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fein unaufhörliches Eingreifen jede flätige Entwickelung stört, was dann anarchische Zustände in der Verwaltung zur unausbleiblichen Folge hat.

Aber auch in politischer Beziehung ist die Haltung des Herrn ThierS viel

zu unruhig, seine Stellung viel zu schwankend, um dem Heere gegenüber ein

straffes Anziehen der Zügel zu gestatten. Das Heer empfindet nicht, daß ein

fester Wille den Staat leitet, und dadurch werden die Führer des Heeres und ihre

Untergebenen allmälig dahin gebracht, selbst einen Willen in politischen Dingen zu haben; und von da bis zu dem Bewußtsein, daß das Schicksal Frankreichs auf des Degens Spitze ruht, ist der Weg nicht weit.

Diesem Uebel kann aber nicht durch eine Aechtung der bonapartistlschen Generale vorgebeugt werden, wie Gambetta sie will, sondern durch die Eon- solidirung der Staatsgewalt, die in neuester Zeit durch Nichts so sehr erschüttert worden ist, als durch die politische Schaukelmethode ThierS' und die Agitationen Gambetta's.

Deutschland.

Berlin, 4. Novbr. Bei dem gestrigen 50jährigen Jubiläum des Prinzen Karl als Inhaber eines russischen Regiments überreichten Deputirte des Regi­ments ein Handschreiben des Kaisers von Rußland mit dem St. Georg-Orden dritter Elaste. Das Handschrelben betont des Kaisers Sympathie für die preußische Armee und die Erinnerung an die ewig denkwürdige Zeit, wo Preußen und Rusten vereint für die heilige Sache kämpften. Er erinnert an die Großthaten, welche die preußischen Waffenbrüder im letzten Kriege mit Frankreich, an denen der Prinz an des Kaisers Seite Theil genommen, vollbracht. Das Schreiben schließt: Ich hoffe, daß Sie meine Absicht, die uns vereinigenden Freundschafte- bande noch fester zu knüpfen, und den Wunsch erkennen, daß dieselben auch die künftigen Generationen umschlingen.

Berlin, 5. Novbr. Die deutsche Gesandtschaft bei der schweizer Eidgenossen- schäft hat vor einiger Zeit die dortigen Behörden um Auskunft über die in der Schweiz geltenden gesetzlichen Bestimmungen, betreffend die Civilehe, und über die Folgen dieser Gesetzgebung ersucht. Es sind nunmehr der Gesandtschaft durch den BundeSrath in Erledigung dieses Begehrens die bezüglichen Berichterstattun­gen der Regierungen von Zürich, Glaris, Thurgau, Tessin, Waadt, Neuen­burg und Genf mitgetheilt worden.

Die ersten Aushebungen sind in Elsaß - Lothringen nun fast beendet. Die Nachrichten darüber lauten im Allgemeinen ziemlich günstig; sie übertreffen jeden­falls alle Erwartungen, und an den meisten Orten ist das zu stellende Kontingent jetzt schon als gesichert zu betrachten. Somit kann das Resultat als ein sehr befriedigendes bezeichnet werden, was namentlich diejenigen zu würdigen wissen, denen es bekannt ist, welche Hebel von Französischgesinnten und französtjchen Agenten in Bewegung gesetzt worden sind, um bas ganze AuShebungSgeschäft zu beeinträchtigen.

Berlin, 5. November. DerVoss. Ztg." geht folgende Mittheilung zu: Das PanzerschiffKönig Wilhelm", welches über 3 Millionen Thaler kostete und b/Nen Thätigkeit ein jetzt abwesender Marineofficier in einem Buche die Hoffnung knüpfte, datz air vto -in Muth und Encrgit gu» niq>t

auf Kanonade sich einlassen, sondern ohne Weiteres die feindliche Flotte durch­brechen und andere Großthaten ausführen würde, befindet sich in Wilhelmshaven jetzt in einem Zustande, der an die Lage des Walisisches im seichten Wasser er- innert. Das Schiff mit der Fluth an seine jetzige Stelle gebracht, scheint schwer wieder in's offene Wasser gelangen zu können und manche Ingenieure halten bei der schon eingetretenen Versandung der Marineminister überzeugte sich bereits persönlich von der gefährlichen Lage dasselbe für unabbringbar.

Zu der nach derVoss. Ztg." über das PanzerschiffKönig Wilhelm" gebrachten Nachricht schreibt dieWeser-Zeitung":Zur Beruhigung derVoss. Ztg." und ihrer Leser kann ich versichern, baß, wenn ihreIngenieure" Werth darauf legen, es dem Stationscommando ein Leichtes sein wird, denKönig Wilhelm" jederzeit aus seinergefährlichen Lage" zu befreien und in offenes Fahrwasser zu bringen. Bei dieser Gelegenheit ist zu constatiren, daß die auch von denIngenieuren" derVoss. Ztg.", wie es scheint, getheilte Befürchtung, daß der Hasen von Wilhelmshaven einer schnellen und gefährlichen Versandung verfallen werde, sich als durchaus unbegründet erwiesen hat; die Baggermaschinen reichen zur Bekämpfung dieses Uebelstanves vollständig aus."

Berlin, 6. November. Folgendes ist definitiv: v. Witzlcben wird zur Disposition gestellt und die Kreisordnung zuerst an'S Abgeordnetenhaus gelangen; ein PairSschub erfolgt keinesfalls.

Köln, 3. Novbr. Mit Rücksicht auf die in mehreren Blättern ausgestellte Behauptung, Bischof Krementz habe auf Zahlung seiner Temporalien den FiscuS gerichtlich belangt, dürfte folgendes unterm 11. März 1850 erlassenes Oberin* bunal-Erkenntniß von Interesse sein:

Die als ein Statut der katholischen Kirche des Staates bestätigte Bulle de salute anünarum, enthält in Bezug auf die Ausstattung der katholischen Bisthümer, Domkapitel und anderen kirchlichen Institute nur die Vereinbarungen des päpstlichen Stuhles mit der preußischen Regierung, welche zwar völkerrecht­liche Verbindlichkeiten zwischen beiden Regierungen begründen, aber den auszu- stattenden kirchlichen Instituten ein Klagerecht gegen den Staatsschatz nicht gewäh- ren. (Präjudiz 2186. Entscheidungen des Ober-Tribunals. Band 19, S. 409.)

Bonn, 2. Novbr. Heute Mittag waren sämmtliche Vorstandsmitglieder der marianischen Studenten-Eongregation vor den Rector der Universität geladen, nachdem bereits mehrmals ein Vorstandsmitglied in Angelegenheit der Congrega- tion zum Universitätsrichter beschieden worden war. Der Rector eröffnete den Vorstandsmitgliedern in höherem Auftrage, daß die Congregation als den Jesui­ten verwandt in Folge des Reichsgesetzes vom 4. Juli aufzulösen sei.

Dresden, 3. Novbr. DieDresd. Presse" enthält Folgendes: DemWie­ner Sonntagscourier" wird gemeldet, baß der Bischof Forwerk in Dresden ge- nöthigt war, gegen seinen Cousin, den ersten Consistorialrath Poland, eine Disciplinaruntersuchung wegen mehrerer demselben zur Last gelegten Unzukömm­lichkeit einleiten zu lassen. Wie man nun aus Dresden vom 24. v. M. schreibt, ist die Disciplinaruntersuchung in eine Criminaluntersuchung übergegangen, da sich herauSgestcllt hat, daß dem Herrn Conststorialrathe, einem Jesuiten vom reinsten Wasser, aber von desto unreinem Händen, nebst der Unterschlagung von CultuSgeldern auch noch verschiedene andere Betrügereien zur Last fallen. Ob­wohl nun die Criminaluntersuchung bereits in vollem Zuge ist und die einver- nommenen Zeugen die schwersten Gravamina gegen den Cousin des Herrn Bischofs

auSsagten, soll der letztere sich doch mit der Hoffnung tragen, aus Anlaß der goldenen Hochzeit des Königs die Niederschlagung des Prozesses erwirken zu können.

Oesterreich.

Aus Wien schreibt der gewöhnlich gut unterrichtete Correspondent der Elberf. Ztg." über das neuerliche Verhältniß zwischen dem Vicekönig von Aegyp­ten und der Pforte:Aus Kairo wird gemeldet, daß der Vicekönig von Aegyp­ten geradezu bestürzt fei über die Ernennung seines unversöhnlichen Gegners Khalil Pascha zum Pfortenminister der auswärtigen Angelegenheiten. Zunächst wird diese Ernennung zur Folge haben, daß der Khedive die Reise nach Kon­stantinopel, zu welcher er verpflichtet ist, um dem Sultan für den jüngst ge- währten Ferman zu danken, vorläufig noch nicht unternimmt. Er würde aller­dings diesen, längst ersehnte Privilegien gewährenden Ferman jetzt nicht mehr erlangen! Der Großvezier Ruschdi Pascha ist, als Freund Mustapha Fazyl'S, Schwiegervater Khalil's, gleichfalls kein Freund des khedive. Khalil wird dem- elben in Ansehung seiner Unternehmungen an der abyssinischrn Grenze scharf auf die Finger sehen."

Wien, 3. Novbr. Am Donnerstag ist hier die verwiesene Isabella von Spanien mit ihrem Sohne, dem Prinzen von Asturien, eingetroffen, damit der Letztere seine Studien als Theresianist weiter fortsetzen kann. Man schildert den ungen Mann er ist 15 Jahre alt als ungewöhnlich befähigt und witzig, reilich will das nicht viel sagen , denn bei Leuten seiner Abkunft sieht man hier noch durch fast mittelalterliche Vergrößerungsgläser: Lulu auf einer englischen Militärbildungsanstalt und der Sohn Jsadella'S als Zögling des Wiener There- sianum ein hübscher Vorwurf für eine Studie über die Vergänglichkeit irdischer Macht und Herrlichkeit.

Wien, 5. Novbr. DieOesterr. Corresp." dementirt entschieden die Nach­richt von der Errichtung einer Spielbank in Vaduz, welcher sowohl das im Für- stenthum Lichtenstein in Kraft stehende österreichische Gesetz, als auch der ausdrück­liche Wille des regierenden Fürsten entgegenstehen.

Wien, 5. Novbr. Die sämmtlichen Landtage wurden heute mit den üb­lichen Feicrllchkeiten eröffnet. In dem niederösterreichischen Landtag brachten Jkola und Genossen den Antrag ein, die Regierung zur baldigen verfassungsmäßigen Abänderung des Gesetzes über die Reichsvertretung im Sinne direkter Reichsraths- wahlen auszufordern. Im Landtage zu Brünn sind die Föderalisten nicht crschie- nm. Der Eröffnung des böhmischen Landtags wohnten der Minister-Präsident Fürst Auersperg und der Handelsminister BanhanS an. Limbeck und Genossen brachten einen Antrag auf Einsetzung einer Commission ein, welche die erfahrungs­gemäß dringlich- erscheinenden Abänderungen der Landtagswahl-Ordnung berathen solle. Die Dringlichkeit des Antrags wurde angenommen. Dem steiermärkischen Landtage zeigte eine Note der Stadthalterei an, daß die beiden Grafen Daver- nas als aus dem Abgeordnetenhause ausgetreten zu betrachten seien. In dem tyrolischen Landtag sind die Abgeordneten aus Welsch -Tyrol nicht erschienen. Graf Thun aus Welch-Tyro! legte fein Mandat als Landtags- und Reichstags- Abgeordneter, Baron Dibanti als Reichsraths - Abgeordneter nieder. In dem s«lizischen Landtag wurde kein Adresse Antrag eingebracht. In dem Landtag der Bukowina sind die Föderalisten (Partei Petrino), neun an der Zahl, abwesend. Sämmtlichen Landtagen (ausgenommen dem galizischen) wurde eine Regierungs­vorlage in Betreff der Einführung der Vermittlungsämter bei Gemeinden zum Auögleichsversuche zwischen streitenden Parteien eingebracht.

Schweiz.

Bern, 1. Novbr. Wie Ihnen kürzlich mitgetheilt wurde, hat der Bischof von Sitten trotz Art. 58 der Bundesverfassung einen Jcsuitenpater, einen ge- wissen Alltt, zum Pfarrer von Leut ernannt. Die zur Berichterstattung hierüber aufgeforderte walliser Regierung sucht diese Ernennung jetzt durch die von dem Bischof von Sitten sowohl, als von dem P. Allet selbst abgegebene schriftliche Erklärung zu entschuldigen, daß derselbe in den walliser Diöcesan-Clerus ausge­nommen worden sei und sich einzig unter die bischöfliche Jurisdiction gestellt habe. Da hiermit nicht auch nachgewiesen, daß P. Allet unbedingt aufgehört hat, dem Zusuitenorden überhaupt anzugehören, beschloß der BundeSrath in seiner heutigen Sitzung, der walliser Regierung die kategorische Weisung zu ertheilen, feiner Er­nennung die Genehmigung zu versagen und ungesäumt die nöthigen Vorkehrungen zur Vollziehung dieses Beschlusses zn treffen. In Sachen des genfer BiSthum- ConfliclS verlautet noch nicht, was Der genfer StaatSrath auf Die Demissions­eingabe des Bischofs von Freiburg und Lausanne als Bischof von Genf zu thun gedenkt; vielleicht daß man einen neuen Bischof und neue Pfarrer nach eigener Wa^l ernennt. Wenn Staat und Gemeinden einig sind, kann dies Rom nicht verhindern.

Frankreich.

Paris, 3. Novbr. DasXIX. Siecle", Organ Edmond About's, ent­hält aus Epernay folgende Correspondenz, die das Höchste an Gemeinheit leistet, dessen sich dieses Blatt noch rühmen darf:Die Räumung der Stadt Epernay ist eine vollendete Thatfache. Von Den Preußen bleibt nichts mehr übrig, als das Andenken ihrer Quälereien. Ihr frühzeitiger Abzug ist Typhusfällen zu danken, die in unserer Stadt aufgetreten sind, und wir wollen hoffen, daß sie Die Keime Der Epidemie mit sich fortgetragen haben. Nur verhüte Gott, daß sie sie unseren unglücklichen Brüdern mittheilen, deren Lasten sie jetzt vermehren werden!"

Paris, 3. Novbr. Eine Mittheilung desIourn. Osficiel" lautet: Die deutsche Regierung hat beschlossen, daß das Paßsystem vom 1. dieses lausenden Monats in Elsaß-Lothringen streng gehandhabt werden soll.

Paris, 5. Novbr. Chaumont, Joinville und andere Ortschaften wurden gestern von Den deutschen Truppen verlassen. Das Departement Haute-Maine ist nunmehr vollständig geräumt; die Räumung des Departements Marne wird vermuthlich morgen stattsinden.

Paris, 6. November. Der General-Procurator hat Die Klage Des Prinzen Napoleon als nicht statthaft zurückgewiesen, in Anbetracht, daß Die Ausweisung auf Befehl des Präsidenten und Ministerraths erfolgt sei und somit ein Rcgierungö- act vorliege. Die Nationalversammlung allein sei competent. Der Prinz hat den Brief des General - ProcuratorS, worin ihm dieser Beschluß mitgetheilt worden, ausführlich discutirt und die Absicht ausgesprochen, daß er alle Gerichts-Instanzen anrufen werde.