-Lfta soll, ist die lebendige Erinnerung an seine großen Manner. Ihre Name« -den im Bolle leben, „besser al« in Siein und Erz.»
— Deutschland.
Gießen, 15. Juli. Der „Deutsche Merkur" brachte dieser Tage einen Artikel, weicher seiner Tendenz und Vollwichtigkeit nach jedenfalls aus der Feder eines der ersten Würdenträger der katholischen Kirche stammt. Es wird ba^in 'cste Stellung gegen den Romanismus genommen und die Grunvzüge einer Kerchen- reform mit kurzen Federstrichen gezeichnet. Die betreffenden Grnndzüge werden durch Folgendes von Herrn Prof-ffor I. Friedrich erngelcitet:
Forderungen eines C o n c i l S v a t e r S aus dem Jahre 1871. Man hat so viel schon über Die Berechtigung unserer Bewegung gesprochen und geschrieben. Gerade jene Männer, welche sie vor Allem unter ihre Flttige hätten nehmen sollen, die Bischöfe der Opposition auf dem vatikanischen Concil, haben ihre Berechtigung geleugnet und sie mit ihrem Fluche belegt. Allein ihr Fluch wird nur zum Segen Der Kirche und des christlichen Gewissens ausschlagen. Mehr als je wird auch das katholische Volk wieder inne, daß nur Christus unser Herl, unser einziger Herr und Meister, unser alleiniger Hohepriester ist.
Gegenüber den Minoritätsbischöfen, welche sich zu wahren geistlichen Wuthe- richen ausgewachsen haben, mag eS für unsere Leser von größtem Interesse sein, das Wort eines ConcilSvaterS zu vernehmen, dessen Name zwar weder unter denen der Minorität gelesen wurde, noch in Deutschland bekannt ist. Seine Stellung ist schon dadurch characterisirt, daß er noch im September 1871 eine Art Programm in meine Hände gelangen ließ, welches, im August 1871 ter- faßt, zugleich in aller Kürze ein Seitenstück zu Den berühmten Museumsvortragen Döllinger's bilDct. Dasselbe lautet:
„1 . Brrwerfung und WiDerlegung Des Dogma's von der Unfehlbarkeit mit solennem Protest gegen Den Despotismus Roms.
2. Verneinung der Gleichgültigkeit des vaticanischen Concils wegen Mangels an Freiheit.
3. Wahl der Bischöfe durch Clerus und Volk.
4. Freiheit des CleruS zu heirathen.
5. Abschaffung des Mönchslebens — mit ewigen Gelübden.
6. Unbedingte Verwerfung des IesuitenorDenS und seiner Doktrinen — als schriftwidrig und unchristlich; gänzliche Ausrottung desselben.
7. Die Beichte allein als eine positive Nothwendigkeit des Gewissens. — Oeffentliche und immerwährende Verdammung der Mißbräuche in derselben als durch die Jesuiten eingeführt.
8. Als ein Uebergang ist die Messe in der Volkssprache zu vollziehen, mit Ausnahme dessen, was ganz interner und privater Natur ist und in lateinischer Sprache gesprochen werdm soll.
9. Sofort sollen Bischöfe (3) gewählt werden.
Mäßigung — Festigkeit — Rührigkeit!"
Ich gebe für jetzt nur diese kurzen Sätze und behalte mir vor, entweder im „Deutschen Merkur" oder in einer besonderen Schrift meine eigene Anschauung über die einzelnen Punkte, inwiefern ich einverstanden oder anderer Meinung bin, auSeinanderzusetzen. I. Friedrich.
Berlin, 12. Juli. So friedlich die Aussichten im gegenwärtigen Moment auch erachtet werden können, so sollen zuverlässigem Vernehmen nach doch die noch in Aussicht stehenden Oeganisotionsänderungen, wie die Neubewaffnung der Infanterie in dem Maße beschleunigt werden, um spätestens bis zum nächsten Frühjahr ihre volle Aus- und Emführung zu finden. Die gleiche Regsamkeit äußert sich auch bei Der bayerischen Armee. Die Einführung des preußisch-deutschen Exercier-ReglementS wird dort nach den darüber erlassenen Bestimmungen für sämmtliche Infanterie - Regimenter und Jäger - Bataillone bis zum 20. August bewirkt werden, wonach per Bataillon bis Ausgang October noch je 280 Mann der Reserve aus je 20 Tage einberufen und während dieser Frist in dem neuen Exercitium und der Handhabung des neueingeführten Werder-Gewehr- eingeübl werden sollen. Die Neubewaffnung der bayerischen Infanterie mit dem vortreff lichen Werder-Gewehr ist außerdem bereits abgeschlossen. Vom nächsten Frühjahr ab würde sich demnach Die Infanteriedewaffnung Der gesammten deutschen Armee, der der französischen Armee, woS das deutsche aptirte Gewehr angeht, nahezu gleich, was hingegen das Werder-Gewehr betrifft, bedeutend überlegen befinden. Bis zu dem gleichen Termin wird ebenso Die deutsche Artillerie in der Geschützzahl wieder ein Uebergewicht über die französische gewonnen baden, indem derselben erforderlichenfalls bis dahin 32 neue Batterien hinzutreten werden. Bei der Andauer friedlicher Zustände soll hmgegen, wie verlautet, die Steigerung Der Batteriezahl bei den süddeutschen Corps Nr. 13, 14 und 15 nur allmählich bewirkt werden, und steht die Errichtung von 13 Batterien, welche denselben nach Der neuen Artillerie-Organisation zuwachsen würden, Dann wahrscheinlich erst im Lause mehrerer Jahre zu gewärtigen. Noch wird versichert, daß Deutschland spätestens bis zum nächsten Herbst auch in Der Lage fein würde, bei Dem preußischen GardecorpS wie bei Den Llnienarmeecorps Nr. 1 bis 12 und Dem 15. Armeecorps nötdtgenfalls sofort neben Der Aufstellung der Ersatzbataillone die Errichtung von vier Fcldbata'llonen eintreten zu lassen, was einem Armeezuwachs von 114 Bataillonen, oder mehr als vier vollen Armeecorps gleichkäme. Die Umwandlung der im Feldzüge von 1870—1871 erbeuteten Chasftpotgewebre, Deren Zahl zu etwa 400,000 angenommen werden kann, wird in voller Ausführung bezeichnet und dürste voraussichtlich dis zu dem gleichen Termin bewirkt werden. Auch für das neue deutsche HinterladungSgewehr sollen Die Bestellungen bereits auSgegeben fein, doch würde, selbst wenn diese Nachricht sich bestätigen sollte, Dessen Einführung bei Der erforderlichen Zahl von nahezu zwei Millionen Gewehren immerhin noch Jahre aus sich warten lassen.
Oldenburg, 8. Juli. Von hier wird unter dem Titel: „Eine Hänge- geschichte" geschrieben: In Dem hier erscheinenden Blatte „Nachrichten für Stadt und Land" befand sich am 29. Juni folgendes Inserat: „Eine gute Belohnung wird demjenigen zugesichert, Der uns bestimmt nachwerst, in welcher Kaserne des deutschen Reichsheeres man Rekruten, Die schwer von Begriff, am Strick auf- gehangen unD etwas zu lange hat baumeln lassen und nur mit großer Mühe wieder in'S Leben hat zurückrufen können. Das Gern * t läuft durch Die ganze Stadt, wir haben leider Okt und Namen vergessen und möchten doch gern die Wahrheit berichten." Wenige Tag? nur Dauerte es und es ward zur notorischen Publicität, Daß Dem in obigen Worten nur noch unbestimmt Angedeuteten ein wirkliches hiesiges Vorkommniß Der haarsträudenDsten Art zum Grunde liege.
Das Factum war nämlich dies: Der im hiesigen Ersatz-Bataillon Oldenburgischeu Infanterie-Regiments Nr. 91 dienende Sergeant Johann Friedrich Fraubös halt e unter Den von ihm einzuexercirenden Rekruten einen von sehr schwachem Begriffsvermögen, was man so für gewöhnlich mit Dem Epithrt Dumm, sehr Dumm zu bezeichnen pflegt. Fraubös, Der seines Zöglings Geisteskräfte vergebens durch nachdrückliches Rüffeln (wahrscheinlich auch Knüffe und Püffe) aufzustacheln und zu stärken versucht hatte, kam dann endlich eines Tages (tn Der letzten Juni- Woche) auf den Einfall, feinem Zögling ein ganz besonderes Correctiv angedeihen zu lassen. Bald nach der Rückkehr vom Exercierplatz in Die Kaserne fährt er Den Rekruten an mit Den Worten: „Er fei so Dumm, daß er zu nichts mehr werth sei, als aufgehängt zu werden", — winkt Darauf einen Gefreiten zu sich heran, oer „Dumme" muß auf einen Tisch steigen, welcher gerade unter Dem von Der Decke herabhängenDen Gasrohr steht; nachDcm nun noch eine Bank auf diesen Tisch gestellt worden, muß Der Rekrut auf Die Bank steigen, ein Strick wird oben an das Gasrohr befestigt, Der untere Theil des Stricks dem Opfer als Schlinge um Den Hals gelegt, die Bank wird ihm unter den Füßcn weggestoßen und — Der „Dumme" baumelt wirklich trotz dem besten Dieb am Galgen. Die beiden Executoren verlassen das Zimmer und lassen den armen Rekruten hängen. Man wollte sich naürlich nur feinen unteroffizi.rlichkn kleinen Spaß mit Dem „Kerl" machen, allein mit Aushängen ist nicht zu spaßen. Nach ein paar Sekunden kehrt Denn auch Der Gefreite in Das Kasernenzimmer zurück, natürlich um Dem Spaße ein Ende zu machen, D. h. Den Strick abzuschneiden. Aber siehe da, der Rekrut gab kein Lebenszeichen mehr. In Der Thal war ihm dieses kurze Auf- )ängungS'Tentamen so schlecht bekommen, daß Die beiDen, darob doch einigermaßen geängstigten Exerciermeister Hülfe zu seiner Wiederbelebung requiriren mußten. Die Sache wurde dadurch ruchbar, kam zu Den Ohren des Commandos und eine dienstliche Untersuchung wurde eingeleitet. Bis zwei Tage nach dem Vorfälle wurde nun das hier soeben Erzählte zwar schon gerüchtweise durch Aller Mund verbreitet, aber Die eigentliche öffentliche Bestätigung fehlte Doch noch. Da kam diese durch folgendes Inserat in Dem „Oldenburger Anzeiger" (Dem officiellen Bekanntmachungsblatte für das Großherzogthum): „Kommando des Ersatz- Bataillons des oldenburgischen Infanterie-Regiments Nr. 91. Steckbrief. Der Sergeant Johann Friedrich Fraubös aus Doffow, Kreis Ost-Priegnitz, RegierungS- bezftk Potsdam, hat am 29. Juni c., Abends 9 Uhr, Die Kaserne verlassen und ist bis jetzt nicht zurückgekehrt. Derselbe hat sich dadurch der Desertion dringend verdächtig gemacht. Alle Civil- und Militärbehörden werden ausgesordert, auf Den ic. Fraubös achten, denselben im BetretungSfall verhaften und in die In- anteriekaserne I. hier abliefern zu lassen. Oldenburg, Den 2. Juli 1872. v. Aschoff, Major. Signalement ic." Der Haupt-Akteur in dieser oldenburgischeu Hänge-Geschichte hatte also in der Angst vor der ihn erwartenden Strafe das Weite gesucht. Er ist bis jetzt spurlos verschwunden. Die Untersuchung über den Casus nimmt jedoch ihren Fortgang.
Metz, 12. Juli. Die in einige Zeitungen Übergewinne Nachricht, daß das hiesige Präftcturgebäude abgebrannt sei, ist falsch; es brannte nur eine zwischen Der Präfectur und Dem Theaterplatze gelegene städtische Mühle ab. Die Präfektur blieb unbeschädigt, nur wurde das an das PräfetturgebäuDe anstoßende Präfectur- Arckiv durch einen herabstürzenden Plafond und Eindringen des Wassers sehr beschädigt. Das vor Der Mühle liegende Polizei-DirectionSgebäude wurde vorn Feuer ergriffen, Die Acten aber gerettet.
Oesterreich.
Wien, 13. Juli. Der Gemeinderath verwarf das Gutachten Der Rechts- fection und nahm Den Antrag Schramm'«, festzuhalten an Dem Beschlüsse für Verleihung des Ehrenbürgerrechts an Kudlich, an, so wie eine motivirte Antwort an Den Statthalter und eventuell eine Eingabe an das Ministerium.
Frankreich.
Paris, 10. Juli. Um wieder einmal in das Gedächtniß zurückzurufen, welcher Herrschaft Frankreich durch Den Tag von Sedan befreit worden ist, theilen wir folgendes in Pariser Blättern jüngst veröffentlichte Document mit: Ministerium des Innern.
(Sehr geheim und nur für Den Präfekten.) Der Minister des Innern.
Paris, 26. September 1861.
Herr Präfect, durch ein Circular vom 6. Juni 1859 hat Ihnen wein Vorgänger, Der Herr Herzog von Padua, Die Maßregeln vorgezeichnet, welche in Dem ftafle zu ergreif.n sind, daß (in ernstes und unvorhergesehenes Ereigniß Die lieber- tragung Der Gewalt an Den kaiserlichen Prinzen unter Dem Namen Napoleon IV. herbeiführen toürDe.
Indem ich Diese Instructionen, von Denen ich Ihnen eine Copie übersende, bestätige, glaube ich sie durch Die folgenden ergänzen zu müssen:
Sogleich nach Empfang Dieses Briefes werden Sie eine Liste aller gefährlichen Menschen, welches auch deren Ansichten und was auch Deren sociale Stellung sein möge, aufstellen.
Nachdem Sie diese Liste mit Sorgfalt geprüft haben, werden Sie darin jene Männer bezeichnen, welche, sei es für die Berathung, sei es für Die Action, irgend einen Werth haben, oDcr welche in einem gegebenen Augenblicke sich zum Mittelpunkte eines Widerstandes machen oder an die Spitze einer Insurrektion stellen könnten.
Sie werden die Verhastsbefehle für jeden Der in Ihrer Liste vorgemerkten Menschen persönlich verfassen und unterzeichnen, Damit Deren Verhaftung auf Den ersten Befehl, der Ihnen gegeben werden würde, sogleich und ohne eine Minute zu verlieren, erfolgen könne.
Sie werden mir über Die von Ihnen verfaßte Liste Mittheilung machen. Alle Monate werden Sie Diese Liste, ebenso wie Die Darauf bezüglichen VerhaftS- befehle reviDiren.
Der Staatssekretär im Ministerium des Innern. F. De Persigny.
Eine Dem Circular beigefügte Note gibt noch sehr genaue Details, wie die Haftbefehle zu erlassen und auszuführen feien. Der Juni 1859 war bekanntlich der Monat des italienischen Krieges; im Herbst 1861 wurde Die mexikanische Expedition unternommen und von Deutschland als „Grenzberichtigung" Landau und Saarlouis in Der officiösen Broschüre „Le Rhin et la Vistule“ gefordert. Napoleon scheint an die Sicherung seiner Nachfolge in jenem Moment besonders lebhaft gedacht zu haben.


