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G-? Oichemr Alyetzer.

^rschemt täglich, mir Wufee nähme Sonntags.

<L;pevitton : E anz t et b er g, Git. B. Nr. 1

Anzeige- und Aurtsklatt für den Kreis Kietzen.

Ar. 2 8.6. Samstag den 14. September L87L.

Deutschland.

-(--j- Gießen, den 13. September 1872. Die Personalveränoerungen iw Ministerium zu Darmstadt werden voraussichtlich einen völligen Systemwechsel zur Folge haben und die Beziehungen des Großherzogthums zum Reich im Allgemei­nen nicht nur, sondern auch die inneren Zustände einer Umgestaltung entgegen führen. Wir begrüßen freudig das Ministerium Hofmann, um so freudiger, als cS nun gewiß ist, daß die Leitung des Justizministeriums Herrn Hofgerichts. rath Kemp ff angcboteu und von ihm angenommen worden ist. Das Justiz- vefen wird also von einem einsichtigen, wohlwollenden und arbeitStüchtigen Manne geleitet und der unselige Einfluß gebrochen werden, den derkatholische Gesellen- verein" oder der Sohn des Geheimraths Frank auf dasselbe ausübte. Wirb Herr von Starck Vorstand des Ministeriums des Innern, so ist auch hier einer der tüchtigsten Männer an die Spitze gestellt. Kempff und von Starck, ganz unabhänge Charaktere, bürgen dafür, daß ein Einlenken in die jetzt verlassenen Bahnen unmöglich ist und die Tage der Mainzer Mitregentschaft gezählt sind.

Bis hierher sind die Mintstertalveränderungcn mit mehr Neugierde und Mißtrauen, als Sympathien im Lande verfolgt worden, zumal Herr Hofmann und seine Tendenz nur wenig gekannt ist. Wir sind aber der Meinung, daß bas Ausscheiden des Geheimraths Frank mit dem alterschwachen Herrn von Linbelos, sowie die Herbeiziehung oben genannter Männer, vollkommen geeignet ist, die Bewohner des GroßherzogthumS mit froher Erwartung zu erfüllen. Ihre Aufgabe ist es, nun zu bethätigen, daß sie mit überwiegender Mehrheit den Bruch der Regierung mit den seitherigen Tendenzen billigen, daß sie also vor Allem Männer in den nächsten Landtag wählen, die das neue Ministerium aus der Bahn des nationalen und des Fortschrittes im Innern stützen, die gewillt und befähigt sind, unserem kleinen Staatswesen im engsten Anschluß an das Reich einen neuen Geist einzuhouchen. Es ist aber Zeit, daß die Wähler über die Männer, welche ihre Interessen demnächst vertreten sollen, sich verständigen, denn die Zeit der Wahl wird rasch genug heranrücken.

Darmstadt/ 12. September. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben aller inäbigst geruht: 1) dem Minister des Großherzoglichcn Hauses und des Aeußern, sowie der Zustiz, Freihrrrn v. Lindelof, dem Geheimen Staatsrath Frank und dem Miniflerialrath v. Rodenstein die von ihnen nachgesuchte Ver­setzung in den Ruhestand zu bewilligen; 2) den außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Königlich Preußischen Hofe, Geheimen Ratb Hofmann, zum Minister des Großherzoglichen Hauses und des Aeußern und zum Präsidenten des Gefammt - Ministeriums; den Miniftcrialrath im Ministerium des Innern, Freihrrrn v. Starck, zum Director des Ministeriums des Innern und den Hof- gerichtSraty Kempff in Gießen zum Direktor des Ministeriums der Justiz zu ernennen.

Berlin, 9. Sept. Die im Jahre 1867 zur Ersatzreserve erster Klaffe designirten Militärpflichtigen treten, so weit sie noch der Erlatzreseroe angehören, am 1. k. M. zur Ersatzresirve zweiter Klasse über, doch müssen sie bis dahin ihren Ersatzreserveschein dem Bezirksfeldwebei einreichen, damit auf diesem Scheine der bezügliche Vermerk eingetragen werbe. So lange nämlich dieser fehlt, gehört der Betreffende nach dem Gesetz zur Ersatzreserve erster Klaffe. Deshalb möge die vorgeschriebene Förmlichkeit genau beobachtet werden.

Berlin, 13. September. Der Berliner Correspondent derGazette de France" erzählt, daß bei dem diplomatischen Empfange der Kaiser von Rußland zu Herrn v. Gontout - Biron gesagt habe:Ich bin glücklich, Herr Botschafter, Ihnen die Sympathie auSdrücken zu können, welche wir für Frankreich und für den eminenten Mann hegen, den es an die Spitze gestellt hat."

Berlin, 13. September. In der heute Vormittag stattgehabttn General- Versammlung der strikenben Arbeiter der Pflug'schen Maschinenfabrik erklärten die Sattler der Fabrik, die Arbeiten wieder aufnehmen zu wollen. Die Strike- Commission wurde von der Versammlung verpflichtet, persönlich mit dem Director der Fabrik über die Beendigung des Strikes in Verhandlung zu treten. Etwa ter vierte Theil der Strikenben hat bereits heute Morgen die Arbeit wieder ausgenommen September. Bis jetzt find im Ganzen angemelbet 13 Erzbischöfe und Bischöfe. Die Conferenz währt vom 18. September Morgens bis zum 19. September Abends. ,

Danzig, 12. September. DerDanziger Zeitung" wild aus Marienburg gtmelbrt, Crkwcntz habe do,IHM die Anzeige gelangen laff-n, dah er zur Säcularftier nicht kommen werke.

München, 12. September. Zu dem in Köln staitfindenden AltkathoNken. Congrrk werden auch ric bayerischen allkatholisS-n '«cmeinden it)ie Vertreter senden. Aus Bayreuth, Zweib.ücken, Landau, Kaiserslautern, München, Aschaffen- bürg, Erlangen, Straubing und dem Allgäu haben sich bereits Delegirte ange- meldet, und steht zu erwarten, daß auch noch andere Gemeinden vertreten sein werden. Wie man hört, werden von hier aus unter andern d e Profefforen Dr. v. Döllinger, Friedrich und Huber sich auf den Kongreß begeben.

Nürnberg, 13. Sept. Ludwig Feuerbach ist diesen Morgen 6 Uhr ohnc Todeskampf, 68 ^ahre alt, verschieden.

Schweiz.

Bern, 13. September. Da« gestrige Diner zu Ehren de« Schiedsgerichtes nahm einen glänzenden Verlauf. Bundespräsident Welte toastirtt

auf dos glückliche Resultat des Schiedsgerichtes, Graf Scolpis auf die gastliche Schweiz.

Frankreich.

Paris, 9. Sept. DieRepublique Francaise" theilt folgenden Brief von Straßburger Damen an den Präsidenten der Republik mit:

Herr Präsident! Im Augenblicke, wo beim großen finanziellen Siege der sravzöfischen Anleihe die Nationalunterzeicknung geschlossen wird, erlauben Sie uns noch eine Gabe der Stadt Straßburg zuzusügen und zugleich den Wunsch zu äußern, diese von den Frauen Frankreichs gesammelten Summen möchten einen Therl dir nächsten an Preußen für die Befreiung des Territoriums zu zahlenden halben Milliarde bilden. Elsaß bat die Initiative der öffentlichen Gaben für da- bedrängte Vaterland genommen, indem es Fronkreich ein NeuzohrSgeschenk onbot. Die 66,000 France, welche wir jetzt anzunehmen bitten, sind eine Ergänzung der 18,000 Francs, die Straßburg Ihnen im Monat Januar übersandte. Das erste Opfer des Unglücks des Vaterlandes wollte auch' in der Stunde der Opfergabe vorangeben. Nach der nur ganz äußerlich politischen Trennung des Elsoffes von Fronkreich ist der Augenblick innerlicher Trennungen gekommen; diejenigen, welche bleiben, sind Exilirte auf ihrem Boden, und der Boden scheint denen, welche dahin ziehen müssen, unter den Füßen zu schwinden. Unter solch einer Lost von Schmerzen gebeugt, erheben wir die Augen noch zu unserem Frankreich und schicken ihm, einen Augenblick unseren Gram vergessend, dieses geringe Pfand unserer unzerstörbaren, ihm g-weihten Treue.

Brest, 12. Slpt. Das Urtheil des Zuchtpolizeigerichtes gegen den Jesuiten Dufour und die Gräfin de Valmon in Brest lautet nicht so günstig, wie man zuerst geglaubt. Dasselbe besagt, der Eisenbahnbeamte Kergroben, ein unmorali­scher Mensch, habe nicht das Recht gehabt, ein Protokoll aufzunehmen, und sei deshalb von der Eisenbahngesellschaft getadelt worden, er habe mehr aus Bös­willigkeit als aus Pflichtgefühl gehandelt, und die Beleidigung der öffentlichen Moral sei nicht hinreichend erwiesen; ein Etsenbahnzug könne nicht als öffent- licher Ort betrachtet werden. Aus diesem Grunde hat das Gericht den Pater Dufour und seine Mitangeklagte freigesprochen, beide aber aufs Schärfste getadelt. Der Vater des Angeklagten, Ehrenpräsident des Gerichtshofes von Bourges, ist in Folge der Gewüthserschütterung über den eurch letztercn hervorgerufenen Scandal gestorben. Derselbe wurde zwei Stunden vor Fällung des Urtheilsfpruches begraben.

Amerika.

Aus Amerika laufen Nachrichten ein, welche die Aussichten Grant's auf Wiederwahl als immer glänzender erscheinen lassen. Die letzteNewyorker Handelszeitung" bestätigt wenigstens, daß der Culminationspunkt des Greeley- Enthusiasmus bereits überschritten sei, und daß es damit schnell abwärts gehe. Sumner's Uebergang zu Greeley ist kein großer Gewinn für die Partei, und ihre eigenen Organe räumen die eingetretene Flauheit offen ein und suchen sie aus natürlichen Gründen zu erklären. Außerdem hat die Greelty'sche Partei viel durch die Convention in Louisville verloren, die sich von der in Baltimore total losgesagt hat. Auch O'Eonnor ist rückhaltslos gegen Greeley ausgetreten, weil jeder wahre Demokrat sich selbst verleugnen müsse, um für letzteren stimmen zu können. Die Hobe Achtung, welche O'Connor als Autorität in allen juristischen Fragen genießt, sein strenges Festhaitcn am Programme der Partei, lassen seine Gegnerschaft für Greeley höchst bedrohlich erscheinen. Freilich verwirft O'Connor von seinem ausgesprochen demokratischen Standpunkte aus die Candidatur Grant's fast ebenso sehr, wie die Grerlcy's, und wenn er den neuesten Telegrammen zufolge von den entschiedenen Demokraten wider feinen Willen selbst als Candidat ausgestellt werden soll, so läßt fiw erwarten, daß die zwei Monate bis zum Entscheidungstage mit den heftigsten Wahlkämpfen werden ausgesüllt werden.

Frischbäckrr ) u Gießen.

Sonntag den 15. September. Carl Löber am Lindenplatz, Georg Busch am Kreuz und Wilhelm Hartmann in der Neustadt.

Kirchliche Anzeige

der evangelischen Gemeinde zu Gießen.

Gottesdienst.

in hör I Morgens: Pfarrer Landmann.

Am 15. September. * Nachmittags: Pfarr-Assistent Walz.

Die Pfarrgeschäste für die Woche vom 15. bis 21. September 1872 besorgt Pfarr-Assistent Walz.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Jitabt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Stovulirte.

Den 7. September. Christian Valentin Heinrich Karl Hildebrand, Kaiser­licher Steuereinnehmer zu Brumath im Elsasi, des Bürgers und Sparkassenreckmers zu Hungen, Philipp Hildebrand, ehelicher Sohn: und Henriette Sophie Marie Thekla Jrle, des verstorbenen Großh. Landrichters zu Hungen, vr. August Jrle, eheliche Tochter.

Den 8. September. Karl Ludwig Becker, Bürger und Rothgerber dahier,