weis über das Eigenthum resp. die erfolgte Zahlung der Kaufschillinge nicht zu erbringen, nämlich:
1) Kaspar Dietrich I. Wittwe in Beuern VIII-114 dasiger Gemarkung.
2) Balthasar Sommerlad II. von Beuern III/311, VIII/147 dasiger Gemarkung.
Und so machen denn auch die anständigeren französischen Zeitungen, wie da- „Journal des Debats", was fie früher in einer ungewöhnlichen Anwandlung von moralischem Muth gesündigt haben, jetzt bei ihren Mittheilungen über die Eröffnungsfeier der Straßburger Universität reichlich wieder gut. Man scheint, Wie die „Straßburger Zeitung" sagt, es zu bereuen, daß man vor einigen Monaten sich zu Aeußerungen eines unwillkürlichen RespectS und zu gewissen für Frankreich nicht gerade vortheilhaften Äußerungen hat hinreißen lassen. Wir verzichten darauf, auf die abgeschmackten Nachrichten und Urtheile, von denen es bei dieser Gelegenheit in den französischen Zeitungen wimmelt, einzvgehen, und wollen nur hervorheben, daß selbst die besseren Blätter in der allerleichtfertigsten und frivolsten Weise mit der Wahrheit umspringen; ob ihr UrtheilSvermögen nicht auSreicht, den Unsinn ihrer Mittheilungen zu erkennen, oder ob sie absichtlich und bewußt lügen, lassen wir dahingestellt.
UebrigenS haben wir durchaus nicht Ursache, uns von den Wuthausbrüchen und Bosheiten der französischen Presse unangenehm berühren oder unö gar die Festesfreude trüben zu lassen.
I» Gegentheil: es scheint uns, baß der Zorn und Aerger der französischen Presse eine Art von Anerkennung und unbeabsichtigter Huldigung für unser Ver- fahren im Elsaß enthält. Denn was ist die Quelle de- Grolls, der beim Hinblick auf die Straßburger Feier in dem Chauvinismus erweckt woeden ist? Offenbar ent/pringt der Groll der Ueberzeugung, daß Deutschland mit der Neugründung der Straßburger Universität auch eine der festesten Grundsäulen des deutschen Geistes in den Boden des alten, schimpflich verlorenen und ruhmvoll wiedergcwonnenen Reichslandes gesenkt hat. Es handelte sich hier, das fühlt der Chauvinismus sehr richtig, nicht um eine prunkvolle ossicielle Schulfeier, sondern um eine bedeutungsvolle nationale That. Der deutsche Geist hat eine Stätte seine- Wirkens gegründet, von der aus er seine Strahlen in die Reichslanbe senden will, um die Herzen und Gemüther zu erwärmen und aufzuklären, um in der Seele des Volke- den französischen Esprit und die französische Routine zu bekämpfen. Die Gewalt dieses Geistes fürchtet der Chauvinismus, und sein Un- muth und Zorn ist nichts Andere- als der Ausdruck dieser Furcht.
Deutschland.
Darmstadt, 13. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnävigst geruht: am 27. April den außerordentlichen Professor bei der me- dicinischen Facultät der Laude-universität Dr. Ferdinand Kehrer zum ordentlichen Professor in der genannten Facultät, insbesondere für da- Fach der Geburtshülse zu ernennen — und am 29. April den ordentlichen Professor in der juristischeu Facultät der Landesuniversität Dr. Ferdinand Regelsberger auf sein Nachsuchcn, mit Wirkung vom 30. September d. I. an, aus dem Dienst zu entlassen.
Berlin, 10. Mat. Zu der Mehrmonatlichen Beurlaubung Bismarck's bemerkt man dem „Nurnb. Corr.", dieselbe werde einigermaßen erläutert durch Aeußeruugen, die Bismarck auf feiner letzten parlamentarischen Soiree gegen einige Abgeordnete mit ziemlicher Unumwundenheit gethan. „Er hat sich sehr bitter über die vielerlei Jntriguen beschwert, die am Hofe gespielt würden, so daß die Abgeordneten den Eindruck empfingen, al- halte Bismarck seine Stellung wirklich für erschüttert. Ob die Verbreitung diese- Glaubens zu dem Rüstzcuge gehört, dessen Bismarck bedürfen zu müssen glaubt, ob dabei ein Stückchen erlaubter „politischer Heuchelei" mit unterläuft, ob er damit irgend einen Schachzug in der höheren Politik zu maskireu trachtet, das sind eben so viele berechtigte Fragezeichen. Bismarck machte aus seiner körperlichen und geistigen Erschöpfung keinerlei Hehl und äußerte wiederholt seine großen Zweifel, ob ihm sein Zustand gestatte, auch nur bis zum Schluffe dem Reichstag bclzuwohnen. Thatfache ist, daß am Hofe eine außerordentliche Verstimmung über den Gang des jetzigen Reichstags herrscht. Der Kaiser selbst soll es im höchsten Grade übel vermerkt haben, daß „die Armee mitdiscutirt", d. h. daß im Heere über die Arreststrafe nachgedacht wird. Run scheinen zwar alle Steine des Anstoßes aus dem Militärstrafgesttzbuch durch die gütige Unterstützung der deutschen Rrichspartei aus dem Wege geräumt, bas Zustandekommen desselben erglänzt in der Ferne in rosigem Lichte — aber das Malheur ist nun einmal angerichtet: die Armee discuttrt über den Arrest, statt sich in ihn schicken zu lassen. Lasker erhält zustimmende Zuschriften aus den Reihen der Offiziere und Soldaten, statt daß diese ihre allerbevotesten Eingaben um Straferlässe an die nächsthöhere Charge machen. Diese allerhöchste Mißstimmung, verstärkt durch die liberalen Beschlüsse im Reichsbeamten- und Rechnungö- hosgesetze, erzeugt den Unwuth des Reichskanzlers, und seine gute Laune ist in Folge der Ablehnung des Cardinals Hohenlohe durch den Papst sicherlich nicht besser geworden."
Berlin, 11. Mai. Nach einer zuverlässigen Nachricht aus Marienburg liegt der erste Fall vor, daß der Sohn einer strenggläubigen mennonttischen Familie au- Klein-Montau, welcher auf Grund seines Glaubensbekenntnisses die A-leistung de- persönlichen Heeresdienstes in jeder Form ablehnt, zwangsweise eingeholt, nach Berlin gebracht und dort beim Garde-Trainbataillon eingestellt ist. Als er auch hier unter Berufung auf fein GlaubenSbekenutniß und aus fein Taufgelübde, wel- cheS von den Mennoniten erst bei reiferem Alter (in der Zeit zwischen dem 16. und 18. Jahre) abgelegt wird, den Eintritt in das Heer verweigerte, wurde er zunächst zum Arrest gebracht und endlich zwangsweise eingekleidet. Die Eltern und die Mitglieder der nächstdetheiligten mennonitifchen Gemeinde find darüber in große Aufregung gerathen, zumal fie befürchten, daß der junge Mensch sich verleiten lassen könnte, sein bei der Taufe auf fein GlaubenSbekenutniß geleistetes Gelübde durch Ableistung des Fahneneides (Der Eid wird bei den Mennoniten bekanntlich durch ein feierliches Ja ersetzt) zu brechen. Der Vorstand der betreffenden Mennonitengemeinde hat sich deshalb mit einem Gnadengesuch an Se. Maj. den Kaiser und König gewandt.
Berlin, 13. Mai. Fürst Bismarck reist nächsten Donnerstag nach Varzin ab. — Die „Kreuzztg." meldet: Der Präsident des Oberkirchenraths, Mathis, habe um seine Demission nachgesucht.
Italien.
Rom, 7. Mai. Die „Esperance de Rome" veröffentlicht heute das Pro- ! gramm des unter dem Präsidium des Pater Hyacinth hier zusammengetreteneu Altkathollken-Comites. Dasselbe lautet in Deutscher Uebersetzung wie folgt:
„Da- in Rom zur Vertheidigung des katholischen Glaubens gegen die Neuerungen der letzteren Zeit und zur Beförderung einer diSciplinarifchen und moralischen Reform in der Kirche gebildete Comite fühlt das Bedürfniß, öffent- lich zu erklären, daß es fein Werk nur auf dem göttlichen Grund Jesu Christi aufbauen will. Jeder Versuch religiöser Reform, welcher sich von einem andern Geiste beeinflussen ließe, ist in seinen Augen ohnmächtig; es bekennt also ChristuS uls den Sohn des lebendigen Gottes, den einzigen Erlöser der Seelen und der Völker, und von ihm erwartet es die Regeneration, Deren die Welt bedarf. Al- feste Anhänger des von Christus und seinen Aposteln der Kirche überlieferten Glaubens nehmen wir mit Der Heiligen Schrift alle TraDitionen göttlichen Ursprungs und alle legitimen Decrete Der katholischen Kirche an. Aber wir verwerfen unbeDingt die menschlichen Traditionen, welche mit Der erhaltenen Offenbarung vermischt wurden, und die Mißbräuche der Autorität, vermittelst welcher man sie erhalten und durchsetzen wollte. Wir verwerfen insbesondere das vati- canische Concilium, weil ihm Freiheit und Oekumenicität fehlten, und verwerfen die von ihm promulgirten Dogmen, da sie die Bestätigung aller Jrrthümer und Mißbräuche find, welche früher im Katholicismus eingesührt wurden. Wir verlangen , wie e« unsere Väter im Glauben thaten, die Reform der katholischen Kirche in den Hirten und in der Heerde. Wir halten diese Reform heutzutage für nöthiger und dringender als je, obwohl wir uns der Hartnäckigkeit, mit welcher man sich weigert, sie zu üben, und De« unerträglichen Grades, welchen unsere Uebel erreicht haben, wohl bewußt find. Ohne die heilsamen Wirkungen, welche anderweitig dadurch hervorgebracht wurden, zu verkennen, glauben wir, daß man, um eine wirksame Reform zu bewerkstelligen, bis zu der Epoche, welche der Trennung des Occidentes vom Oriente voranging, zurückweifen müsse, und daß man nur auf dem Terrain Der ersten acht Jahrhunderte Die von den verschiedenen cbrist- lichen Gemeinden so sehr gewünschte Wiedervereinigung zuerst vorbereiten und dann ausführen könne. Wir wollen uns um keinen Preis von der katholischen Kirche trennen, um eine neue Secte zu bilden; wir erkennen die rechtmäßigen Autoritäten, welche sie repräsentiren, an, aber wir behaupten zur selben Zeit unser Recht und unsere Pflicht, willkürlichen oder gar unbilligen Vorschriften, welche das Gewissen eines Christen in keiner Weise binden können, zu widerstreben. In dem aufgeregten und wesentlich transitorischen Zustand, in welchem sich die katholische Kirche gegenwärtig befindet, müssen sich die verschiedenen, in ihrem ganzen Umfang or- ganisirten Comites mit einander ins Einvernehmen setzen, um eine einheitliche Leitung der Bewegung des Widerstandes und Der Reform zu schaffen, und um die Wiedervereinigung eines wahrhaft freien ökumenischen Conciliums und die Wahl treuer Hirten in Dem alten Glauben und in Dem Geiste Der christlichen Barmherzigkeit und Der Freiheit, welche in der Kirche Jesu Christi herrschen soll, vorzubereiten."
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 13. Mai. Die Haltung des SptculatiouSmarkteS war heute eine aus, nehmend feste und blieb auch auf die EourSeutwicklung der übrigen Werthe nicht ohne Ginfluß. Neben dem guten Eindrücke des hierher gemeldeten Auszug« au« der „Times", welcher die freundnachbarlichen Gesinnungen der beiden streitenden Staaten constatirt, ist die heutige Reprise in erster Linie besonders günstiger Gestaltung der Liquidation und den hohen Berliner Notirungen zuzuschreiben. Man prolongirte Eredit glatt, Staatsbahn mit 9—12 fc„ Lombarden mit »/8 ä </4 3infen, während sich der Zinsfuß für den momentanen Geldbedarf auf ca. 472 Procent stellte. Credit auf Wien anfangs matt, 341, hoben sich im Laufe des Geschäfts bis 343% bei großer Kauflust. Staatsbahn bei enormen Umsätzen von 373l/2—377i/2, die hohe Berliner Notiz (216) gab das Signal zu starken Deckungen unserer Platzcontremine, Lombarden recht beliebt. Die Tendenz für jüngere Banken bleibt unverändert, dagegen erfreuten sich unsere Lokalinstitute heute großer Beachtung zu steigenden Preisen; so gewannen Bankverein 5 fl., Oesterreichisch.-deutsche I — 1 Vz Procent, Deutsche Vereinsbank i/2 Procent, Württemberger Vereinsbank bei großer Frage. Im FondSmackte herrschte nur geringe Regsamkeit. Von amerikanischen Fonds find besonders 1881er hervorzuheben, mit welchen Abgeber heute zurückhaltender waren und die ange« sicht« der starken Frage deS Privatpublikums nächster Tage höher gehen dürften. Bahnen still, österreichische Gattungen eher etwas besser, deutsche wenig verändert, Oberhessen bei besonderer Frage. Wechsel fest, Bremen gefragt, Wien höher.
SSrseiiBachrichteB.
13. Mai 1872.
Preuss. 4Va% Oblig. 102y2 Frankf. 3i/20/0 Obi. 871/3 Nass. 4i/3 o/o Obi. 9972 Kurhf-ae. 4% „ 94*/g Gr. Kess. 50/0 Obi. —
» n 4% j» 981/2 » „ 31/3% » 921/2
Bayer. 5«/g „ lOOVg
n 41/2 0/0 1jährige 100V8 „ 4«/o 1jährige 94‘/<
Würtemb. 47s % Obi. 995/g Baden 4y»% Obi. 0. E. L. 99% Oesterr. Silberrente 64
„ Papierrente 573/8 Spanier, ueuest. 3% 287/g Amerik. Bonds 1881r 997,
„ „ 1882r 955/8
„ „ 1885r 963/4
„ „ 1887r 973/4
Aetkn.
Frankf. Bank 142%
Frankf. Vereins-Kasse 136
Dannst. Bankaot. 464 Wien Bankactien 865 Oest. Creditaot. 3431/3 Galizien 265
Aeiien.
50/g östr. F. St. E. B. 378
Lombard. Bahn 207
Ludwigsh.-Bax.baoh 205
Maxbahn 1473/g
Bayer. Ostbahn 145
Rhein-Nahebahn-Act. 48 V4
Hess. Ludwigsb.-Aot. 1795/q
Oberhessen „ 847r
Wechsel.
Amsterdam k. S. 98J/2
Augsburg k. S. 993/4
Berlin k. 8. 10478
Bremen k. 8. 96y4
Brüssel k. 8. 933/4
Hamburg k. 8. 873/8
Leipzig k. 8. 105
London k. 8. 119
Lyon k. 8. —
Paris k. 8. 933/4
Wien k. 8. 1037g
ditto m. 8. —
ditto I. 8. 1033/4
Disconto 4 %
Prioritäten.
30/o öster. Stsb.-Prior. 593/8
3% öst. s. Lombard 50 y2
3% Livorneser —
5% Tosoaner —
50/g Elisabeth.-Prior. 82 V2 do. II. Emiss. 82 </4
Geldwerten.
fl. kr.
Pr. Friedrdor 9 57t/2—58</, Pistolen . . 9 40—42
» doppelte 9 40—42 Holl. fl. 108t. 9 53—55 Ducaten . . 5 33—35 20 Frankenst. 9 217r—227, Engi. Sover. 11 50—52 Buss. Imper. 9 40—42 Dollar in Gold 2 26-27
Anfiehenalooee.
Kurh. 40 Thlr. Loose — Nassau 25 fl. 43</2 Braunschweiger 21
30/0 Oldenburg. ä40Thlr. 39 */* 4O/o bayr. Präm.-Anl. 1127g Ansbacher 7 fl. —
4O/o badische Loose 111 Badische fl. 35 Loose 693/4 Oestr. fl. 250 v. 1854 8 41/1 1858r Prioritätsloose 196 1860r Loose 9P/4 1864r „ —
Stadt Florenz —
Besondere Bekanntmachung.
Oeffentliche Aufforderung.
2387) Die nachstehend aufgeführten Personen beabsichligen, die bei ihren Namen bemerkten Parcellen zu veräußern, vermögen aber bezüglich derselben genügenden Nach-
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