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Schweiz.

Bern, 10. Jan. Ende Februar wird in Wien eine internationale Con- ferenz zusammentreten, um gemeinsame Schutzmaßregeln gegen die Rinderpest zu berathea.

Belgien.

Brüssel, 8. Jan. Wie aus Charleroi gemeldet wird, gewinnt der Strike der Grubenarbeiter zu Dezin und Sclaigneaux an Umfang. Die Anstifter suchen die sämmtlicheu Arbeiter des Kohlenreviers von Charleroi zur Arbeitseinstellung zu bringen und sie zu Gewaltthätigkeiten zu verleiten. Bisher sind noch keine Unordnungen vorgekommen, außer daß GenSdarmen von Namur bei der Verhaf­tung einiger Individuen mit Steinen geworfen wurden, wobei einige leichte Der- wunduugen vorkamen. Es ward auch geschossen, aber Niemand getroffen. Ein Bataillon Infanterie befindet sich am Orte.

Brüssel, 10. Jan. Man schreibt derJnvcp." aus Versailles: Bezüglich des Besuchs, den Graf Arnim dem Herzog v. Aumale gemacht, behauptet man im deutschen Botschaftshotel, derselbe sei kein politischer Besuch gewesen, sondern habe nur die Beglückwünschung des Herzogs wegen der Ernennung zum Mitglied der Scadewie bezweckt.

Italien.

Rom. lieber den famosen Neujahrsewpfang in Rom kommen nun ganz andere Versionen. Freilich zunächst von einem fanatisch ultramontanen Organ. Die PariserUnion" hat einen längeren Brief aus Nom, der folgende merk- würdige Einzelheiten über den Empfang enthält, den der Adjutant des Königs Victor Emanuel im Vatican gehabt, als er dem Papste die Neujahrsgratulation seines Souveräns überbringen wollte: Als der Abgesandte des Königs sich in militärischer Uniform am Thore des Vatikans zeigte, weigerte ihm die schwei­zerische Schilvwache den Durchgang; er mußte daher warten, bis der Cardinal Antonelli die Eintrittserlaubniß ertheilt hatte. Der Cardinal empfing jedch nur den Generaladjutanten des Königs, General Pralormo, und nicht das ihn be­gleitende Gefolge.Se. Majestät, sagte der Abgesandte zum Cardinal, hatte beabsichtigt, mir ein Schreiben zu geben, um Sr. Heiligkeit die herzlichsten Wünsche zum Jahreswechsel zu übermitteln; aber der König fürchtete, daß sein Brief nicht in die Hände des Papstes gelangen könne. Se. Majestät hat mich daher beauf­tragt, mündlich Ew- Eminenz die Glückwünsche zu überbringen, welche der König für den Papst formulirt." Der Cardinal Antonelli erwiderte dem General: daß es unnütz sei, sich so heuchlerisch einzufinden, um Denen Glückwünsche auszusprechen, die man vorher beraubt habe. Wenn unser heiliger Vater, der Papst, Gefangener ist, und sich zu einem elenden Zustande verurtheilt sieht, so trägt der König allein die Schuld daran, und nach solcher Unbill ist es daher eine Schmach und Schande, wenn man es wagt, ihm noch mit Glückwünschen zu kommen. Ich habe übri­gens, fügt der Cardinal hinzu, einen Pralormo gekannt. Es war der letzte Ge­sandte Piemonts in Rom. Ich weiß nicht, General, ob cs ein Verwandter von Ihnen war, aber das weiß ich, daß er sich nicht, wie Sie, zu einer derartigen Commission hergegeben haben würde.

Rußland.

Warschau, 4. Jan. In Rußland wird die Körperstrafe gegen die zu schwerer Strafarbeit und zur Ansiedelung in Sibirien Verurtheilten noch immer in Anwendung gebracht. Ein kaiserlicher Ukas bestimmt jetzt, daß gegen die Kate­gorie von Verbrechern statt des bisherigen SpießruthenlaufenS die Züchtigung mit dem geflochtenen Kantschu in Anwendung kommen soll, und hebt zugleich das Gesetz auf, das die Verfügung von Körperstrafen nur dem Kriegsgericht ge­stattet.

Griechenland.

Athen, Ende December. Das Räuberunwesen hat auf's Neue begonnen. Der in Athen wohlbekannte Räuberhauptmann Spanos, dessen Heerden auf dem Berge ParneS weiden, ist der Führer, der durch sein plötzliches Wiederaustauchen in seinen alten Schlupfwinkeln bei Oropos uns aus dem Traum der Sicherheit aufgestört hat. Die Bande soll aus sieben erfahrenen und abgehärteten Räubern bestehen, und wie es heißt, hat Sponos selbst sich schon geraume Zeit in Griechen­land verborgen gehalten und inzwischen seinen Plan für den Winterfeldzug vor­bereitet. Seine Kühnheit, welche sich in der Thatsachc ausspricht, daß er gleich sein Hauptquartier nach Oropos verlegte, um Attika unsicher zu machen, ist geradezu wunderbar. Die neuesten Blätter bringen einen seltsamen Bericht über den ersten Zusammenstoß zwischen den zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit ver­wendeten Truppen und der Bande Spanos. Die Geschichte ereignete sich bei Sphendale, wo der Perserfeldherr MardontuS auf seinem Marsche von Megara nach Tanagra vor der Schlacht bei Plataeae Rast hielt. Die Räuber hatten in einem Schäferlager unfern Tanagra Contribntionen erhoben und man verfolgte sie von dort bis zu dem Orte Paleomilifi in Attica. Eine Abtheilung von dreißig Schützen wurde ausgesandt, die Banditen zu umzingeln. Man fand sie alle um ein Feuer herum schlafend, ohne einen Wachtposten und, wie es heißt, näherten sich die Soldaten auf fünfzig Schritte und gaben dann auf die Schläfer Feuer. Auf diese Weise allarmirt, waren die Räuber im Augenblick auf den Füßen und gaben Fersengeld mitten durch ihre tapferen Verfolger hindurch. Dic Flucht ge­lang vollständig. Ein Untersuchungsgerichtshof ist niedergeietzt worden, um aus­findig zu machen, wie es kam, daß die Schüsse auf fünfzig Schritte Entfernung fehlten und daß es den Räubern gelang, ohne Nebelkappe aus dem Kreise der Soldaten zu entkommen. (Times.)

Amerika.

Newyork erfreut sich gegenwärtig einer überaus fleißigen und tugendhaften Grand Jury. Dieselbe hat beschlossen, den städtischen Mißbräuchen auf den tief- sten Grund zu gehen. Die erste Frucht ihrer Arbeiten war, wie dieNewyorker HandelSzeitung" berichtet, eine Anklageakte gegen William B. Tweed wegen ge­meiner Fälschung. DaS hatte er nicht erwartet und fühlte sich sehr unangenehm berührt, als der Sheriff ihm in bekannter Weise die Schulter betastete. Er mußte sich mit dem, dessen Gefangener er war, nach dem Metropolitan-Hotel verfügen, wo er unter Bewachung gestellt wurde. Alsdann ging es in den Gerichtssaal, wo ihm ein Freisitz auf der Anklagebank eingeräumt wurde. Der Richter Bedfort weigerte sich, Bürgschaft für ihn anzunehmen, und er wußte wie andere Verbrecher

den Passion-gang nach den Tombs antreten. Unterwegs aber traf ihn ein HabeaS- CorpuS-Befehl feines Freundes, des Richters Barnard, welcher ihn im Interesse der bürgerlichen Freiheit gegen eine Bürgschaft von 5000 Dollars entließ. Eine Bürgschaft toll bekanntlich bürgen, nämlrch dafür, daß der Angeklagte sich nicht absentire. Der Richter Barnarv kann wohl kaum glauben, baß Herr Tweed lieber auf drei Jahre ins Zuchthaus wandern und sich von 5000 Dollars, welche für ihn so leicht zu realisiren waren, trennen würde; so bestätigt sich die alte Regel, daß in Newyork stets ein Richter zu finden ist, welcher das wieder ver­pfuscht, was einer seiner Collegen gut gemacht. Eine ähnliche Anklage wurde gegen Connolly erlassen, welcher noch im Civilgesängniß sitzt und bei dem also feine Verhaftung nothwendig war. Gegen Tweed soll noch ein ganzes Bündel ähnlichersüßer Blllets" bereit sein, und werden überhaupt noch mehrere Anklage­akte von dieser Grand Jury erwartet. Tweed befindet sich, beiläufig bemerkt, durchaus ungesetzlicher Weise auf freiem Fuße, da in der Civilsache nur eine Strohbürgschaft für ihn geleistet und vom Gericht in Albany das Gesuch, die geforderte Caution von einer Million herabzusetzen, abgeschlagen wurde. Connolly'S Bürgschaft ist auf eine halbe Million revucirt, aber auch diese kann er nicht auf­bringen. Für ihn und hoffentlich auch für Andere sind die schönen Tage von Aranjuez vorüber. Aber dürfen wir uns der Hoffnung hingeden, einen von diesen Ehrenwerthen wirklich im Zuchthause zu sehen? Für Tweed hat Die Criminal- klage wenigstens die Folge, daß er seinen ihm vom Pöbel seines Distrikts ver­liehenen Sitz im Senat zu Albany nicht wird einnehmen können.

Vermischtes.

Das Großherzogthum Hessen besitzt nach den neuerdings stattgehabten Ermittelungen im Ganzen etwa 400,Ul>0 Morgen Wiesen, Grasorten und Weiden, welche ein Steuerkapital von nahezu 1,200,000 st. repräsentiren. Am wiesenreichsten erscheint die Provinz Oberheffen, während Rheinhessen bekanntlich nur sehr wenig Wiesengelände aufzuweisen hat. Hingegen ist der Ertrag der oberhessischen Wiesen im Durchschnitt bedeutend geringer, als derjenige der anderen Provinzen, und es beruht dies wesentlich daraus, daß Obechessen viele hochgelegene einschürige Waldwiesen und ausgedehnte wenig fruchtbare Waldweiden im Vogelsberg besitzt.

Büdingen. Das Äroßherzogliche Gymnasium dahier begeht am 1. Mai d. I. die Feier seines fünfzigjährigen Bestehens. Anläßlich dieser Feier beabsichtigt die Direction desselben in dem zu Ostern erscheinenden Programm unter Anderem auch eine Mittheilung zu machen über die Lebensstellung, in welcher sich jetzt die einzelnen ehemaligen Schüler der Anstalt befinden und richtet deshalb öffentlich die Ditte an dieselben, der Direction gefälligst bald Kenntniß von ihrer jetzigen Lebensstellung geben zu wollen.

Vom Vogelsberge. Es wird von der deutschen Reichsregierung beabsichtigt, ein neues Remontedepot aus dem Selgenhof bei Ulrichstein anzulegen, und zwar in einem so großartigen Umfang, wie noch keine solche Anstalt in Südbeutschland besteht, und nur 12 in dem ganzen Königreich Preußen vorhanden sind. Nach der BerlinerKceuzzntung" und derAllgemeinen Militärzeitung" sind zur Errichtung dieser Anstalt bereits im Reichsetat für 1872 100,000 fi. vorgesehen. Das Zustandekommen derselben ist für den Vogelsberg von höchstem Interesse und beschäftigt aufs Lebhafteste die Bevölkerung unserer Gegend. Um nun über den Stand dieser Sache zu berichten und zugleich über die Mittel und Wege ihrer Förderung zu berathen, soll Montag den 29. Januar, des Morgens 10 Uhr, in dem Pfannstiel'schen Gast hause zu Ulrichstein eine Versammlung ans allen Gemeinden des nordwestlichen Vogelsberges staltfinden und dürfte eS für Alle, die ein Herz für unser vom Handels- und Weltverkehre isolirtes Gebirg haben, eine heilige Pflicht sein, dahin zu wirken, daß die Versammlung von Vertrauensmännern aller Ge­meinden, besonders von Bürgermeistern, Beamten, Geistlichen, Lehrern, Geschäftsleuten ?c. recht zahlreich beschickt werde.

Berlin. (Ein betrogener Ehemann.) Dem Chef eines Bankgeschäfts, der di» üble Gewohnheit hatte, Geld, besonders Papiergeld stund nlang, ja den ganzen Tag über auf feinem Pulte liegen zu lassen, verschwanden zu verschiedenen Malen einzelne Scheine in Coupon-, ohne daß er ei.r Ahnung hatte, wer wohl der Dieb sein könne. An einem Tage dieser Woche nun hatte er wiederum eine Summe Geld in Coupons auf seinem Pulte niedergelegt, als er ab gerufen wurde. Schon nach wenigen Minuten zurückkehrend, bemerkte er, daß von den Coupons inzwischen einer verschwunden war. Im höchsten Grabe aufgebracht, erklärte er seinem aus sechs Personen bestehenden Personal, daß, wenn er sie nicht Alle für Diebe halten solle, sie sich einer Visitation unterwerfen müßten. Keiner wagte sich einer solchen zu entziehen und die Durchsuchung begann. Bei den ersten Beiden war nicht- gefunden worden, als der Principal, an den Dritten herartretend, bemerkte, wie dieser bleich und verwirrt wurde. Doch trotz dieser bösen Zeichen fand sich auch hier der Coupon nicht, und schon wollte der Visitator sich zu dem nächsten der Herren wenden, als ihm einfiel, daß sich auch zuweilen im Innern der Weste eine Tasche be­fände und er batte sich nicht geirrt eS war wirklich eine solche da und darin ein zusammen­gefalteter Brief. Diesen auseinanderschlagend, um nachzusehen, ob nicht hier auch vielleicht der Coupon verborgen sei, wurde sein Gesicht kreidebleich er wankte und brach ohnmächtig zusam­men. Der Coupon war freilich nicht in dem Briefe, aber dieser selbst war ein Liebesbrief seiner jungen Frau an den Commis. Wie wir hören, soll die treulose Frau bereit- da- Hau- ihres Gatten verlassen haben. Der Arme! er suchte den Dieb des Geldes und fand dafür den Räuber feine- Lebensglücks.

Handelsberichte.

Frankfurter Wechslerbank. Wie wir hören, ist Herr Hermann Willstädter zum zweiten Director der Wechslerbank ernannt worden.

Rückzahlung der verloosten württembergischen A n l e h e n S o b l i g a t i o n en. Die am 29. December 1871 verloosten Obligationen sind bis zum 5. April d. I. nach Wahl des Gläubigers bei der Staatsschuldenzahlungskasse in Stuttgart oder in Frankfurt a. M. bei dem Hause Rothschild zu erheben. Bei erfolgender Einlösung in Stuttgart vor dem 15. Febr. erhalten die Gläubiger die Zinsen bis zum 15. Febr. vergütet, wogegen bei allen übrigen, vordem 5. April 1872 zur Ablösung kommenden Capitalien der Zins nur bis zum Tage des Empfanges aus­bezahlt wird.

Bergisch-Märkische Bank. Am 11. dS. MtS. wird die DiScontogesellschaft die Aktien der Bergisch-Märkischen Bank, an welche bekanntlich die ProvinzialdiScontogeiellschaft mit einem namhaften Capitale participirt, an der Berliner Börse einführen.

Außer Cours gesetztes Papiergeld.

Anbalt-Bernburger Kassenscheine ä Thlr. 1, 5 und 25 von 1850, 1852, 1856 und 1859. Anhalt Köthen'sche Kassenscheine ä Thlr. 1 und 5 vom 1. Juni 1848.

Anhalt-Köthen-Bernburger Kassenscheine ä Thlr. 1 und 5 vom 2. März 1848.

Anhalt-Köthen Bernburger Eisenbahufcheine ä Thlr. 1, 5 und 25.

Anhalt-Dessauer Kassenscheine ä Thlr. 1 und 5 vom 1. August 1849 und ä Thlr. 10 vom 1. Oktober 1855.

Anhalt-Dessauer Landesbanknoten ä Thlr. 1 und 5 vom 2. Januar 1847.

Bautzener jlaufitzer landständischej Banknoten ä Thlr. 5 von 1850.

Bayerische Hypotheken- und Wechselbanknoten ä fl. 10 von 1859, 1850.

Braunschweigische Bank- und Darlehensbankscheine ä Thlr. 1, 5 und 20 von 1842. Braunschweigische Banknoten ä Thlr. 10 Gold vom 1. Juni 1856.

BreSlauer städtische Banknoten ä Thlr. 1, 5, 25 und 50 vom 10. Juni 1848.

Dänische 5-ReichSbankthalerzettel älterer Emission von 1835, und auf einer Seite blau bedruckt. Gothaische Kassenscheine ä Thlr. 1 und 5 vom 30. September 1848.

Holsteinische Kassenanweisungen von 1854.

Kurhessiscke Leih- und Commerzbanknoten.

Leipziger Banknoten, alle vor dem 2. November 1851 erschienenen.

Oesterreichische Banknoten, auf Cor.ventionSmünze lautend und die in Österreich. Währ, ä fl. 10 vom 1. Januar 1858, ä fl. 100 vom 1. März 1858.

Polnische Bankscheine grüne ä 1 Rubel, weiße und rothe ä 3 Silberrubel.

Posener Provtnzialbanknoten vom 1. December 1857.

Potsdamer Stadtscheine ä Thlr. 1 vom 8. September 1849.

Reuß ältere Linie Kassenanweisungen ä Thlr. 1 vom 15. Mai 1858.

Reuß jüngere Linie Kassenanweisungen ä Thlr. 1 vom 29. März 1849.