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Preis vierteljährig 1 fl. 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.

Gießener Alizeiger.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kietzen.

Nr. O.

Dienstag den 20. Februar

LR72.

V Döllinger über die Wiedervereinigung der christlichen Kirchen.

III.

Der am 14. Februar Abends im Museumssaale zu München gehaltene dritte Vortrag Döllinger's lautete im Wesentlichen wie folgt:

Hockzuverehrende Versammlung! Wenn ich am Schluffe des letzten VortragcS das Wort Hoffnung aussprach, von den Hoffnungen redete, welche bezüglich einer künftigen Vereinigung ge­trennter Kirchen gehegt werden könnten, dann ist es wohl selbstverständlich, daß daö Mögliche und Denkbare hübet vornft nur die Anbahnung eines besseren Verständnisses, eine fortgesetzte ge­meinschaftliche Beraihung und die Aufsuchung befriedigender Erklärungen der bereits vorhandenen Bekenntnisse, daß nur darum vorläufig eS sich handeln könne. Erst gilt es Scheidung, Unter­scheidung von dem, was wirklich Dogma und was bloße Meinung ist, Unterscheidung und Schei­dung von Brauch und Mißbrauch, Entfernung gegründeter Aergernisse, Wiederherstellung des Aus­gearteten in seiner besseren, ursprünglichen Gestalt. Es muß unterschieden werden die alte über­lieferte Lehre und das künstliche Product einer bestimmten Theologie. Zwei getrennte Kirchen können sich nicht einander plötzlich in die Arme fallen wie zwei nach langer Trennung sich wicder- sehende Freunde, und wie unendlich groß die Schwierigkeit einer einzigen Differenz in der Lehre sei, wie die rnannichkaltigsten und redlichsten Bemühungen an einem einzigen Punkt scheitern können, das zeigt ja die Trennung der lutherischen und der reformirten Kirche, welche, ungeachtet in unseren Zeiten allerdings eine große Vereinigung bewirkt worden, doch noch lange nicht völlig gehoben ist; es gehö.t eben ein mächtiger, überwältigender Geist und Zug der Union dazu, ein Zug in den Geistern, wie er oft in Jahrhunderten nicht gefunden wird, und eS gehört dazu auch noch e>n gemeinschaftliches, maßgebendes und nicht von subjectiver Willkür abhängiges Princip. Ueberhaupt ist zu sagen, daß kirchliche Vereinigungen nur da möglich sind, wo ein höheres Maß geistiger Bildung, verbunden mit religiöser Einsicht und Wärme, sich vorfindet. Bei Menschen, welche auf einer tieferen Stufe der Bildung stehen, werden bloße Verschiedenheiten des Ritus, deS b.'oßen Ceremoniells wie Fragen behandelt, von denen Leben oder Tod der Seele abhängt, und dann greift man, statt der ruhigen und friedlichen Erörterung, zum Schwert. Im Moha- medan smus find fast alle Abweichungen und Trennungen mit dem Schwert auSgefochten worden. Die Herstellung der Einheit bestand im MohamedaniSmuS in der Besiegung und in der blutigen Vertilgung einer getrennte« Secte. Und haben denn die Religionskriege, die sich Jahrhunderte lang bis in die Neueste Zeit herab in den Mohamedanern erneuert haben, nicht gezeigt, daß dort eine andere Art der Vereinigung unmöglich ist?

Selbst unter den Ehristen sind Religionskriege besonders dann geführt worden, wenn große moralische Eorruption den Rellgivnseifer bis zum Fanatismus steigerte, wie es früher in den Albigensirkriegen in Südfrankreich und später wieder in Frankreich in den Kriegen zwischen Pro­testanten und Katholiken der Fall war.

Halten w!r nun Umschau unter den Nationen, um anzusragen, wo etwa Neigung vor­handen sein möchte, sich an dem Friedenswerke zu beiheiligen, so müssen wir einmal die romani­schen Völker zur Seite lassen, nämlich Spanier, Italiener, selbst Franzosen; müssen sie darum zur Seite lassen, weil diese Völker gegenwärtig iheilS religiös allzu indifferent, theils auch völlig von politischen Fragen und Interessen in Anspruch genommen sind, und weil sie auch nicht den Stachel der Spaltung empfinden, da diese Völker ganz oder doch überwiegend einer einzigen Kirche angehören. Auch von den amerikanischen Freistaaten werden wir absehen, da dort der rechte Sectengeist noch in voller Blüthe steht, und die Lust der religiösen Absonderung dort noch sehr weit verbreitet ist. Bei den slavischen Völkern überwiegt im gegenwärtigen Augenblick da- Na­tionalgefühl und drängt die höheren religiösen Aufgaben in den Hintergrund, wie e- scheint, so daß uns also zunächst England und Deutschland bleiben.

WaS nun England betrifft, so ist da die Zahl der Freunde einer kirchliche» Vereinigung allerdings sehr groß und noch täglich wachsend. D.ie ganze nun schon seit 35 Jahren sich fort­entwickelnde Bewegung der sogen. Orforder Schule, das waS man PuseyiömuS, jetzt gewöhnlich RitualiSmus nennt, da- ist nach feinem innersten Wesen und größtenrheilS auch in dem Bewußt­sein feiner Anhänger ein auf eine Vereinigung mit den alten Kirchen, nämlich der abendländisch- katholischen und der morgenlandischen, gerichtetes Streben. Seit einigen Jahren erscheint in Eng­land eine eigene bloß dem Werke der Kircheneinigung gewidmete religiöse Zeitschrift; aber ander- .seits ist in England auch der scharf protestantische Geist, der Widerwille vor allem gegen Rom und gegen jede Erweiterung der religiösen Symbolik, welche über die strictesten biblischen Vor­schriften hinausginge, gegen jede Erweiterung oder Ausschmückung der gottesdienstlichen Form. Diese Abneigung ist vielleicht nirgends so groß als gerade in England; in den großen Genossen­schaften der Baptisten, der Congregatianer, der Wesleyaner oder Methodisten in England ist dieser Geist den kalvinistischen Geist nennt man ihn dort ganz besonders mächtig, und wirkt von ihnen aus auch auf die Glieder der Staatskirche. Und was nun die Staatskirche in England selbst betrifft, so müßte, wenn eS mit den Unionsbestrebungen dort Ernst werden sollte, erst eine tief eingreifende Aendening mit der Lage dieser Kirche sich ereignen, sie müßte nämlich, scheint mir, ihre bisherige Stellung, nach welcher sie die herrschende Staatskirche ist, verlieren; denn kraft dieser ihrer Stellung ist sie zugleich zu eng und zu weit, zu locker und zu gebunden, zu frei nach der einen und zu abhängig nach der andern Seite.

So bleibt uns denn vorzüglich Deutschland. Im deutschen Reiche nun, wie eS jetzt besteht, bilden die Katholiken gegenwärtig ein Drittheil, die Protestanten zwei Drittheile der Bevölkerung. Wenn wir aber zu Deutschland die Bewohner der deutschösterreichischen Provinzen mit hinzu­rechnen, dann werden sich beide Kirchen, die katholische und die protestantische, der Zahl nach nahezu gleich sein. Dies ist eine Lage, in welcher wir Deutschen unter allen Nationen, unter den großen Nationen allein unS befinden; nur die beiden deutschen Nebenlande Holland und die Schweiz zeigen ungefähr dasselbe Phänomen. Sonst pflegt bei jedem Volke, sei eS die römisch- katholische oder die griechisch-katholische, oder die protestantische, eine Kirche weitaus zu über­wiegen oder auch allein zu herrschen. Wir Deutschen aber, wir haben durch diese religiöse Zer- theilung, welche wie ein scharfes Schwert mitten durch den Leib der Nation hindurchgegangen ist dadurch haben wir in früherer Zeit so unsäglich viel gelitten; unsere Ohnmacht, Zerstückelung und Demüthigung vor der Welt steht in einem so engen ursächlichen Zusammenhang mit der kirchlichen Trennung in Deutschland, daß der Gedanke sich immer wieder jedem in der Geschichte feines Vaterlandes bewanderten Deutschen aufdrängt: da wo die religiöse Entzweiung entstand, da wo die Trennung geboren worden ist, da muß auch die Versöhnung erfolgen, da muß die Spaltung zu einer höheren und besseren Einheit führen, und das wäre bann, wenn ich eS mit einem griechischen Ausdruck bezeichnen soll, die tragische Katharsis in dem großen Drama unserer Geschichte. Jndeß in kirchlichen Dingen ist daS Zahlenverhältniß nicht die Hauptsache; weit be­langreicher ist das Verhältniß jener Kräfte, welche nicht gezählt und nicht gewogen werden können, und da muß denn gleich bemerkt werden, daß in Deutschland das Uebergewicht, man könnte sagen die Herrschaft, in Wissenschaft und Literatur, völlig auf protestantischer Seite ist. Unsere schöngeistige Literatur, fast ganz die wissenschaftliche Literatur, wenn man etwa von der Medicin absieht, ist zum weitaus größten Theilc protestantischen Ursprungs. WaS die Theologie insbesondere betrifft, ist meines Erachtens dieselbe der Art, daß die protestantische Theologie qualitativ und quantitativ mindestens sechsfach reicher ist als die katholische. Ich darf diese That- sache nicht aussprechen, ohne auf die Ursache oder wenigstens auf eine Hauptursache hinzuweisen. Wte ist diese Erscheinung zu erklären? Nach meiner Ersah'ung liegt sie unstreitig vor allem in der früheren Beschaffenheit der katholischen Schulen und Universitäten. ES war der Geist und der Druck eines ausländischen romanischen Einflusses, weicher auf der Erziehung und Bildung in

katholischen Ländern lastete: es war die mangelhafte Beschaffenheit unserer Gymnasien, welche einem fremden, in seinem Wesen durch und durch undeutschen Orden anvertraut war, der bei seiner planmäßigen Vernachlässigung und Mißachtung der deutschen Sprache, bei seinem ver­kümmerten Maße von classifchen Studien, bei seiner förnilichen Abrichtringsmethode, seinen Schülern weder Denkkrast noch Stoff, weder Styl noch Darstellungsgabe, wehr Wissensdurst noch Fort- bildungötrieb einzupflanzen vernichte. Dritthalb Jahrhunderte hat dieser beklagenSwerthe Zustand in dem katholischen Deutschland gewährt, und die Nachwirkungen davon machen sich noch immer sehr fühlbar. Für das Ziel, welches wir hier im Auge haben, nämlich die Anesöhnung der Kirchen, dürfte ind'ssen dieses Zurückbleiben des einen TheilS doch auch wieder eine günstige Wir­kung haben, ja fast möchte ich sagen, als Gewinn zu erachten sein; denn da, wo es sich um eine Einigung Getrennter handelt, da ist eS durchaus nothwendig, daß wenigsten- der eine Theil daS Gefühl der eigenen Mängel, und den Wunsch, an den Gütern und Vorzügen der Gegenseite theilnehmen zu können, besitze. Nun stehen aber die Dinge so, daß in Deutschland Katholiken und Protestanten dmch die Gemeinsan,kett der Sprache, Literatur, Sitte, Gesetze und Rechtspflege, kurz, durch alle Bande, welche Menschen aneinanderketten, verbunden find, während in kirchlicher Beziehung die Kluft zwischen ihnen eine größere ist als diejenige, welche die Katholiken von den Gliedern der griechischen und der russischen Kirche trennt. Zu einer Wiedervereinigung mit der katholischen Kirche des Abendlandes zu gelangen, das hab>n die Protestanten oft gewünscht und versucht, aber mit der rnorgenländischen Kirche fich zu veiftändigen, da« ist auffallenderweife von protrstantischer Seite nur ein einzigeSmal unternommen, und sogleich wieder für immer, d. h. bi« auf heute, aufgegeben worben. Der Versuch würbe gemacht im Jahr 1575, als die Tübinger Theologen in Unterhandlung traten mit Jeremias, dem Patriarchen ober Haupt der griechischen Kirche zu Konstantinopel. Damals führte aber ber Austausch der Bekenntnisse unb Erörterungen beibe Theile zu ber Ueberzeugrina, baß ber Gegensatz ber Lehre und der Kirchenversassung sich jeder Ausgleichung entziehe. Auch nicht einmal ber llebcrgang der protestantischen Ostfeeprovinzen unb ihrer Hochschule an Rußland» haben in dieser kühlen, ftlbflgenügfamen, ablehnenden CinneS- Wfife eine Aenderuna hervorzubringen vermocht. DaS wird aber doch nicht so bleiben, und jeden­falls ist eS für die Glieder der abendländisch-katholischen Kirche unerläßlich, baß sie, sobald sie in wirkliche Verhandlungen mit den Protestanten über einc-Ritd1 en Vereinigung treten, nur mit steter Rücksichtnahme auf die mvrgenlänbische Kirche, oder besser noch, mit Zuziehung von Angehörigen derselben zu Werke gehen; sonst möchte daS Bestreben, eine Kluft auszufüllen, zur Erweiterung und Vertiefung einer anderen Kluft führen, deren Verschwinden doch nickt minder wünschenSwerth, und nicht minder von oben geboten ist. Mnb wollten wir bei unseren Bestrebungen die englische Kirche beiseite lassen, so würde uns in ber golbenen Kette, deren Riß wir zu entfernen, deren Zusammenschließung wir herzustellen wünschen, ein ebenso unentbehrliches als kostbares Mittelglied fehlen. Man kann nun aber nickt mit der Aufhebung einer Trennung sich beschäftigen, ohne vor allem die Ursachen und den Anfang derselben, sowie ihren weiteren Verlauf ins Auge gefaßt und verstanden ^u haben. Sie werden mir gestatten, auf die Ursachen ber großen Kirchentrennungen einen Blick zu werfen.

Wir müssen ba mit ber älteren Kirchentr-nnimg beginnen, wir müssen fragen: wie unb warum ist denn ber ganze christliche Osten unb Norbosten in religiös-kirchlicher Beziehung vom Westen geschieden? Die morgenlänbische unb bie abenblänbische Kirche gehören ja doch zusammen, sollten eine Kirche bilben, sie haben auch unb zwar über ein Jahrtausend eine einzige Kirche ge­bildet. Wenn man in den ersten Jahrhunderten eine östliche und eine westliche Kirche von ein­ander unterschied, so war eS neben der geographischen Lage ber Sprache, dort bie griechische Sprache, hier bie lateinische, welche zu blefer Unterscheidung Anlaß gab; daher auch später die Bezeichnung griechische unb lateinische Kirche vielfach angewenbet würbe unb noch wird. D« nun aber bekanntlich bas Ehristenthum von Osten nach Westen gezogen ist, da alle christlichen Urkunden, vor allen bie heiligen Schriften, bann bie älteste christliche Literatur, nur in griechischer Sprache verfaßt würben, bis gegen Enbe bes zweiten Jahrhunderts, wo man erst anfing, auch lateinisch über christliche Dinge zu schreiben, so zwar, daß selbst in Rom geraume Zeit hindurch unter den Christen die griechische Sprache herrschte: so besaß ber östliche Theil der Kirche lange ein voll- stänbig geistiges Uebergewicht. Von ihren griechischen Glaubensgenossen mußten bie Dccibentalen alle« lernen, von ihnen mußten sie kirchlich unb theologisch erzogen unb gebilbet werben. Die ganze lateinische theologische Literatur der alten Kirche ist bis in das fünfte Jahrhundert, bis auf Augustinus, wesentlich nur eine Aneignung unb Nachbildung ber von ben Griechen erzeugten Werke. Mit bem vierten Jabrhunbert tritt nun mehr unb mehr ber Bischof ber Hauptstabt beS Kaisersitzes, ber Bischof von Konstantinopel, an bie Spitze der gefammten östlichen Kirche, und in diese Stabt der Kaiserresibenz zog fich kraft beS Lebens die Wissenschaft ber morgenländischen Kirche mehr unb mehr zusammen. Vergeblich versuchte eS Rom, bie Bischöfe oder Patriarchen von Neu-Rom, wie man Konstantinopel nannte, wieder herabzudrücken, sie lagen zu sehr in den Zuständen des griechischen Kaiserreiches, sie waren den Bedürfnissen der östlicher; Länder unb Kirchen allzu angemessen, sie waren überhaupt zu unentbehrlich, befonber« bann, als bie ersten großen und alten Stühle der Kirche, Alerandria, Antiochia unb Jerusalem, unter mohamebanische Botmäßig­keit gefallen waren und ihre Kirchen immer mehr zerfielen. Mittlerweile kam im Occibent bie große Völkerwanberung. Von ba an gingen beibe Kirchen mehr ihre eigenen Wege, die Ver­bindung zwischen Rom und Konstantinopel, durch Streitigkeiten wiederholt unterbrochen, war zwar immer nach längerer ober kürzerer Frist wieber hergestellt, aber bie Entfremdung war doch im Zu­nehmen begriffen. Die übrige abenblänbische Kirche in Italien, Frankreich, England, Spanien, Deutschlanb ßanb ohnehin mit bem griechischen Orient in keiner unmittelbaren Verbindung. Die Errichtung bcS karolingischen, nachher bes beutsch-vttonifchen KaiserthumS wurde nun in Konstan­tinopel als eine Verminderung, als eine Verletzung ber Rechte deS griechischen Kaiserreiche«, wel­ches allein bie legitime Fortse! i ng deS alten römischen fein wollte, empfunden. Zubern geschah es, baß man in Rom in manc n rituellen Dingen und Gebräuchen immer mehr von ben alten im Orient festgehaltenen Formen abwich, wie in Bezug auf bas Abeubmahl durch Einführung deS ungesäuerten BrodeS, später durch Beseitigung deS Kelches im Abendmahl, der Untertauchung in ber Taufe. Der bebenklichste Zeitpunkt würbe aber ber Zusatz zu bem gemeinsamen alten Glau­bensbekenntnisse, nämlich bie Einschaltung bei Wortes:und vom Sohne".AuSgehenb sbeS heiligen Geistesj vom Vater", hieß es in bem Bekenntnisse. In ber abenbländischen Kirche unb im neunten Jahrhunbert wurde zugesetzt:unb vom Sohne". Da« war ein Zusatz, ben die Franken, Karl ber Große inöbesonbere, bem lange wiberstrebenden päpstlichen Rom aufdrangen, unb daraus ergab sich jene Streitfrage, die noch immer fortbauert, vom Ausgange de« heiligen Geistes.

Bis tief in das zwö'fte Jahrhunbert hinein war inbessen bie kirchliche Gemeinschaft noch nickt zerrissen, bei aller Gereiztheit, bei aller fteigenben gegenseitigen Abneigung hatte man sie noch nicht aufgehoben; aber nun kamen bie Kreuzzüge, bie Gewaltthätigkeiten ber Lateiner, die ihre Wege durch die Provinzen des griechischen Reiche« nahmen unb ben schwachen Griechen gegen­über fick sehr übermüthig geberbeten; vor allem aber kam nun bazu bad neue System einer päpst­lichen Weltherrschaft, ber sich nun auch so würbe in Rom verlangt bie griechischen Kaiser unterwerfen sollten. DaS waren bie Dinge, bie zusammentrafen, um einen offenen unb völligen Bruch bet buben Kirchen immer unvermeiblidjer erscheinen zu lassen. Da geschah es, baß im Jahre 1204 ein abenbländischeS Heer von Kreuzfahrern Konstantinopel unb barauf ben größten Theil des griechischen Reiches eroberte unb ein lateinisches Kaiserthum bort errichtete, welches bie Päpste sofort unter ihren Schutz unb unter ihre Leitung nahmen. Unb nun sollte bie ganze morgenlänbische Kirche, wie man sagte, latinisirt werben. DaS war aber eine vollständig poli­tisch-kirchliche Unterbrückung, bie jetzt organisirt wurde. ES war ein Jock ber Knechtschaft, wel­che« den Griechen ganz unerträglich schien und einen für Jahrhunderte lang fortwährenden Haß

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