Freiherren im fränkischen Grafencollegiuw, im siebenzehnten Jahrhundert erlangte ihr Senior Sitz und Stimme im deutschen Fürsten-Collegium. Erst im vorigen Jahrhundert erwarben sie Vie ersten Anfänge ihres allerdings jetzt sehr bedeutenden Grundbesitzes in Böhmen. Nie haben sie in der böhmischen, wohl aber in der deutschen Geschichte eine Rolle gespielt. Und nun sind dre Nachkommen jenes Fürsten Karl Schwarzenberg, welcher 1813 der Oberfeldherr der Defreiungs- Armee gegen Napoleon I. gewesen, im Begriffe, mit den czechischen Brief- und Depeschendieben, mit den Verbreitern der auf „weißem Papier" das Hundert zu fünf Kreuzern gedruckten k. Rrscripte, mit den Faiseurs der böhmisch - slawischen Eoalition, die Kossuth gegen den Kaiser Franz Joseph augspielen will, an einem Strange zu ziehen. So tief auch die Herren, welche die Fronde des siebenzehnten Jahrhunderts gern tn das neunzehnte übersetzen möchten, die öffentliche Meinung und die Ueberzeugungen des Bürgerstandes zu mißachten Miene machen: sie werden dem Drucke derselben sich doch nicht entziehen können.
Da« „Vaterland" beginnt eine Reihe von Artikeln „Nemesis" überschrieben, worin es schreibt: „Einst war Oesterreich mächtig und glücklich. Brausten auch furchtbare Stürme über dasselbe einher, wie zur Zeit der Türken-, des dreißig- jährigen, des Erbfolge- und des siebenjährigen Krieges, so daß die habsburgische Monarchie jetzt und jetzt dem Untergange verfallen schien — die Hand Gottes griff in den Momenten der höchsten Gefahr ein und rettete die Monarchie ober erweckte große Staatsmänner und Helden. Heutigen Tages läßt sich trotz allen liberalen Geschreies von Intelligenz, von Aufklärung und Fortschritt kein Staats- mann, kein Held blicken, und jede Spur der alten Begeisterung ist wie verschwunden. Wer an eine Vorsehung, wer an eine Gerechtigkeit Gottes, wer an die Wahrheit der katholischen Kirche als Rcich Gottes zur Erlösung und zum Heile der Menschen glaubt, dem wird die ganze Sachlage klar und deutlich. Es ist die Nemesis, welche herernbricht, wie schon Papst Pius VII. und Cardinal Frankenberg, Erzbischof von Mecheln tn Belgien, Kaiser Joseph II. vorauesagten. Fast kein Reich hat in den letzten 80 Jahren und namentlich in der Gegenwart so schwer gegen die Kirche und gegen seine Traditionen und seinen Berus sich versündigt , als wie Oesterreich. Das griechische Kaiserreich ging nicht durch seine Völker und nicht durch die Türken zu Grunde — sein Byzantinismus, das heißt sein Abfall von der Einheit der Kirche, sein Schisma, seine Wuth, zu theologi- siren, und die Verfolgung der Katholiken hat es seiner Auflösung unaufhaltsam entgegengesuhrt. Gleiche Ursachen — gleiche Wirkungen. Was für das griechische Kaiserreich sein Byzantinismus war, für Frankreich der Gallicanismus, für die Kurfürsten Deutschlands der Febronianismus, das leistete für Oesterreich der Josephinismus."
Frankreich.
Paris, 13. April. Der Eindruck der Elys6efeste spiegelt sich in einem Artikel beö „Bien Public" ab, der auf den durch Herrn Thiers wieder gewonnenen Einfluß Frankreichs in Europa hinweist und hinzusügt: „Dieser Einfluß, den Europa eben so wenig bestreitet, als es ihn entbehren wollte, ist nicht nur politischer, sondern auch civilisatorischer Natur, und eS ist fast ein Gemeinplatz, wollten wir noch auf die viel beneidete Ueberlegenheit, die unwiderstehliche Anziehungskraft Hinweisen, deren sich Frankreich, was Geschmack und feine Sitten, Kunst und Wissenschaft und Industrie betrifft, erfreut. Wieder sieht es, wie die Fremden ihm zuströmen, begierig wie je auf sein Urtheil, nach seinem Lobe, und um so eingenommener von feinem wiedererstandenen Glanze, je länger sie seiner Anschauung beraubt waren!"
Der „TempS" bringt ein Schreiben von einem ehemaligen Bewohner von Neu-Calebonien, der in Betreff der zur Deportation verurtheilten Mitglieder der Commune darauf hinweist, daß die im Deportationsgesetze genannte Halbinsel DacvS keine „Halbinsel" , sondern eine Insel ist oder vielmehr ein unfruchtbarer Felsen von 4000 Hektaren Flächeninhalt, aus dem sich eine kleine sumpfige Ebene und ein unbedeutendes Wäfferlein befindet. Die sodann als einfacher Deportationsort bezeichnete Fichteninsel (Ile des Pins) sei zwar besser gewählt, enthalte aber schon eine Anzahl von Eingeborenen, Colonisten und Missionären, die alles urbare Land bebauen, so baß für die neuen Ankömmlinge eigentlich kein Platz wehr vorhanden ist. Was die Insel Mare betreffe (Loyalty-Gruppe), so sei dieselbe eine Koralleninsel, die bisher weder erforscht noch colonisirt wurde; ihr Boden sei unergiebig und wasserlos; die Eingeborenen, welche man dort finde, trinken Regenwasser, welches sie in Cisternen sammeln, und seien nebstdem noch Menschen« freffer. Zum größten Tyeile nähren sie sich vom Fischfang, der jedoch die ihnen eigene Geschicklichkeit erfordere, um ergiebig zu sein.
Versailles, 17. April. Gestern Abend hat im Lager von Roquencoart eine Feuersbrunst stattgefunden, wobei in den als Ställen dienenden Baracken fünfzig Pferde verbrannten oder erstickt sind. — Das Kriegsgericht veruriheilte gestern 11 Uhr Abends eine Petroleuse zum Tode, während zwei andere lebenslängliche Zwangsarbeit erhielten. — In Castres (Dep. Tam) haben sich die Webergesellen, 2500 an Der Zahl, gestern in Sinke gesetzt. Die Ruhe ist vollständig.
Spanien.
Madrid, 16. April. Die Zeitungen veröffentlichen ein Schreiben Thiers' an den König, welches besagt, daß keine Macht, auch nicht Italien, an der Be- scstigung Der Dynastie und Der Institutionen in Spanien ein größeres Interesse habe, als Frankreich. — Soweit Die Senatorenwahlen bis jetzt bekannt sind, wurden 114 ministerielle und 39 oppositionelle Candldaten gewählt. — Fünfzehn »on Den Räubern, welche Den Eisenbahnzug in Andalusien anhi-lten, sind ergriffen worden. Dieselben befanden sich noch im Besitze eines Theils des geraubten Geldes.
England.
London, 16. April. Die seitens der Regierung der neuesten Prozeßschrift in der Alabamasrage beigegebene Note datirt aus Genf und benachrichtigt Die Schiedsrichter, daß hinsichtlich Der inDirecten SchäDenansprüche sich einige unglückliche Mißverständnisse erhoben hätten, welche England dem Schiedsgerichte nicht habe unterbreiten können. England habe Deshalb Die Einreichung einer weiteren Prozeßschrift beschlossen, welche hinsichtlich Der Beschränkung Der inDirecten Schaden- ansprüche bestimmte Forderungen aufstelle. Die britische Regierung hoffe, daß Die beklagenswerthen Mißverständnisse noch vor Dem 15. Juli beseitigt sein würden, sie wünsche aber gleichzeitig anzudeuten und notificire dies Den Schiedsrichtern ausdrücklich und förmlich, daß sie Die Prozeßschrift ohne Präjudiz ihrer eingenom- menen Stellung und mit Dem förmlichen Vorbehalt aller Rechte eingeräumt habe.!
Vermischtes.
Dem „Rhein. Merk." wird aus Köln geschrieben: „Der Vater des Professors Dr. Langen in Bonn wurde, als er am Gnündvnnsrstage im Dom communiciren wollte, von dem (Caplan Ostländer mit folgenden Worten zurückgewiesen: „Herr Pastor Halm hat mir ausdrücklich geboten, Zonen die Eommunion nicht zu geben; entfernen Sie Sich also von hierl" Dieser Mann wohnt seit 50 bis 60 Zähren in der Dompfarre, ist als frommer Katholik bei allen Pfarrgenoffen bekannt und bat aus seinen Kindern brave und tüchtige Manner erzogen. Was mag er nun verbrochen haben?"
München, 11. April. Der Münchener „DolkSbote" stellt eine Wiederauflage der mittelalterlichen Zuvenhetze m Ausficht. DaS Blatt behauptet — wir wissen nicht, mit welcher Berechtigung —, daß die Münchener Zuden anfangen, in „ihre alte Unverschämtheit und Frechheit zurückzufallen und fich als Herren der Stadt und der Gerichte zu geberden." Es wird dann erzählt, eine „Bande von etlichen MauschelS" habe fich ihrer Macht gcrübmt, ein „altes zahn. lückigeS Möbel von einem Zudenweibe" habe fich ähnlich geäußert und fich dahin vernehmen lassen, die „Zuden hätten eS dahin gebracht", daß die „Dachauerbank" nächstens geschloffen werde» müsse. Dann beißt es wörtlich: „Ob sich die Gerichte aber bereitwillig finden lassen, den letzteren Wunsch dieser beschnittenen Bande zu erfüllen, nämlich die Schließung vorzunehmen, muß der Volköboie schon deshalb bezweifeln, da ein solcher Gewaltact unzweideutig beweisen würde, daß die obbezeichneten Juden die Wahrbeit geiprochen hätten und daß Gewalt vor Recht geht'. Träte aber doch ein derartiger Gewaltact ein, so werden wir uns nach obigem Gespräch zu richten wissen und die Urheber, die beschnittenen Beutelschneider, dafür auf daS weitgehendste verantwortlich machen und den Stiel so umkehren, daß wir sie für vogelfrei erklären und ohne Gnad und Pardon, trotz allem „Ach" und „Wai" demnach behandeln. Den Israeliten muß wieder einmal MoreS gelehrt werden, und eS wird geschehen."
Die „Kempt. Ztg." schreibt: In der Kapelle zu Heimhofe, Gemeinde Grünenbach (Algäu), wurde statt der schadhaften alten Glocke eine neue angeschafft und der Pfarrer Bauer in Grünenbach gebeten, dieselbe zu weihen. (Sc erwiderte, dazu müsse er erst vom Bischof von Augsburg Wasser kommen lassen. Mit gewöhnlichem Wasser könne er die Glocke nicht weihen. Nun, am 5. d. kam das unentbehrliche Gewässer in einem Kistchen mit dem Postzug nach unserer Eisenbahnstation und was stand darauf? „Vom bischöfl. Ordinariat Augsburg an das k. Pfarramt in Grünenbach. Wasser ohne Werth."
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 17. April. „Flau, wenig Geschäft!" Das ist NUN ständiger Refrain geworden, d-r jedem nur einigermaßen Eingeweihten sofort aus allen Gesichtern deutlich lesbar entgegenleuchtet, sobald er den Börsensaal betritt. Fast hat eS den Anschein, als ob diejenigen Recht behielten, welche eine längere Baisseperiode prophezeien. Auch heute wieder war der Umsatz ein sehr beschränkter und die Eourse, namentlich der SpeculationSeffecten, konnten sich nur mit Mühe aus einer der gestrigen annähernden Basis halten. Ereditactien wurden mit 352, Staatsbahn gar nur mit 391% und Lombarden mit 2O93/4 bezahlt. Auch beide österreichischen Renten weichend. Ueberwiegend war die Verkaufslust auf dem Gebiet der österreichischen Bahnen, die fast sämmtlich auSgeboteu wurden, ohne Abnehmer zu finden. Ein Gleiches gilt auch von den jüngeren Banken, namentlich den auswärtigen, während hiesige Institute sich zu halten wußten. Darmstädter wurden heute mit 475, Oesterreichisch-deutsche mit 123*/2 und Bayerische WrchSler- bank mit 108*/2 bezahlt. Die neuen Pfandbriefe der Süddeutschen Bodencreditbank fanden bei 99 mehrfach Abnehmer. Prioritäten litten gleichfalls unter der allgemeinen Ungunst und waren billiger zu haben. Staatspapiere nur in kleinen Posten vorhanden und auch im Preise gedrückt. Für die neue russische Anleihe bei Rothschild laufen dagegen aus dem Privatpublikum zahlreiche Zeichnungen ein. Loose ohne Verkehr und meistens vfferirt. Amerikaner still, aber preishaltend.
Literarisches.
Wenn wir heute, wie dieß schon öfter geschehen, der im Verlage von Eduard Hallberger in Stuttgart erscheinenden Allgemeinen Jllustrirten Zeitung
lieber Land und Meer
gedenken, so geschieht es, um unsere Leser auf den in Nr. 24 beginnenden Zeitroman „Um Szepter und Kronen" aufmerksam zu machen. Dieser Roman verspricht, den uns vorliegenden ersten Kapiteln nach zu urtheilen, ein Er eign iß zu werden. Seine Handlung gehört der neuesten Zeit, und zwar den großen Ereignissen des Jahres 1866, an, die mit Recht als die Vorläufer der jüngsten weltumwälzenden Epoche bezeichnet sind. Gleich das erste Kapitel führt uns in das Arbeitskabinet des großen Mannes, der mit fester, sicherer Hanv die Zügel der Geschichte leitet. Hier, in einer Privatverhandlung zwischen Bismarck und seinem Vorgänger Manteuffel, sind gewissermaßen die tief verborgenen Fäden aufgedeckt, welche dann tn gewaltiger Wirkung in Leben und Wirklichkeit umgestaltend hinausreichten. Nur die Form dieses Romans ist Dichtung, sein Kern ist Wahrheit. Der Verfasser beabsichtigt, wie wir aus einem Vorwort der Redaktion entnehmen, Bilder aneinander zu reihen, welche zum Verständniß jener Zeit beitragen und den großen tragischen Konflikt charakterisiren, den jene großen Kämpfe in erster Instanz zum Austrage brachten; tn dem zugleich aber auch die Keime lagen zu der gewaltigen endlichen Katastrophe von 1870 und 1871. Der Verfasser steht dem Räderwerk der Staatsmaschine selbst nahe, hat sich aber durchaus objektiv gehalten und ist bemüht, jeder Parteirichtung gerecht zu werden. Auch der übrige Theil der neuesten Lieferungen von „lieber Land und Meer" ist, wie immer durch seine Mannigfaltigkeit in Wort und Bild, in Ernst und Scherz, von allgemeinem Interesse.
Börsennaehrichieu. 17. April 1872.
Preuss. 4V3°/o Oblig. — Frankl. 3i/z°/g Obi. 87'/, Nass. 41/-0/0 Obi. 991/3 Kurhess. 4% „ 94 Gr. Hess. 5% Obi. 1033/4 » n 4% n 97
„ » 31/2% „ 92
Bayer. 5% „ 100V8
n 4Vs 0/0 1jährige 99i/a
„ 40/o 1jährige 95‘/2
Würtemb. 4Va°/o Obi. 99 Vz Baden 4i/a0/0 Obi. 0. E. L. 100 Oesterr. Silberrente 63f/4 „ Papierrente 57%
Spanier, neuest. 3% 29
Amerik. Bonds 188lr 1003/8
n „ 1882r 96
„ „ 1885r 97i/2
„ , 1887r 973/,
letten.
Frankf. Bank 113 ’/2
Frankf. Vereins-Kasse 135
Darmst. Bankact. 475
Wien Bankactien 872
Oest. Creditaot. 3531/2 Galizien —
Aetlen.
50/0 östr. F. St. E. B. 393V3 Lombard. Bahn 210 ’/2 Ladwigsh.-Bexbach — Maxbahn 1471 2
Bayer. Ostbabn 150 Rhein-Nahebahn-Äct. 49 Hess. Ludwigs!?.-Act. — Oberhessen „ 843/4
Prioritäten.
3% öster. Stsb.-Prier. 59 Va 3% öst. s. Lombard 5O‘/2 3% Llvorneser 40 </4 5% Tosoaner 62’/4
50/0 Elisabeth.-Prior. 84 do. II. Emles. 82%
Anleheuelooee.
Kurh. 40 Thlr. Loose — Nassau 25 fL 44 Braunschweiger 21 Vs 30/0 Oldenburg, s 40Thlr. 393/4 4% bayr. Präm.-Ani. 113 Ansbacher 7 fl. — 40/0 badische Loose 110 Badische fl. 35 Loose — Oestr. fl. 250 v. 1854 — 1858r Prioritätslooee — 1860r Loose 913/4 1864r „ —
Stadt Florenz —
Weeiiwel.
Amsterdam k. Ä. 98 Vz Augsburg k. 8. 993/4 Berlin k. L. 1047/8
Bremen k. 8. 963/8
Brüssel k. 8. 93V2
Hamburg k. 8. 87 Leipzig k. S. 105 London k. 8. II8V3
Lyon k. 8. —
Paris k. 8. 93 Vz
Wien k. 8. 105%
ditto m. 8. 1053/4 ditto 1. 8. 1055/g
Dis conto 4 0/0
Geldsorten. fl. kr.
Pr. Friedrdor 9 58—59 Pistolen . . 9 40—42 „ doppelte 9 40—42
Holl. fl. 10 St. 9 53—55 Ducaten . . 5 33—35 20 Frankenst. 9 20 Vz—21i/z Engi. Sorer. 11 48 — 50 Russ. Im per. 9 40 —42
Dollar in Gold 2 25 Va—261/3
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