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Meßmer Anzeiger.
Erscheint täglich, mit.Aus- nahme Sonntags.
Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1.
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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kichen.
Nr. ÄL. Freitag den 16. Februar 1872.
Gießen, am 16. Februar 1872. Betreffend: Controloersammlungen.
Darr GroßyerzKglrche Kreis am! Giehen
an die Großher^oglichen Biirgermeistereien des Kreises.
Wir beauftrageu Sie, die in dem gestrigen Anzeiger (Nr. 40) veröffentlichte Bekanntmachung des Großh. Landwlhr - Bezirks- Ccmmandos dahier, die diesjährigen Frühjahrs-Controlvelsammluttgen betreffend, in Ihren Gemeinden ortsüblich publiciren zu lassen.
v. Röder.
B e k a n u t m a ch u n g.
Betreffend: Die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh und den Schweinen.
Da unter dem Rindvieh und den Schweinen der Stadt Gießen und benachbarter Orte wiederholt Erkrankungen an Maul- und Klauenseuche vorgekommen sind, wird die bestehende Vorschrift in Erinnerung gebracht, wonach auf Märkte nur solches Vieh zuzulassen ist, welches mit ordnungsmäßigen Gesundheitsscheinen begleitet ist.
Gießen, den 16. Februar 1872. Großherzogliches Kreis amt Gießen.
In Verhinderung des Kreisraths: Kekuls, Kreisaffessor.
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(F. I.)
Cßtientn in der betriffcntcn AvSschußsitzung durchgegangen, also Hoffnung tv.*’, h'-nten, raß demnächst einem dringenden Bedürfnisse Rechnung getragen werde. Mit gespannter Erwartung sehen Viele, die seither die Parias aller Angestellten sein mutzten, den Kammerdebattcn entgegen, ob die Regierung, eingedenk ihrer moralischen und rechtlichen Verpflichtung, die 2—300 niederdotirten, wahrhaft ilvAich gestillten Pfarrer berüctstchtigen und eine zeitgemätze Aufbesserung vorge- schlagen werde, und cb eventuell in der LandeSverlrelung sich Männer finden werden, die im Gefühle der Billigkeit auch die vergessenen Pfarrer vertreten. Durch die Erfüllung dieses gewiß berechtigten Wunsches würde durchaus nicht, wie be- h -uptet zu werden Pflegt, der Lösung der Frage vorgegriffen, wer verbunden ist, d'N Pfarr.rn dauernd einen ihrer Stellung und ihren Opfern entsprechenden, den Besoldungen der übrigen Studirtcn wenigstens einigermaßen gleichgestellten Gehalt zu bieten, denn hier handelt es sich um einen brennenden Nothstand, dessen einst- Heilige Beseitigung der Staat um so mehr übernehmen sollte, als seiner Zeit' viele kirchliche Güter und Stiftungen in seine Benutzung übergegangen find, die Pfarrer mehrere, nicht unwichtige Functionen für ihn versehen, die ganze, den Sinn für Recht und Wahrheit positiv pflegende postorale Wirksamkeit mittelbar ihm dient, und die evangelische Kirche, die schon seit 24 Jahren auf eine ihre Verhältnisse ordnende Synodalverfassung und gebührende Selbstständigkeit wartet, vor der Hand überhaupt nicht helfend eintretcn kann. Zu warten, bis die letzteren Hoffnungen sich verwirklicht haben, hieße die ganze Frage ad calendas graecas verschieben und die theologische Facultät vollends brach legen, die eben nur noch 19 Schüler hat. Es gehört in der That ein Generalpachtervermögen
Straßburg, 9. Febr. In der Theaterfrage hat der Gcmeinderath die Anträge der S egierung auf Ernennung eines Direktors und Ueberlossung des Theaters auf fünf Jahre an eine deutsche Truppe trotz der Empfehlung des Bürgermeisters und der Mojori-ä't der hiefür ernannten Commission abgelehnt und jeden Beitrag für dos Theater verweigert.
Mühlhausen, 10. Febr. Unsere hiesigen Industriellen sind in den letzten Tagen von den Abgeordneten der Straßburger Handelskammer schriftlich eilige- laden worden, einer am 22. d. iw Stadthaus zu Straßburg, Nachmittags 2 Uhr, abzuhaftenden Generalversammlung behufs Bildung eines Vereins"— dessen Sitz Stroßlu rg ist — zur Verwehrung und Verbesserung der Verkehrswege zwischen der Nordsee und dem Mittelmcer, durch das Rheinthal, zunächst zur Herstellung eines Canals für die große Schifffahrt zwischen Straßburg und Ludwigshafen- Mannheim, beizuwohnen. — Durch Verfügung des Bezirkspräsidenten zu Metz ist zur Vergütung der Kricg?schäden der Stadt Bitsch ein weiterer Betrag von 280,000 Franken zur Zahlung angewiesen worden.
Deutschland. Inicht stattgefunden. Die Kaiserin habe nicht die Gewohnheit, mit Fremden von
des Prinzen Otto, der bekanntlich als einziger Bruder des Königs die nächste Anwartschaft auf den Thron hätte, wohl besonderes Jntereste. Nachdem olle Berichte schon seit mehreren Togen von einem starken Seelenleiden des Prinzen sprechen, theilt jetzt das „Vaterland" mit, daß sich das Befinden des Prinzen in bedenkl chster Weise verschlimmert hätte, so daß nach einer Erklärung des königlichen Leibarztes der Prinz roch höchstens zwei Monate seinen Leiden werde Wider-
dazu, wenn man nach 10—14jähriger Vicariatszeit 10 Jahre mit 600 sl. und dann mit 7—800 fl. standesgemäß leben soll. Hoffentlich findet die Erkenntniß n maßgebenden Kreisen Eingang, daß Hilfe dringend geboten ist. (Fr. I.)
Mainz, 12. Febr. Aus zuverlässiger Quells erfährt das Echo der Gegenwart, daß der Herr Bischof von Mainz sein Mandat für den Deutschen Reichs- tag niederzulegen bec, sichtige und diesen Schritt in einer ausführlichen Denk-i schrist gleichzeitig motiviren wird. Wir geben die Nachricht des Echo mit allem', Vorbehalt.
Kassel, 13. Febr. Gestern und vorgestern sind über 100 Offiziere des deutschen NeichSheeres dahier eingetroffen, welche ihre Charge im Kriege empfangen, jstzt aber auf der hiesigen Kriegsschule nachträglich noch einen Offiziercursus durchzumachen haben. (H. M.-Z.)
Berlin, 14. Febr. Wie verlautet, wird dem Bundesrath demnächst dr Entwurf eines Statuts für Elsaß - Lothringen behufs Regelung der Stellung dir römisch-katholischen Kirche im Reichslande vorgelegt werden.
Der Cultusminister Dr. Folk hat liberalen Abgeordneten gegenüber seine Bereitwilligkeit erklärt, tn der nächsten Landtagssession eine Vorlage über die ob- ligatoriiche Civilehe einzuvringen.
Berlin, 15. Febr. Die „Nordd. Allgem. Zig." fetzt der Behauptung der Bonner ultramontanen „Deutschen Reichszeitung", daß die Kaiserin gegenüber auf dem Hofball am 8. Februar vorgestellten Abgeordneten sich mißbilligend über das SchulaussichtSgffetz ausgesprochen habe, ein entschiedenes Dementi entgegen. Vorstellungen von Deputirten hätten außer der Cour nach dem Oidensf- ste überhaupt
Oesterreich.
Pcsth, 10. Febr. Paul Nyiary wurde bekanntlich vergangenes Jahr im Nyiregyhuzaer kctholischcn Friedhof begraben, welcher auf Nyiary'schem Grunde liegt. Der katholische Pfarrer von Nyiregyhaza begann nun gestern an der Spitze der von ihm aufgehetzten Bauern den Friedbof zu schänden; er hieb mit eigener Hand Bäume um und forderte die Bauern auf, Nyiary'S Leiche aus dem Grabe zu werfen, denn der elende protestantische Selbstmörder gehöre in den Graben und entweihe die heilige Stätte. Die Comitatsbehörde ordnete telegraphisch die Verhaftung drs Pfarrers an, doch entfloh derselbe und wird nun energisch verfolgt.
Graz, 10. Febr. Bischof Zwerger bestimmte für die bevorstehenden Pastoral- Conferenzen folgende Frag.n: Wie kann das Volk vor den verbreiteten Einwürfen gegen die Unfehlbarkeit des Papstes bewahtt werden? Welche sind die Verpflichtungen des Meßners und Organisten? Wie kann die Sonn- und Feiertagsfeier streng durchgeführt werden? Was hat der Pfarrer gegenüber kirchlich ungültigen CivÜ- und Mischehen zu thun, besonders wenn später wenigstens ein Theil kirchliche Einsegnung wünscht?
Frankreich.
Paris, 12. Febr. Der Temps äußert sich sehr zuversichtlich über „die rasche Bewegung" für die Befreiung des Gebietes, der sich alle Parteien anschließen, auch eine große Anzahl der Notabilitäten der radikalen Partei. Der Bischof von 'Orleans, der jede Gelegenheit ergreift, um eine politische Führerrolle zu spielen.


