fortan im Kriegsfälle auch feindliches Gut auf offener See gesichert sei. Das würde man nicht grabe als eine Sensationsnachricht aufzufaff n brauchen.

Prag, 14. September. Wie derD. Z." gemeldet wird, wurde bei De* Divisions-Manöver bei Libesnttz wegen der Widerspänigkeit einiger Lanbwehrleute über das Prager Landwehrbataillon das Standrecht verhängt.

Schweiz.

München, 15. Sept. Die Stellung, welche derVolksbote" und die Partei, welche er vertritt, dem Reich gegenüber einnebmm wird aus dem nach- stehenden Artikel des genannten Blattes klar. DerVoltsbote" schreibt in seiner

Bischof von Osnabrück ist wegen Kränklichkeit am Erscheinen verh ndert.

Kulda, 18. Sept. Sämmtliche Bischöse haben beute früh im Dome unter großem Volksandrange Die Messe celebrirt. Heute finden zwei Sitzungen im Seminariumssaale statt. _ .

Fulda, 19. September. Morgen findet Die Schlußsitzung Der Bischofs- conferenz statt. Dor Der Abreise versammeln sich Die Prälaten zu einem gemein- samen Gebet in Der Gruft des h. BonifaetuS.

Köln, 17. September. Den hier weilenden ??. Jesuiten wurde gestern die nachsteh-nv/ Beifügung gegen Gmpfangebefdjeinigung zugestelll: »Köln, den 16. September 1872 Sie werden hierdurch aufgesordert, mir binnen längstens drei Tagen, von heute ab gerechnet, anzuzeigen, ob Sie nach Auflösung Der hiesigen NieDerlassung Ihres Orden- am 1. Oktober D. I im Gebiete Des Deutschen Reiches zu bleiben geDenken unD, in Diesem Falle, an welchem Orte Sie alsvann Ihren Aufenthalt nehmen wollen. Der Königl. Polizei-Präsident, gez. DevenS." Es verDient hervorgeboben zu werden, bemerkt hierzu dieK. V. , Daß nicht allein alle Patres und Laienbrüder Diese Aufforderung erhielten, sondern auch ein achtzehnjähriger, dem Orden gar nicht angehöriger Hausknecht des

neuesten Nummer:

2ßenn wir unsere Steuern zahlen, keine Barrikaden bauen, jede Revolution verdammen und der bestehenden Obrigkeit, so weit Dies mit Den Geboten Gottes vereinbar ist, uns gehorsam erzeigen, so geben wir sicherlich Dem Kaiser, waS DeS Kaisers ist. Mehr von unS zu verlangen, ist angesichts Der so herrlichen Ent- Wickelung Des Preußenreiches ncht bloS ungerecht, sondern geradezu unverschämt. Wie soll der CleruS, sagt DieCivilta Eattolica" in ihrem letzten Hefte, eine Regierung lieben, welche Die religiösen Orden unterdrückt, ihre Häuser und Ueg n- Den Güler in Besitz nimmt, die Geistlichen zur Militärpflicht verurtheilt, Dienet- letzung Der Feiertage erlaubt und begünstigt, Den Zeitungen jeDe schädliche Laste- rung nachsieht, Dem Papste seine Krone vom Haupte reißt und ihn ihren Gesetzen unterthan macht? Dem CleruS bleibt nur übrig zu Dulden und diese Regierung ohne Murren zu ertragen, wie man eben Pestilenz, Erdbeben, Ueberschwemmungen, Sturm und dergleichen Unglück erträgt, das als Strafe Der Sünden, oder um uns in der Tugend zu üben, hereinbricht. Es frommt, so viel als möglich sich seitwärts zu halten und Des Schlammes völlige Fäulniß abzuwarten, bis Der Herr sich Italiens erbarmt. So Die römische Zeitschrift über Die Haltung des CleruS gegenüber Der Regierung Des König-EhrenmanneS. Ganz ähnlich denken wir be­züglich der Haltung der Katholiken gegenüber Dem Reiche. Das Sündenregister diese- Reiches ist so groß oder vielleicht noch größer als das seines italienischen Verbündeten, und wenn auch in Bezug auf Den rechtmäßigen Bestand ein groß Unterschied zwischen beiden Reichen obwaltet, so kann Doch Das eine so wenig a da- andere Die Liebe seiner katholischen Untertanen beanspruchen. UnD wenn wir unS nach Dem EnDe solcher erbärmlichen Zustände sehnen, ja, wenn wir unsere innerste Ueberie.Uftjji^ reinüng! unfehlbar zu Grunde gehen wird, wer in Der Welt vermöchte hierin etwa- UnkatholischeS, Pflichtwidriges, Frivoles

LU.. Wür.dura Eichstädt, der apostolisch« Bicar von Dreddea, Gcmralpirar schlechtes, nichtsnutzig«« Individuum! Di-.s-Leute, liebe Elsässer, müht Ihr Such Sove in Si-lloertretung de« Bischof« von Ermeland, Domkapitular Siegler in dann genau werken: ihre Phyflognowien, ihr« Namen, und Ihr w«>det t« Stell,»tt.iung d.« Bischof« von Passau und Arme.bischof Name,an°«-ki. Der thun! müh, Ihr Euch tief unk für alle Z-a. in °,e Seel, prägen! Da wird e, öuuvtrnciui o * i __«k «he.» ff»* mit nnn den Auaen tollen unD Dann werDet Ihr Dem .Straü-

Der Telegraph hat bereits kurz gemeldet, Daß am 14. September Der Ausspruch des internationalen Schiedsgerichts, nach welchem England zur Zahlung von 151/2 Millionen Dollars verurthe>lt wurde, zur Verlesung kam. Da sich Der Vertreter Englands auf einige Reserven in Detailfragen beschränkte, ohne das Erkenntniß selbst anzugreifen, so ist Die Streitfrage, welche Monate hindurch zwei Welttheile in Bewegung erhielt, und einen verheerenden Krieg zwischen zwei nah verwandten Nationen zu entzünden drohte, endgültig aus dem Wege geräumt. Höher jedoch» als dieses hochersreuliche Resultat steht etwas Anderes: Da- Genfer Schiedsgericht wird eine Leuchte bleiben für alle Zukunft, und den rechten Weg zeigen, wie Streitigkeiten und Entzweiungen unter Den Staaten geschlichtet werden können, ohne zu der ultima ralio, zur Gewalt zu greifen. Das Ideal Der Friedensfreunde: die Ausrottung Des Krieges, wirD noch lange ein frommer Wunsch bleiben. Diese Geißel Der Menschheit aber auf Die Fälle zu beschränken, in welchen auch Der Einzelne schließlich von Dem Recht Der Nothwehr Gebrauch macht, Dazu werDen Vorgänge, wie Die Beilegung Der Alabamasrage, wesentlich Mitwirken und wir Dürfen Deshalb Die Schlußworte Des Präsidenten des Schied-, gerichts für alle Zukunft als ein gute- Omen bezeichnen:Wir wünschen von ganzem Herzen, Daß Gott alle Regierungen mit Dem steten Gedanken erfülle, Dal aufrechtzuerhaltcn, was alle civilistrten Völker ersehnen und was sowohl für Dir moralischen al- für Die materiellen Interessen Der Gesellschaft Das höchste der wmrp . |___-

zu entdecken?

München, 18. September. Herr v. Gaffer berichtete gestern Dem Könige, welche Personen er für Das Ministerium in Aussicht genommen habe unD mit welchen er, im Falle Die Genehmigung Des König- hierzu erfolgt, Definitive Ver- hanDlungen wegen Der Uebernahme von Portefeuille- einleiten könnte. Der König hat auf Diesen Bericht heute noch keine Antwort ertheilt.

München, 19. September. Die von Herrn v. Gasser Dem König unter­breitete Mio.sterilste schlägt vor: Gasser für Das Aeußere, LerchcnfelD für Das Innere, Lobkowitz für Die Finanzen, Auer für Den CultuS. Für Die Portefeuilles Des Krieges unD Der Justiz hat Herr v. Gaffer mehrere Personen in Aussicht genommen. Eine Entschließung De- König- ist noch nicht erfolgt.

Straßburg, 15. September. H.lfe, was helfen mag! Nachdem Die katholische Geistlichkeit mit ihrer Protestatton gegen Die Einführung Der gewischten Schule bei Dem hiesigen Mun.cipalrathe abgefahren ist, muß jetzt DasVolk" herhalten, um gegen DieVergewaltigung" sein Veto einzulegen. Heute wurde nämlich in sämrntlichen katholischen Kirchen verkündigt, Daß in Der Sakristei eine Protestation gegen Die Einführung Der gemischten Schule aufliege, zu Deren Beitritt mittele Namen-unterfchnft jeder Katholik im Gewissen verbunden fei. Die Protestation lautet folgender Maßen:

Da der Municipalrath Der Stadt beschlossen hat, daß Die Schulen gemilcht und confesstonslo-, d. h. religionslos fein sollen, so begehren Die unterzeichneten Familien Dorsteher hiesiger Start: 1) daß Die Schulen weDer gemischt noch konfessionslos fein und Die unabänDerlichen Rechte Der Kirche nicht verletzt werden sollen; 2) Daß Die Eltern frei seien, ihre KinDer in Die ihnen beliebigen Schulen zu schicken, seien Dieselben von weltlichen oder religiösen Lehrern geleitet; daß Die besehenden Gesetze über Schulbrüver und Schwestern in voller Kraft bei­behalten werden.

Man kann nicht behaupten, Daß die Gläubigen in besonderer Sorge ob Der von dem Municipalrathe heraufbeschworenen Gefahr für unsere Schulen sind; denn in Derjenigen Kirche, in welcher ich anwesend war, traten nur 8 Greise und 4 alte Frauen in Die Sakristei ein.

Straßburg, 16. Sept. Zur Optionsfrage, Die nach Den letzten Kund, gebungen der französischen Regierung die Gemüther noch angelegentlicher als bis­her beschäftigen dürfte, dringt das in Straßburg erscheinende WochenblattStraß, burger Bote" einen trefflichen Artikel, Der in volksthümlichem Tone Die Leute auf Die Comödie aufmerksam macht, welche sie selbst mit Dem Optiren treiben oder zu Der sie unablässig von Anderen angetrieben werden. Der Artikel schließt mit fol­genden Sätzen: Eine Ueberraschung aber wird nach Dem 1. Oktober uns Allen werden: Alle werden wir Die Namen von L Uten hören unD Leute um uns sehen, Die kein Mittel unversucht ließen, um Andere au- Dem Lande zu treiben.Ei, bist Du auch noch da? Ihr auch noch?--Sie auch noch?!" so wird man

rufen aller Ecken und Enden und derIhr", DerSie", DerDu", das Werden justament die Lute fein, Die hoch und heilig erklärt haben, es fei bei Den Preußen nicht au-zuhalten und der Elsäffer, Der nicht Franzose werde, sei ein

Paris, 16. Sept. Herr Edrnond About, Der berühmte (?) Schriftsteller und Chefredakteur einesDas 19. Jahrhundert" betitelten Journale-, welcher fett einigen Wochen auf seiner Besitzung in Schl'ttenbach bei Zaber» restdirte, ist Dort am Sonnabend Morgen verhaftet und nach Straßburg abgeführt worden. Diese Frechheit Der Preußen, sich an einem solchen berühmten französischen Jour­nalisten zu vergreifen, ist ganz unglaublich; Die Journale unD namentlich do- Organ Des Verhafteten sind Darob aus allen Banden. Wir werDen wohl ball erfahren, au- welchem Grunde Die Verhaftung dieses Haupt-Deutschen Hetzer- statt- gefunden hat. Die Artikel de- Herrn About gegen Deutschland unD gegen Alle-, was uns Deutschen heilig ist, verdienten wirklich eine solche Ehre nicht.

Paris, 18. Sept. DasJournal officiell" melDet: Die Begnadigungs- commission hat von zehn bei ihr eingereichten Begnadigung-g suchen zum Tode Verurtheilter sieben genehmigt; Die Drei Individuen, Deren Gesuche verworfen wurden, sind Lolioc, welcher an Der Ermordung De- Erzbischof- von Pari- Theil genommen, DeSchampS, Der einen Soldaten ermordet hat, und Denivelle, welcher wegen Theilnahme an Der ErmorDung Beaufort'- verurtheilt war. Dieselbe» wurden heute Morgen auf Der Ebene von Sator- hingerichtet. Eine Verord­nung des Handel-Minister- vom 14 September untersagt Die Einfuhr unD Der Transit einer Art Rindvieh von Der grauen, sogen. Steppenrace, sowie von frische, Häuten unD anderen Abfallen dieser Thiere. Dasselbe Verbot wird ausgedehnt auf Rindvieh aller Racen, welches aus Rußland, Norddeutfchland, Oesterreich- Ungarn und den Donaufürstenthümern kommt. Die Einfuhr von aus andere» Ländern stammenden Tdiercn darf erst nach einer strengen Untersuchung unD Be­urkundung durch die Bureaux bestimmter Zollämter erfolgen.

Italien.

Wenn ein Wiener Correspondent derA. Ztg." recht unterrichtet ist, so hat mau im Vatikan geglaubt, die Gelegenheit der Drei - Kaiser - Begegnung nicht vorübergehen lassen zu dürstn, ohne einen Sturm auf Die Gewissen Der Souveräne zu versuchen. Der Angriff ist in Berlin zurückgeschlagen, trotz einflußreichster Unterstützung ist eine Denkschrift De- Cardinals Antonelli, welche in erster Reiht neue Bürgschaften für Die Durch Italien bedrohte Unabhängigkeit de- heiligen Stuhls unD Der Kirche forDert, in zweiter Linie aber Die Aufmerksamkeit auf die bedrängte Lage De- Katholikismv- im Allgemeinen lenkt, achtungsvoll beiseite gelegt, und es wirD abzuwarten fein, ob Die in Berlin vertreten gewesenen Re­gierungen sich einzeln vielleicht zugänglicher zeigen.

Der Gazzetta von Neapel schreibt man aus Rom:Auch im Vatikan hat man Die Arbeit eingestellt. Die Monsignori gehen, Die einen dahin, Die ander» dorthin, um frische Lust zu schnappen, und so finden sich am päpstlichen Hofe nicht Die Hälfte de- Personals gegenwärtig. Pius IX. hat, fei es aus Müdigkeit oder Verdruß, ganz aufgehört, sich mit Politik zu befassen, und überläßt Alle­dem Cardinal Antonelli. Es verdrießt ihn nichts mehr als die Gerüchte über feine Abreife, Die man von gewisser Seite unaufhörlich verbreitet. Er sieht Darin eine DeleiDigung, ja, eine Beeinträchtigung feines freien Willens uni