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PreiT vierteljährig 1 ft 12 ft. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 29 kr.

Gichener Aiyeiger

Erscheint täglich, mit AuS« nähme Sonntag«.

Expedition: Eanzleiberg, Lit. B. Rr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Nr. 1«8. Samstag den 20. Juli 1872.

Brodpreife vom 20. bis 26. Juli 1872,

nach eigener Erklärung der Bäcker:

2 Kilo gemischtes Brod 21 kr. 1 Kilo gemischtes Brod 10y2 kr. 2 Kilo Roggenbrod 18 kr. 1 Kilo Roggenbrot» 9 kr.

Deutschland.

Darmstadt, 19. Juli. DasRegierungsblatt" enthält eine Bekanntmachung, nach welcher Dem ultramontanenMainzer Journal" die gerichtlichen Anzeigen in Rheinhessen entzogen und demMainzer Tageblatt" übertragen werden.

Berlin, 17. Juli. Es steht also fest, daß die Regierung in Königsberg bereits den Befehl erhalten hatte, dem Bischof von Ermeland, der sich weigert, die Lande-gesetze unbedingt anzuerkennen, am 1. Juli sein vierteljährliches Gehalt nicht auszuzahlen, und dieser Befehl erst nach acht Tagen zurückgenommen wurde. Bischof Krementz hat inzwischen sein Gehalt bis zum 1. October in Empfang genommen und hat bis dahin Zeit, über seine Stellung im Staate nachzudenken. Der Ministerrath hat, wie uns gemeldet wird, überhaupt beschlossen, bis zum Herbste gegen die katholischen Bischöfe mit AmtS'Temporaliensperre nicht vor. zugehen. Es soll nichts übereilt werden.Seid unterthan der Obrigkeit!" ist eine der bekanntesten Satzungen des Chrtstenthums. Freilich besteht daneben die andere Vorschrift, daß man Gott mehr gehorchen solle, als den Menschen, und man kann der Kreuzzeitung, die ein stiller Herzenszug nach dem absoluten Kirchen- regimeut hinzuziehen scheint, das Zugeständniß machen, daß diese Vorschrift eben so viel auf weltliche als auf päpstliche Gewalten Bezug hat. Den Satz in seiner Allgemeinheit kann man zugestehen und braucht darüber gar nicht zu streiten. Die Streitfrage ist nur die, ob der gegenwärtige preußische Staat, ein gesitteter, christlicher Staat, etwas anbefehlen könne, resp. etwas anbefohlen habe, was den göttlichen Befehlen widerstreitet. Nehmen wir diese Möglichkeit einmal an, setzen wir den Fall, daß die Staatsregierung etwas fordere, was mit dem Gewissen eines Einzelnen, z. B. eines Beamten, nicht in Einklang zu bringen sei. Was wird ein solcher Mann, wenn er gewissenhaft ist, thun? Er wird sein Amt niederlegen und somit jede Mitwirkung zu einer Verletzung des göttlichen Gesetzes versagen. Was Andere an seiner Stelle thun, dafür kann er nicht verantwortlich gemocht werden. Wenn päpstliche Beamte, z. B. Bischöfe,' in ähnlicher Weise handeln wollten, so könnte Niemand etwas dagegen haben. Dergleichen ist vor- gekommen. Als 1846 die radicale Regierung des Waadtlandes von den protestantischen Geistlichen die Verlesung eines Aktenstückes über die damals geänderte StaatSverfaffung verlangte und die Geistlichen dies ablehntev, als ihr Gewissen verletzend, so ließ die Regierung ihnen nur die Wahl, das Aktenstück Von der Kanzel zu verlesen oder ihr Amt aufzugeben. 146 Geistliche zogen es vor, ihr Amt aufzugeben. So steht die Sache aber hier nicht. Die Bischöfe verweigern dem Staate den Gehorsam, aber sie denken nicht daran, deshalb aus ihre hohen Stellen zu verzichten. Sie stellen sich dem Staate als gleichberechtigt gegenüber, und fast scheint es, als ob sie den Kampf der beiden Schwerter im Mittelalter erneuern wollten. In diesem Kampfe der Hierarchie mit der weltlichen Monarchie ist die Geistlichkeit trotz so gewaltiger Vorkämpfer wie Gregor VII. und Jnnocenz III. zuletzt unterlegen, und trotz des größeren Einflusses, den die katholische Geistlichkeit seit 1848 wieder über die Gemüther erhalten hat, reicht ihre Macht schwerlich aus, diesen Kampf siegreich durchzuführen. Die Ober- Herrlichkeit der geistlichen Gewalt über die weltliche war selbst im Mittelalter nicht durchzuführen, und ein Papst, der sich selbst in Rom nicht als Herr zu behaupten wußte, wird schwerlich al- Herr der Welt anerkannt. Uebrigens denkt die deutsche Regierung selbst im schlimmsten Falle gewiß nicht daran, Die Bischöfe als solche abzusetzen; aber sie wird, wenn sie ihre Renitenz fortsetzen, ihnen ihre Anerkennung in allen Amtshandlungen versagen, die auf das staatliche Gebiet eingreifen. Uebrigens brauchen die Ultramontanen sich nicht darüber zu ereifern, daß die deutsche Regierung sich in die Papstwahl einmischen wollte. Wenn sie die Frage über das Veto der großen Regierungen überhaupt anregte, so that sie es im versöhnlichen Sinne. Könnte verhindert werden, daß abermals ein Papst gewählt wird, der in den Händen der Jesuiten ist, so ließe sich eher ein friedlicher Ausgleich der begonnenen kirchlichen Wirren denken. Die eifrigen Gegner der Ultramontanen wollen von einer solchen friedlichen Politik nichts wissen. Ihnen wäre es ganz recht, wenn auf PuiS IX. ein Papst folgte, der dieselben Ansichten hätte, statt einer milden gewinnenden Persönlichkeit, wie der jetzige Papst ist, ein zorniger Eiferer wäre, der sofort dem Kaiser, wie Petrus dem Malchu-, ein Ohr abhiebe.

In derGermania" finden wir folgenden Stoßseufzer, der, wie sie angibt, von einemProtestanten" herrührt, ob von Gerlach oder von Dr. Schulz, wird nicht gesagt:Unser liebes schönes Deutschland, die Heimath der Treue, des Glaubensmuthes, der Gerechtigkeit und frommer Duldung! Noch vor Jahres- frist so einig, glücklich und groß, ist das thcure Vaterland durch eine verkehrte Politik in Bahnen gerissen worden, welche, wenn nicht schleunigst eine Umkehr stattfindet, zu schlimmen Eventualitäten führen müssen. In der ungerechtfertigtsten Weise ist ein Krieg gegen alles Kirchenthum vom Zaune gebrochen worden, der dann auch mit den Waffen der Lüge, Verleumdung, Ausnahmegesetze, Polizei- maßregeln und Proskriptionen geführt wird. Es bedarf deff-.n nicht, von diesem Orte nochmals die Phasen, welche der Kampf bereits durchlaufen, aufzuzählen; es genügt, darauf hinzuweisen, daß von der Aufregung desselben kein Haus, keine

Familie verschont bleibt und theilnahmslos wohl Niemand zuschaut, und daß auf der einen Seite die gesammelten revolutionären, radikalen und liberalen Elemente stehen, auf der anderen Seite die Verehrer Gottes und seiner Kirche, die steten Vertheidiger der Obrigkeit von Gott und des Gehorsams gegen die weltliche Ge­walt sich befinden. Noch zögert die Reichsregierung zu bekennen, wohin fie ihre» Stoß ins Herz" zu richten vermeint, noch beschränken sich ihre Proklamationen auf die Jesuiten und Alles, was ihnen verwandt sein soll; daß aber die Kirche gemeint ist, das zeigen über allen Zweifel hinaus die Vcxattonen der Bischöfe, die Vertreibung der armen Schulschwestern, da- Kanzel- und Schulaufstchtsgesetz, die zärtliche Fürsorge für die von der Kirche Abgefallenen. Und laut verkünden die osficiösen Redner und Schreiber und die freiwilligen Satelliten de- Despotismus, Daß es auf den Papst und die Kirche gemünzt sei, nicht allein auf die katholische, sondern auch auf die protestantische, der ja auch die Schule entzogen, gegen die ja auch das Kanzelgesetz gerichtet ist und wider die ja auch Alles, wa- Cbristen- thum leugnet, zu den Waffen greift und den Reichskanzler als modernen Heiland anruft."

Berlin, 18. Juli. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag voriger Woche wurden, DerTh. Z." zufolge, in Gniewkowo (Kreis Juowraclaw) drei Patres der Gesellschaft Jesu, welche bereits drei Tage lang dort eine Jesuiten­misston abhielten, auf eingetroffenen Befehl dckrch Gensd'armen auf den Schub gebracht. Eine große Menge Volkes aus Gniewkowo und UmgegenD durchzog Die Straßen tumultuirend; doch wurde dieselbe durch die aufgerufenen Gen-d'ar- men und andere waffenführende Beamte im Schach gehalten.

Frankreich.

Paris, 15. Juli. Wie man der Times telegraphirt, wird der Proceß gegen Bazaine energischer seit einigen Tagen betrieben. Auch in Der Behandlung des Marschalls ist eine Aenderung eingetreten. Der Verkehr mit seiner Frau ist ihm untersagt worden und diese hat sich nach Versailles in ein Kloster zurückgezogen.

Paris, 16. Juli. Am 15. Juli hat zu Lyon vor dem Kriegsgerichte der 8. Militär-Division der Proceß gegen den Ex.General Cremer und einen Herrn Wieczwinski, genannt De Serres, der zur Zeit Delegirter des Kriegs-Minister- bei der Ost-Armee war, begonnen. Die Anklage lautet auf Mord, weil der General Cremer am 27. Dec. 1870 zu Beaune, wo er cowwandirte, einen gewissen Arbinet aus Dijon ohne Urtheil und Recht hat erschießen lassen, und zwar auf einen telegraphisch mitgetheilten Befehl jenes De Serres. Dieser letztere ist denn auch des Mordes und Cremer der Mitschuld angeklagt. T);r erschossene Arbinet besorgte Provianteinkäufe für Dijon, welche- damals von den Preußen besetzt war, und hatte sich auf die leichtsinnigste Weise in den Verdacht gebracht, ein Spion der Preußen zu sein; als solcher wurde er verhaftet und ohne Um­stände nächsten Tages erschossen. Der Präsident des Krieg-gerichte-, vor welchem der Proceß verhandelt wird, ist der Marschall Baraguay d'Hillier-, Richter sind die Marschälle Mac Mahon und Canrobert, die Generale Mettmann, Abbatucct, Texier und Dupreuil. Der General Barry ist Commiffar der Regierung. Unter den 37 Belastungszeugen befinden sich der General Bourbaki, der ehemalige Präfect von Dijon, Der Unter-Präfect von Corte in Corsica, die Herren Carragon- Latour, (Sßrrä de Bufferollet, General Clinchant und andere bedeutende Persön­lichkeiten; unter Den Entlastungszeugen sind der Bruder Des Generals Cremer und der Oberst Collavet-Laperche, Adjutant des Generals Bourbaki.

Versailles/ 17. Juli. National-Versammlung. Bouillerie, Berichterstatter der Budget-Commission, hält 135 Millionen neue Steuern für ausreichend, und nicht 200 Millionen, wie Thiers verlangt. Er empfiehlt Ersparnisse. Thier- hält die Forderung von 200 Millionen aufrecht und sucht die Nothwendigkeit der Erhöhung des dem Kriegsminister eingeräumten Credits um 65 Millionen zu beweisen. Er würde selbst eine Erhöhung diese- Credit- Vorschlägen, wenn die Lage Frankreichs eine bessere wäre. Er sagt: 87 Millionen sind schon bewilligt, es fehlen also noch 113 Millionen, welche allein die Rohstoffe ergeben können. Vicomte de Meaux besteht auf Ersparnissen und beantragt, die Discusfion über Die neuen Steuer zu vertagen. Im Verlaufe seiner Rede tadelt Meaux Thier-, daß er durch seine Politik die Allianzen compromittire. Thier- wirft Meaux die verlangten Ersparnisse vor und sagt, dieselben würden zur Desorganisation der Armee führen. Die Regierung habe die militärischen Ausgaben erhöht, weil sie ein starkes Frankreich wolle. ThierS fügt Den Wunsch hinzu, daß ein ernster Mann die Tribüne betreten möge. Dies Wort ruft lebhafte Protestationen seitens der Rechten hervor und eine Stimme verlangt, vatz Thier- zur Ordnung gerufen werde. Thiers erwidert, indem er die Rechte aussordert, eine motivirte Tagesordnung zu provoeiren, und fügt hinzu, er werde nie eine wohlfeile Popularität suchen, welche darin bestehe, das Land zu täuschen und ihm seine Bedürfnisse zu verhehlen. Er werde nie vor der Vertrauensfrage zurückweichen und sei bereit, den Beschwerden der Opposition, welche mehr politischer, al- finanzieller Natur seien, Antwort zu stehen. Er constatirt, daß er bei allen Gelegenheiten