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Schweiz.

Basel, 6. Mai. Der grofec Nach erklärte mit 92 gegen 8 Stimmen die Eoncesston der französischen Ostbahn für erloschen und sprach sich zu Gunsten der getroffenen RegierungSmaßregeln aus.

Frankreich.

Pans, 4. Mai. Das Buch des Marschalls Bazaine hat dem Faß den Boden ausgeschlagen: der Marschall wird vor das Kriegsgericht gestellt, und er darf sich darauf verlassen, daß seine Gegner, die schon so lange gegen ihn ge­schürt haben, ihn nicht schonen werden, zumal er sie fortwährend reizt. So ruft heute dasSiecle":Dieser Mann scheint der Straflosigkeit sicher zu sein und keine Ahnung von der auf ihm lastenden Anklage zu haben. Wenn er, statt Metz auszuliesern, es gerettet hätte, würde er das Haupt nicht höher tragen. Herr Bazaine, eines CapitaloerbrechenS angeklagt, genießt nicht nur seiner vollständigen Freiheit, bezieht seine Besoldung als Marschall von Frankreich, sondern er hat auch Adjutanten. Er sendet also einen seiner Adjutanten zum Kriegsminister, um zu verlangen, das Dekret solle es auSsprcchen, Bazaine werde auf sein eigenes Verlangen hier vor ein Kriegsgericht gestellt, und nicht auf den Wunsch der Com­mission der Capitulationen. Die Commission widersetzt sich energisch der Erfüllung des von Herrn Bazaine ausgesprochenen Wunsches." Bet den bevorstehenden Ca- pitulantenprozessen spielt das Dekret vom 1. März 1812 eine Hauptrolle.

Feuille du Dillage" berichtet:Die durch die Bemühung des Herzogs de la Rochefoucauld-Bisaccia, Dcputirter der Sarthe, ins Werk gesetzte Subskrip­tion hat in einem einzigen Tage 645,000 Francs ergeben. Diese Summe ist unmittelbar darauf in die Kaffe der Carlisten Spaniens gewandert." Das Siecle bemerkt dazu:Ist das nicht herrlich? Man sammelt für die Befreiung des französischen Gebiete- und der Avel antwortet damit, daß er sein Geld den spa­nischen Verschwörern gibt."

Paris, 5. Mai. Die Bonapartisten haben seit einigen Tagen ihre Pro­paganda wieder mit größerem Eifer ausgenommen. Dieselbe wird jetzt besonders stark im Westen betrieben, wo man imperialistische Broschüren in großer Masse vrrtheilt. Bonapartistische Agenten durchziehen in großer Anzahl das Land und kündigen die nahe Wiederherstellung des Kaiserreiches an. Unter denselben be­findet sich auch ein ehemaliger Kammerherr des Kaisers. Das Geld für die Pro­paganda fließt aus einer Kasse, welche unter der Aufsicht Rouher's steht. Die Fonds derselben werden durch mehr oder weniger freiwillige Subskriptionen auf­gebracht. Rouher hatte ziemlich heftige Scenen mit einigen ehemaligen Ministern de- Kaiserreichs, die zu der Kaffe nicht beisteuern wollten.

Bayonne, 5. Mai. Das.Gerücht von der Gefangennahme Don Carlos' erhält sich. General Rada ist nach Frankreich übergetreten. Die spanischen Be­hörden fordern seine Verweisung von französischem Gebiete.

Italien.

Nom. Der Vesuv-Au-bruch hat Italien wieder einmal aus seinem dolce far niente energisch aufgerüttelt. Zur Charakteristik des Phänomen will ich Ihnen nur ansühren, daß der seine Aschenregen, der diesmal bis nach Neapel drang und die Sonne verfinsterte, seit 1822 nicht vorgekommen ist. Auch siedendes Wasser bekam die nähere Umgebung des Vulkans gespendet. Das osficielle Ableugnungs­system, da- Lanza in der Kammer betreffs der Unglücksfälle beobachtete, beruhigt Niemanden. Der Verunglückten sind es sicher mehr als 100. Von einer Gesell­schaft, welche den Vesuv am Abend der Eruption erstieg, hat kein Mensch mehr etwas gehört. Acht Führer kamen um; Doktor Giameone, Prof. Schrön und Pretore Lanzetta sind verschwunden. Die Minister, sowie der König, der sich zur Zeit der Katastrophe in Neapel befand, haben die zerstörten Orte besucht. Victor Emanuel setzte 5000 Franken für die ruinirten Familien aus; die Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten 60,000 Franken und der Municipalrath von Neapel 40,000 Franken. Hervorzuheben ist, daß die Truppen bet der Rettung der von Lava umgebenen Personen und der Habe der mit Zerstörung bedrohten Familien heldenmüthige Dienste geleistet haben. Eine große Anzahl von Sol» daten ist dabei tödtltch verbrannt worden.

Neapel, 4. Mai. Der Ausbruch des Vesuvs ist zu Ende und die Bevöl­kerung hat sich beruhigt. Die feierlichen Procefsionen, welchen die Polizei bisher im Interesse der öffentlichen Ordnung entgegentrat, können jetzt kein Bedenken mehr erregen. So wurde denn heute eine Processton veranstaltet, bei welcher der Schutzpatron Neapels, St. Januarius, auf den Schultern einiger frommer Pa- trizier versteht sich in effigie nach Santa Chiara gebracht wurde. Im Gefolge befand sich auch die Nationalgarde zu Pferde und zu Fuß. Heute Abend wird das bekannte Wunder erwartet. Eine prompte Bewegung desselben wird ohne Zweifel vielen geängstigten Seelen die Ruhe wiedergeben. Bei letztem Wunder war bekanntlich das Blut steif flüssig gewesen, was als ein schlimmes Zeichen axv- gesehen wurde. Professor Palmieri hielt um die nämliche Zeit vor etner zahl­reichen Versammlung eine wissenschaftliche Vorlesung über den Vesuv.

Spanien.

Madrid, 5. Mai. Die Carlisten verloren in dem Gefecht von OroSquieta 40 Todte und 730 Gefangene. Die RcgierungStruppen verfolgen sie lebhaft und bringen neue Gefangene ein. Don Carlos floh, auf dem Fuße verfolgt, mit 200 Mann der französischen Grenze zu.

England.

London, 5. Mai. Die armen englischen Frauen sind abermals in den Sumpf der Sklaverei zurückgeschleudert, aus dem Jakob Bright sie gegen ihren Willen herausziehen gewollt. Die Frauenstimmrechts-Bill fiel abermals im Unter- Haufe mit 79 Stimmen, während sie im vorigen Jahre bloß mit 69 durchgefallen war, und groß ist der Unwille der verhältnißmäßig kleinen aber viel Lärm machen­den Coterie, die in der politischen Emancipation des Weibes die Erlösung des Menschengeschlechtes von Nöthen mannigfacher Art anstrebt. Da sie nicht bloß in England und Amerika, sondern auch auf dem Continente ihre Lehren, wenn- gleich minder zudringlich, predigt, sind die Beweisgründe, die sie in der gestrigen Sitzung aufführte, als bekannt vorau-zusetzen. Genau dasselbe gilt von den Gegen- gründen.

London, 7. Mai. Der König von Belgien machte der Kaiserin Augusta gestern einen Besuch in London. Die Kaiserin besuchte das deutsche Hospital und machte demselben eine mildthätige Schenkung.

Türkei.

Konstantinopel, 6. Mai. DerCourrier de l'Orient" meldet, daß auf der Marmora - Insel eine Judenverfolgung stattfand, welche drei Tage dauerte. Die Synagoge wurde demolirt und die Häuser der Juden wurden geplündert. Jüdische Familien flüchteten sich in die Häuser der Türken.

Asien.

Ausführliches über die furchtbare Verwüstung Antiochias durch das Erd­beben berichtet unterm 10. April ein Correfpondent von dort an dieTimes". Von dem Tage ab, wo 200,000 Einwohner Antiochias von jenem Erdbeben heim- gesucht wurden, in dem Kaiser Trajan nur durch die rasche Flucht nach dem Circus sein Leben in Sicherheit brachte, ist die Stadt stets eine Unglücksstadt gewesen. Am 3. April ist wieder ein Dritttheil von ihr gleichfalls durch ein Erdbeben in Trümmer gelegt worden. Um 7 Uhr 45 Minuten, als die Bazars gedrängt voll von Menschen waren, warf plötzlich ein Erdstoß, der in der Richtung von Ost nach West über 40 Sekunden anhielt, die vier Hauptbazars nieder. Da die Straßen meist so eng sind, daß ein Reiter kaum das Pferd in ihnen wenden kann, so werden in dem Viertel nur wenige Menschen unversehrt geblieben sein. Ja der griechischen Kirche waren gegen 300 Personen versammelt und diese ganze Gemeinde ward unter den Trümmern des Gebäudes begraben. Eine griechische Schule mit einem halben Hundert Kindern hatte dasselbe Schicksal. Das soge­nannte Paul-Thor, eine schöne Ruine am östlichen Eingänge der Stadt, ist nicht mehr. Die Erdstöße wurden auch in Aleppo und weiter östlich bis Orfa jenseits des Euphrat verspürt, während nördlich und westlich nur ganz unbedeutende Er­schütterungen wahrgenommen wurden. Gerüchtsweise verlautet, daß auch mehrere Dörfer am Orontes ganz vernichtet sind. Der Erdstoß am 3. April war der furchtbarste, weniger bedeutendere folgten nach. Es steht jetzt fast kein Haus mehr. Menschenleben gingen in der letzten Zeit zum Glück nicht mehr viel verloren, da die meisten Einwohner sofort sich ins Freie gerettet hatten und jetzt unter Zelten campiren, die ihnen sammt den nöthigen Lebensmitteln rc. der türkische Gouverneur von Aleppo geschickt hat. .Auch der englische Consul war dafür unausgesetzt thätig. AuS Aleppo eingetroffene türkische Soldaten sind dermalen beschäftigt, die Leichen aus den Trümmern herauszusuchen. Diese so dringlich nöthige Arbeit wird leider curch den Fanatismus der Einwohner verzögert, denn jede religiöse Genossenschaft will ihre Todten selbst begraben, statt dies durch moslemische Soldaten thun zu lassen. Der Leichengeruch ist furchtbar; es wird fast ein Wunder sein, wenn die rasche Zersetzung der Leichname unter dieser syrischen Sonne nicht die Pest er­zeugt. Und um das Unglück voll zu machen, nehmen die Dussart, eine heidnische Secte, welche noch Baal und Astaroth anbetet, die Gelegenheit wahr und fallen über die Türken her, von denen sie ihnen besonders verhaßte Personen erschlagen. Die Muselmänner ihrerseits können die Leichen der Christen nicht rasch genug unter die Erde bringen; sie bilden sich nämlich ein, daß sie selbst so lange keine Ruhe haben, als noch ein todter Christ unbegrabeu ist, und suchen es zu hindern, daß die Priester die üblichen Todtengebräuche vollziehen. So erwachsen die mannich- faltigsten Streitigkeiten, die in jedem Augenblicke einen bösartigen Charakter an­nehmen können. Antiochia (jetzt Antakieh) ist übrigens bekanntlich von seiner alten Herrlichkeit völlig herabgesunken; die Stadt zählt gegenwärtig nicht viel über 10,000 Einwohner.

Vermischtes.

Limburg a. d. Lahn, 1. Mai. Das große Dorf Niederbrechen, im hiesigen AmtSgerichtS- bezirk, ist seit gestern Abend 6 Uhr fast vollständig eingeäschert. Es sind 96 Wohnhäuser ei« Raub der Flammen geworben; außer diesen etwa 110 Scheunen und Stallungen, so daß ca. 200 Gebäude in der kurzen Zeit von kaum 12 Stunden von dem Feuer vertilgt wurden. Des furcht­baren Elementes konnte man deshalb nicht Herr werden, weil eS an Wasser mangelte und der Wind das Feuer weiter trug. Die Noth in dem sonst wohlhabenden Dorfe ist groß, da fast drei Viertel der Einwohner obdachlos sind. Heute wurden hier Unterstützungen aller Art für die armen Unglücklichen gesammelt. Durch das schnelle Umsichgreifen des Feuers konnte fast gar nichts aus Len Häusern gerettet werden; so ist u. A. sämmtliche Inventur der Bürgermeisterei mit den Lager- und Stockbüchern ebenfalls verbrannt.

Die von der Eruption des VesuvS bedrohten und zum Theil bereits geschädigten Ort­schaften weisen folgende Einwohnerzahlen auf: San Sebastiano 1982 Seelen, San Giorgio a Cremano 4712, Restna 13,320, Torre del Greco 23,732, Somma 9212, Massa di Somma 1739, Ponticelli 6065. Die von der Lava eingeschlossenen Leute sind von Soldaten befreit wor­den, welche zuerst Sand und dann Steine auf die glühende Masse warfen und so eine Brücke neuen Styles über den glühenden Strom herstellten. Kleine Steine sind bis nach Salerno. 4 Meilen südöstlich vom Krater, geflogen.

Literarisches.

Von großem Interesse, für die Frauenwelt besonders, ist die am Schluß der neuesten Nummer derModenwelt" milgctheilte Entscheidung der von dieser Zeitung ausgeschriebenen vierten Preis-Concurrenz für weibliche Handarbeiten. Die Namen der preisgekrönten Einsenderinnen, aus Bradford in England, Siemanice bet Opatöw, Bader bei Wien, wie derjenigen, welche eine ehrenvolle Erwähnung erhielten, beweisen zugleich, wie weitverbreitet diese überall beliebte Zeitung ist. In der Nummer vom 1. Mai ist mit besonderer Liebe derKleinen" gedacht; die Schnittmuster-Beilage wird jeder Mutter, welche zur Herstellung der Garderobe ihrer Kinder selbst Hand anlegt, eine vielfache Ausbeute gewähren.

Abonnements (zum Preise von 45 Kr. rh. pro Quartal, resp. 1 Fl. 30 Kr. rh. mit vierteljährlich neun großen colorirten Modenkupfern) werden jederzeit bei allen Buchhandlungen und Postämtern angenommen.

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 7. Mai. Die heutige Börse unterschied sich von der gestrigen in nichts: die gleiche Mattigkeit, gleiche Geschäftslosigkeit und dieselbe Teudenz zum Sinken! Es stellt sich mit jedem Tage mehr heraus, daß die Börse in sich selbst der Kraft zu einer Initiative entbehrt, auf welche sie bis jetzt von außen her vergeblich gewartet. Das blinde Draufgeheu der Vollblut- Speculanten hat einer gewißen Aengstlichleit Platz gemacht, die sich dann auch auf das Privat- Publikum erstreckt, welches bekanntlich verkehrterweise immer erst dann kauft, wenn die Preise steigen. Sämmtliche SpeculationSeffecten gaben heute wieder im Course nach, trotzdem eS heißt, daß bei der Staatsbahn die französischen Elemente des VerwaltungSrathS gesprengt und dadurch -ine bessere Leitung angebahnt werden solle; nur Nationalbank hielt sich relativ fest. Oesterreich. Bahnen grüßtentheilS angeboten. Nur in jungen Staatsbahnen wurden bei erniedrigtem Eourse einige kleine Abschlüsse gemacht. Fünfkirchen BarcS, Rudolph, Donau-Drau theilweise begehrt. Von deutschen Linien wurden heute wieder etliche Pöstchen alte bayerische Ostbahn gekauft. Ber- bacher und Pfälzer fest. Von Prioritäteu waren Siebenbürger offerirt, bprocentige Lombarde» dagegen in Frage. Recht gut halten sich beide österreichische Renten, wie auch deutsche Staaten, fondS. Oesterreichische 1860er Loose mehrfach gehandelt, ohne daß eS jedoch zu festen Schlüs- sen kam.

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