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alle möglichen Conceffionen gemacht, weil er die Ueberzeugung habe, daß ein Regierungswechsel ein Unglück für das Land sein würde. Schließlich fügt er hinzu: Ohne Ihr Vertrauen kann ich vor den Credit Europas nicht hintreten. So lange Sie sich darüber nicht aussprechen, muß ich annehmen, daß ich noch Ihr Vertrauen besitze. (Lebhafter Beifall auf der Linken.) Die Discussion wird darauf auf morgen vertagt. (Große Aufregung.)

Spanien.

Ohne Humor geht es auch in dem Carlistenkriege nicht ab. So richtet der General" Sanz folgendes Schreiben an den Gemeinderath von Pont de Armentcra:

Königliches Heer, Provinz Tarragona. Meine Herren vom Gemeinderath! Ich ersuche Sie, mir gefälligst am 8. b. M. die Summe von 400 DuroS spanischer Währung zuzustellen, deren ich zur Ergänzung des Soldes meiner Freiwilligen benötbigt bin. Poblas, 7. Juli 1872. Der zeitweilige General-Commandant der Provinz Tarragona, Sanz.

Die Antwort des Gemeinderathes lautete:

An Herrn Sanz, Führer der carlistischen Truppen. Da sich die Partei, deren Sache Sie verthetdigen, in Waffen erhoben hat, so haben wir in dieser Stadt die nöthigen Vertheibigungö-Anstalten treffen muffen, um uns von Ihnen zu befreien, so daß der Gemeinverath seine beschränkten Mittel ganz aufwenden mußte. Wir sind deshalb in der Lage, Geld empfangen statt geben zu muffen; und wenn Sie uns dasselbe liefern wollen, in schweizerischer, spanischer oder auch amerikanischer Währung, und zumal in doppeltem oder dreifachem Betrage der von Ihnen verlangten 400 DuroS, so würden Sie uns aus einer großen Ver­legenheit reißen. Gott erhalte Sie lange Jahre. Pont de Armentera, 8. Juli 1872. Der Bürgermeister, Benito de Garriga p Marti. Juan Maffagu^, Secretär.

Madrid, 19. Juli. Als der König und die Königin diese Nacht gegen 12 Uhr aus dem Garten Buen Retiro nach dem Palast zurückkehrten, wurde von fünf Individuen, welche sich in der Arsenalstraße postirt hatten, nach dem könig, liehen Wagen geschossen. Da- Königspaar blieb indeß unverletzt. Einer der Attentäter wurde getödtet, zwei andere gefangen. Die Entrüstung ist allgemein. Die Ruhe ist nicht einen Augenblick gestört worden.

England.

London, 15. Juli. Ein großer Theil Iorkshire's, Lancashire's und anderer benachbarter Grafschaften wird gegenwärtig von Ueberschwemmungen stark heim- gesucht. Bereits sind Menschenleben zu beklagen, und der dem Eigenthum der Bewohner zugefügte Schaden ist ein sehr beträchtlicher. Ein schauriges Ereigniß hat sich in Manchester zugetragen. Ein Kirchhof wurde daselbst überschwemmt und viele Leichen wurden von den Fluten davongetragen. Etwa fünfzig sind wieder aufgefischt worden.

London, 18. Juli. Der britische Botschafter in Petersburg telegraphirt, daß die Cholera daselbst erschienen sei. Die englischen Hafenzollbehörden sind angewiesen, Vorkehrungen zur strengen Ausführung der Quarantaine-Vorschriften zu treffen.

Türkei.

Am 10. Juli hat der Vicekönig von Aegypten in Konstantinopel dem österreichischen Gesandten Grafen Ludolf und hierauf dem deutschen Geschäftsträger, Herrn v. Radowitz, einen Besuch in Bujudere abgestattet, wobei Nubar Pascha den Khedive begleitete.

DasJournal des Debats" veröffentlicht einen zweiten Artikel über die orientalischen Angelegenheiten, welcher an der Hand vonCorrespondenzen aus Wien und Konstantinopel" die innere Politik des türkischen Ministeriums Mahmud- Pascha beleuchtet. Auch diese sei eine entschieden rückschrittliche, der europäischen Civilisation in vollem Bewußtsein und systematisch abgewanvte. In diesem Sinne habe der neue Großwessir eine wahre Razzia auf die Staatsbeamten aller Grade und aller Verwaltung-zweige gemacht, die da in dem Rufe standen, der aufqe- klärten Schule Aali-Pascha's anzugehören: so seien durch Absetzung oder Ver­bannung Huffein-Avni-Pascha, der Kriegsminister unter Aoli, Namik-Pascha, der Präsident des Staatsraths, Haidar-Effendi, der ehemalige Botschafter in Wien und zuletzt Präfect von Konstantinopel und viele andere entfernt worden. Die Verwaltung der Vilayets, sagen die Korrespondenten, wurde eingestellt, alle Christen wurden aus dem Staatsrathe entfernt, die französischen und englischen Professoren des Lyceums von Galata Serai wurden entlassen. Unter dem Vorwande von Ersparnissen wurde eine ganze Reihe von mehr ober wenigen wichtigen Posten gestrichen; so wurden die europäischen JnstructionSosfiziere der Armee und die fremden Ingenieurs in den Provinzen mit einem Federzuge heimgeschickt, ja, in seiner Jagd nach Oekouomieu verflieg sich Mahmud sogar zu dem unglaublichen Gedanken, den Kalender zu verändern und das Jahr auf neun Monate zu redu- ciren, um auf diese Weise in den Staatsgehältern, diemonatlich" ausgezahlt werden, ein Abstrich von 25 Procent zu bewirken. Auf der anderen Seite hat der sparsame Wessir nichts dagegen, wenn der Sultan ungeheure Summen in überflüssigen Bauten (5 Millionen allein für die Restauration des Palastes von Dolma-Bagdfche) verschwendet und ihn selbst mit reichen Werth- und Geldgeschenken überhäuft. Um den muselmännischen Leidenschaften zu schmeicheln, verfolgt Mah- mud-Pascha auch in den Angelegenheiten der morgenländischen Christen eine aggressive und aufhetzende Politik. Aus eigener Machtvollkommenheit hat er die bulgarische Kirche für unabhängig erklärt und ihr einen Exarchen ernannt, der nicht mehr dem griechischen Patriarchen untergeordnet ist, ferner in Sachen der armenischen Katholiken alle Unterhandlungen mit Rom abgebrochen und den vom Papst ernann­ten Bischof Hassun abgesetzt, so daß sich selbst Griechen und Bulgaren, Haffuniten und Anti-Haffuniten in den Haaren liegen. Kurz, die innere Lage ist, Dank den gewaltthätigen Maßregeln des neuen Ministeriums, politisch und kirchlich eine voll- kommen zerrüttete, die Portefeuille gehen von Hand zu Hand, und in allen Zweigen der Verwaltung herrscht eine grenzenlose Anarchie. So die Correspon- denzen des Journal des Debats aus Wien und Konstantinopel.

Frischbäcker zu Gießen.

m d en 21. Juli. Christian Lampus auf dem Seltersweg, Jacob

Ronstadt rn der Neustadt und Jacob Vogt in der Wallthorstraße.

Kirchliche Anzeige

der evangelischen Gemeinde zu Gießen.

G o t t e s d i e n st.

Am 21. uli. ( Morgens: Pfarrer Dr. Seel.

\ Nachmittags: Pfarrer Landmann.

(Künftigen Sonntag den 28. Juli: Feier des heiligen Abendmahls.)

Die Pfarrgefchäfte für die Woche vom 21. bis 27. Juli 1872 besorgt

Pfarrer Dr. Seel.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadl Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Kopulirte.

. ^,Den 18. Juli. Reinhard Schober, Großh. Gerichts-Accessist in Friedberg des Großh. Steuercommissärs daselbst, Georg Friedrich Christoph Schober, ehelicher Sohn; und Louise Emma Emlie Elisabeth von Grolman, des verstorbenen Großh Hosgerichtsraths dahier, Ludwig von Grolman, ehelicher Sohn.

Getaufte.

Den 14. Juli. Dem Bürger und Sattlermeister, August Brühl, eine Tochter. Karolme Auguste, geboren den 18. Juni.

Denselben. Dem Ortsbürger in Beuern und Bremser an der Cöln-Gießener Bahn dahier, Karl Müller, ein Sohn, Konrad, geboren den 27. Juni.

Denselben. Dem Ortsbürger in Rödgen und Kutscher dahier, Heinrich Herdt, eine Tochter, Katharine Eleonore, geboren den 12. Juni.

Denselben. Ein unehelicher Sohn von hier, Karl Johann Ludwig, geboren den 27. Juni.

Denselben. Dem Bürger und Kaufmann, Ludwig Frohnhauser, ein Sohn. Otto, geboren den 17. Juni.

Denselben. Dem Bürger und Metzgermeister, Karl Malkomesius, eine Tochter, Karoline Susanne, geboren den 14. Juni.

Denselben. Dem Ortsbürger in Klein.-Linden und Gensd'armen zu Pferd dahier, Johannes Röder, eine Tochter, Anna Emilie Elisabeth, geboren den 9. Juni.

Denselben. Dem Bürger und Schuhmachermeister, Martin Nagel, ein Sohn, Peter Heinrich Martin, geboren den 9. Mai.

Beerdigte.

Den 14. Juli. Anna Brennemann, geborne Hildebrand, des verstorbenen Bellnhauser Hof bei Treisa, Jacob Brennemann, Wittwe, alt

5b I. 10 M., gestorben den 12. Juli.

ß £ 15. Juli. Katharine Vogt, geborne Vogt, des verstorbenen Bürgers und

Kupferschmieds, Konrad Vogt, Wittwe, alt 68 I. 10 M. 23 T., gestorben den 13. Juli _ Den 17. Juli. Ein todtgeborner Sohn des Ortsbürgers in Hattenrod und Kutschers dahier, Johannes Plaum, geboren den 16. Juli.

Den 18. Juli. Adolf Martin Ludwig Mühlig, des Ortsbürgers zu Trohe und Maurers dahier, Anton Mühlig, ehelicher Sohn, alt 4 I. 3 M. 11 T , gestorben den 15. Juli.

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 19. Juli. Ein Tag wie der andere! Es wird einem Berichterstatter nachgerade sauer, seiner Aufgabe nachzukommen. Geschäftslosigkeit herrscht überall wo man hin­schaut, und werden auch seitens der Interessenten manche Versuche gemacht, Leben in das Ganze zu bringen, so scheitern dieselben jedeömal wieder an der allgemeinen Apathie. Die SpeculatlonS- effecten verkehrten zwar heute bei fester Stimmung. aber still- Nur Staatsbahn wurde auf 353V. getrieben. Oesterreichische Bahnactien andauernd flau, mit Ausnahme von Donau-Drau für welche heute mehrere Kaufaufträge vorlagen und 1 Procent in die Hohe gingen Für Banken zeigten sich heute weniger Liebhaber und neigten die Eourfe derselben zum weichen. Blo- Mälzer Bankverein und Deutsche Effectenbank hielten sich fest. Letztere hat, seit ihr CourS in Procenten notirt wird, noch mehr an Beliebtheit gewonnen. Am animirtesten war wieder der Prioritäten- markt und zeigt« sich namentlich Vorliebe für neue Lombarden, welche um >/4 Procent anzogen Von StaatSpapleren verkehrte österreichische Silberrente bei matterer Stimmung, ebenso ungarische Staatsanleihe. Bei Loosen zeigte sich einige Frage für österreichische 1860er, die eine Kleinigkeit theurer wurden. Finnländer-, Braunschweiger- und Ungarloose umgehend.

Börsenoachrichteo.

19. Juli 1872.

Preuss. 4i/a% Oblig. 103i/8

Frankl. 3i/a% Obi. 8?i/2 Nass. 41/1% Obi. WZ/, Kurhess. 4% 933/4 Gr. Hess. 50/0 Obi. 103 » » 40/o 981/3

, n 31/30/0 » 93

Bayer. 5% n 100V8

n 4i/,o/o 1jährige 1001/g

4O/o 1jährige 95

Würtemb. 41/3% Obi. 99?/6 Baden 41/3% Obi. 0. E. L. 993/4 Oesterr. Silberrente 641/2

Papierrente 58 Spanier, neuest. 3% 28*/2 Amerik. Bonds 1881r 993/4

1882r 963/8

, » 1885r 973/8

n 1887r 971/2

Aetien.

Frankf. Bank 1413/4 Frankf. Vereins-Kasve 142 Darmst. Bankaot. 477i/2 Wien Bankactien 898 Oest. Oreditact. 347i/a Galizien 256

Aetlen.

5% östr. F. St. E. B. 354 Lombard. Bahn 219 */2 Ludwigsh.-Baxbaoh 200*/3 Mai bahn 1443/4 Bayer. Ostbahn 140 Bhein-Nahebahn-Act. 453/4 Hess. Ludwigsb.-Act. 1773/4 Oberhessen 8V/8

Prioritäten.

3O/o öster. Stsb.-Prior. 583/4 3O/o öst. s. Lombard 507/q 3O/o Livorneser 3 91/4 5O/o Tosoaner 613/4 50/0 Eliaabeth.-Prlor. 845/g do. II. Emiss.

Anlehenelooee.

Darmstädter fl.50Loose 188 n n 25 n

Kurh. 40 Thir. Loose 71 Nassau 25 fl. 451/2 Braunschweiger 21i/g 3O/o Oldenburg, ä 40Thlr. 39 4% bayr. Präm.-Anl. 113 4% badische Loose 1111/4 Badische fl. 35 Loose 693/4 Oeetr. fl. 250 v. 1854 853/g 1858r Prioritätsloose 1860r Loose 941/4 1864r 1561/2

Wechsel.

Amsterdam k. S. 981/°

Augsburg

k. 8.

993/4

Berlin Bremen Brüssel Hamburg Leipzig London Lyon Paris Wien ditto ditto

Dis conto

k. 8. 1047/g k. 8.' 931/, k. 8. 873/g k. 8. 105 k. 8. 1185/8 k. 8. k. 8. 935/g k. 8. 1053/4 m. 8. 1055/g

4 °/o * ~

Gelds orten.

fl. kr.

Pr. Friedrdor 9 5859 Pistolen . . 9 4143 h doppelte 9 4143

Holl. fl. 10 St. 9 5355 Ducaten . . 5 3335 20 Frankenst. 9 22</2 23i/a Engi. Sover. 11 4951

Buss. Imper. 9 4244 Dollar In Gold 2 25i/226</t

Allgemeiner Anzeiger.

Besondere Bekanntmachungen.

Oeffentliche Aufforderung.

3384) Dem dermalen unbekannt wo? abwesenden Jacob Reh von Grünberg wird hierdurch zur Kenntniß gebracht, daß

Großh. Hofgerichts-Advocat Dr. Schüler ihm nunmehr auf Antrag des Beklagten zu Gießen, nachdem er unterm 12. December aufgegeben werde, sogewiß binnen 4 Wochen o. J. m seinem Auftrag lt. Vollmacht einer vom ersten Erscheinen in öffentlichen Blättern Klage gegen Eckhard Erb von Göbeln- an gerechnet, seinen jetzigen Aufenthaltsort rod wegen Zahlung von Schmerzensgeld anzugeben, widrigenfalls der Beklagte sofort und Kurkosten erhoben, bte Anwaltschaft von dieser Instanz werde entbunden werden am 24. v. Mts. gekündigt habe, weßhalb und alle weiteren Verfügungen an ihn ledig­

lich am Gerichtsbrette bekannt gemacht würden. ö w

Grünberg, am 25. Juni 1872.

Großherzogliches Landgericht Grünberg.

Erdmann, Dr. Trapp, Landrichter. Landger.-Asscssor.