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Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1«

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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Nr. 14L Dienstag den 16. Januar 1872.

Bestellungen auf den Gießener Anzeiger ®*118ts "Ul$ Bei Qen 5,30(1

Deutschland.

Darmstadt, 14. Januar. Das am 13. Januar ausgegebene Großherzog­liche Regierungsblatt Nr. 2 enthalt:

I. Bekanntmachung Großherzogl. Ministeriums des Innern, die Feststellung der Miniwalgröße der Mobilmachungspferde nach dem vom 1. Januar 1872 an geltenden Maße betreffend.

II. Bekanntmachung desselben Ministeriums, das Octroireglement der Stadt Mainz betreffend.

III. Bekanntmachung Großherzogl. Commission für Postangelegenheiten, Ver­änderungen im Postcourswesen in den Provinzen Starkenburg und Rheinhessen betreffend.

IV. Bekanntmachung Großherzogl. Oberrechnungskammer, die Vergütung für die in 1872 in Geld zu berichtigenden Besoldungs- und Pcnsionsnaturalien betreffend.

V. Abwesenheitserklärung. Durch Urtheil Großherzoglichen Be­zirksgerichts Mainz vom 30. December 1871 wurde behufs demnächstiger Ab- wesenheitserklarung des vordem auf dem Haxthäuserhof, Gemarkung Nicder-Jngel- heim wohnhaft gewesenen Allersburschen Heinrich Boller, Sohn von Johann Philipp Boller, das Zeugenbeweisverfahren angeordnet.

VI. Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 21. December 1871 dem Eduard Humonn zu Mainz die Erlauvniß zur Annahme und zum Tragen des ihm von der französischen Regierung verliehenen Ritterkreuzes dcS Ordens der Ehrenlegion und am 23. Dec. dem Ludwig August Lohnstein zu Frankfurt a. M. die Erlaubnrß zur Annahme und zum Tragen des ihm von Sr. Majestät dem Kaiser von Rußland verliehenen Stanislaus-Ordens dritter Klaffe zu ertheilen.

VII. Dienstnachricht. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 29. December 1871 der unterm 4. desselben Monats von Seiner Majestät dem deutschen Kaiser vollzogenen Ernennung des bisherigen Großh. Badischen Postraths Deininger zum Ober-Postdirector für das Groß herzogthum Hessen die landesherrliche Genehmigung zu ertheilen.

Berlin, 12. Jan. Die N. A. Z. schreibt:Prinz Neuß hat am 4. d. M. in seiner nunmehrigen Eigenschaft als Botschafter am kaiserlich russischen Hose, nachdem er sein Beglaubigungsschreiben dem Kaiser überreicht und dann bei dem Großfürsten Thronfolger und dessen Gemahlin in besonderer Audienz empfangen worden, gemäß der bestehenden Eliquette die dortige osficielle Welt bei sich gesehen. Der Besuch war ganz besonders zahlreich. Sammtliche Minister und hohen Würdenträger der Krone waren erschienen. Der Großfürst Thronfolger und die Frau Großfürstin hatten einen Adjutanten besonders beauftragt, ihre Grüße und Glückwünsche zu der neuen Stellung dem Prinzen zu übermitteln. Das Journal de St. Petersbourg widmet der Ceremonie des Empfangs freundliche Worte. Es hebt hervor, daß der Botschafter Deutschlands und die Gesellschaft von Peters­burg einander seit längerer Zelt bekannt sind und daß, wenn die Beeiferung, den Prinzen begrüßen zu kommen, groß war, dies der Fall gewesen ist, weil alle Welt darauf hielt, bei dieser Gelegenheit dem würdigen Vertreter Sr. Maj. deö Kaisers Wilhelm Sympathie und Ehrerbietung zu bezeigen."

Berlin, 13. Jan. Nachdem es nunmehr feststeht, daß, wie bereits gemeldet, die Expedition in das Atlantische Meer aufgegeben ist, wird es in Frage kommen, wie die bisher für die Vorbereitungen ausgewendeten Kosten, für begonnene Aus­rüstung, Einziehung der Reserven, welche sich naturgemäß bereits auf mehrere Hunderttausend Thaler belaufen, gedeckt werden möchten. Innerhalb des Etats ist selbstverständlich dafür kein Raum, und selbst innerhalb der außerordentlichen Ausgaben wird es schwer halten, diesen Posten zu rechtfertigen. Hier wird die Befriedigung über die inzwischen vorgenommene Aenderung aushelfen müssen. Es wirb übrigens, derK. Ztg." zufolge, noch keineswegs als Gewißheit angesehen, daß dem Vice-Admiral Jachmann bas Commando in Wilhelmshaven übertragen werben soll. Auch hier möchten frühere Dispositionen in Folge der neuesten An­ordnungen Abänderungen erfahren. Eine frühere Mittheilung, welche eine ander- weite Forderung von Mitteln für eine schnellere Auösührung dcS Flotten - Grün­dungsplanes betraf, dürfte sich bestätigen, wenigstens ist dieser Gegenstand bereits in Erwägung gezogen.

Köln, 13. Jan. Nach einer hier eingetroffenen Depesche ist dem hiesigen Altkatholiken-Verein vom Kriegs - Ministerium die Garnisonkirche St. Pantaleon zur Abhaltung seines Gottesdienstes bewilligt worden.

Hannover. In diesen Tagen waren drei Delegirte des deutschen Schützen­bundes, Fabricius aus Frankfurt, Schröder aus Bremen und Sterzing aus Gotha, hier, um mit dem hiesigen Schützen-Collegium über das vierte deutsche Bundes­schießen zu berathen. Dasselbe wird mit dem Hannoverschen städtischen Freischießen gleichzeitig auf dem Schützenplatze abgehalten werden. Don dem Bau einer so­genannten Schützenhalle ist hierbei diesmal Abstand genommen, um die Kosten so niedrig als möglich zu halten; doch werden nach der Jhmesette noch etwa 80 Scherben ausgestellt werden." '

München, 12. Jan. Man mag an dem Minister v. Lutz noch so viel auszusetzen haben, eine gewisse Schncidigkeit des Wesens müssen ihm auch seine erbittertsten Gegner zugestehen. Davon legte er in der heutigen Abgeorbneten- fltzung einen neuen Beweis ab, als er die Pfarrer - Rußwurm'sche Interpellation wegen der Amberger Begräbnißseier für einen Altkatholiken im Namen der Re­gierung abtrumpste. Allerdings macht sich eine solche Sache äußerlich drama­tischer, als sie eigentlich ist, da die Anfrage der Regierung vorher bekannt ge­geben werden muß und die scheinbar unmittelbare Antwort derselben eine wohl­vorbereitete ist, aber sehr stark war der Gegensatz zwischen der unsauberen Dar­stellung des Sachverhalts in der Interpellation und dem Dementi, womit der Minister auf Grund der Aktenstücke, welche der Interpellant unrichtig citirte, fast bas ganze Kartenbaus angeblicher Thatsachcn über den Haufen warf. Das Mi­nisterium halt entschieden an dem Standpunkte fest, den es bei der Beantwortung der Herzlichen Interpellation eingenommen, und der vom Minister wiederholt citirte § 158 des Religions-Edikts ist der Drudenfuß, über den die infallibilistischen Ansprüche nicht weiter können. Mit großem Tacte wurde auch auf die einzig schwache Seite im Auftreten der angegriffenen oberpfälzischen Regierung hinge- wiesen und für diesen zweifelhaften Punkt die nähere thatsächliche und rechtliche Untersuchung verheißen. Auf der rechten Seite des Hauses war das Gefühl einer erlittenen Niederlage ersichtlich, und wenn, wie es heißt, die klerikalen Führer heute Abend die Köpfe zufammenstecken wollen,-um den Schaden zu besehen, so Verden su ein großes Loch erblicken. Sonst beschäftigte sich die Kammer mit niederbaycrischen Eisenbahnschmerzen, die nicht anders sind als in anderen deut­schen Ländern auch; nur werden sie etwas lauter und ungestümer zu Gehör ge­bracht. (K. Z.)

Stuttgart, 15. Jan. Die Setzer haben heuce die Arbeit eingestellt. Gegen 300 feiern. Viele derselben sind abgereist. Die Polizei warnt in Mauer­anschlägen vor Gewaltthätigkeiten. Das Weitererscheinen der Zeitungen ist ge» sichert.

Straßburg, io. Jan. Der Besuch der höheren Lehranstalten des Reichs­landes ist in fortwährendem Steigen begriffen. U. A. zählt das hiesige kaiserliche Lyceum, welches am 10. Oktober fein neues Schuljahr mit 170 Schülern be­gann , nun deren 300. In Kolmar hat sich die Schülerzahl des Gymnasiums feit Beginn des Schuljahres fast verdoppelt. Anderweitigen Bemerkungen gegen­über mag dabei ausdrücklich hervorgehoben werden, daß der Zuwachs fast ohne Ausnahme nur von elsäfsisch-lothringischen Familien kommt.

Oesterreich.

Linz, 10. Jan. Das clericaleVolksblatt" droht mit einem Bauernauf­stände, wenn den Rieder Altkatholiken die Simultan-Benutzung der Pfarrkirche gestattet wird. (N. Fr. Pr.)

Lilrz, 10. Jan. Gestern wurde in Ried die erste altkatholische Trauung vollzogen.

Linz, H. Jan. Die Petition der Rieder Altkatholiken um Mitbenutzungs­recht der Pfarrkirche wurde von der Statthalterei abgewiefen, weil das Verfügungs­recht der Kirchenbehörde zustehe. (Pr.)

Frankreich.

Paris, 12. Jan. Das officiöfe Bien Public veröffentlicht heute folgende Mittheilung :Mehrere hochgestellte Persönlichkeiten der politischen Welt Oesterreichs behaupten, daß das Kaiserreich der Habsburger von Preußen viel mehr bedroht sei, als von Rußland. Sie machen darauf aufmerksam, daß die russische Allianz Oesterreich 1849 sehr nützlich, und daß die preußische Allianz 1864 sehr unheilvoll für es war. Oesterreich verdankt dem Kaiser Nicolaus sein Heil, dem Kaiser Wilhelm Sadowa und seine Ausweisung aus dem deutschen Bunde. Die Staats­männer, welche diese Erinnerungen anrufen, machen Anstrengungen, damit das wiener Cabinet seine Beziehungen nicht allein mit dem Petersburger Hofe, sondern mit der ganzen russischen Nation besser gestalte. Man muß übrigens nicht außer Acht lassen, daß die Sprache der Moskauer und Petersburger Journale Betreffs Oesterreichs seit einiger Zeit viel weniger feindselig ist. Dieses ist ein bezeichnen­des Symptom." Das officiöfe Blatt des Herrn Thiers scheint sich also immer noch mit der Illusion herumzutragen, daß es zu einer österreich-russtsch-französischen Allianz kommen könnte. Dasselbe scheint zu glauben, daß man in Wien ganz vergessen habe, daß Frankreich der österreichischen Macht den ersten und furcht­barsten Stoß versetzt hat, und daß, wenn das Haus Habsburg sich in Deutsch- land zur Geltung bringen will, es nicht dadurch geschehen kann, daß eS Elsaß- Lothringen oder gar den Rhein zum Opfer bringt.

Paris, 14. Jan. Der Herzog v. Perstgny ist gestern in Nizza gestorben.

Italien.

Rom, 14. Jan. Die internationale Tklegraphen-Eonvention wurde heut' im Beisein Visconti-Denosta's, des Ministers des Aeußern, unterzeichnet und d telegraphische Congreß geschloffen.