lischt» Arbeiter seien sehr erzürnt, daß die Gesellschaft sie so wenig in ihren Kämpfen mit den Arbeitgebern unterstützt habe. Auch hätten die Arbeitgeber in neuester Zeit so viele zum Baumaterial gehörige Artikel vom Festlande bezogen, daß cS nutzlos sein würbe, die internationale Verbindung beizubehalten. ES wird deshalb der Antrag gestellt werden, die Internationale oufzulösen. Das General- comite uov Diejenigen, welche seine ehrgeizigen Pläne billigen, werden sich natur- lich dem Anträge widersetzen, doch da das Comite so sehr gespalten ist, erscheint es zweifelhaft, ob sein Widerstand erfolgreich sein wird. Auf alle Fälle gedenken die Engländer sich völlig von der Internationale loszusagen. Bestätigt sich diese Nachricht, so dürfte der Internationale die Haupteinnahmequelle verloren gehen.
Rumänien.
Bllcharest, 26. Juli. Die „Rum. Post" meldet: „Der Redakteur des hier in französischer Sprache erscheinenden Journals: „Alliance lalino - slave“ (vormals lalino - russe). Herr Gregor Balliano, ist in Folge eines Artikels, in welchem der Kaiser von Deutschland und der König von Italien beschimpft wurden, zur Verantwortung gezogen worden und befindet sich in Untersuchungshaft." Gleichzeitig hat aber die „Rum. Post" auch zu melden, daß ihr eigener Administrator, Herr I. Lichtig, vorgestern im Redactionslocale verhaftet und in’ö Ge° fängniß abgeführt worden sei — wegen Mtttheilung eines Scandals, der sich auf der Eisenbahn zwischen hier und Braila zugetragen hatte. Es sollte sich nämlich ein Präfect während der Fahrt gegen zwei weibliche Passagiere unziemlich betrogen, bann auf sie mit einem Revolver gefeuert und sich schließlich so wild ausge- führt haben, daß er hatte gebunden und in Braila an die Polizei abgeführt werden müssen. Der Zugführer des Eisenbahnzuges hatte die Geschichte erzählt; ob sie wahr ist, sagt das Blatt nicht.
Schmachwort"; s. Schweller'- Wörterbuch, neue Ausgabe 1, 120. Die katholische» Geistlichen, welche die Wörter Geistlicher und Pfaffe heute noch für gleichbedeutend halten oder vielmehr, w» es ihnen paßt, au-geben, mögen endlich einsehen lernen, daß der Sprachgebrauch mächtiger ist, als die ganze Clerisei. — genus irritabile vatum nennt sie schon Horaz — und sich gegen jede Unfehlbarkeit behauptet und unfehlbar behaupten wird. Vergleiche Adelung, Wörterbuch (Wiener Ausgabe) 3, 700. Campe, Wörterbuch 3, 605. Eberhard Synonymik, 3. AuSg. 4, 532. Weigand, Wörterbuch 2, 363. Eiselein, Sprichwörter S. 505—507.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 2. August. Die Hausse in Bankactien dauert fort und die Umsätze in einzelnen derselben nehmen eine geradezu enorme Ausdehnung an. So war es heute wieder vor-- zugSwetse Basler Bankverein, dessen Syndicat zur Begebung der Actien sich aufgelöst hat, der bei großem Geschäft bis 110 bezahlt wurde; Deutsche Gffectenbank bei 130V« in Posten abgenommen, Frankfurter Bankverein bei l>/2 Proc. Hausse, Darmstädter und Meininger gleichfallbedeutend höher, Antwerpener und Stuttgarter gesucht. Auch österreichische Bahnen nicht ganz so vernachlässigt wie in den letzten Tagen, obwohl das Geschäft darin noch in engen Grenzen bleibt. Elisabeth und Nordweft waren heute beliebt. Von deutschen Linien waren Oberheffen gefragt. Auf dem SpeculationSg,biete dagegen machte sich einige Mattigkeit bemerklich, unter der vorzugsweise Staatsbahn zu leiden hatte, die bis 3507z zurückging, trotz aller Versuche, sie über Bord zu halten. Creditactien litten unter stattgefundenen Realisationen, zu welchen sich die Speculatton in Folge des hohen CourseS veranlaßt sah, und gingen durch starkes Verkaufsangebot auf 3537z zurück. Lombarden wichen bei wenig Geschäft auf 2187z- Gleiche RealisationSlust machte sich auch in Bezug auf französische Anleihe bemerkbar, da eS als eine nicht mehr zu bezweifelnde Thatsache anzusehen ist, baß die Subscriptionen eine Reductton auf 7—8 Proc. erfahren werden; doch wurden Resultate noch mit 4 Fr. bezahlt. Oefterreichische Renten wurden ebenfalls weniger umfangreich gehandelt und ging Silberrente auf 65% zurück. Von sonstigen Staatspapiere» waren 1871er Russen beliebt. Ungarische Eisenbahnanleihe bet billigem CourS gern gekauft. Auch für Amerikaner machte sich Kauflust bemerklich. Prioritäten wurden wieder zahlreicher aus dem Markt genommen, namentlich lombardische. Von Loosen waren Raab-Grazer, Ungarn, österreichische 1864er und Finnländer in Umsatz.
Türkei.
Die beunruhigenden Gerüchte über den schlimmen Gesundheitszustand des Sultans sollten sich — nach der Mittheilung eines ungarischen Blattes aus Konstantinopel — vollständig bestätigen. Der Sultan leidet an einer Leberanschwel- lung und profusen Darmblutungen. Trotz dieser Blutungen sind aber auch Congestionen häufige Gäste. In Folge dieses pathologischen Zustandes hat sich ein außerordentlicher Schwächezustand eingestellt, so daß Ohnmächten nicht selten ein- treten. Die Aerzte geben zwar Hoffnung auf Herstellung der Gesundheit des Pavischah. Im Publikum weiß man aber diese Vorspiegelungen auf den richtigen Werth zu reduciren, da man in der Türkei schon seit 48 Stunden verstorbene Herrscher als vollkommen hergestellt meldet, wie es beispielsweise mit Mahmud II. der Fall war. Die öffentliche Meinung ist ob dieses Zustandes des Sultans nicht in geringem Grade beunruhigt, weil man fürchtet, Mahmud Pascha würde daraus Veranlassung nehmen, so rasch als möglich die Candidatur des Prinzen Jzzedin zu proclamiren. Der jetzige Großvezir mag nicht so arg russisch sein, wie man allgemein behauptet, alttürkisch, europafeindlich und rückschrittlich ist er aber ganz gewiß. Nun weiß Se. Hoheit, daß der Prinz Murad Effendi, Sohn des verstorbenen Sultans Abd-ul-Medzid, dem verrannten, fanatischen Alttürken- thum ganz und gar abgeneigt ist, während Jzzedin in einem krankhaften Glaubenseifer erzogen und stark dem Einflüsse der Derwische und Mullas ergeben ist- Unter Jzzedin'« Regierung wird die Enteuropäistrung des Reiches vor sich gehen können, wobei natürlich Mahmud Vie Hauptrolle spielen würde. Diese Perspective mißfällt aber den Jungtürken außerordentlich und da auch Europa einige Gründe haben dürfte, diese Partei zu stützen, so fürchtet man einen Bürgerkrieg. Die Stimmung in der Hauptstadt ist daher eine sehr gedrückte.
Konstantinopel, 2. Aug. Essad Pascha ist zum Marinemiuister ernannt worden. Man versichert, daß Mustafa Fazyl Pascha, Djemil Pascha, Sadyk Pascha und Mehemed Ruchdi in das neue Cabinet eintreten werden. Alle türki- schen Journalc begrüßen die Ernennung Midhat's mit Befriedigung. Freudendc- monstrationen fanden vor dem Palais desselben statt, während vor dem Palais Mahmuds Kundgebungen des Mißfallens vorfielen. Die Suspension des jung- türkischen Journals „Berett" wurde widerrufen. Die Redacteure desselben treten in den Dienst der Regierung.
Amerika.
New-Jork, 13. Juli. Die diesjährige Processton der Orangisten war eine der merkwü vigsten, die jemals gesehen wurde. Nur etwa 300 Orangisten beteiligten sich an derselben und diese 300 Mann wurden von nicht weniger als 800 Polizisten geschützt, die vorn, hinten und von beiden Seiten hergingen und so die Orangisten gänzlich einschloffen. 1000 weitere Polizisten waren zur Hand, ebenso einige Regimenter unter Waffen, um nöthigenfalls die Freiheit der Pro- cejsion energisch in Schutz zu nehmen. Orangistendemonstrationen fanden außerdem nur noch in Philadelphia und einigen kanadischen Städten statt.
Vermischtes.
Wien 30. Jült. Was ist ein Pfaffe? Das Berliner Zefuitenblatt „Germania" riebt jede GeNgenhelt bei den Haaren herbei, dem Herzog von Ratibor und seinem Bruder, dem Cardinal Hohenlohe, Eines au-zuwischen. In ihrer Nr 148 fand sie e/lurpassenddasffrul.ch vnn der N fr Pc." gebrachte Lied Hoffmann's v. Fallersleben: „Viel Feind , viel Ehr . , das m-ttlerwe'ile' die Runde durch viele deutsche Zeitungen gemacht, unter der Bezeichnung emeS ScklachtaesangeS" wieder abzudrucken und mit folgenden Bemerkungen zu begleiten, bie ebenso k7rk ihren polternden Zeloti-muS wie ihre Albernheit und Unwissenheit bekunden. »Herr Hoffmann v Fallersleben", schreiben die Fahnenträger deS norddeutsche» U tramontaniSmuS, „ist bekanntlich der Bibliothekar des Herzogs von Ratibor. Letzterer hat aber einen Bruder der eS nickt verschmäht hat, sogar einer der Obersten unter den „walschen Pfaffen zu werden. Wir wissen auch daß Herr v. Fallersleben stets auf das zuvorkommenste (sic!) vom Cardinal Hphen- lobe behandelt wird. Da dieser indessen schwerlich das Wiener Centralorgan der deutlchen Juden esen dürfte so haben wir nicht verabsäumen wollen, ihm sammt seinem Bruder den poetischen Grauß auf diesem Wege bekannt zu geben." Wie Hoffmann selbst sich zu den Auslassungen des tu V »Hf«Konktnttr* fteflt bat er in einem ebenso gelehrten als ergötzlichen, sprachgeschickt ggS «asiw« Sfe-IÄÄ ÄfflÄ'SKÄ
ä ÄS» &SÄÄ«
Bßrsennachrichten.
3. August 1872.
Preuss. 47z % Oblig. 103
Frankf. 3%% Obi. 877S Nasa. 478% Obi. 9974
Kurt ess. 4% „ 93%
Gr. Hess. 5% Obi. 101%
» „ 4% » W%
n „ 3Va% „ 92%
Bayer. 5% „ 100%
„ 472 o/o 1jährige —
„ 4% 1 jährige 957g
Würtemb. 4%% Obi. 99%
Baden 4%% Obi. o. E. L. 99%
Oesterr. Silberrente 66%
„ Papierrente 607z
Spanier, neuest. 3% 297»
Amerik. Bonds 1881r 99%
„ , 1882r 96%
» „ 1885r 97%
n „ 1887r 97%
Actien.
Frankf. Bank 141 %
Frankf. Vereins-Kasse 146%
Darmst. Bankact. 487
Wien Bankactien 905
Oeet. Oreditact. 356
Galizien 258
Aetlen.
5O/o östr. F. St. E. B. 353
Lombard. Bahn 220
Ludwigsh.-Bexbach 200
Maxbahn 144
Bayer. Ostbahn 137%
Rhein-Nahebahn-Act. 467g
Hess. Ludwigsb.-Act. —
Oberhessen „ 82%
Wechsel«
Amsterdam k. 8. 98%
Augsburg k. 8. 99%
Berlin k. 8. 1047z j
Bremen k. 8. 1757s
Brüssel k. 8. 933/s
Hamburg k. 8. 87%
Leipzig k. 8. 105
London k. 8. 118%
Lyon k. 8. —
Paris k. 8. 92 74
Wien k. 8. 1067g £
ditto m. 8. — j
ditto 1. 8. —
Disconto 4 %
Prioritäten.
3% öster.Stsb.-Prior. 597z
3% öst. s. Lombard 51%
3% Livorneser 3 9 74
5% Toscaner 62
5% Elisabeth.-Prior. 857z
do. n. Emiss. 85%
Geldsorten.
fl. kr.
Pr. Friedrdor 9 577z—587z
Pistolen . . 9 41—48
„ doppelte 9 41—43 Holl. fl. 1Ö8L 9 53—55 Ducaten . . 5 34—36 20 Frankenst. 9 20 —21 Engi. Sover. 11 48—50 Buss. Imper. 9 42—44 Dollar In Gold 2 24%—25 Va
Anlehennlooee.
Darmstädter fl.50Loose 195 n «25 „
Kurh. 40 Thlr. Loose — Nassau 25 fl. 457z Braunschweiger — 3% Oldenburg, ä 40ThIr. 39 40/0 bayr. Präm.-Anl. 112 40/0 badische Loose — Badische fl. 35 Loose 7074 Oestr. fl. 250 v. 1854 85% 1858r Prioritätsloose 205 1860r Loose — 1864r r 157%
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