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Freitag den 15. November
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Gießen, am 12. November 1872.
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Darmstadt, 14. November. Do» Ministerium hat die Wahl-Eommissärs
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Erscheint täglich, mit Ans» nähme Sonntags.
Expedition: Canzletberg, Ltt. B. Nr. 1.
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Betreffend: Aufstellung einer Statistik über sämmtliche organisirte Feuerwehren im Großherzogthum Hessen.
Politisch-kirchliche Verwicklungen.
Der Beginn der Landtagsstssion in Oesterreich ist sofort durch eine Collision der Staatsregierung mit den Jesuiten von Innsbruck verbittert worden, welche nicht zugeben wollen, daß auf dein tyroler Landtage die Universität durch einen Anderen als einen Jünger Layela's vertrctcn werde, und die parlamentarische Campagne Frankreichs wird durch eine Mob'.lisirung der Gläubigen durch die Bischöfe eingeleitet.
Diese haben nämlich mehrtägige Andachten ausgeschrieben, durch welche die Gläubigen sich auf die öffentlichen Gebete vorbcreiten, die am 17. November in allen Kirchen Frankreichs für die Arbeiten der Nationalversammlung ab- gehalten werden sollen; sie haben aber nicht versäumt, durch ihre Hirtenbriefe dem Gebet der Gläubigen eine bestimmte Direction zu geben, nämlich eine anti- republicanische.
Damit wird den Ansichten des Herrn Thiers entgegengearbeitet, welche offm darauf abzielcn, die Rlpubl k zur dtsinitivln StaatSfoim erklären zu lass-n, wenn er sich auch vorläufig mit einer Verlängerung seiner Gewalt um vier Jahre begnügt, weil er dadurch mindestens von der Solidarität mit der gegenwärtigen Nationalversammlung befreit werden winde.
JUn kann indeß nicht fügen, daß die klerikale Opposition in Oesterre ch und in Frankreich von demselben Geiste geleitet wird.
Was sich in Tirol zuträ'gt, gehört ganz und gar in das Gebiet jener jesuitischen Anmoßlichleit, welche überall dte Staatsgewalt zwingt, sich in Ver- theidigungszustand zu setzen, wenn sie die Staatsidee selbst nicht preisgiben will. Die jesuitische Opposition, wenn auch zunächst nur auf den tiroler Landtag be- schränkt, ist viel zu sehr principicller Natur, als daß man sie in Oesterreich ledig lich als eine locale Verlegenheit auffafstn könnte und sie wird vielleicht dazu beitragen, daß auch in Oesterreich die Negierung jene kavaliermäßige Auffassung des Grafen Andrassy, wonach man nicht „mit Kanonen gegen Sperlinge schießen dürfe" einer etwas sorgsameren Prüfung unterzieht.
Anders in Frankreich! Was schon einmal von dem Fürsten Bismarck mit Nachdruck gegen die ultramontoncn Bcstrkbungrn in Deut chland hervorgehoben wurde, daß nämlich der französische Episkopat nationale Politik treibe, bestätigt sich auch im gegenwärtigen Falle.
Die französischen Bischöfe treiben nationale Partei-Politik.
Ob es die Sache der Kirche und ihrer Hüter ist, sich in die innrrn Partei- kämpfe zu mischen? — das ist eine Frage für sich; ab.r es ist unbestreitbar, daß die franzö^.'^en Bischöfe in diesem Augenblicke sich durchaus nicht als Werkzeuge des Jesu'- "'s gerinn, welcher seine sptcifischcn HenschastS - Interessen allen
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Die Haltung der französischen Bischöfe dagegen ist -ine nationale. Wir wollen nicht sagen, daß ihre Propaganda für das legitime Königthum eine un- eigennützige fei; vielmehr mag ihnen wohl die Erfahrung sagen, daß die Republik schließlich, wie gegen alle Autorilat, so sich auch feindlich gegen die Kirche kehren werde; wir wollen auch nicht sagen, daß in der Rückkehr zum König,Huw, da« Heil Frankreichs liege — in einem Lanke, in wrlchem alle Regiirungssormin wiederholt und ohne Bestand versucht worden sind, ist die Frage nach einer enk- sprechenden Regicrungksorm nicht zu beaniworten — aber sie schließen sich koch jedenfalls einer Parte, an, welche das Schicksal des Landes nach den Znteressen eben dieses Landes bestimmt wissen will, möge nun die Würdigung dieser Interessen zutreffend sein oder nicht.
Eben darum ist da» Austreten de« französischen Episkopat« auch als ein sehr schwer wiegende» Symptom zu betrachten und wird von Herrn Thier« al« eine große Verlegenheit empfunden, wie die heftige und drohende Sprache seiner «er. trauten Organe erkennen läßt.
Die elericalen Blatter meinen freilich, er poltere nur so heftig, weil er weiß, daß er den Radikalen in eben rem Grade angenehm und theuer wird, in welchem er sich mit der Kirche verfeindet; allein, wie auch diese Voraussetzung dem bisherigen System de« Herrn Thiers entsprich,, di- Parteien anzulocken und -ine curch dir andere im Schach zu halten, so hat er sich doch durch seine Wmdungin in den unvermeidlichen Schlingen der Situation die Knoten immer enger gezogen und wird vielleicht einem offenen Conflict mit der Kirche nicht entgehen können Aber zugleich einem Conflict mit dem in ihr tominirenden jesuitischen Geist und mit der nationalen Politik de« französischen Episkopats.
Denn wenn dieser jetzt viel zu entschieden Stellung genommen hat, al« daß er seine antirepublikantsche Agitation irgend welchen Boispiegelungen de« Henn ThieeS zum Opfer bringen könnte, so bat ihm der Jefmlismus feine Sympathien nur zugrwendet, weil er feinen Beistand in der Frage wegen der Ordens-Generalate erwartet. Es «erlautet aber brreit«, daß Herr Thier« der römischen Regierung gegenüber eine absolute Willfährigkeit nach dieser Seite hin in Aussicht stellt, falls sie ihrerseits den Absichten feiner Handelspolitik bereitwilliger entgegcnkomwt.
Bistaligt sich diese Nachricht, so werden die jesuitischen Organe gar bald einen Ton anschtagen, welcher die Harmonie mit der Politik de« französischen Episkopat wiecer h-rstellt und Herr Thiers wird sich dann kaum noch in dem Gleichgewicht erhalten können, welche- er mit seltener cquilibristischer Gewand,h-it bisher zu behaupten verstanden hat.
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Darmstadt, 12. Novbr. Der hiesige Anwalivereln hat kürzlich in einer Eingabe an da» Justizministerium dte Erhöhung der Advocaturtaxe angeregt. Sie datiit noch au« 1810 und entfpiicht entfernt nicht den heutigen Verhütt. Nissen oder dir Taxe anderer Lander. Das Ministerium hat nunmehr beschlossen, ! di- Taxe zu verdoppeln. E« ist jetzt nur zu wünschen, daß dle neue Civilprozeß. ordnung recht bald in’« Leben trete, denn unser veraltete» Verfahren erschwert ungemein den RechiSgang.
B e k a n n t m a ch u n g.
Die verehrlichen Mitglieder des Spar- und Leihkasse-Vereins des Bezirks Gießen werden zu der
Samstag den 16. November I872^Lrachmittags 3 Uhr,
in dem Universitäts-Canzleigebäude stattfindeuden Hauptversammlung eingeladen.
Tagesordnung: Erstattung des Rechenschaftsberichts für 1871.
Ersatzwahlen des Ausschusses.
Gießen, den 31. October 1872. Die Direction des Spar- und Leihkasse-Dereins zu Gießen.
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männlichen Geschlechts, braun und weiß gefleckt, langhaarig, ist hier, weil er herrenlos herumlief, eingefangcn worden. Der Eigcnthümer wolle sich baldigst melden.
Gießen, den 1,. November 1872. Großherzogliche Polizei-Verwaltung der ^^DDtnäiQI^auptftab^^it6en.
_________________ ______ Nover.
nstellt.
sich otr Jesuitiswus zu den constitutioneven Fragen Frankreichs gestellt ^at, dorüner haben unlängst erst dte römischen Jesuiten Blälter: „Ossirvatore Rom/^7. Bvce della Verita" Ausschluß gegeben, indem sie jede Soledaritat der rv.?.,^^ lisch en Kirche und des legitimen Königsthums inFrankeetch zurück- iewlesen uno sie Rtpublek für die Siche aller ehrlichen Leute erklärten.
Der JesuitiSmuS brauchte die Unterstützung Frankreichs, um in Sachen dec Ordens-Genera'',^ obzufiegen, und er schmeichelt daher er augenblicklichen Gewalt, mit absoluter Gleichgültigkeit gegen die wahren Interessen Frankreichs.
an die Großhryoglichen MrgermMereien des Kreises.
Die in obigem Betreff von dem Vorstand der Mainzer Feuerwehr uns mitgetheilten Fragebogen lassen wir Ihnen in diesen Tagen f. H. unter dem Auftrag zngchen, ,n denselben die Frage 5 bezüglich der Ihren resp. Gemeinden gehörigen Spritzen und Löschgeräthschaften zu beantworten und die Frage- bogen bmnen 8 Tagen an uns zu remlttrren. 0 ö
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