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Mittwoch den 7. August
1872
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taö Fortbestehen der Katholiken - Cmancip- tion in Frage
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auch eine größere Summe zur Hebung des Volksschulwejrns zu verlangen, so daß zu Steuerermäßigungen nur circa 8 Millionen verfügbar bleiben werden. Ob aber endlich der ZeitungS- und Kalenderstempel abgeschafft werden wird, darüber herrscht, ein beunruhigendes Symptom, in den Büreaur des Finanzminister« ab- solutes Stillschweigen.
Es wird erzählt, schreibt der „Niederrhein. Cour.", daß der General der Cavallerie v. Manteuffel von dem Commando des OecupationSeorps in Frankreich entbunden worden ist. Ob der Vorfall mit dem General Graf Gröben, der wegen persönlicher Differenz mit Herrn v. Manteuffel zu Festungshaft verurtheilt, aber überraschend schnell begnadigt wurde, die Veranlassung dazu gegeben hat, steht noch nicht fest, aber auffallend ist, daß Manteuffel sich nach Gaston begeben wird, wie man vermuthet, um sich wieder in der Gunst de« Kaisers sestzusetzen.
Metz, 31. Juli. Das Brennen nimmt fein Ende. Gestern Nachmittag find am Fort Queulen die Militärbaracken abgebrannt. Ein Individuum, welches verdächtig erschien, wurde sofort eingezogen. Das Nähere wird alsbald die Unter- suchung ergeben.
Metz, 3. N'»g. Mau kann sich gewiffer Bedenken nicht verwehren, wenn man über die Zukunft unserer Stadt nachdenkt; die Bevölkerung lichtet sich immer mehr, je näher wir dem 1. October, dem Optionstermine, kommen, die Geschäfte sind in den meisten Branchen gleich Null; das große Capital ist fort — und das ist das Schlimmste, denn ein Ersatz bietet sich von keiner Seite. Wir finden uns in dieser Beziehung gegen Straßburg gar zu sehr zurückgesetzt, und Alles, was die officiell^n und officiösen Blätter von dem kolossalen Aufschwünge, den Metz nehmen wird, wenn die projectirten Bahnen und sonst projectirten Dinge erst ins geben getrten sind, sagen, gleicht einem Sprunge über den Abgrund: d'.e Verarmung unserer Stadt, bas ist es, was wir klar vor Augen haben. Ist die Einwanderung auch eine ziemlich lebhafte, sie wird sich bis jetzt auf circa 4000 Köpfe beziffern, so bedenke man, daß sie allenfalls die Straßen und leeren Wohnungen, ober nicht die Säckel der Geschäftsleute füllt, wer einwandert, will verdienen, bringt so zu sagen nichts mit, als den Willen, an dem, was vorhanden, nach Kräften mitzuzehren; es ist eine traurige Wahrheit, daß gegen diese drohende Verarmungscalamität seitens der Regierung keine Aushilfe gefunden wird, und daß eine begüterte Einwanderung fehlt. Dabei ist der Grundbesitz hier aus begreiflichen Gründen auf durchweg geringe Preise gesunken; Wohnungen, unmöblirte notabene, sind für einen wahren Spottpreis zu Haden; es fcheint wirklich, als wage drüben in Deutschland Niemand seine (Kapitalien, trotz dieser zum Theil bekannten Verlockungen, hierher zu tragen. Und weshalb? Weil der Glaube die Runde geht, Metz werde in dem unvermeidlich bevorstehenden abermaligen Kriege mit Frankreich eine Belagerung auszuhalten haben; wenn wir die große Wahrscheinlichkeit des Krieges auch zugeben wollen, so erscheint un« eine Belagerung, eine mit Zerstörung des Eigenthums in der Stadt verbundene Belagerung durchaus unwahrscheinlich; die große Vervollkommnung der Befestigungen, die rüstig vor sich geht, rückt die Möglichkeit einer Belagerung doch gar zu fern, um sie als einen Hinderungögrund zu einer Niederlassung sowie einer Anlage veutfchen Capital« hier gelten zu lassen. Die Stadt an und für sich, ihre reizende Lage, die ruhige Haltung der französischen Bevölkerung machen sie schon jetzt zu einem
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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kietzen srv. 183
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am AorfihaliS. W. 13,500.
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Erscheint täglich, mit AuS« nähme Sonntags.
Expedition: Canzletbera, Ltt. B. Nr. 1.
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Wie Snedberg in dem obengedachten Werke ausführlich n-chweist, ward die englische Katholt en-EmancipalionSacte von 1829 nicht eher erlassen, als n-chbem die vor eine Parlamentscommission geladenen Mitglieder des katholischen EpiScopa s in Irland folgende einstimmige Erklärung abgegeben hatten: „daß dem Papste nach dem Glauben der Kirche eine Unfehlbarkeit nicht zukomme, und daß die Ansprüche, welche frühere Päpste auf die weltliche Gewalt (in den einzelnen Staaten) erhoben hatten, als ungerechtfertigte Anmaßungen bezeichnet werden müßten, denen sie (die Mitglieder des irischen EpiscopatS) im etwaigen Wiederholungsfälle jeden Widerstand entgegenzustellen auch kirchlich berechtigt seien." ... Hierdurch wird bestätigt, daß die Erklärung der irischen Bischöfe ein
Berlin, 3. Aug. Die Jesuiten machen an den Orten, wo sie ihrer Sache sicher zu fan glauben, noch immer Versuche zur Fortsetzung ihrer Mission. In Padrrborn, wo bekanntlich kein Gras wächst, weil auf je 33 Einwohner ein Glenfa!er kommt, waren für die am Vorabende des Liborifestes und am Festtage selbst m der Domkirche stattfindenden Predigten Issuiten ausersehen. Am Sonn- abend, den 27. v. M., Nachmittags traf, laut de» „W. Volksbl/', von der Re- gierung zu Minden auf telegraphischem Wege beim L-ndrathsamte Li» Nr-'iung! ein, den-Jesuiten die Abhaltung der Dr^tgten j-
Wenn mau vte bevorstehende Zusammenkunft der drei Kaiser in Berlin als eine Garantie des europäischen Friedens ausicht, fo denkt man zuerst daran, daß durch dieselbe dem Rachekrieg, den ein Th.i! der Bevölkerung Frankreichs, wie die französischen Journale täglich beweisen, noch nicht aufgegeben hat, auch für eine fernere Zukunft jede Aussicht auf Erfolg genommen ist. Doch finden sich jetzt immer wehr Argumente, welche es fast zur Gewißheit machen, daß es sich bei jener Zusammenkunft auch um eine Verständigung bezüglich eines gemeinsamen Vorgehens in dem Kampfe handelt, welchen die katholische Kirche gegen den mo- dernen Staat heraufh'.schworen hat. Die der Drei-Kalser-Zusammenkunst vorauf' gegangene Derständis.ung zwischen Deutschland und Italien, welche durch den Besuch des italienischen kronprinzlichen Paares in Berlin besiegelt wurde, ist in dieser Beziehung nicht ohne Bedeutung. Italien erklärt sich int Voraus mit den zwischen den drei Kaisern zu treffenden Abmachungen einverstanden. Hierdurch wird am Besten die von der französischen Presse verbreitete Nachricht widerlegt, der zufolge der König von Italien die Einladung des Kai.ers Wilhelm, Den großen Munövern im September beizuwohnen, abgelehnt habe. Das Verhältmß zwischen Deutschland und Italien ist eben ein so intimes geword n, daß letzteres getrost die Vertretung feiner Interessen in die Hände seines längst erprobten Freundes legt.
Wir haben zu wiederholten Malen Darauf hingewiesen, daß eine Vereinbarung zwischen Deutschland und Oesterreich über eine gleichmäßige Verhaltung gegenüber Rom und in Bezug auf Rom wohl angestrebt, «brr nicht zu Stande gekommen ist, sondern Deutschland und Oesterreich sich, je nach Maßgabe ihrer besonderen Verhältnisse und Interessen, die volle Freiheit ihres Vorgehens Vorbehalten haben. Nichtsdestoweniger ist es von Bedeutung, daß sie Gewicht darauf legen, in den betreffenden Fragen in Fühlung mit einander zu bleiben, inoem sie einer Mittheilung des „Nürnb. Eour." aus Wien zufolge sich gegenseitig ver- pflichtet haben, sich über ihre bezüglichen Enischließungen und Anordnungen jecer- zeit aus dem Laufenden zu erhalten, um sich damit die Möglichkeit offen zu lassen, jeder einzelnen Frage in gemeinsamer Action gegenübertreten zu können. Hoffentlich wird die Zusammenkunft der Kaiser und ihrer Minister der auswärtigen Angelegenheiten dazu beitragen, etwa in dieser Beziehung noch bestehende Differenzen aus dem Wege zu räumen.
Berlin, 4. August. Der Eultus - Minister ist aus Homburg zurück und Darüber, welche Anträge er befürwortet und welche allerhöchste Entscheidung über dieselben er erlangt hat, werden die officiösen Mittheilungen nun wohl nicht lange mehr ausbleiben. Diese Mittheilungen, namentlich auch die in der mehr als blos officiösen Prov.-Corr., haben energische Maßregeln in Bezug auf Den Eonflict zwischen Der Souverainetät des Staates und Der Haltung des Bischofs von Ermeland zu bestimmt und zu laut wiederholt angekündigt, als daß nicht ein noch längeres Schweigen nunmehr einen Der StaatSregierung ungünstigen Eindruck machen müßte. Ohne diesen gewiß nahen Mitthellungen vorzugreifen, Dürfen wir indeß wohl Die Vermuthung und Hoffnung festhalten, daß Die in Homburg genehmigten Beschlüsse nicht bloß Den ermelänDtr Eonflict und nicht vorwiegend Maßnahmen lm Verwaltungswege, sondern überhaupt Die Verfassung- mäßige Stellung der Kirchen im Staate, und zwar eben vorwiegend Maßnahmen auf dem Boden Der Gesetzgebung betreffen. Namentlich in Preußen ist durch Die
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unt> zwar aus Der im Februar 1873 fällig werdenden halben MilliaiDe die Einzelstaaten ihre Rate erhalten. Der Ueberschuß der regulären Einnahmen des wahres 1871 übersteigt Dtn des Vorjahrs um mehr als 3 Millionen, hierzu tnkn Die vom Reichskanzleramt zu zahlenden Ueberfchüffe aus der Post- und Zoll- Verwaltung, die von Preußen weniger zu zahl.nden Matlicularbeiträge von etwa b Millionen und eine Zmserspalniß von 373,000 Thaler. Der Ertrag der Stempelsteuer, der StaatSeisenbahnkn und der Berg- und Hüttenverwaltung darf auch fast um 5 Millionen höher als im Vorjahr veranschlagt werden. Die Staats- Attrung wird dem Vernehmen nach beantragen, das große Plus zu WohnungS- Kategon?n"zu"vtrwenden\ we^ehe'"lfehlet?Nakffni'd)T'NriÄsikkbin^Wtlteil,
ttr Unfehlbarkeit al« essend B-rlktzunp tim " »rt "ven auf Pr-ußen in Höhe von 50-60 Mill. Thal°r
streng genommen, das Fortbestehen 'der Katboliken . Lmanciv. tion ®*f,,d,un9 e?.r
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»erderblicht Praxis reactionarer Ministerien da« gesammte Siaa,«kirchenr,cht unstcher geworben. Dec Artikel unserer Bersassungs-Urkunde von 1850, welche ‘‘‘ ®™ «41 d» R-ligi sreiheit gewährleist,,, wollen, haben unter dem Scdilde solcher menistenellen Praxi« von einer clericalen Kammer-Frartion eine au« eflun0 erfahren, weiche wenn sie Geltung erlangen konnte, den Sion dieser Artikel geradezu in sein Gegenthcil verkehren und dieselben gradein in Waffen de« Eiern« weder die Religionsfreiheit der Einzelnen und wider den Staat o”d,,.n die betreffenden Grundsätze des »llgewem.n Landrecht-«
? Ä8,t b" B-rfassung ang.wende, und nach
Bedarf g-setzgebeOsch fortgeblltit zu werden, in die Ecken geworfen und dem Bcriave uherloffen worden. Die kurzsichtigen und »-rfoffun„feindlich-n Tendenzen ihrer vorgang-r haben die Verlegenheiten unserer gegenwärtigen Ministerien ver- schuldet und die heutige Lage herbeigeführt, au« welcher di- Staaisregieruug nicht Mehr ander« al« auf dem Wege der Gesetzgebung herauszukowmen vermag.
Dcrlllt, 5. Ang. Dem Abg,ordnet,nhause wird, wie ter „Nieder,hkinischc s»,..ue, (lnc angenehme Ueberraschnng zu Theil werden. Bei v-ran-
Lotstanb.
gskauscs zu , d.'ii 7. August, sierdlllch herzlich ye ihr füufuud- B«rstuud.
erein.


