Lolffang nur noch bestimmter die Identität aufrechterhält. — Der Pfarrer von Notre-Dame des Victoires, Herr Amadru, ebenfalls Geißel in La Roquette, er- zählt von der Katastrophe, der er doch nicht beigewohnt hat, eine Menge Einzel» hetten, als ob er nicht eine eidlich bekräftigte Aussage abzulegen, sondern eine Legende zu erfinden hätte: Von allen Opfern sei, wie durch cm Wunder, der Erzbischof von Paris allein nach dem Feuer des Pelotons unoerletzt und aufrecht geblieben, die Mörder hätten auf ihn zutreten und zwei Pistolen auf den Leib abdrücken muffen (was in offenem Widerspruch mit den Gutachten der Gerichts- ärzte steht) u. s. v. Der Borsttzenve beeilt sich. diesem frommen Lügner das Wort zu entziehen; derselbe überreicht dem Gerichtshof noch eine Schrift, welche dieselben Erfindungen noch weiter ausschmückt. Der Schuhwaaren-Fabrikant Erepin erzählt, nicht ohne Humor, wie er unter dem Verdacht, geheime Verbindungen mit den Versaillern zu unt rhalten, verhaftet und von MazaS, um füsilirt zu werden, nach La Roquette geschickt worden sei, wie er dort den 24. Mai mit erlebt habe und erst am 27., als Sträfling verkleidet, entkommen sei: man gab ihm ein Gewehr, das er bei der ersten Gelegenheit wegwarf, worauf er das Weite suchte. Zwischen den Barrikaden in der Umgebung des Pöre-Lachaise umherirrend, begegnete er dem Angeklagten Latour, der ihm Näheres über die Execution vom 24. mittheilte. Der Capitain des Pelotons hätte dem Erzbischof den Gnadenstoß gegeben und sich dann gerühmt: „Heut habe ich die schönste Handlung ausgeführt, die nur einem Menschen möglich ist". Bei der Leiche des Abb6 Deguerry von der Madeleine hätte Latour 700 Francs gefunden; er hätte diese Summe einem Hauptmann gegeben, der sie unter seine Leute vertheilte.
Paris, 18. Jan. Die „Agence Havas" meldet: Cremel, welcher des in Luneville begangenen Mordes verdächtig ist, wurde gestern in ChalonS verhaftet. — Einem Gerüchte zufolge würde Thiers abtreten, falls die Steuer auf Rohstoffe nicht angenommen werden sollte.
Local-Notizen.
Gießen, 20. Januar. Das Eomite zur Unterstützung der Hinterbliebenen des verstorbenen Lehrers Kost in Frechenhausen erhielt von Herrn Pfarrer Georgi in Gladenbach als den Adressat der Geldsendung einen Brief mit lebhafter Dankesbezeugung. Wir theilen den Anfang desselben mit: „In aller Eile vor Poftabgang zeige ich Ihnen mit aufrichtigem Danke den Empfang der für die Hinterlassenen des Lehrers Kost zu Frechenhausen bestimmten 202 ft. 30 fr. hiermit ergebens) an. Auf zweckmäßige Verwendung werde ich mit aller Sorgfalt bedacht sein, und werde ich mit erlauben, Ihnen hierüber demnächst noch weitere Nachricht zugehen zu lassen" ?c. — Nach unserer letzten Veröffentlichung der Beiträge find bei Herrn Fabrikant Hanstein noch ferner eingegangen: von Herrn Gasfabrikant Heß fl. 3., S. Heichelheim fl. 1. 45 fr., im Einhorn gesammelt fl. 2. 30 fr., N. N. mit Motto: Gott segne es fl. 1., L. P. I. fl. 1., I. W. K. 30 fr., L. K. 18 fr., Ungen. 36 fr., zusammen fl. 10. 39 fr. Ferner noch bei der Erpedition unseres Blattes: Ungen. 30 fr., A. S. ff. 2., H. E. Jughardt K. L, zusammen fl. 3. 30 fr., welches wir danfend bescheinigen und die Sammlung hiermit schließen. — Zum Schluß theilen wir den Interessenten noch mit, daß die von Herrn Lehrer Fel sing von den Lehrern hiefiqer Stadt gesammelten fl. 20. 12 fr. am 22. December an Lehrer Fischer in Roth abqesandt worden find.
Die Redaction.
Vermischtes.
Die deutschen Frauen und Jungfrauen leiden bekanntlich nicht wenig unter der Schwierigkeit, fich an die neuen Maße und Gewichte zu gewöhnen. So hat denn ein Berliner Blatt ein Hausstands-Quodlibet zum Verabschieden der alten Maße und Gewichte und möglichst bequemen Erlernen der neuen herausgegeben. Wir lassen davon Einiges folgen:
Mel.:
Es ist bestimmt im BundeSrath, Daß man die Elle, die man hat, Muß missen, Und doch ist eS fürwahr fein Spaß, Auswendig schon das neue Maß Zu wissen.
Es ist bestimmt rc.
Ich will das schwier'ge Studium Des Nechenfnechts verschieben,drum Auf später.
Doch merken will ick mir geschwind Daß 3 Berliner Ellen sind
2 Meter.
Mel.:
Flüchtig haften — das ist hart! — Uns'reS Lebens Güter!
Ich verliere selbst das Quart, Ach, an seiner Stelle ward Octroyirt das Liter.
Gaudeamus igitur.
Klagelieder möcht al« Frau Singen man wie Wachtel! Wenn ich meinen Augen trau, Ist das Liter ganz genau Kleiner um ein Achtel.
Mel.: Aennchen von Tharau ist rc.
Quentchen, das alt« — wie schwillt mir der Kamm! Dies auch verschwindet und nennt sich dann Gramm. 6 sind 1 Neuloth, und ferner wird kund, Daß 50 Neuloth dann machen 1 Pfund.
2 Pfund — mir schwindet schon jetzt der Verstand — Wird Kilogramm dann vom Kaufmann genannt.
Mel.: So leb' denn wohl, du stilles Haus.
So leb' denn wohl, Du Elle, Pfund, Du Loth, Du Metze, Scheffel und Du Klafter und Du Achtel mein, Es muß, es muß geschieben sein.
Was kann ich machen, armes Lamm?
Nun komm, Du Kilo-, Dekagramm, Du Deci-, Centi-, Milligramm, — Hier steh' ich, ein entlaubter Stamm'. Du.Meter, daß Du nennst Dich Stab, Und Ihr, die uns der Reichstag gab, Du Eenti-, Milli- und auch Du, Du Dekameter, tritt herzu.
Ich sage Euch: Wenn mein Haar bleich Noch vor der Zeit — die Schuld trifft Euch, Euch hass' ich d'rum mein Leben lang, — Verderben,. jetzt geh' deinen Gang !
Aus dem Kreise Bergheim, 12. Januar. Die Unsicherheit von Personen und Gigenthum nimmt in letzter Zeit in unserem Kreise eine so bedrohliche Gestalt an, daß die Behörden fich wohl bald zu energischeren Maßregeln dürsten veranlaßt sehen. In der Nacht von 17. bis 18. December v. I. brachen drei vermummte Räuber in ein Wohnhaus zu Hafereiche ein, zwangen mit vorgehaltener Pistole die im Bette überraschten Eheleute K., fich ruhig zu verhalten und raubten an Geld, goldenen und filbernen Schmuckgegenständen, Leinwand u. s. w. Objecte im Werthe von etwa 200 Thalern. In ver Nacht vom 19. auf den 20. December wurden au« der Kirche zu Fliestedten zwei silberne EhristuSkörper und ein Herzbild von gleichem Metalle mittelst Einbruchs gestohlen. In der Nacht vom 22. zum 23. December brachen Diebe in ein Haus zu Niederembt ein und raubten 495 Thaler in baarem (Selbe, 3921 Thaler in Werthpapleren, außer-! dem eine goldene Uhrfette, eine Pistole, eine Jagdflinte und verschiedene Eßwaaren. In derselben!
Zeit wurden einem armen Tagelöhner in Jschendors zehn Thaler mittelst Einbruchs aus einer Kiste gestohlen. Am 4. Januar Abends gegen 9 Uhr wurde der von Köln kommende Arbeiter B. aus Jschendors auf dem sehr einsamen und im Winter wenig benutzten Wege zwischen Horrem und Schloß Freus von zwei Strolchen überfallen. Sie waren jedoch an die unrichtige Persönlichkeit gekommen. Der Angegriffene, ein riesiger, starker Mann, schlug mit seinem schweren eichenen Stocke einen der Kerle zu Boden, der andere, in ähnlicher W.ise bewillkommt, nahm Reißaus. B. zerbläute nun den am Boden Liegenden mit seinem Stocke so lange, bis er fein Lebenszeichen mehr von fich gab und ging dann feine« Weges weiter. Leider war ein Erfennen der Persönlichfeit wegen der großen Dunkelheit nicht möglich, und als man am anderen Morgen nachsah, war der mit Schlagen tractirte natürlich verschwunden. Der Ueberfall batte wahrscheinlich einem anderen gegolten, den man desselben Weges erwartete. Vor einigen Tagen brachen Diebe in die Pfarrw hnung zu AnpelSdorf ein. Es galt einem frisch geschlachteten Schweine. Man hatte jedoch dieses köstliche Küchenobject in die Wohnstube eingeschlossen, wo die Diebe es nicht vermutheteu. Nachdem sie im Hofe und in der Küche Umschau gehalten halten, zogen sie ab nach Elsdorf, wo gleichfalls zwei Schweine-Cadaver in der Wohnung des Pastor« der Zerstückelung harrten. Allein auch dort hatten die zahlreichen Diebereien in hiesiger Gegend die Bewohner zu besonderen Vorsichtsmaßregeln veranlaßt, und der Zweck des Einbruches wurde nicht erreicht.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 19. Januar. Die Stimmung der Börse war heute zwar fest, doch die seither bestandene animirte Tendenz fehlte gänzlich und herrschte im Ganzen große Geschäftslosigkeit, wodurch bei Eröffnung des Marktes bie Effecten ziemlich angeboten waren, und nur auf da« Eintreffen günstiger Wiener Notirungen erholten sich die Eourfe etwa«.
Umgesetzt wurden StaakSbahn 418—417—419. Lombarden 217—216%—217»/,. Credit 351 -351%—351—351%. Galizier 268—267—267»/2. Nationalbank 902—900—904.
Prioritäten gingen um Alföld 83»/4, Nordwest 893/., Franz-Joseph 893% ungarische Nord 78, ungarische Ost 76%, 5procent. Lombard 84V4, 3procent. Lombard 50, Staatsbahn 60%, Livorneser 40»/4.
Fri I ch b s ck er » u Gießen.
Sonntag den 21. Januar. Emil Noll in der Löwengasse, Wilhelm Hartmann in der Neustadt und Jakob Vogt in der Wallthorstraße.
Kirchliche Anzeige
der evangelischen Gemeinde zu Gießen.
Am 21. Januar:
Gottesdienst.
( Morgens: Pfarrer Dr. Seel.
\ Nachmittags: Mitprediger-Vikar Freiensehner,
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 21. bis 27. Januar 1872 besorgt Pfarrer Dr. Seel.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gieren. Evangelische Gemeinde.
Getaufte.
Den 14. Januar. Dem Ortsbürger in Langen und Hülfsbremser an der Main-Weser-Bahn dahier, Georg Heim, eine Tochter, Helene, geboren den 26. December.
Denselben. Dem Hülfsbremser an der Cöln-Gießener Bahn dahier, Johann Georg Gelzenleuchter aus Nieder-Lemp, Kreis Wetzlar, eine Tochter, Marie Philippine Henriette Elisabeth, geboren den 19. December.
Den 17. Januar. Dem Bürger und Kaufmann, Friedrich Karl Klingspor, ein Sohn, Gustav Ludwig Wilhelm, geboren den 19. Decemver.
Den 18. Januar. Dem Bürger und Kaufmann, Heinrich Weidig III., eine Tochter, Karoline Katharine, geboren den 21. December.
Beerdigte.
Den 12. Januar. Marie Christiane Angelika Klemm, geborne Best, des Korbmachers dahier, Michael Heinrich Eduard Klemm aus Erfurt, Ehefrau, alt 22 °l 7 M. 20 T-, gestorben den 10. Januar.
Den 16. Januar. Johann Heinrich Schwall, Bürger und Kutscher dahier, alt 61 I. 2 M. 3 T., gestorben den 14. Januar.
Denselben. Heinrich Spehrer aus Oberwalgen, Kreis Marburg, alt 16 I., gestorben den 13. Januar.
Den 17. Januar. Johannes Fischbach aus Nieder - Girmes, alt 59 I., gestorben den 15. Januar.
Den 18. Januar. Heinrich Müll aus Allendorf, Kreis Dillenburg, alt 19 I., gestorben den 17. Januar.
Denselben. Johann Ernst Schellmann, erster Kanzleidiener am Großh. Hofgerichte dahier, alt 75 I. 3 M. 14 T-, gestorben den 16. Januar
Borsennachrichtcn.
19. Januar 1872.
Preuss. 41/2 % Oblig. 1023/g Frankf. 3%% Obi. 88»/2 Naes. 41/3% Obi. 99i/2 Kurheas. 4% „ 931/2 Gr. Hess. 5<% Obi. 1021/2 n „ 40/o „ 97%
n „ 31/30/0 „ 92
Bayer. 5% n 100% n 41/2% 1jährige 1001/g * 4% 1jährige 951/4
Würtemb. 4%o/o Obi. 99%
Baden 4%% Obi. c. E. L. 99%
Oesterr. Silberrente 63%
„ Papierrente 55%
Amerik. Bonds 188lr 102%
n „ 1882r 96%
n „ 1885t 971/2
„ n 1887r 98%
Spanier, neuest. 3% 32%
Actlen.
Frankf. Bank 137
Frankf. Vereins-Kasse 129
Darmst. Bankaot. 464
Wien Bankactien 902
Galizien 267%
Oest. Oreditact. 351%
Aetien.
5% östr. F. St. E. B. 4193/4
Lombard. Bahn 2173/4
Ludwigsh.-Bexbaoh 198%
Maxbahn 146%
Bayer. Ostbahn 149% Rhein-Nahebahn-Aot. —
Hess. Ludwigsb.-Aet. 184
Oberhessen „ 84
Prioritäten.
3O/o öster. Stsb.-Prior. 60
30/0 öst. s. Lombard 843 4
3% Livorneser 40%
50/0 Toscaner 62%
5% Elisabeth.-Prior. 83%
do. DL. Emiss. 82%
Änlehensloose.
Kurt». 40 Thlr. Loose 68%
Nassau 25 fl. 44%
40/g bayr. Präm.-Anl. 116%
Ansbacher 7 fl. 11%
40/g badische Loose 115
Badische fl. 35 Loose 70
30/g Oldenburg, ä 40Thlr. 37% Oestr. fl. 250 v. 1854 84% 1858r Prioritätsloose 192%
1860r Loose 94
Vt-eehsei.
Amsterdam k.
S. 99%
Augsburg
k.
S.
99%
Berlin
k.
8.
105
Bremen
k.
8.
95%
Brüssel
k.
S.
93
Hamburg
k.
8.
873/.
Leipzig
k.
8.
104%
London
k.
8.
117%
Lyon
k.
8.
92%
Paris
k.
8.
92%
Wien
k.
8.
101%
ditto
m.
8.
—
ditto
1.
8.
—
Disconto
4%
Geldwerten«
0. kr.
Pr. Friedrdor 9 57%—58% Pistolen . . 9 40—42
„ doppelte 9 40—42 Holl. fl. 10 St. 9 53—55 Ducaten . . 5 31—33 20 Frankenst. 9 18—19 Engi. Sover. 11 45—47 Russ. Imper. 9 40—42 Dollarn»Gold 2 24-25
1864r „ 152
Braunschweiger 20%
Stadt Florenz 83
Allgemeiner Anzeiget.
Besondere Bekanntmachungen.
237) Die rückständigen Schulgelder aus der Realschule und den städtischen Schulen pro 3. und 4. Quartal 1871 können an dm ersten drei Zahltagen: Dienstags, Donnerstags und Samstags, noch ohne Kosten zur hiesigen Stadtkasse bezahlt werden.


