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Preis vierteljährig 1 fL 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.

Gießener Anzelger.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition : Canz lei berg, Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Nr. O. Montag sm 19. Februar 1878.

Amtlicher T h e i l.

_ Bekanntmachung.

Betreffend: Die Maul- und Klauenseuche nnter dem Rindvieh und den Schweinen.

Da unter dem Rindvieh und den Schweinen der Stadt Gießen und benachbarter Orte wiederholt Erkrankungen an Mau,- unh Klauenseuche vorgekommen sind, wird die bestehende Vorschrift in Erinnerung gebracht, wonach auf Märkte nur solches Vieb rurulassen ist, welches mit ordnungsmäßigen Gesundheitsscheinen begleitet ist. ' * zuzulassen

Gießen, den 16. Februar 1878. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

In Verhinderung des Kreisraths:

____ Kekul 6, Kreisassessor.

Deutschland.

Darmstadt, 15. Febr. Der Abgeordnete für die Stadt Gießen, Fabrikant Heß, hatte, wie bereits gemeldet, sein Mandat in den letzten Wochen niedkrgelegt, zeigte jedoch gestern dem Ministerium des Innern an, daß er auf allseitiges Bitten seiner Wahlmänner sich entschlossen habe, für die Dauer dieses Landtags noch die Stadt Gießen zu vertreten. Veranlaßt vclzu ist er namentlich durch die Weit­läufigkeit, welche in Folge der erforderlichen Neuwahl der Wahlmänner auf Grund eines neu zu erlassenden Gesetzes entstehen würde, deren Resultat selbstverständlich das wäre, daß die Stadt Gießen bei den bevorstehenden wichtigen Budgetberathungen wochenlang unvertreten bliebe. Ob das aus Anlaß der Mandatnieverlegung des Abg. Heß von der Regierung vorgelegte Gesetz wegen Abänderung des Wahl­gesetzes in der Kammer hiernach zur Berathung kommen wird, erscheint zweifel­haft; sollte dies jedoch dennoch der Fall sein, so ist als bestimmt zu betrachten, daß ein großer Thcil der Abg-ord»-,-»*, neuen Wahlgesetzes begehrt, gegen Vas Gesetz stimmen werden, da sie gerade den jetzigen Zeitpunkt und die gebotene Gelegenheit für geeignet halten, um Seitens der Regierung ihrer oft gegebenen Zusage endlich gerecht zu werden^ In den letzten Tagen wurden abermals ca. I1/? Millionen Gulden von der auf Hessen entfallenden Kriegscontribution in englischem Golde an die hiesige Hauptstaats­kasse abgeführt. (F. Z.)

Darmstadt, 16. Febr. Die Tagesordnung der auf Dienstag den 20. Fe­bruar 1872, Vormittags halb 10 Uhr anberaumten (105.) Sitzung der 2. Kammer der Stände lautet:

1) Die Vorlage Gr. Ministeriums des Innern, die definitiven Nachweisungen über die Einnahmen und Ausgaben der Staatsschulden - Tilgungskaffe für die Provinzialstraßen - Neubauten der Provinzen Oberheffen , Starkenburg und Rheinheffen in den Finanzperioven 1857/59, 1860/62 und 1863/65 betreffend;

2) die Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, die Herstellung von Bureau- localitäten in dem Stationsgebäude der Main-Neckar-Bayn zu Darmstadt, hier die Erbauung eines Gebäudes für Beamtenwohnungen betr.;

3) den Antrag der Abgeordneten Goldmann und Fink, Rückerstattung der von den Kreiskaffen in Südheffen den Familien der zum Dienst einbeorderten Reserve- und Landwehrmannschasten gewährten Unterstützungen bet'.;

4) die Beschwerden:

a. des Gemeinderaths der Stadt Bad Nauheim, die Ausführung des Friedens- Vertrags vom 3./12. Septbr. 1866, insbesondere die fernere Verpflegung der Geisteskranken aus den abgetrennten Gebietstheilen betr.;

b. der Gemeinde Treis a. d. Lumda, die Aufnahme des Johannes Opper und der Christiane Grau von Treis in das Landeshospital Hofheim betreffend.

Darmstadt, 17. Febr. Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Ludwig haben geruht, heute eine Deputation zu empfangen, welche die Glückwünsche der Eng­lischen Gemeinde dahier zur glücklichen Genesung Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen von Wales darbrachte

Darmstadt. Von der der Stadt Blois im December 1870 auferlegten Contribution wurde der großherzoglichen Pionniercompagnie, der jetzigen 9. Com­pagnie des großherzoglichen 3. Infanterie - Regiments Nr. 117, welche bei dem am 12. December bei Blois vollzogenen Brückenbau betheiligt war, die Summe von 819 fl. zugewiesen. Diese Summe ist in eine Stiftung umgewandelt worden und es sollen nach den kürzlich bestätigten Statuten derselben jeveemal an dem Jahrestage ves Brückenbaus die Zinsen dieses Capital« an invalide Pionniere und Trainfahrer des ehemaligen leichten Feldbrückentrains, welche bet dem Brücken­bau anwesend waren, verthe-'lt werden.

Zum Vertreter Hessens in der Commission des Deutschen Reichs für Vie Dorberathuugen zur Beschickung der Weltausstellung für 1873 in Wien ist der Präsident derCcntralstelle für Hanvel und Gewerbe und der LanVeSgewerbe- Vereine", Herr Ministerialrath Schleiermacher, ernannt.

Berlin, 17. Febr. Dem Bundesrathe ging Seitens des Fürsten Bismarck

|ber Entwurf eines Gesetzes über die amtliche Geschäftssprache in Elsaß-Lothringen zu. Die Vorlage enthält sieben Paragraphen, nach deren Hauptbestimmungen alle amtlichen Erlasse, welche von ven kaiserlichen Verwaltungsbehörden ausgehen, in deutscher Sprache abgefaßt werden sollen, ebenso alle Eingaben an die Be­hörden. Mündliche Verhandlungen vor den Bezirksräthen unv vor dem kaiserlichen Rath sind in deutscher Sprache zu führen.

München, 15. Febr. Der König hat die neue Formation und Eintheilung der Armee ganz entsprechend jener der anderen Truppenthetle des Reichsheeres unter« 13. d. genehmigt und wird dieselbe in dem heute Abend erscheinenden Verordnungsblatt des Kriegsministeriums publicirt werden. Als EinführuugS- Termin der neuen Formation rc. ist der 1. April d. I. bestimmt. Es werden u. A. das Artillerie-Corps-Commando und das GenieCorps-Commando auf­gelöst und den Artillerie-Genie-Regimentcrn der beiden Armee-Corps einverleibt. uFebr. Das eidgenössische statistische Büreau hat ter Ver- theilt""daß've^r^"^Ai^t^ek^Name«S' des schweizerischen Bundesraths mitge- lung der Straßburger Bibliothek unterstützend, ihr je ein Exemplar^er"Bstw?- Publicationen zuweife.

Oesterreich.

Wien, 13. Febr. Die Berichte über Iuvenhetzen in Rumänien pflegen stets etwas übertrieben zu sein, da sie nicht selten mit EntschäVigungS-Ansprüchen zusammenbangen. Dieses Mal ober scheint es namentlich in ver Moldau arg zugegangen zu sein. In Kahnl kamen zwei Juden um's Leben, in Ismail er­litten Vie israelitischen Einwohner große Verluste. In Galacz gelang es der Energie des Präfecten, Ruhestörungen zu unterdrücken; vagegen wurde Ver Prä- fcct von Ismail wegen seiner Indolenz abgcsetzt. Auf seine Entschuldigung, daß er nur zwanzig Soldaten zur Disposition gehabt habe, um die Ordnung aufrecht zu halten, erwieverte der Minister-Präsident Catargiu,er würde diese Entschul­digung nur dann gelten lassen, wenn erwiesen wäre, daß diese zwanzig Mann ihre letzte Patrone gegen Ven Pöbel verschossen hätten." Bei diesem Anlasse er­fahre ich auch, daß man in Bucharest der Rückkehr VeS deutschen General-Consuls, Herrn v. Radvwitz, wieder entgegensieht, nachdem Graf Kayserlingk, den er bis­her in Konstantinopel vertrat, den Botschafterposten demnächst anzutreten im Stande fein werde. Nach einem sich eben verbreitenden Gerüchte wäre der jugendliche Kronprinz Rudolf in Ofen, wo er am Sonntag ankam, an den Masern erkrankt, eine Nachricht, die allenthalben Vie theilnahmvollste Bestürzung hervorruft.

Wien, 14. Febr. Das WienerVaterland" bringt einen heftigen Leit­artikelFürst Bismarck und das Recht", der mit folgendem Orakeispruche schließt: Fürst Bismarck überschreitet ven Halys. Aber, Vaß daS Reich, das er zerstören wird, nicht die katholische Kirche sein wird, dafür bürgt uns das Wort Gottes, ver mit ihr sein wird bis an's Ende ver Welt. Wohl aber kann aus diesem bedenklichen Marsche ein anderes Reich in ven Untergang gestürzt werden, nach­dem diedurch die Fügung Gottes" errungenen Siege zu Waffen gegen die Lehren uno die Gläubigen Gottes umgewandelt werden."

Die czechischen Blätter wüthen ganz erschrecklich über Bismarck's Bemerkung, er wolle die Wohltdat der deutschen Sprache den Polen zukommen lassen.

Wien, 16. Fevr. Reichsrathssitzung. Der Iustizminister legte eine Straf- prozeß-OrVnung uno ferner einen Gesetzentwurf in Betreff der zeitweisen Einstel­lung der Wirksamkeit der Geschworenengerichte vor. Der Minister betonte hierbei, daß die Regierung zur Rettung des Geschworenen - Instituts Viese Maßregel dort für nothwenvig erachte, wo die Geschworenen sich nicht von ihrem RechtSgewiffcn, sondern von politischen Leidenschaften leiten lassen.

Belgien.

Brüssel, 17. Febr. DieIndepenvance" schreibt aus Versailles: Thiers -beruhigt die wegen bonapartistischer Umtriebe ängstlichen Deputirten. Auf Be­fragen erklärten die Generale, daß sie bürgen für die Treue der Armee zur !Republik.