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Expedition: Lanzletbera, Lit. B. Nr. 1.
Montag Zkll 7. October
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©ieBen, den 26. August 1872. Großherzog,iches Unwersitäts - Gericht.
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Gambetta,
nachdem er sicp eine Zelt lang einer auffallenden Zurückhaltung befleikiat und namentlich gegen Henn Thiers die äußerste Ergebenheit zur Schau getragen halte such: in der letzten Zelt sich wieder mehr und mehr bemerklich zu machen und sich UteÄ'V* r" ^hann n” §u,unfl »"»ustkllen und b-sten« zu rmpfehlew lliber C-n Empfang, Cer ihm aller Orlen zu Theil wird, hat er nicht >u »aaen stck aüch^'d» die al- Echo feiner Reden erschallen, mischt
L V1VeLGaml,e[la ' Diese Huldigungen lehnt der Exdie.ator
und Zukunstdprastdent zwar bescheiden ab, aber die Art., dir« aelchseht ist ganz darauf bf*e*e*<tt (**••* »-«v «.«, v-p* <’w» z« freue»,, Vr'^irpL^.vl
die jUetiiiüntn nicht als seiner Person, sondern als der demokratischen, der wahr-
hosten Republik dargebracht; er identificirt sich also gewissermaßen mit dte,er Republik, erklärt sich gleichsam für die Incarnation des republikanischen Princips, wie tS die hervorragenden französischen Demagogen zu jeder Zeit, auch schon in den Schreckinejahren der großen Revolution, gethan Haden. Der Franzose ist ja eben eine so monarchische Natur, daß er an ein politisches Princlp erst dann glaubt, wenn er es in einer Person, der er seinen Weihrauch streuen und die er verantwortlich mochen und gelegentlich auch wieder bei Sette werfen kann, verkörpert sieht.
Besonderes Aussehen hat die neueste der von Gambetta aus seiner Agitation-- fahrt in Grenoble gehaltene Rede gemacht, die übrigens keineswegs, wie man nach den ersten telegraphischen Mittheilungen glauben konnte, eine aufrührerische Brandrede ist, sondern in gemäßigter Form Gedanken enthält, wie sie Gambetta hundertmal ausgesprochen hat, und wie sie von feinem Standpunkte aus ganz gerechtfertigt sind. Er fordert, daß auf die republlkantschen Listen für die nächsten Wahlen nur solche Männer gesetzt werden, die für thr republikanisches Verhalten die nöthigen Garantien gäben, daß alle nachgcwiesenen Häupter der monarchischen Jntriguen und Complotte, alle Diener der Prätendenten, streng ausgeschlossen bleiben, daß alle Candibaten sich ausdrücklich zur definitiven Republik bekennen. Das ist eine Forderung, die sich im Grunde von feinem Standpunkte aus von
selbst versteht, die aber gegenwärtig deshalb große Erbitterung in den konservativen Kreisen erregt, weil ihre Spitze sich gegrn diejenigen Männer up) Fraktionen kehrt, die erst in der neuesten Zett sich mehr oder minder entschieden, weil sie an einer augenblicklichen monarchischen Restauration verzweifeln, für die Republik ausgesprochen Haden, oder, wie Gambetta sagt, sich für Republikaner ausgeben, mit einem Wort: gegen die „konservativen Rkpublikaner". Im dem scharfen Hervorheben seines Gegensatzes gegen diese Partei muß man grade die Haupttenvenz der Gamoetta'schen Rede seht».
Eine nothweadtge Eonsequenz dieser Partristellung ist es, daß Gambetta der gegenwärtigen Nationalversammlung die Fähigkeit zur Begründung eines definitiven Zustandes abspricht. Natürlich, Venn die Mehrheit der Versammlung, soweit sie nicht jetzt noch bei ihren monarchischen Restaurationsgedanken beharrt, besteht ja eben aus den Republikanern der elften Stunde, vor denen Gambetta ganz befondkis warnt, die er als die patentirten Würgengel der Republik bezeichnet. Er spricht es denn auch ausdrücklich aus, daß mit den Leuten von Versailles Nichts anzusangen sei; das allgemeine St.mmrecht weree sprechen, und es werde, wenn feine Stunde schlägt, — ob man noch einige Monate warten müsse, daran sei Nichts gelegen — eine republikanische Majorität nach jenem Paris schicken, welches der Kops und das Herz Frankreichs geblieben sei.
Einen direkten Angriff gegen Thiers, wie nach den ersten Mittheilungen ver- muthet wurde, enthält die Rede nicht. Nichtsdestoweniger ist es erklärlich, daß Thiers sich von derselben unangenehm berührt sühlt. Wir wollen davon absehen, daß Thiers doch tm Grunde auch nur em Republikaner neuen Datums, ein Republikaner nur aus Nothwenbigkett ist. Herr Thiers ist aber trotz seiner An- tecedentien von den Republikanern als einer der ihrigen anerkannt, und hatte daher durchaus keine Ursache, Gambetta's Angriffe gegen die Republikaner der
letzten Stunde auf fiep zu beziehen. AI- einen üiDlretten Angriff indessen weniger gegen feine Perfon, als gegen feine Politik, muß Thiers den Ausfall neuen Die conferoativen Republikaner allerdings betrachten. 8 8
m Auhänger und Gönner der ronferoativen inZ b »’/r R“6t, ?? ani '"bst«» auf die ronferpativen Elemente der Berfamm. un wofern diefe.ben nur ihren dynastischen Velleitäten entsagen und s"
Wenn D^cke der Rothwendigkeit, stch für die Republik erklären
l'nc 3el( lang den Radiealen genähert hatte, so dass er von der Rechten mit gewohnter Uebertreibuna saft als Kubrer b.rf.ik.™ Wltycroafrfren Elementen die Zahl ter Repuomaner zu vefchrankt war, um Thlers
einen Stützpunkt zu bieten.
Unter tem Eindruck dieses Verhältnisses hatte Thiers ja selbst die Ansicht gewonnen, daß dir Versammlung ein langes Leben nicht mehr beschteven sei. Er dachte natürlich nicht daran, sie mit Gewalt zu beseitigen, aber er war der Ueberzeugung, daß sie unter dem Druck der öffentlichen Meinung bald genug ihre Selbstauflösung werde decrettren müssen. Natürlich mußte seiner Ansicht nach vorher Vorsorge getroffen werten, daß seine Präsidentschaft mit der Versammlung nicht zugleich zu Grabe getragen würde.
Je zahlreicher indessen die Uebertritte von Monarchisten zur Republik wurden, in um so günstigeren Lichte mußten ihm die Eonservativen und die in ihrer Mehrheit konservative Versammlung selbst erscheinen. Das Dasein einer zahlreichen conservattv'republikanischcn Partei befreite ihn von der Notbwendigkett, in den Radikalen eine Stütze zu suchen: eine Stütze, die ihm natürlich gern geboten war, ihn aber auch mehr und mehr von den Radikalen und von Gambetta, der mit nicht geringer Geschicklichkeit Vie Gunst der Lage für seinen Vortheil aus- beutete, abhängig machte.
Aus dieser Abhängigkeit sich zu befreien, dazu bieten ihm jetzt grade die von Gambetta angegriffenen Republikaner in der letzten Stunde eine gute Handhabe. Je mehr aber die Partei der konservativen Republikaner sich stärkt, um so weniger hat Thiers Ursache, auf eine rasche Auflösung der Derfammlung hin- zuarbeiten. Stellt es sich heraus, daß Vie Mehrheit der Versammlung zur d-finitiven Eonstituirung Der Republik bereit ist, so liegt es ja offenbar in Thiers' Interesse, ihr und nicht einer künftigen, vielleicht radikalen Majorität, die Gambetta als ihr Haupt verehren würde, die Eonstituirung zu überlassen. Thiers will offenbar noch einen Versuch mit den „Leuten von Versailles" machen, die Gambetta als unbrauchbar verwüst, und deshalb sah sich Thiers veranlaßt, die Ausfälle Gambetta's nicht unerwidert zu lassen.
Das Organ des Herrn Thiers, „Bien Public", wendet sich denn auch gegen Gambetta's Auftreten, ohne ihn jedoch namentlich zu bezeichnen. „Bien publik" erklärt Die Eintracht der konservativen Partei für nothwendig. Diese Eintracht zu stören, compromittire Die republikanischen Ideen. Es nütze Nichts, daß man von Denen predigt, Die schon bekehrt sind rc.
Thiers verlangt also im Gegensatz zu Gambetta Die Mitwirkung Der Neubekehrten bei Der Eonstituirung Der Republik, er nimmt sich Der konservativen Parteien gegen den Exdtctator an: er wünscht also offenbar Die Eonstituirung Der Republik Durch Die Nationalversammlung.
Ob er diesen Wunsch durchsetzen wird, das wird freilich zum größen Theil von der Haltung der Versammlung selbst abyängen. Die unbekehrten monarchischen Ultras sind gegen Thiers, wie sich in den Sitzungen der Permanenzcommisflon offenbart hat, erbitterter als je. Wie weit ihr Einfluß auf die Kammer stch gegenwärtig erstreckt, wird stch erst nach Wiedereröffnung der Sitzungen beurtheilen lassen. Wenn ihr Einfluß so weit gebrochen sein sollte, daß die „Bekehrten" im Verein mit den gemäßigten Republikanern und den speciellen Freunden ThierS' die Versammlung beherrschen, so ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß die Versammlung, trotz oes Mißkredits, in den sie sich gebracht hat, noch zu der „Krönung des Gebäudes" berufen fein wird. Gelingt es dagegen nicht, eine


