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hvtrd sich das zeigen. Die neuesteDarmfiävter Zeitung" warnt bereits in einem Leitartikel vor D.m Wahne, als ob direkte Wahlen an sich eine absolute Bürg- schäft politischer und parlamentarischer Freiheit gewährten. Wir denken, mit vollem Rechte. Was man gegen die indirekten Wahlen sagt, da- trifft, richtig gesehen, in Wahrheit nicht so sehr das Wahlverfahren, als die Wähler und Wahl­männer unseres BürgerthumS. Sind die lau, gleichgilttg, versäumen fie ihre Pflicht, dann werden die Wahlen schlecht auch bei direkter Wahl; thun sie aber ihre Schuldigkeit, wie das in so erregten Tagen erwartet werben darf, so wird auch das Sieb der Wahlmänner-Collegien nicht schaden. Die Tage stad hoffent­lich vorbei, wo der Wähler zu Hause blieb, sei es aus Ekel am öffentlichen Leben, fei es im trägen Glauben, eine Stimme mache nichts aus. Dafür haben die Hetzereien der schwarzen und der rothen Internationalen gesorgt und dafür werden sie auch ferner sorgen. (KZ.)

Darmstadt, 11. Oktober. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 7. Oktober den Ministerialsecretär dritter Klaffe bei dem Ministerium des Innern, Friedrich Rautenbusch, zum Ministerialsekretär zweiter Klasse bei diesem Ministerium; den RegierungSaccesfisten Maximilian Freiherrn v. Gagern aus Monsheim zum Ministerialsecretär dritter Klaffe bei dem Mini­sterium des Innern; den Kreisaffeffor bei dem Kreisamte Alsfelo, Friedrich Heß, zum Kreisaffeffor bei dem Kreisamte Offenbach; den Kreisaffeffor bei dem Kreis- amte WormS, Alfred Klietsch, zum Kreisaffeffor bei dem Kreisamte Mainz; den Kreisaffeffor bei dem Kreisamte Alzey, Adolph Spanier, zum Kreisaffeffor bei dem Kreisamte Gießen; den Kreisaffeffor bei dem Kreisamte Vilbel, Erwin Freiherrn Löw von und zu Steinfurth, zum Kreisaffeffor bei dem Kreisamte Groß-Gerau; den Regierungsaccefsisten Konrad v. Grolmann aus Darmstadt zum Kreisaffeffor bei dem Kreisamte WormS; den Regierungsaccefsisten Heinrich Nover aus Gießen zum Kreisaffeffor bei dem Kreiöamte Alsfeld zu ernennen.

Darmstadt, 11. Oktober. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 30. Sept, den ordentlichen Professor in der theologischen Facultät der Landes-Universität Dr. Eberhard Schrader, auf sein Nachsuchen vom 1. April 1873 an, von seiner Dienststelle zu entlassen.

Darmstadt, 11. Oktober. Der deutsche Frauentag sprach in seiner heutigen Sitzung dem Reichstage seinen Dank für die Unterstützung aus, welche derselbe der Petition wegen Anstellung der Frauen im Telegraphen- und Postdienst habe zu Theil werden lassen. Die Versammlung empfiehlt den Regierungen das Beispiel Hessens, welches Frauen auf Der Centralstelle für Landesstatistik beschäftigt, und beschließt auf den Antrag von Miß Carpenter, eine internationale Vereinigung zum Schutze der Frauenrechte zu bilden, deren Präsidium der Prinzessin Ludwig von Hessen übertragen werden soll.

Fulda, 11. Oktober. Wie verlautet, hat die zweite Redaktion der Denk­schrift der hier versammelt gewesenen Bischöfe den Bischof v. Ketteler zum Verfasser. Gegen Die schärfere erste Redaction halte sich die Majorität der Bischöfe aus­gesprochen.

Italien.

Rom, 6. Oct. DerPerseoeranza" wird eine interessante Notiz aus Dem Vatikan mitgethellt: Der Papst hat sich wieder einmal mit feinem Cardinal- Staatssekretär überworfen. Bei großen staatlichen und kirchlichen Actionen hat sich Pius IX gern von seinem geistreichen Sekretär leiten lassen, und wenn ein­mal auf diesem Gebiete Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen auftauchten, so schadeten sie der Freundschaft nicht viel. Diesmal aber handelte sich um eine Angelegenheit, die Pius IX. persönlich berührte. Antonelli hatte den beiden Di» rectoren der römischen klerikalen Blätter, dem desOffervatoie Romano" und dem derVoce della Verita" verboten, die Anreden des Papstes an die in den Vatikan kommenden Deputationen zu veröffentlichen, weil Pius in denselben bekanntlich vielfach über die Schnur schlägt und dem SraatSsecretär diplomatische Verlegen­heiten auf den Hals ladet. Der Papst erfuhr das dieser Tage, ärgerte sich stark und rief aus:So lange ich lebe, will ich Herr fein. Ich hange weder von Titus, noch von Cajus, noch von den Jesuiten ab, und noch viel weniger von Antonelli." Und sodann schickte er zum Marchese di Baviera, Direktor desOffer- vatore", und zu dessen Kollegen von DerVoce Della Verita" und beauftragte dieselben, zwei officielle Reporters zu Den Empfängen im Vatikan zu schicken. Und kurz und gut, Antonelli befinDet sich einmal wieder im Stande Der päpstlichen Ungnade, so daß Bonnechofe nur ein emzigeS Mal sich Die Treppe hinaufbemüht hat, welche aus Der Wohnung des Papstes zu Der Des Cardinal-Staatssecretärs führt.

Spanien.

Den 8. Oktober gegen Conrad Jung von Friedberg, wegen Urkundenfälschung, auf Frei- prechung.

Denselben gegen Philipp Löwenstein von Wieseck, wegen Urkundenfälschung, eine Gefäng, nißstrafe von 3 Monaten.

Denselben gegen Heinrich Amend von Herchenbain aus Freisprechung, da die Anklage von Seiten des Bestohlenen unter der Bedingung zurürkgenommen wurde, daß Heinrich Amend die erwachsenen Kosten trage, wozu sich dieser bereit erklärte.

Die Verhandlung der gegen die nicht erschienene Heinrich Amend'S Ehefrau wegen Bei­hilfe zu dem von ihrem Chemanne begangenen Diebstahl erhobenen Anklage wurde bis zur näch­sten Quartalsfitzung vertagt.

Den 9. October gegen Christian MatthesiuS von Ranstadt, wegen schweren Diebstahls, eine Zuchthausstrafe von 2*/2 Jahren, sowie Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren.

Den 10. October gegen Johannes Hofmann V. von Freiensteinau, wegen schweren Dieb­stahls, Gefangnißstrafe von 3Vz Monaten.

Denselben gegen Johannes Gebhard von Betzenrod, wegen schweren Diebstahls, Zucht­hausstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten, sowie Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren.

Bezüglich eines angeklagten Eierdiebstahls erfolgt« Freisprechung, da die Geschworenen diesen Umstand nicht für erwiesen erklärten.

Den 11. October gegen Heinrich Alt von Wohnbach, wegen einfachen Diebstahls, Ge- ängnißstrafe von 10 Tagen.

Denselben gegen Conrad Kull auö Meilen im (Santon Zürich, wegen Versuchs zweier aus­gezeichneter und zweier vollendeter einfacher Diebstahl«, Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 6 Mo­naten, sowie Stellung unter Polizeiaufsicht.

Die in der nächsten Woche verhandelt werdenden Anklazesachen find folgende:

Den 14. October, Vormittags 9 Uhr, gegen Robert Stabe! von Garbenteich, wegen DiebstahlSvcrsuchS; Vertheidiger: Großherzoglicher HofgerichtS-Advocat Kraft.

Denselben, Vormittag« 10/2 Uhr, gegen Johann.« Reue! von Lauterbach, wegen Dieb­stahls; Vertheidiger: Großb. Hofger.-Adv. Kraft.

Den 15. October, Morgen« 8 Uhr, gegen Wilhelm Amend von Battenfeld, wegen Dieb­stahls; Vertheidiger: Großh. Hofger.-Adv Weidig.

Den 16. October, Vormittags 8 Uhr, gegen Carl Bischoff und Friedrich Bischoff von Bönstadt, wegen Diebstahls, bezw. Beihilfe hierzu; Vertheidiger: Großh. Hofger.-Adv. Wolf.

Den 17. October, Vormittags 8 Uhr, gegen Gerson Katz I. von Einartehausen, wegen Urkundenfälschung; Vertheidiger: Großh. Hofger.-Adv. Dr. Reatz.

Den 18. October, Vormittags 8 Uhr, gegen Georg Fayett von San Gabriel und Otto Hoffmann von Darmstadt, wegen Tödtung im Duell, bezw. Beihilfe hierzu; Vertheidiger : Großh. Hofger.-Adv. Engelbach II.

Den 19. October, Vormittags 8 Uhr, gegen Sebastian Jost II. von Herchenhain, wegen Meineids; Vertheidiger: Großh. Hofger.-Adv. Hirschhorn.

Gießen, 11. October, liebet den am 20. vor. Monats dahier verhafteten Gauner Sil- berberg von Zabrze im Kreise Beuthen veröffentlicht Herr Polizeirath Nover in Eberhardt'S Allgemeinem Polizei-Anzeiger" sehr interessante Detail«, welche einen Einblick eineStheilS über die Sorgfältigkeit der Nachforschungen Seiten« unserer Polizeibehörde thun lassen, onderentheilS aber auch die Verbindungen und Complicen der Gaunerbanden klarlegen. Dies-r Silberberg ist einer der Hauptgauner, welche wohl eristiren, rafsinirt und gewandt, um seine Opfer zu bestehlen und auszunutzen. Einige Details wollen wir unseren L.sern vorfuhren. Silberberg, auch Afriat, Gordan, Gilbert genannt, hatte bei seiner Verhaftung in Gießen bloS 24 Schlüssel ver­schiedener Art (darunter 5 Cassaschlüssel). Derselbe ist über 35 Jahre alt, spricht deutsch, polnisch, französisch, englisch und spanisch; er wurde früher, so weit sich ermitteln ließ, 5mal verknurrt und entwich am 13. Januar 1864 au« der Strafanstalt zu Antonienhütte und wird seitdem steck, brieflich verfolgt. Von Antonienhütte begab sich S'lberberg nach Par>« und dann auf einen Westindien­fahrer, wo er zwischen St. Nazaire und Westindien kreuzte. Vom Schiffe begab er sich nach Eng­land und dann nach Australien. Nach mehrjähriger Abwesenheit taucht der Gauner in Cöln auf, stahl dort 100 Thaler Geld, 2 Wechsel, 2 Brieftaschen. Colonia hat denselben jetzt redamirt. Anfangs Januar stahl S. im Hotel Drerel zu Frankfurt a. M. einem Fremden au« einer ver­schlossenen Reisetasche 30 fl. Geld, eine Diamantnadel, einen Wechsel über 300 und einen ditto über 354 Pfund Sterling. Frankfurt sucht seinen Freund auch. Nach einer VergnüqungStour in Straßburg und Bordeaux begab sich S. nach Paris, wurde hier al« Spion verhaftet und nach bet Insel Air gebracht. Seine Freilassung erfolgte im September 1871. Spuren von S. fanden sich nun in Breölau, wo er einem Kaufmann im Gafthause eine Uhr im Werthe von 44 Thlr. annectirte. Bald darauf war er in England und stellte dem kaiserl. deutschen Gesandten in London vor, daß er in Frankreich durch den Krieg ungefähr 18,000 Francs verloren und um Mittel zum Fortkommen von London bitten müsse. Von Berlin erhielt er, weil er als au«- gewiesener Deutscher um Unterstützung bat, 50 Thlr. nach London geschickt. Von London begab sich S. übet Brüssel nach Berlin, von da nach Leipzig, schwindelte einem Spediteur eine Kiste Meßgut ab und versetzte dieselbe für 300 Thlr. auf dem Pfandhause. Leipzig will jetzt S. auch ein Andenken geben. Von Leipzig ging die Reise nach Wien; eS lassen sich allda bis jetzt noch keine Gastrollen ermitteln, blo« daß er um eine Stelle bei der Weltausstellungscommission nach­suchte. Von Wien ging« nach Hamburg, wo S. bedeutender Diebstähle verdächtig ist und das dortige Gericht denn auch seine werthe Bekanntschaft machen will. Von Hamburg ging« nicht nach Ritzebüttel, sondern nach Travemünde, wo S. eine Gaunervorstellung gab. Die Reise ging weiter nach Lübeck, wo S. einem Schüler 8 Thlr. Geld und eine Taschenuhr stahl. Die freie Stadt Lübeck hat auch Verlangen nach ihrem ehemaligen Gaste und bittet um Auslieferung. Die Schlußscene spielt nun in Cassel, wo Herr Silberberg unter Retourlaffung seines französischen Passes in einer Herberge einem Goldarbeiter Behr aus Hamburg feine Uhr und goldenen Ring wegzauberte. Die Polizei hatte die Unverschämtheit und benutzte den Telegraphen, in Folge dessen endete die Gießener Polizei diese- thatenreiche Wirken durch Verhaftung auf hiesigem Bahnhöfe, ließ S. photographiren und beförderte ihn unter polizeilichem Siegel nach Cassel, wo er den Lohn für seine Arbeit empfangen wird.

Gießen, 12. October. Wie un« Herr Luöz mittheilt, wird derselbe in nächster Zeit hier eintreffen und Shakespeare'«Othello" in englischer Sprache vorlesen.

(Eingesandt.)

Madrid, 4. Oct. Einer Korrespondenz DerJliDep." aus Madrid ent­nehmen wir Folgendes: Die Carlisten werden in Catalouien hartnäckig verfolgt. Hier hatte seit einiger Zeit der Aufstand keinen anderen Zweck mehr, als Die Be­günstigung eines auSgeDehnten Schmuggelwesens. Die Lager Der großen Fabri­kanten sind mit ausländischen Maaren gefüllt, die ohne einen Kreuzer Zoll ins Land gekommen sind, man behauptet sogar, Die meisten catalonischen Kaufleute be­zahlen den Bankeachefs eine beoeutenDe Summe unter der Bedingung, daß sie den Feldzug so lang als möglich hinausziehen. Respekt vor diesem Patriotismus! Trotzdem weisen ein paar Dutzend Fabrikanten Dieses Gelichters zu Gefallen aller Finanzminister, zum großen Nachiheile Des Staatsschatzes, eine Herabsetzung Der Zolltarife von Der Hand, welche alSbalD Dem ausgedehnten Schmuggel an Der Grenze Den Garaus machen würDe. Die Bande Senz in der Provinz Castellon ist gestern geschlagen uno völlig zersprengt worden. Die Bande Saballs' hat sich vor dtr Verfolgung des Generals BalDrich in die Provinz Lertda gezogen. Sa­balls hat Dieser Tage Den Redakteuren eines liberalen Blattes in Lucha geschrie­ben, er werde sie bei nächster Gelegenheit erschießen lassen, so barbarisch und wild haust Dieser Bandit. Castell hat an alle Lehrer CatalonienS ein Rundschreiben erlassen mit dem Befehl, bei Todesstrafe die Schulen zu schließen.

Auf das Morgen in Wenzel« Garten ftattfindende Concert (ä la Strauss) ein verehrliche« Publicum besonder« aufmerksam machend, glaubt der Unterzeichnete es gam gerechtfertigt zu finden, die Leistungen des Musik Corps unter Leitung feine« jetzigen Kapellmeisters hervorzuheben, indem die bisherigen Concer te stet« mit großer Gediegenheit ausgeführt, namentlich auch da« Morgen kommende, durch Eng agement neuer Kräfte seitens he« Herrn Kapellmeister« gewiß ein glanzvolles werden wird. N. B.

Fri sch b s ck er ju Gießen.

Sonntag den 13 October. Christian Jughardt in der Wallthorstratze, Carl Steinberger in der Löwengasse und Heinrich Plank in der Neustadt.

Kirchliche Anzeige

Der evangelischen Gemeinde z u Gießen. Gottesdienst.

9. ' Morgens: Pfarrer vr. Seel.

Ami 3. October. j Nachmittags: Pfarrer Landmann.

(Künftigen Sonntag den 20. October: Feier des heiligen Abendmahls.)

Die Psarrgeschäste für die Woche vom 13. bis 19. October 1872 besorgt Pfarrer Dr. Seel.

Local» Notizen.

Gießen, 11. Oktober. Der Schwurgerichtshof der Provinz Oberheffen hat nach voraus- gegangenet gesetzlicher Verhandlung in nachbemerkten Anllagesachen erkannt, nämlich:

Den 7. October gegen Johanne« Bloch von Nieder-Breidenbach, wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg, eine Gefängnißsttafe von 4 Jahren.

Denselben gegen Johannes Schmiermund von Wallersdorf, wegen schweren Diebstahls, eine Gefangnißstrafe von 8 Monaten, an welcher jedoch 2 Monate als durch die unverschuldet erlittene Untersuchungshaft bereit« verbüßt in Abzug zu bringen sind.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadl Gießen. Evangelische Gemeinde. Kopulirte.

Den 6. October. Johann Georg Heller, Ortsbürger in Beuern und Schlosser an der Cöln - Gießener Bahn dahier, ein Wittwer; und Katharine Klug, des Orts­bürgers und Ackermanns in Alt-Buseck, Friedrich Klug, eheliche Tochter.

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