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Erscheint täglich, mit Auv- nahme SonntagS.
Expedition: Canz lei berg, Sit. B. Nr. 1. >
Mzeige- und AmtsöNt für den Kreis Kießen.
Ux. 2$ 8 Samstag des 7. Deccmber ?
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Brodpreife vom 7. bis la. Deccmber 1872,
n nach eigener Erklärung der Bäcker:
? ^>>0 gemischtes Brod 20 fr. 1 Kilo gemischtes Brod 10 fr. 2 Kilo Roggenbrod: erste Sorte 17 fr., zweite Sorle 15 fr. --——____
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Kundin zur Nächt' Tecember an ien Hinterhaust
Zelzer L, üubmacher.
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Betreffend: Die Vollziehung des Gesetzes vom 6. Juni 1853, die Versicherung der Gebäude ®tc&en am 31 December 1872.
gegen Feuersgefahr und die Vergütung der Brandschäden betreffend.
Das Großhcrzoglichc Krcisamt Gicßcn
an d-r Großher^oglichen Bürgerineistrrcieu des Kreises.
niß ^m1Cnl4 $®gen 7°r'zulegen S^“"3 M Gemeinderaths die vorgeschriebene jährliche Revision der Brandkataster vorzunehmen und das
v. N ö d e r.
Politische,- T h e i k.
Die Wiedergeburt Frankreichs.
Durch die französische Presse und das französische Volk ging vor einiger Zeit em Zug der Zerknirschung.
Die furchtbaren Niederlagen, die ungeheueren Verluste, die nach einer kurzen Periode leidenschaftlicher Aufregung nothwendig einiretende Erschlaffung: Alles trug dazu bei, eine Art bugfertiger Stimmung zu erzeugen, etwas der Art, was sonst Aschermittwoch mit sich zu bringen pflegt. Wir haben da recht schöne Sachen gehört: Reuevolle Bekenntnisse und Selbstankiagcn, Geißelungen der eingewurzelten Eitelkeit, des sträflichen Leichtsinnes, der Unbeständigkeit, tbörichter Ueberhibung rc wechselten mit Gelübden der Besserung. Man wies auf Preußens Beispiel hin, das sich nach seinem jähen Fall 1806 durch ernste Arbeit, durch unablässige Riformthätigkeit wieder erhob und faßte die lobenöwerthesten Beschlüsse.
Gewissenhaft notirte das Ausland diese Anwandlungen, seloft wir, die von den Franzosen als unerbittliche Feinde betrachtet werden, beglückwünschten unsere Gegner zu diesem ersten Zeichen der Einkehr und der Umkehr.
Es fehlte freilich nicht an Stimmen, die hinter dem allrn nichts sahen als das Gebet einer schönen Sünderin, welche damit die Pausen zwischen zwei Abcn teuern ausfüllt und leider haben diese letzteren nur zu sehr Recht behalten. Fort sind die guten Vorsätze, weg die Demuth. Die alte Selbstüberschätzung, der, toU es scheint, unaustilgbare Leichtsinn hat sich der Nation von Neuem bemächtigt. Und mehr als das, sie steht im Begriff, der Welt zum zweiten Male das Schauspiel eines Volkes zu geben, daß sich unter den Augen des Fremden, der noch ganze Provinzen in seiner Gewalt hat, zerfleischt.
Die Tage der Commune und der Belagerung von Paris durch Versailler werden unvergessen bleiben.
Seit den Gladiatorenkämpfen Rom'S, in denen sich die Kinder fremder Völker einander »um Ergötzen der hoynlachenven Herren des Erdballs umbrachten, hat die Welt nichts Herabwürdigenderes gesehen. Unter den Augen der gehaßten deutschen „Barbaren" schlachteten die Angehörigen der großen, der edlen Nation einander ab. Ströme Blutes flössen, Rauch- und Brandopfcr brachten sie den Dämonen der Selbstsucht und der Zwietracht. Hätte ein Funke von Hochsinn, hätte nur ein Anflug wirklich nationalen Stolzes ihre Brust beseelt, jeder Einzelne würde sich lieber selbst d.n Dolch in's Hcrz gestoßen haben, statt ihn vor deutschen Augen, vor den Augen des gehaßten Siegers gegen einen Landsmann zu zücken. Daß sie es dennoch vermochten, beweist mehr als Alles die Hohlheit der französt- schen Deklamationen von dem «hmn angeborenen Edelsinn.
Und doch läßt sich dafür noch ein Wort der Entschuldigung finden. Noch waren die Gemüther überreizt. Die Kampfeswuth zitterte in jedem Einzelnen nach.
Die Nation war noch nicht zu sich selbst gekommen, sie lag im Delirium!
Aber heute, nachdem der Friede länger als Jahresfrist geschlossen ist, nach kaum von den Lippen geflossenem Geständnisse der begangenen Fehler und der daran geknüpften Gelübde, heute fehlt jeder Vorwand, fehlt jeder Rechtfertigungsgrunv. Das erste Gebot der Selbstachtung mußte ihnen sein: Ruhenlaffen aller inneren Zwiste, Waffenstillstand zwischen allen Parteien bis zur vollständigen Räumung des französischen Bodens von fremden Truppen.
Statt dessen führen sie Tag für Tag die widerlichsten, tumultuarischen Srenen auf und stehen bereits auf dem Sprunge, einander von Neuem in die Haare zu gerathen.
Widerlicher als alles Andere dabet ist, daß sie sich der noch im Lande ßehenden Deutschen gegenseitig als Popanz bedienen und mit deren Wiederein- schreiten drohen.
Eine Nation, der das Ehrgefühl, das Gefühl dessen, was sie ihrer eigenen Würde schuldet, so vollständig abhanden gekommen ist, hat den Boden für ihre Wiedergeburt verloren. Sie ist wider zu achten noch zu fürchten. (D. Pr.)
Deutfehland-.
Darmstadt, 3. Decbr. Das heute ausgegebene Großh. Regierrinqsblatt 9t r. 52 enthält:
1. Bekanntmachung des zur Leitung der Wahl von zwei Mitgliedern der ersten Kammer der Stände, welche der in dem Großhrrzogthum genügend mit Grundeiger.thum angesessene Adel aus seiner Mitte zu wählen hat, ernannten Rkgierungs - Commissä>s, die von Den stimmberechtigten adeligen Grundbesitzern vorzunehm-nd Wahl von zwei Mitgliedern der ersten Kammer der Stände vctr.
2. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Dieburg, die Erhebung einer nach- trägl ^:n Umlage zu der israelitischen Religionsgemeinde Altbetm für 1872 betr.
3. Bekanntmachung Großh. Kreisamts Bingen, die Erhebung einer weiteren Umlage für die israelusche ReligionSgemcinde zu Ober-Ingelheim für 1872 betr.
4. NameuSveränderung.
5. Dienstnachrichten Seine Königs. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst g^uht: am 19. November den Actenträger und charakterisirten Canz- leidiener Carl Philipp Winter zum Canzleidiener bei dem Hofgerichte ter Provinz Starkenburg und den Canzleiwärter in Pension bei dem Kriegsministerium Adolph Carl Frhrn. v. Viüiez gleichfalls zum Canzleidiener bei dem Hofgerichte der Provinz Starkenburg zu ernennen; an demselben Tage den von dem Grafen zu Erbach. Schönberg auf die zweite evang. Schulstelle zu Rimbach, im Kreise Lindenfels, prasentirtcn SchulamtS-Aspiranten Georg Göbel aus Groß-Zimmern, im Kreise Dieburg, für diese Stelle zu bestätigen.
6. Versetzung in den Ruhestand. Seine König!. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 19. November den Canzleidiener bei dem Hof- genchte der Provinz Starkenburg, Heinrich Krebs, unter Anerkennung seiner langjährig n mit Eifer und Treue geleisteten Dienste, wegen gestörter Gesundheit in den Ruhestand zu versetzen.
7. Concurrenzeröffnung. Erledigt ist: dle evang. Schulstelle zu Bergheim, im Kreise Nidda, mit einem jährlichen Gehalt von 300 fl.
Schotten. 1. Decmber. In der gestern dahier flattgehabten, auch vom Lande besucht n Versammlung von Wählern wurde Pfarrer Schaub zu Ulrichstein einstimmig als C.'ndivat zum Landtagsabgeordneten für den 11. Wahlkreis aufgistellt.
, (M.-Ztg.)
Berlin, 4. Decbr. Der Kriegsminister Graf v. Roon hat sich auf sein Gut Gütcrgotz begeben, und wie man von verschiedenen Seiten hört, wird er sich bald in den Ruhestand zurückziehen, da seine Gesundheit schon lange erschüt- tert ist. Als KriegSmiuister hat er sich bleibende, allseitig anerkannte Verdienste erworben. W?gen seiner politischen Parteistellung hat die liberale Partei keine Ursache, ihn zu rühmen. Als er jetzt gerade vor 13 Jahren in das Ministerium Auerswald eintrat, befürchtete man, daß er bei seiner der Kreuzzeitung nahe verwandten Gesinnung einen in das liberale Ministerium eingetriebenen Keil abgeben werde, und diese Prophezeiung ist trotz aller Abläugnungen in Erfüllung gegangen. Für Herrn v. Roon war die Temperatur des Herrenhauses immer angenehmer als die des Abgeordnetenhauses, und noch zuletzt bei der Frage über den Pairsschub wandte sich die feudale Partei nicht ohne Erfolg an ihn, um den Pairtschub abzuwenden oder doch bedeutungslos zu machen. Als seinen Nachfolger nennt man vermuthnngsweise den General v. VoigtS-Rhectz, der kürzlich hicher berufen wurde „zur Dienstleistung im Kriegsministerium." Er ist bekannt- lich einer unserer gebildetsten Generale, von humanem, liebenswürdigem Wesen, und hat auch in der Politik ziemlich freisinnige Anschauungen, so weit man sie der einem bohen preußischen Militär erwarten darf.
Berlin, 5. Decbr. Das Journal „L'armöe francaise illustr^" vom 11. November enthält folgende Mittheilung: „Es ist in letzter Zeit viel von preußi- scheu Fahnen gesprochen worden, welche sich im Hotel der Invaliden befunden hatten und den Preußen nach der Belagerung zurückgegeben worden wären. Die


