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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen

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Dienstag den 6. Februar

Nr. 32

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Preis vierteljährig 1 fL 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 st. 27 kr.

Deutschland.

Darmstadt, 4. Febr. Prinz Arthur von Großbritannien, Brrd'r ter Prin­zessin VutwJg, ist gestern Vormittag von Berlin, wo er bei dem Kronprinzen und der Kronprinzessin zu Besuch gewesen war, hier eingetroffen und im Neuen PalaiS, bet Prinz und Prinzessin Ludwig abgestiegen. Derselbe wird etwa acht Tage hier verweilen. In seinem Gefolge befinden sich sein Hosmarschall Oberst Str Howard ElpbinStone und sein Arjutant Major Piccard.

Darmstadt, 4. Febr. Die Mauern ter Theaterruine erweisen sich von nicht geahnter Festigkeit, wißhalb man theilweise zu Sprengungen schreiten wußte. Um halb 3 Uhr Nachmittag wurde dahier ein keineswegs schwacher Erdstoß vcr-

Erscheint täglich, mit Aus- i nähme Sonntags.

Expedition: Canzleiberg

Lit. B. Nr. 1.

gefährlichen Verletzungen.

Berlin. Die Rede, welche Fürst Bismarck tn der Sitzung des Abgeord- netenhauses am 31. Januar hielt und über welche ter Telegraph schon berichtet hat, lautet ausführlich: Ich hatte gehofft, mich lediglich auf die Rolle eines Zu- Hörers bei den heutigen Verhandlungen beschränken zu können, dte DtScusston jedoch nach dem, was ich von der letzten Rede gehört so wert auf das politische Gebiet ausgeschweift, daß ich eS mir nicht versagen kann, die Stellung der Staatsregierung in Bezug auf die angeregten Fragen mit einigen Worten klarzustellen. Wenn der Vorredner mit warmen Worten dem Wunsche Ausdruck gab, den früher nicht gestörten kirchlichen Frieden wieder herzustellen, so appellire ich an sein eigenes ungetrübtes Urtheil, ob seine Worte diesem Zwecke zu ent- sprechen geeignet waren. Jedenfalls entbehren dieselben der christlichen Milde in ter Beurtherlung des Gegners und der christlichen Demuth tn Btzug auf die eigene Sache. Ihr Nein sagte er ist kein Beweis, und gleichzeitig fuhrt er sein Ja als einen solchen für Thatsachen an, denen sonst nichts zur Sette steht, und denen gegenüber ich behaupte, daß ich sie so lange nicht für wahr Halte, bis mir Documente darüber beigebracht werden. Er beschwerte sich darüber, daß die Katholiken nicht in dem der Bevölkerung entsprechenden Verhältniß bei der Besetzung der höheren StaalSämt'r berücksichtigt seien; ich, in meiner Stellung als Ministerpräsident, lehne jede Verpflichtung einer consesflonellen Zahlung in dieser Beziehung ab (Beifall) und werde eine solche niemals zugeben. Es ist möglich, daß das statistische Bureau darauf bezügliche Ausstellungen gemacht hat; ich weiß das nicht, und bekümmere mich darum nicht das statistische -Bureau veranstaltet ja viele Zählungen, mit deren Tendenz ich Nichts zu thun habe. (Heiterkeit.) Es wurde namentlich daraus hingewiesen, daß ich keinen Eollegen katholischer Confession im Ministerium habe. Ich bedauere das lebhaft, indessen wir bedürfen in dem Ministerium einer Majorität, welche bereit ist, die von der Regierung eingeschlagene Richtung entschieden zu unterstützen. Glaubt der Herr Vorredner, daß wir dies von einem Mitgliede seiner Fraktion erwarten dürfen k (Heiterkeit.) Trotz des lockeren Zusammenhanges der verschiedenen R.ssortö ist eine gewisse Homogenität des Ministeriums nicht zu entbehren, für die mir die Mitglieder des CentruwS wenig Garantien zu bieten scheinen. Die Existenz dieser konfessionellen Fraktion auf politischem Boden ist an sich eine der ungeheuerlichsten Erscheinungen. Sie üben dadurch auf alle katholischen Mitglieder einen Zwang aus, der Partei beizutreten, wenn sie sich nicht Anfeindungen aussetzen wollen und machen die Religion zu einem Gegenstände der Tribünen-Discussion (Beifall). Ich habe den Grundsatz, jeder Confession vollkommen freie Bewegung zu gestatten, ohne es deshalb für nothwendig zu halten, daß dieselben ziffermäßig nach Maß^ gäbe ihrer Stärke in der Bevölkerung in allen Staatsämtern vertreten sind. Ich kenne das Verhältniß gar nicht und will es auch gar nicht wissen, das aber gebe ich Ihnen zu bedenken, daß denselben Anspruch, wie die Katholiken, jede andere Religionsgemeinschaft zu erheben berechtigt ist, die Lutheraner wie die Reformirten und die Juden und ich habe gesunden, daß gerade die letzteren sich durch be­sondere Intelligenz und Befähigung für staatmännische Wirksamkeit auSzeichnen.

Staat erblicken konnte (Beifall). Ich wurde in dieser Anschauung nicht erfchüt- tert, als ich sah, daß an ihrer Spitze das streitbare Mitglied stehe, dessen Worte Ste soeben vernommen (Wintthorst), ein Mitglied, welches aus Grünten, die ich achte, sich von vornherein dem preußischen Staatsorganismus wenig geneigt zeigte und von welchem es mir noch jetzt zweifelhaft erscheint, ob die Neubildung dis Reiches, sei es in dieser oder jener Gestalt, seinen Wünschen entspricht. Cs war eine meiner ersten Sorgen, wie ich mich, ohne die Verbindung mit der großen Majorität des deutschen Volkes zu verlieren, in Fühlung erhalten könnte mtt jener Partei, dieser Sorge wurde ich durch die Haltung jener mobilen Armee bald über­hoben. Ich hatte gehofft, die Regierung würde eine Stütze finden an einer kirch­lichen Partei, die dem Kaiser gäbe, was des Kaisers ist, statt dessen mußte ich mit Betrübn'ß hören, daß in den Wahlreden und den Preßerzeugnissen, die zum Zwecke der Wahlen verbreitet wurden, etwaige Jrrthümer und Fehler der Regie­rung im grellsten Lichte dargestellt wurden, während das Gute mit keiner Sylbe Erwähnung fand. Obwohl Zeugnisse Sr. Heiligkeit des Papstes und der Bischöfe es aussprachen, daß die katholische Kirche Grund habe, mtt den Einrichtungen des Staates und der ihr darin zugeviesenen ehrenvollen Stellung zufrieden zu sein, dauerte jene Agitation fort, so daß auch ich veranlaßt wurde, einen Schritt zuruck ' u treten. Die Ernennung des neuen CultuSwinisters hat dem Vorredner Veran­lassung gegeben, über eine Verletzung ter Parität zu klagen. Ein solcher Vor­wurf konnte zur Zeit des absoluten Regiments vielleicht begründet sein, heute, wo wir eine Verfassung haben, ist er ein Unding; wollen Sie die Wahl der Rath­geber der Krone von der Confession abhängig machen, so hört die Verantwort-

' Alls Oberheffen, 3. Febr. Mit Beziehung auf die vor Kurzem in den öffentlichen Blättern stattgehabten Betrachtungen über die Abnahme der Theologie Studirenden im Großherzogthum Hissen muß gemeldet werden, daß, KUtem Btt- nehmen nach, von sämmtlichen Abiturtenten der hessischen Gymnasien nächste Ostern bis jetzt keiner sich zum Studium der Theologie entschlossen hat und nur Einer möglicherweise noch sich dazu er.tschließen wirt. ,

Frankfurt, 4. Febr. Wir können wiederum einen Act der Generosität eines bedeutenden hiesigen Bankhauses berichten. Dasselbe behändigte in Folge pes günstigen Resultates einer Emission einem jeden Mitgliede seines Comptoir-Pcr- sonals den Betrag von 600 fl.

Frankfurt, 5. Febr. Gestern Nachmittag verstarb der Viehhändler Ham- burger in Folge der bei dem gegen ihn verübten Raubansall erhaltenen lebenS-

lichkeit derselben auf. , .

Es wurde ferner über die Aushebung der katholischen Abtheilung im CuttuS- ministerium geklagt. Diese Behörde hatte mit ter Zeit einen Charakter ange­nommen, daß sie auf mich den Eindruck wachte, als vertrete sie nur die Rechte der Kirche gegen den Staat. Ich hatte deshalb schon früher Sr. Majestät dem Kaiser vorgeschlagen, statt de,selben lieber einen päpstlichen Nuntius am htchgm Hofe beglaubigen zu lassen, dem gegenüber wir wenigstens eine klare Stellung hätten und der uns ohne zwischenliegende Strahlenbrechung über die Bedürfnisse und Forderungen der Kirche in Kenntniß setzte. Dennoch wagte ich nicht, diesem Wunsche weitere Folge zu geben, weil sich in der Ocffentlichkeit eine allgemeine Abneigung dagegen aussprach. Vielleicht werden wir doch noch auf diesen Aus­weg zurück kommen, sobald sich die Zustände etwas friedlicher gestaltet haben. So erinnert das Verhältniß an die Fabel von dem Wanderer mit dem Diantel, den ihm der Regen nicht nehmen konnte, während die Sonne ihm denselben ab­gewann. Der Vorredner hat sodann im Verkaufe seiner Rede über die Haltung der Regierungspresse Beschwerde geführt, und hat zu derselben Blätter gerechnet, die zwar Mittheilungen, welche ihr Seitens der Regierung gemacht wurden, auf- nehwen, die aber sonst vollkommen selbstständig find. Für derartige Blätter, welche die Regierung zwar benutzt, weil die rein officielle Presse nothwendig stets die Langweiligkeit desStaatsanzeigers" annehmen muß, können wir trotzdem eine Verantwortlichfeit in keiner Weise übernehmen. Uebrigcns verweise ich Sie auf Ihr eigenes Organ, die hier erscheinendeGermania", deren Leser ich zwar nicht selbst bin, von der ich jedoch gehört habe, daß sie sich mit der deutschfeindlichen rheinbündlerischen Presse Bayerns für solidarisch erklärt (Widerspruch iw Centrum). Sollte ich mich irren, so wäre es mir lieb. Ich bitte Sie, suchen wir aus dieser für das Vaterland großen Calamität theologischer Discusfionen hier einen ruhigen Ausweg zu gewinnen. Eine Einwiikung auf dogmatische Streitigkeiten lugt uns sehr fern. Allerdings können wir, wie in der Brauneberger Angelegenheit ver­langt wird, eine Ausübung der Staatsgewalt der Geistlichkeit nicht einraumen. Gerade deshalb müssen wir uns in dieser Beziehung den Platz frei halten, um uns hier so wenig als möglich, um Religion lümmern zu muffen (Beifall). Man verlange nicht von einer paritätischen Regierung eine konfessionelle Haltung; eine Staatsreligion als solche haben wir nicht. Wenn der Vorredner endlich behauptete, daß seine Anschauungen von der Majorität seiner Glaubensgenossen getheilt tour­ten, so bestreite ich dies und erwarte den Gegenbeweis (lebhafter Beifall).

Berlin, 3. Febr. In der Dotations-Angelegenheit soll trotz der Conferenz, welche neulich unter dem Vorsitz des Kaisers in dieser Angelegenheit ^"gefunden, noch immer kein definitiver Beschluß gefaßt sein. In Bezug aus welche Person- lichkeiten noch Zweifel stattfinden, darüber verlautet allerdings mchts.

Di- russischeSt. Petersb. Zig." schrcibt:Man »e,sichert mi«, daß Graf Mollke zur Zeit seines Auf-nthaltcS in Petersburg unserer bequemen MiNtaruittform vor der preußischen offen den Vorzug gegeben habe. Auch haben wir gehört, baß da« preußische KnegSministerium b-schioff-n habe, m der deutschen Armee unsere UnisormSiocke mit zwei Reihen knöpfe anstatt der gegenwärtig bestehenden mit einer Reihe einzusühren. Letztere brachten die bekannten Taille» der preußischen Offiziere hervor, erreichten aber bei den Soldaten ihren ästhetischen Zweck nicht, sondern zwängten die Brust ein und hielten nicht warm."

I Köln, 4. Febr. Heute wurde in den hiesigen katholischen Kirchen verkündet,

(Große Heiterkeit.)

Als ich aus Frankreich zurückkehrte, um mich den inneren Aufgaben des Staates zuzuwenden, trat mir die neugebildete Fraktion des Centrums in einer Weife gegenüber, daß ich darin nur die Mobilmachung der Partei gegen denl

' c werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch bei allen Post-

BefttUullgen aus den Wpeuei Anzeiger Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben für die Monate Februar und März zu 40 fr.