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Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Exvedition: Canzleiberg Lit. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Nr. 17. Freitag den 19. Januar LM2.

Deutschland.

Darmstadt, 18. Jan. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerdcchster Entschließung d. d. 12. l. Mts. dem Großherzoglichcn außer- ordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Königlich Preußischen Hofe sowie Bevollmächtigten zum BundeSrathe des Deutschen Reichs Geheimen Legationsrath Carl Hofmann den Charakter als Geheimerath zu verleihen geruht

Berlin, 17. Januar. Dos Ministerium legt das Reictsgefttz, betreffend die Erstattung der an die Familien der Landwehrmänncr und Reservisten von den Gemeinden und Kreisen gezahlten Unterstützungen, in sehr einschränkender Weise aus. Obwohl die communalen Behörden auf Grund der bestehenden Gesetze ver­pflichtet gewesen sind, Unterstützungen an Kinder, Eltern und Geschwister der Re­servisten und Landwehrmänver dann zu zahlen, wenn diese Personen von den Ein­gezogenen haben erhalten oder unterstützt werden müssen, will die Regierung solche Unurstützungcn auch nicht einmal nach den Minimalsatzen erstatten. Die Folge davon ist, daß die Kreise und Gemeinten erheblich weniger erhalten werden, als sie nach dem Reichsgcsetz zu erwarten berechtigt waren.

Dem Bundesrath ist ein Gesetzintwurf vorgelegt worden, welcher auf den Schutz und die Instandhaltung der Kriegergrabstatten in Elsaß-Lothringen Bezug hat. Die Angelegenheit hat dort ihre Schwierigkeit, weil während des Krieges theils die Gcmcindcklrchhöfe, theels Privaibtsttzungen ohne vorherige Erlaubniß in umfangreichem Maße zur Btstaitung von Kriegern benutzt worden sind und die bisherige Gesetzgebung nicht ausreicht, um das Recht, diese Grabstätten unter öffentlichen Schutz zu stellen, herzuleiten. Durch das Gesetz, welches vorgeschla- gen, wird nun die Sache geordnet, ebenso tote die Entschädigung, welche auf dem Wege der Expropriation den Privaten zu Theil werden soll.

Telegraphisch wird ter »Poft" aus Paris vom 16. d. M. mitgethcilt, caß bei der an demselben Tage erfolgten Zahlung der 84 Millionen der Finanz­minister Pouyer-Quertier dem Grafen Arnim den Vorschlag machte, noch vor dem 25. Januar die 650 Millionen, welche bis Mai fällig sind, voll zu entrichten, falls die sofortige Räumung weiterer zwei Departements zugestanden werde. Graf Arnim nahm den Vorschlag zur Berichterstattung entgegen.

Seine köriAliche Hoheit der Prinz Arthur von Großbritannien traf heute früh 73/4 Uhr auf dem Potsdamer- und Se. königliche Hoheit der Prinz Ludwig von Heften zu derselben Zett auf dem Anhalter-Bahnhefe hierselbst ein und flie­ßen im kronprivzlichen Palais ab, während das Gefolge der beiden Prinzen iw königlichen Schlosse Wohnung nahm.

Berlin, 18. Jan. DerKreuzzeitung" zufolge war die Wahl des Nach­folgers v. Muhler's bis gestern roch nicht gesichert. Gerüchte, welche neuerdings Graf v. Keyserling! und einen höheren Communalbeamten aus der Provinz als Nachfolger bezeichnen, erklärt dieKreuzzeitung" als haltlos. Graf Keyserlingk sei für eine andere mit dem Cultuöressort zusammenhängende Stellung in Aussicht genommen.

Insterburg, 10. Jan. Der Superintendent Weber gibt in derInst. Ztg." eine amt.lche Darstellung von den Verhältnissen des Lehrers Schützler in Auxkallen. Hiernach wurde derselbe 1847 emerttirt und erhielt: vier Thaler jährlich von der Schulsocictät und drei Thaler jährlich aus der Kirchspielsschulkaffe, ferner 4 Schffl. Roggen, 2 Schffl. Gerste, 62/3 Clr. Heu, 44 Bund Stroh, 71/7 Klstr. Holz und Torf, l2/3 Morgen Ackerland und freie Wohnung im Schulhause, in Stelle der letzteren aber seit dem Jahre 1853 eine Entschädigung von 12 Thlr. Zwölf Jahre lang fanden sich mehrere auf einanderfolgende Schulinspcctoren nicht ver­anlaßt, für den Mann einzutreten. Erst als im Herbste 1869 auch die bis dahin noch rüstige und thätige Ehefrau des rc. Schützler schwer erkrankte und die Lage des armen Mannes immer hülfloser wurde, wurde zunächst auf Veranlassung des Geistlichen bei den Pfarrern und Lehrern des Kreises für Schützler eine Collecte veranstaltet, die etwa 20 Thlr. eintrvg; dann wurde gleichfalls durch den bctr. Pfarrer im März 1870 von der kgl. Regierung eine außerordentliche Unterstützung von 15 Thaler und im Mai desselben Jahres eine solche in gleichem Betrage von dem Cmeritlnvereine in Königsberg erwirkt. Auch fand der Pfarrer nunmehr Ver­anlassung, auf bleibende Erhöhung des Emeriten-Gehaltes bei der kgl. Regierung zu Gumbinnen anzutragen. DuS geschah am 20. August 1870 und wiederholent- lich am 4. Februar und 18. November 1871, worauf unter dem 30. November 1871 ( also 14 Monate nach der ersten Eingabe!) der Bescheid erfolgte, daß rc. Schützler auf die durch die neue Schulordnung vom 11. Februar 1845 stipulirte Pension keinen rechtlichen Anspruch hätte, weil er bereits im Jahre 1847 emeritirt, die genannte Schulordnung aber in unserw Regierungsbezirk erst mit dem 1. Januar 1848 in Kraft getreten sei, doch habe die hohe Behörde bereits die Erhöhung seines Emeriten-Gehaltes vom 1. Januar 1872 ab in Aussicht genommen. (!) Während diehohe Behörde" die Pensions-Erhöhungin Aus­sicht genommen", sind inzwischen durch öffentliche Sammlung für Schützler 2500 Thlr. zusarnmengebracht.

Metz, 8. Jan. Seit ter am 1. Januar Abends stattgehabten Schlägerei, in Folge welcher ein daher. Soldat gestorben, sind Seitens des hiesigen Gouver­neurs, desgleichen des Commandanten d«S 4. bayer. Regiments, des Obersten Kollermann, folgende Maßregeln getroffen worden:Kein preußischer Soldat darf mehr eine Wirthschaft am Place St. Louis betreten. Vom 4. Regiment hat ständig eine Compagnie mit Sack und Pack in Bereitschaft zu sein und von 10 zu 10 Minuten eine Patrouille abzuschtcken, welche die Umgegend der Caserne

Coislin zu überwachen hat. Der betreffende Hauptmann dieser Compagnie hat ebenfalls während der Bereitschaft in der Caserne anwesend zu sein, ferner muß jeder Offizier der Jour bis Nachts 11 Uhr sich in der Caserne aufhalten." Das Ossizier-Corps ist etwas ungehalten über diese Maßregeln. Gestern Abend zwischen 8 und 9 Uhr kam eS in der Rue terpenoite wiederholt zu einer Schlägerei zwischen preußischen und bayerischen Soldaten. Dabei wurde ein preußischer Soldat nicht unerheblich verletzt. Untersuchung wurde durch Hauptmann Kopf sofort eingeleitet. In Folge der Anordnung, daß kein preußischer Soldat in eine Wirthschaft am Place St. Louis gehen darf, begab sich ein preußischer Platz­major gestern Nachmittag in das auf dem dortigen Platze befindliche Cas6 du Commerce, woselbst er einen sächsischen Unteroffizier antraf; er stellte nun den­selben zur Rede, ob er den hierüber erlassenen Befehl nicht kenne und erhielt zur Antwort: jawohl, ich kenne diesen Befehl, allein ich bin kein Preuße, sondern ein Sachse. Der Major war's zufrieden. (Nürnb. Anz.)

Oesterreich.

Wien, 14. Januar. Die Politik Oesterreichs während des Jahres 1870 hatte gewiß einen Antheil an der Begründung der jetzigen geordneten Lage Europa's, und somit war es ein entschiedenes Verdienst, dies: Politik verfolgt zu haben, und der Mann, dem man sie verdankt, soll in ehrendem Gedächtmffe sortleben. Tie Diplomatie hat diese Ansicht zu der ihrigen gemacht. Allgemein lebt sie die vor­sichtige, kluge Haltung Oesterreichs während des deutsch-französischen Krieges, aber sie kann sich nicht darüber einigen, wem sie dafür ihre Anerkennung ausdrücken soll. Erst heimste Graf Beust alle Lobsprüche ein, d. h. so lange er Rcichskanzler war. Dann, nach seinem Sturze, erhob der Nachsvlger den Anspruch, der Vater der österreichischen Neutralität gewesen zu sein. Das österreichische Volk weiß heute so wenig wie je, wer im Juli 1870 den Ausschlag gcgcbtn und wem es für die Rettung aus der damals furchtbar drohenden Gefahr danken soll. Der Prozeß, den Beust und Ar.drassy um den Volkstank mit einander führen, ist zur Stunde noch völlig unentschieden. DieDeutsche Zeitung" beleuchtet heute den Streit­fall und beantwortet die Frage, ob wir Beust oder Bndrassy die Neutralität Oesterreichs und damit die Bewahrung von unabsehbarem Unglücke, die Verhinde­rung eines Weltkrieges, zu danken haben, mit: Keinem von Beiden. Dem Einen fehlte die deutsche Gesinnung, dem Andeten die Sielengröße zu einer solchen That. Nicht Beust, nicht Andrassy gebührt das Denkmal, welches sie sich jetzt abwechs- lungsweise m den Ofsiciösen errichten lassen. Mancherlei Ursachen haben in der zweiten Hälfte des Monats Juli 1870 zusammengewirkt, um unsere Politik zur Neutralität zu nöthigen. Einmal war man hier gar nicht für einen Krieg tor­bereitet, und eS war unmöglich, in jener kurzen Frist, welche die Schlag auf Schlag folgenden Ereignisse forderten, die Armee in Bewegung zu bringen. Dann regte sich an entscheidender Stelle, wie die besten Gewährsmänner erzählten, ein tiefer Widerwille gegen den Bund mit dem Emporkömmling, dessen Treulosigkeit ein Glied der kaiserlichen Familie zum Opfer gefallen war. Auch traf in jenen Tagen, da die Waage vielleicht noch schwankte, Graf Uexküll mit der vertraulichen Meldung des Fürsten Metternich hier ein, das sranzösische Heer sei deSorganisirt, feine Niederlage wahrscheinlich. Das waren Factoren, welche die österreichische Politik jedenfalls mehr bestimmten, als die Meinungen Beust'S und Andraffy's. Ob sie stark genug gewesen wären, den Ausschlag zu geben wer vermag es zu wissen? Sie wurden erst entscheidend durch die Haltung der Deutschösterreicher, durch die einmüthige Entschlossenheit, mit der sie Partei für ihre Stammesgenossen nahmen und jede Thcilnahme am Kriege gegen Deutschland verdammten. Wir haben nicht erst gewartet, auf welche Selle sich der Sieg neigen werde, wir haben uns nicht wie die Diplomatie der Sache des Stärkeren angeschlosscn, sondern Mann für Mann sind wir für Deutschland eingestanden und unser Schrei, der Schrei von neun Millionen, drang hinauf in jene Kreise, von denen das Schick­sal des Staates abhängt. Keinem Politiker hat das Volk Deutschösterreichs die Rettung von abscheulichen Bruderkriegen und endlosem Greuel zu danken, sondern sich selbst, seiner StammeStreue und Festigkeit.

Lemberg, 14. Januar. Vom polnischen National-Schutzverein Opieka Na- rodowa geht folgender anonymer Ausruf aus:

Landsleute! Hundert Jahre sind es, seitdem unser Volk, erschöpft durch innere Kämpfe, eine Beute dreier raubgieriger Nachbarn wurde. Drei verschie­denen Regierungssystemen, drei verfchtedenen Graden fremden Einflusses unter­worfen, leben wir fett hundert Jahren, unser TodeSurtheil vor Augen, gegen welches uns nur schützt die unbeugsame Lebenskraft unseres VolkSgeisteg, das Be­wußtsein unserer historischen Rechte und das erhabene Gefühl unserer Pflichten nicht nur der aus dem zerrissenen Körper entstandenen Provinz, sondern haupt­sächlich dem einigen und gemeinsamen Vaterlande gegenüber, das, durch Gotte- Willen entstanden, durch keine menschliche Gewalt vernichtet werden kann. Nach- dem wir unter solchen Verhältnissen so viele Jahre überstanden, haben wir den Beweis geliefert, daß wir a'.'ch in Zukunft bestehen und für eine bessere Zukunft arbeiten werden, für die Fehler unserer Urväter geduldige Buße übend. Doch darf diese Geduld nicht zur Gleichgiltigkeit werden gegen die in unserer Geschichte mit blutigen Lettern verzeichneten Daten, zu welchen der in der Geschichte der öffentlichen Wtderrechtlicdkeit denkwürdige Tag der Unterfertigung der ersten Thei- ftung Polens gehört. Die Säcularfeier dieses Fistes fällt auf den 6. Februar '1872. Wir erinnern daran unsere Brüder in allen Theilen Polens, und in der i lieber jeugung, nur die Dolmetsche des allgemeinen Willens zu (ein, fordern wir