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Wahrheit de» Verschwinden» dieser Fahnen während eines Jahres ist folgende:! Bor de» Kriege waren e» zwei, bei Jena genommene Fahnen, welche sich im Hotel der Invalide« befanden; bei Ausbruch des Krieges wurden sie nach Brest gesandt, woselbst sie bis zum 1. Juni 1872 verblieben. Zu dieser Zeit wurden sie «ach Paris zurückgebracht und befinden sich wieder im Hotel der Invaliden. -Außerdem befindet sich daselbst eine bet Gravelotte den deutschen Truppen genom­mene Fahne." Was die letztere Angabe betrifft, schreibt dasMilitär Wochenblatt" so ist damit höchst wahrscheinlich die Fahne des 2. Bataillons, Regiments Nr. 16 geweint, welche am 16. August in der Schlacht bet Vionville- Mars la Tour zerschossen und von der nur der untere Theil des Fahnenstockes bis incl. Fahnenrtng von den preußischen Truppen aus dem heißen Kampfgewühl Mann an Mann gerettet wurde. Wie in dem amtlichen Vcrzeichniß der durch feindliches Feuer beschädigten und reparirten Fahnen zu ersehen, ist diese Fahne nach ihrer D-rvollständigung wieder an das 2. Bataillon, Infanterie-Regiments Nr. 16, zurückgegeben worden, ein Verlust der Fahne daher nicht constatirt.

Berlin, 5. Decbr. Herrenhaus. Der Präsident theilt die Liste der vier- undzwanzig neuernannten Herrenhaus-Mitglieder mit, welche bis auf den nicht ernannten früheren Minister v. d. Heydt der bekannten Liste entsprechen und groß- tentheil« im Hause anwesend sind. Das Haus beschließt sodann, die KreiSorb- nungsvorlage zur Dorberathung im Plenum zu stellen und verweist das Gesetz über die Aufhebung der Addeckereirrchte an die Agrar-Comwijsion. Das Gesetz über die Aufhebung der Verkaufs- und Näherrechte in der Provinz Hannover soll durch Schlußberathung erledigt werden. In der morgigen Sitzung Vorbe- rathuna der Kretsordnung.

Aus Bayern, 4. Decewber. Ein Artikel derA. Allg. Ztg." :Politische Gedanken über den Schwindel der Dachauerbanken", Hot den Anlaß zu einer Polemik zwischen dem Verfasser und dem erzbischösticheu Ordinariat München gegeben. Letzteres hatte für gut befunden, den Passus des obigen Artikels, welcher den Clerus auf dem Lande der Mitschuld an dem Schwindel zieh, weil er unter­lassen hatte, die fieberhafte Gewinngier zu bannen, im Pastoralblatt der Diöcese München, al- eineböswillige Verleumdung" zrrückzuweisen. Der Verfasser des Artikels replicirt heute in derAllg. Ztg.", indem er einfach den Beweis der Wahrheit führt. Der Verfasser faßt: Dieamtlichen Erhebungen" müssen wegen der Kürze der Zeit uothwendig sehr oberflächlich fein, andererseits führt er positive Thatfachen an, die seine erste Recrtmination hinlänglich begründen. So, daß Herr Cooperator Kannreuthcr jetzt selber zugiebt, daß er aus dem Blutgelde der Dachauer Bank ein Darlehen von 10,000 fl. nahm, um dem katholischen Cafino zu Giesing ein Haus zu bauen, und er warVorstand" jenes Vereins, dessen Mitglieder blind auf die Worte des Meisters schworen; ferner zu dem Hause, das der katholische G-sellenverein v. I. in der Entenbachstraße in München rr richtete, wurde Spitzeder'scheS Geld beigeschoffen, und ein Priister, Cooperatear R., war eS, der den Handel leitete und sich selbst dabei eine treffliche Wohnung referierte. Weiß das hohe Ordinariat, fragt der Verfasser, nichts von Geschenken, die aus dem Gelve jener Bank ex voto, oder unter der Form eines Darlehens an Kirchen und Kirch-nvoistände gemacht wurden; weiß es nicht, daß ein P-iester es war, der am Morgen nach der Schließung des SpitzeDtr'schkn Geschäfts die Massen auf offener Straße anredete, und darüber selbst zu gerichtlichem Verhör genommen ward? Als die Wache das Haus der Banlbesitz^rin bezog, da fanden Soldaten auf dem Boden, in den Gängen, im Papierkorb die Briefe und Visitenkarten von Geistlichen (unter andern die des bekannten Gebetbuchfchreibers ©). Wenn solche Dokumente in den Parterrelocalen und auf der Erde zu finden waren^ was wag dann das Arbeitszimmer, was mögen die Bücher und die Schatulle jenes be­rüchtigten Weibes enthalten! Wir fragen Jeden, der nicht blind fein will, ob eine Fühlung zwischen dem CleruS und jenem Geschäftsbetrieb existirte oder nicht? Geistliche haben selbst (ein einziger 68) Wechsel auf ihren Namen yräsentirt, cben'o eine Masse Pfarrersköchinnen, welche sicher nicht ohne Rath über ihre Er­sparnisse verfügten. DaS Publikum kann richten, ob Angesichts dieser unbestreitbaren Thatfachen jener Artikel derA. Allg. Ztg." eineVerleumdung" des katholischen Clerus war.

Artillerie-RegimeatS, welches in Nancy liegt. Er hatte am Kopfe eine tiefe Wunde, w!lche man ihm mit einer eisernen Stange beigebracht hatte, die neben ihm gefunden wurde. Ans den Aussagen mehrerer Zeugen geht hervor, daß dieser Soldat, der sich ohne Zweifel im trunkenen Zustande befand, in die Ställe de» WirthShauseS eindringcn wollte, weil er sie für die seines Regimentes hielt. Im Innern des Stalles befand sich ein Individuum, das man wegen der Dun­kelheit nicht erkennen konnte und das sich bemühte, dem Soldaten klar zu machen, daß er sich irre. Dieses Individuum verlor zuletzt die Geduld und ergriff die eiserne Stange, mit der es dem deutschen Soldaten über den Kopf schlug, woraus dieser tobt zu Boden stürzte. Die deutschen Behörden ließen zuerst den Stall­knecht des WirthShauseS er heißt Vallee verhaften, welchen die Zeugen als den Thäter z« bezeichnen schienen. Val6r befeuerte seine Unschuld, ohne aber weitere Aussagen machen zu wollen. Als man ihm drohte, ihn bis zur Entdeckung des wahren Schuldigcn im Gefängnisse zu lassen, gab er an, daß der Mörder der Sohn des Wirthes er nennt sich Hutin sei. Derselbe wurde sofort verhaftet, lieber dessen Schicksal ist noch nichts weiteres bestimmt worden."

Paris, 6. Decbr. DasJournal des Debats" ist der Ansicht, daß in Folge der gestrigen Wahlabstimmung der Bureaux die Dinge wieder auf dem- selben Punkt stehen, wie am Tagc nach der Wahl der Commission Kerdrel. Der Siöcle" ist überzeugt, daß der einzige Ausweg die Auflösung der Nationalver­sammlung ist. Das Blatt ergreift sofort die Initiative zu einem Petition-sturm in diesem Sinne.

Paris / 6. Decbr. Die Rechte rechnet mit Sicherheit auf eine Umbildung des Cabinets in ihrem Sinne, lieber den Minister - Candidaten für ein solches Cobinet werden genannt: Dufaure für das Innere, Märtel für die Justiz, Fourton für die Arbeiten, Vitet für den Unterricht. Gerüchtsweife verlautet, daß Thiers mit dem früheren kaiserlichen Finanzmiuister Mugne wegen Ueder- aahme d:S Finanzministeriums verhandelt habe.

Spanien.

Aus Spanien liefen in letzter Zeit beunruhigende Nachrichten ein. Zu der carlistischen Erhebung ist eine republikanische gekommen, und König Amadeo liegt kraak in Madrid. JnDeß scheint doch Alles nicht so schlimm zu fein, wie es die Feinde der favoyischen Dynastie dargestellt hatten. Der König ist in der Gene­sung begriffen und die Empörung der Republikaner entpuppt sich als ein miß­glückter Putsch einiger Umsturzmänner, welche von Zeit zn Zeit das Bedürfniß gaben, in Revolution zu machen. Da- Dirtctorinm der eigentlichen republikani­schen Partei im Lande will von der ganzen Bewegung nichts wissen, ja der ge­feierte CastUar hat sogar erklärt, daß jeder Aufstand unter den obwalt"Nden Verhältnissen eine Meuterei fei, welche ihre Spitze gegen die Politik des Direc- tonums krhre. Was übrigens die getreuen Untertanen des spanischen König­einander zutraoen, geht aus dem neu! ch in Madrid verbreiteten Gerüchte hervor, daß der Krankheit AmadeoS eine Vergiftung z« Grunde liege. Man hat keinen Anhaltspunkt für die Wahrheit dieser Nachricht, immerhin aber illustrirt sie an sich schon die spanischen Zustande in bezeichnender Weife. AnderSwo würde man auf solch einen Gedanken gar nicht gekommen fein.

Fri sch b a ck e r ? u Gießen.

Sonntag den 8. Dec em bei. August Noll auf der Mäusburg, Christian Noll Wittwe in der Neustadt und Louis Keil in den Neuenbäuen.

Kirchliche Anzeige

der evangelischen Gemeinde zu Gießen.

Gottesdienst.

Sim 8. ®ecember. ! M°rg-ns: Pfarr-Assistent Walz.

i Nachmittags: Pfarrer Landmann.

Stuttgart, 4. Decbr. Auf der hiesigen Münzstätte werden gegenwärtig Siegesthalkr ausgeprägt. Die Inschrift lautet:Mit Gott durch Kampf zu Sieg und Einigung!" Die Worte scheinen uns gut gewählt, und besonders erfreulich ist, daß die Einigung darin einen Platz gefunden hat. Die Erste Kammer hat sich dem Wunsche der Zweiten auf obligatorische Einführung des Turnunterrichts in der Volksschule, unter Berücksichtigung der örtlichen Verhält- Nisse, wörtlich angeschloffln. Ein abschwächendrr Vorschlag, der dasobligate risch" aus dem Wunsche weglassen wollte, wurde verworfen.

Straßburg, 5. Decbr. Für die Tobak-Manufactur lautet unter sechs Kon­sortien das Mcislg»bot des Cornwerzienraths Cohn in Berlin und des BanquierS Schottländer in Breslau auf sieben Millionen Franken. Der Zuschlag wird erwartet

Oesterreich.

Wien, 4. Decbr. Der niederösterreichische Landtag hat gkstcrn den An- trag d.S Vcrfassungs'AuSschusscS, betreffend die gegen die Jesuiten zu ergreifen­den Maßregeln, nach langer Debatte fast einstimmig angenommen. Der Kai- fer hat dem Präsidenten des Abgeordnetenhauses v. Hop en in Anerkennung feiner Verdienste das Commandeurkrenz des LeopoldordenS verliehen.

Pesth, 5. Decbr. Unterhaus. Es kommt ein königliches Rescript zur Verlesung, durch welches Szlary zirm Ministcr - Präsidenten, Graf Zchy jun. zum HandelSminister ernannt und die bisherigen Mimst r der übrigen Ressorts in ihren Arrnt.rn bestätigt werden. Szlavy erklärt, das Ministerium werde die bis­herige Richtung befolgen, fo lauge es dcS Vertrauen der Majorität besitze, zählt die Berachungs - Gegenstände der laufenden Session, darunter insbesondere die Regelung der Landsfinanzen, auf, kündigt G sitzvorlagen betr ff» der neuen An- leihe, sowie Vorlagen betreff« der Steuerreform, an, bittet um Die Unterstützung des Hauses und empfiehlt Mäßigung und Besonnenheit.

Frankreich.

Paris, 4. Decbr. lieber die Ermordung eines deutschen Soldaten in1 Nancy nfäört man folgende Einzelheiten:Am letzten Sonntage, gegen 7 Uhr AdenkS, fand man in der großen Straße Der Altstadt, vor ker Thür Der Ställe des Gasthofes zur Stadt Luxemburg einen preußischen Soldaten, Der auf Dem Boden lag unD in fein m Stute schwamm. Der Mann, Der bewußtlos nach^ dem Spitale gebracht wurde, w?.r ein Kanonier von Der 1. Batterie des 10.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 8. bis 14. December 1872 besorgt Pfarrer Dr. Seel.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde.

Kopulirte.

Den 30. November. Wilhelm Karl Marlin Christian Philipp Moritz Noll, Bürger und Heizcr an der Main-Weser-Bahn dahier, des Bürgers und Flurjchützen, Zakob Noll, ehelicher Sohn; und Henriette Elisabeth Schaum, des verstorbenen hiesigen Bürgers und Cluvdieners, Kaspar Schaum, eheliche Tochter.

Den 3. December. Johann Kaspar Heß, Ortsbürger in Herrnsheim, Kreis Worms, und Schmied dahier, ein Wittwer; und Wilhelmine Hillert aus Coswig in Anhalt-Dessau, des dasigcn Bürgers und Webermeisters, Johann Gottlieb Hillert, eheliche Tochter-

Getaufte.

Den 1. December. Dem Sergeanten im Großh. II. Jnf.-Regiment Nr. 116 dahier, Heinrich Seim aus Köddingen, ein Sohn, August, geboren den 13. November.

Denselben. Dem Bürger und Wagnermeister, Heinrich Mühlig, ein Sohn, Heinrich Theodor Karl Ludwig, geboren den 14. November.

Den 5. December. Dem Bürger und Bierbrauer, Christian Lony, eine Tochter, Elisabeth Katharine Emilie Georgine, geboren den 8. November.

Beerdigte.

Den 29. November. Konrad Fink, Maurergesell aus Allendorf a. d. Lumda, alt 30 I., gestorben den 26. November.

Denselben. Heinrich Johann Georg Hinter, des Bürgers zu Endbach und Bremsers an der Cöln-Gießener Bahn dahier, Adam Hinter, ehelicher Sohn, alt 2 M., gestorben den 28. November.

Denselben. Helene Heil, des Bürgers zu Nainrod und Dienstmanns dahier, Karl Heil, eheliche Tochter, alt 3 I. 8 M. 13 T-, gestorben den 28. November.

Den 30. November. Heinrich Philipp Rudolf Marlin Karl Johann Petri, Bürger und Weitzbinder dahier, alt 51 I. 9 M. 29 T-, gestorben den 29. November.

Den 1. December. Johann Gottfried Freitag, Bürger in Darmstadt und Schmied bei der Main-Weser-Bahn dahier, alt 75 I. 4 M, gestorben den 29. November.

Den 2. December. Eduard Hillebrecht, des Kaufmanns, Christian Hillebrecht aus Hannover, ehelicher S-ohu, alt 17 I. 3 M 23 T-, gestorben den 3u. November.

Denselben. Wilhelmine Charlotte Adelheid Luise Friederike Koch, des Bürgers in Vöhl und Fabrikanten dahier, Friedrich Karl Ferdinand Koch, eheliche Tochter, alt 1 I. 6 M- 7 T, gestorben den 3u. November.

Denselben. Dorothea Katharine Elisabeth Luise Frank, des Hautboisten 1. Cl. im II. Grotzh. Jnf -Regiment Nr. 116, Jakob Frank dahier, eheliche Tochter, alt 20 I. 2 M- 8 T-, gestorben den 1. December.

Denselben. Georg Johann Konrad Schnell, des hiesigen Bürgers und Gast- wirths, Heinrich Schnell, ehelicher Sohn, att 2 M. 19 T-, gestorben dm 1. December.