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graben bleiben. Wir wissen, was das Bestreben des PfaffenthumS ist, worauf sein ganzes Thun und Trachten gerichtet bleibt. Der Gewissensfreiheit gilt der Kampf der römischen Priester, der Wissenschaft und dem Fortschritte. Dies ist die ein für alle Male ausgegebene Parole, dies das Ziel ihres Kampfes, mögen die Wurfgeschosse nun zugeschuitten werden, wie immer es den kanonischen Feldherren beliebt. Aber wir kennen auch den Kampfpreis und werden uns durch keine Bi- schofsconferenz an dem steten Widerstande gegen pfäffische Verdummung irre machen lassen (Fe 3 )

Darmstadt. Ausweislich einer amtlichen Zusammenstellung beliefen sich die Einnahmen des Großherzogthums Hessen an Regalien, indirekten Auflagen und aus verschiedenen Quellen im Jahre 1871 auf 2,592,928 fl., womit die Summe des Vorjahres um den erheblichen Betrag von 131,126 fl. überschritten wird. Die Tranksteuern, einschließlich der Zapfgebühr von Wein, ergaben 1,409,598 fl. ober 30,469 fl. mehr als in 1870. Die Einnahmen aus Regalien warfen 23,749 fl. oder 16,832 fl. mehr ab als im Vorjahre, Drücttngeld und lieber- führten ertrugen 57,098 fl., Stempel 578,064 fl., Collateralgelder 165,046 fl.; sie sind sämwtlich höher als 1870, und namentlich lieferten Stempel einen Mehr- ertrag von 62,273 fl.

Darmstadt, 16. September. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 6. September 1. I. den Friedrich Balduin Frei- Herrn von Gagern zu Darmstadt zum Kammerherrn zu ernennen.

Darmstadt, 16. September. Die Berufung des Advocat - Anwalt Finger in Alzey in das Justizministerium ist wahrscheinlich, und zwar soll der neue Justizminister selbst Viesen Wunsch geäußert haben. Mintsterialrath Fischer würde aus dem Ministerium der Justiz in das Ministerium des Innern übertreten und das Referat des Geh. StaatSrathS Franck übernehmen. Fischer ist als entschieden antiklerikal bekannt.

Berlin. DieSpen. Ztg." enthält das Dankschreiben, welches Fürst Bis­marck an den Mr. Kinnaird für Ueberreichung der Adresse englischer Notabeln gerichtet hat. Dasselbe lautet: Berlin, 10. Sept. 1872. An den ehrenwerthen Herrn Arthur Kinnaird, Mitglied des Parlaments von Großbritannien und Irland. Ich sage Ihnen und den Herren Mitunterzeichnern der Adresse, welche Sie mir zu überbringen die Güte gehabt haben, für diesen ermuthigenden Zuspruch weinen verbindlichsten Dank. Ihre Kundgebung hat einen um so höheren Werth, als sie aus dem Lande kommt, welches Europa in den letzten Jahrhunderten als Boll­werk der politischen und religiösen Freiheit schätzen gelernt hat. Sehr richtig würdigt die Adresse die Schwierigkeiten des Kampfes, welcher uns gegen den Willen und gegen die Erwartung der deutschen Regierungen aufgenöthigl worden ist. Die staatliche Aufgabe, den konfessionellen Frieden und die Gewissensfreiheit Aller gleichmäßig zu schützen, würde auch dann keine leichte sein, wenn sie den Regie- rungen nicht durch den Mißbrauch berechtigter Einflüsse und durch künstliche Be- unruhiguug gläubiger Gemüther erschwert würde. Ich freue mich, mit Ihnen in dem Grundsätze einverstanden zu sein, daß in einem geordneten Gemeinwesen jede Person und jedes Bckenntniß das Maß von Freiheit genießen soll, welches mit der Freiheit der übrigen und der Sicherheit und Unabhängigkeit des Landes ver- einbar ist. In dem Kampfe für diesen Grundsatz wird Gott das deutsche Reich auch gegen solche Gegner schützen, welche Seinem heiligen Namen den Vorwand für ihre Feindschaft gegen unfern inneren Frieden entnehmen; aber jedem meiner Landsleute wird es gleich mir zur besonderen Genugthuung gereichen, daß Deutsch­land in diesem Kampfe die Zustimmung der zahlreichen und gewichtigen englischen Stimmen gefunden hat, deren Ausdruck ihre Adresse enthält. Ich bitte Sie, weinen aufrichtigen Dank zur Kenntniß Ihrer Herren Mitunterzeichner bringen zu wollen und die Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung zu genehmigen, gez. v. Bismarck.

Berlin, 16. September. Wie die illustrirte WochenschriftVanity Fair" erfährt, befinden sich die Privatansprüche des Königs von Hannover im Wege der Regelung, und Se. Majestät steht wegen des Ankaufs einer großen Besitzung in England, woselbst er wahrscheinlich künftig sein Domicil nehmen wird, in Unter- Handlungen. Er wird während seiner Lebenszeit den TitelKönig" beibehalten, aber der Kronprinz wird nun den TitelHerzog von Cumberland und Teoiotdale" übernehmen.

DieD. A. Z." schreibt: Das Leipziger Polizeiamt hat bekanntlich für seinen JuriödictionSbezirk die Mitgliedschaft an der internationalen Arbeiter- Association sowie an der socialdemokratischen Arbeiterpartei und das Anwerben und Agitiren für diese Vereine mit Rücksicht auf deren gemeingefährliche und gesetzwidrige Tendenzen und Zwecke bei Strafe verboten. Da nun der Schrift­steller und Mitarbeiter amVolksstaat", Adolf Hepner, an den kürzlich in Haag und beziehentlich in Mainz abgehaltenen Kongressen der genannten beiden Vereine Theil genommen hat, in Haag auch als Redner aufgetreten ist, so ist er nach seiner Rückkehr wegen Uebertretung des obigen Verbotes vom hiesigen Polizeiamte zur Verantwortung gezogen nnd in Hast genommen worden.

Fulda, 15. Sept. Die vom katholischen Casino zu Ehren der vom 17. bis 19. September in unserer Stadt anwesenden deutschen Kirchenfürsten beschlos- senen Festlichkeiten, als: feierlicher Bittgang, Fackelzug, Illumination, sind zu Wasser geworden. Der betreffende Aufruf zu demselben lag schon druckbereit; man hatte aber die Rechnung ohne den Wirth gemacht. Der deutsche Episkopat, insbesondere der Erzbischof von Köln als Vorsitzender der Conferenzen, hat sich jede Demonstration verbeten und dadurch bewiesen, daß er mehr Tact besitze, als die Heißsporne des schwarzen Casinos. Und doch ist eg schade, daß die Festlich­keiten unterbleiben. Den Herren würde denn doch diesmal gründlich der Staar gestochen worden sein, daß sie den mächtigen Einfluß in unserer Stadt nicht haben, den sie sich zuschreiben. Ihre Lieblingssarbeschwarz" würde allerdings bei der projectirten Illumination vorgeherrscht haben, insofern als die große Mehrzahl der Häuser ohne Zweifel durch Dunkelheit geglänzt hätte. Zu den Conferenzen sind fast sämmtliche deutsche Bischöfe, 22 an der Zahl, angemeldet. Auch Bischof Raß von Straßburg wird erwartet. Die Nachricht von dem Gerüchte, daß die kur­fürstliche Familie zu Horzowitz zum Katholicismus übertreten würde, hat in ganz Kurheffen großes Aufsehen erregt, und war man sehr gespannt, waS die in Mel- sungen erscheinenden (Vilmar'schen)Hessischen Blätter" darüber sagen würden. Dadurch, baß sie in ihrer gestrigen Nummer dieses für ihre Parteigenossen gewiß sehr peinliche Gerücht mit keinem Worte berührten, gewinnt dasselbe einigermaßen Bestärkung. Auch erinnert man sich, daß bereits der Urgroßvater des Kurfürsten, Landgraf Friedrich II., zum Katholicismus übergetreten war, und daß sich die ganze Rotenburger Linie des hessischen Hauses, welche 1834 ausgestorben ist, zu letzterem bekannte.

Fulda, 17. September. Bis heute Mittag sind zu den BischofS-Conferenzen die Bischöfe von Regensburg, Speyer, Straßburg, Hildesheim, Culm, Limburg und der Vertreter des Bischofs von Passau angekommen, die anderen werden noch heute erwartet. Der Fürstbischof von Breslau und der Bischof von Würz­burg logiren bei dem hiesigen Bischöfe, die Uebrigen im SeminariumSgebäude. Hauptgegenstand der Verhandlungen ist muthmaßlich: das Verhalten gegenüber den jüngsten, dem Katholicismus feindlichen Bestrebungen und Regierungs­maßregeln.

Offenburg, 14. Sept. Wie man erfährt, sind von Seiten der hiesigen altkatholstchen Gemeinde dem Herrn Pfarrer Joseph Feig in Griesheim, wenn er die altkatholische Pfarrei Offenburg und die Diaspora dieser Kirche in Baden zur Verwaltung übernehmen wolle, 3500 fl. als jährlicher Gehalt zugesichert worden. Es fragt sich, ob die Regierung ihm den Pfründengenuh in Griesheim läßt, wenn er nicht nach Schwanningen geht und ihm gestattet, den Gehalt der Janfenisten neben seinem Pfarreinkommen als Pfarrer von Griesheim oder als pensionirter katholischer Pfarrer zu beziehen?

München, 14. September. Ueber unsere Ministerkrisis wenn wir in Wahrheit eine solche haben, woran zu zweifeln noch kein Staatsverbrechen ist muß sich, wer Lust hat, bei den Freunden der künftigen Minister Raths erholen; die bisherigen amtiren ruhig fort, werden mit den so eben zusammentretenden Gesetzgebungs-Ausschüssen das Abänderungsgesetz für den Milttär-Strasproceß ver­einbaren und, wie es scheint, ruhig warten, ob ein Ministerium Gasser vom Himmel fällt. Von all' den Nachrichten, welche über das letztere interessante Thema in die Welt gesandt worden sind, ist uns nur Zweierlei verbürgt: erstens, daß sämmtliche Minister erklärt haben, mit Herrn v. Gasser als Nachfolger des Grafen Hegnenberg nicht dienen zu wollen, und daß diese Erklärung, auf welche eine Entlassung nicht erfolgte, schon so weit in der Zeit zurückliegt, um es begreiflich zu machen, wenn ein Minister Gasser von einem Mlnistertum dieses Namens war keine Rebe als ein Vergangcnheitstraum betrachtet wurde. Ob Herr v. Gasser den Auftrag erhielt, ein Ministerium zu bilden, welche Personen dazu eingeladen worden, abgesehen von den Namen, welche der Spott der Gegner ausbrachte, ist bis zur Stunde noch unaufgeklärt nnd braucht von Niemandem mehr geglaubt zu werden, als die jetzt vierzehn Tage alte Ente, daß ein Ministerium Gaffer - Lobkowitz Lerchenfeld fertig sei. Man muß sich allmählich abgewöhnen, telegraphische Nachrichten für mit besonderer Glaubwürdigkeit ausgestattet zu halten, namentlich in der heißen Jahreszeit, wo die eigentliche Politik Ferien macht und jeder Windhauch schon für einen Orkan gehalten zu werden pflegt. Feststehende Thatsache des bayerischen politischen Lebens ist zur Stunde nur, daß die beiden ultramontanen Richtungen Vaterland-Volksbote und Bayerischer Kurier-Postzeitung sich fortwährend gegenseitig die allerschönsten Complimente machen, während das Publikum die Unparteilichkeit besitzt, beiden Parteien Recht zu geben.

München, 15. Sept. Die neuen Bestimmungen über die militärischen Ehrenbezeugungen bringen mancherlei bis daher in der bayerischen Armee nicht gebräuchliche Neuerungen. Nach denselben haben die Schildwachen Ste7 4un mit Gewehrüber" (hoch) zu nehmen vor: dem Hochwürdigsten des fa-ffofcfcni Cultus, den Rittern des Militär-Max-Joseph-OrdenS, des Militär-S >a.itätS- EhrenzeichenS, der Militär-Verdienst- (TapferkeitS-)Medaille, des Militär-Verdienst- Kreuzes und des Eisernen Kreuzes, auch dann, wenn die Träger derselben Ge­meine sind. Den Inhabern vorstehend genannter Orden kommt die zugesprochene Beehrung auch zu, wenn sie in Civilkleidern erscheinen, jedoch nur dann, wenn die volle Dekoration getragen wird.

Regensburg, 13. Sept. Die Ausführung des Jefuitengesetzes hat nun auch in hiesiger Stadt begonnen, wo sich seit mehreren Jahren eine Anzahl Je- suiten aufhalten, wenn sie gleich eine förmliche Niederlassung nicht haben. Gegen Die Patres wird mit einer Strenge vorgegangen, die selbst in Preußen nicht vor- gekommen ist: sie erhielten den Auftrag, bei Meidung von Gewaltmaßregeln die Stadt Regensburg und den Kreis Oberpfalz binnen drei Tagen zu verlassen. Nur dem Pater Ehrensberger wurde erlaubt, hier zu bleiben, da er hier be« heimathet ist. Ordens- und Priesterthätigkeit wurde ihm indeß selbstverständlich untersagt. Uebrtgens rief diese Ausführung des Jesuitengesctzes hier eine nicht uninteressante staatsrechtliche Frage hervor. Unter den hiesigen Jesuiten befindet sich nämlich Herm. Graf v. Fugger-Glött, dessen früher reichsunmittelbare Familie standeSherrliche Rechte bat, worunter gemäß § 14 Ziff. 1 der deutschen BundeS- Acte und § 5 Der Beilage 5 zu Titel 5 § 2 der bayerischen VerfaffungSurkunde auch jenes, an jedem beliebigen Orte in Deutschland seinen Aufenthalt zu nehmen, ist. Wie nun mitgctheilt wurde, weigert sich Graf Fugger, im Hinblick auf das erwähnte Recht, Dem Auftrage, Regensburg zu verlassen, Folge zu leisten, und erklärte Dem ihm Den Auftrag eröffnenDen Magistratsbeamten, Daß er auf An- wenDung von Gewalt ankommen lasse und gegen diese Ausweisung die geeignete Beschwerde erhebe. (N. C.)

Aus Elsaß-Lothringen, 13. September. Ein glücklicher Zufall ist es, daß mit den offenen auch gleichzeitig Die verkappten unD versteckten Feinde Deutschlands Den Deutschen Boden bei uns räumen. Ich meine die Jesuiten; sie belagern gegenwärtig m Schaaren Die Bahnhöfe, um meistens nach Belgien und Der Schweiz zu wanDern. Mit ihnen kommen in Der Regel kleine Bauern­burschen und alte Frauen angezogen, Die ihnen die wenigen Habseligkeiten tragen und unter Thränen von ihnen Abschied nehmen. Bei einem Ausfluge von Straßburg aus hatte ich letzten Montag gegen 60 fromme Väter zu Reisebegleiter« auf Der Eisenbahn, Die übrigens keineswegs niedergeschlagen aussahen.Auf Wiedersehen!" riefen sie ihren Begleitern zu; Denn das steht fest: sie werden wieder kommen, sobald Die Deutschen aus Elsaß-Lothringen vertrieben sind, was bekanntlich nicht wehr so lange Dauert.

Oesterreich.

Nicht ohne Vorbehalt theilt ein osficiöser Correspondent DerBohemia" aus Wien mit, es roetDe Der Dort accreditirte Vertreter Der Curie nur Die Rückkehr des Grafen Andrassy abwarten, um an Denselben mit einer sehr eindringlichen, aber auch sehr herabgestimmten Vorstellung heranzutreten. In Dem Hinweise gipfelnD, Daß Der Heilige Vater unter den gegebenen Verhältnissen sich in Ros nicht mehr sicher fühle, würde diese Vorstellung Dahin gehen, das hiesige Cabinet zu vermögen, einen Schritt zu thun, um im Wege der freundschaftlichen Jnterventiott Die Regierung Victor Emanuel's zu vermögen, dem Papste andere Bürgschaftt» seiner Unabhängigkeit zu gewähren.Wenn Dem wirklich so ist", fügt Der Gewährsmann derBohemia" bei,Dann scheint man in Rom sich doch dazu za verstehen, gelindere Saiten aufzuziehen; ob aber Das hiesige Cabinet sich bewöge»

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