zu lebhaften Debatten kam. Morgen findet eine öffent
liche Sitzung statt.
Frankreich
Paris, 29. Aug.
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Ueber die Ankunft der Monarchen wird jetzt mitgetheilt: Der
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verlassen und nach Dundee gehen. Wie es heißt, wird die Königin kurze Zeit in Aberdeen, Elgin und Inverness verweilen. — Der Viscount Halifax, der als
Das „Evenement", ein Blatt, das freilich noch mehr, nach Effect hascht, tischt seinen guten Parisern auf, daß,
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Stuttgart, 30. Aug. Der „Schwab. Merkur" bringt folgendes Telegramm aus Zürich: Gestern Abend nach 8 Uhr versank im Züricher See bei Meilen da» Dampfboot St. Gotthard durch Zusammenstoß mit dem Schiffe Concordia. Die Schiffsmannschaft ist meistens gerettet. Mehrere elsässische Pilger sind ertrunken.
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Landeskundige hier ist es kein Geheiwniß, daß lange vor 1866 die österreichischen Sympathieen von einem großen Theile des jüngeren CleruS und — auch das muß hier gesagt werden — nicht minder von einem, wenn auch nur kleinen Theile der politischen Behörden gepflegt wurden. An Symptomen dieses niederrheinischen OesterreicherthumS fehlte es bereits Anfangs der fünfziger Zabre nicht; nicht selten widmeten die jüngeren Söhne unseres Adels Oesterreich ihre Dienste, und manche Truhe hier barg ansehnliche Summen österreichischer Staatsschuldenobligationen. Die einzelnen Vorkommnisse des Jahres 1866 wollen wir hier weiter nicht be- rühren; es mag genügen, daran zu erinnern, daß selbst ein bekannter Landrath, jetzt ein Führer der ultramontanen Partei, sich so weit vergaß, seine Sympathie dem mit uns im Kriege befindlichen Oesterreich entgegenzubringen. Zwar wurde dieser Landrath bald darauf beseitigt, aber etwas Weiteres, um dem verderblichen Strome einen Damm entgegenzusetzen, geschah eben nicht. Offenbar hatte man an maßgebender Stelle nicht die mindeste Ahnung von der Tiefe und dem Umfange des eingerissenen Verderbens. Und wie sollte man dies auch? Fehlte es doch und fehlt es zum Theil auch noch der Regierung fast gänzlich an zuverlässigen Organen, die sie aufgeklärt hätten über den faulen, immer tiefer fressenden Krebsschaden, der au dem inneren Marke unseres niederrheinischen Volkslebens zehrte.
So verwirrt und widersprechend die aus München über die Ministerkrisis eingehenden Nachrichten auch lauten, so viel steht fest, daß Herr v. Gaffer mit der Bildung eines neuen Ministeriums betraut ist. Diese Entscheidung des jungen Königs ist zwar bedauerlich, doch enthält sie durchaus keine Gefahr für die Ent- Wickelung des Reiches. Bayern kann im BundeSrathe, sobald es sich um den inneren Ausbau des Reiches handelt, Hindernisse bereiten, welche diesen zwar verzögern, aber nimmermehr ganz hemmen können. Gelingt es dem Herrn v. Gaffer — woran noch immer zu zweifeln ist — ein neues ultramontan particularistifchcs Ministerium zu bilden, so geht das brave Bayernvolk, welches erst kürzlich gelegentlich des Besuches unsere- Kronprinzen seine deutschnatiouale Gesinnung in so leb- Hafter Weise documentirt hat, einer trüben Zeit entgegen; eine Regierung, welche nicht dieselben Principien vertritt, für welche das Volk freudig sein Herzblut hingegeben hat, wird niemals dem Lande zum Wohle gereichen.
Es ist bekanntlich den Angehörigen des Deutschen Reiches gestattet, ihrer Militärpflicht zu genügen in einem Truppentheile des deutschen Heeres, welcher ihnen beliebt, sofern sie freiwillig sich zum Eintritt melden, und ebenso werden die Heerespflichtigcn, sowie auch die im Reserveverhältniß sich befindenden Mann- schäften in demjenigen Bezirk zum Dienst herangezogen, in welchem sie sich augenblicklich aufhalten, ohne Rücksicht darauf, ob sie Angehörige des betreffenden Einzelstaates sind oder nicht. In gleicher Weife wird auch denjenigen Heeres- pflichtigen, welche sich dem Dienst zu entziehen suchen seitens derjenigen Militär- Landwehr-Behörde der Desertationsproceß anhängig gemacht, zu der die Ortschaft gehört, in welcher der Betreffende zuletzt seinen Wohnsitz hatte. Es ist neuerdings in Folge dieser Bestimmungen seitens der Militärbehörde die Anordnung getroffen worden, daß in solchen Fällen, in denen ein Heerespflichtiger nach erhobener Anklage der Desertion schuldig befunden worden ist, sofern er nicht ursprünglich dem betreffenden StaatSverbande resp. Militär-Gerichtsbezirk/ in welchem seine Derurtheilung erfolgte, angehört hat, den betreffenden Civilbehörden jenes Einzel- staates, dem der Verurtheilte angehörte, von der erfolgten Derurtheilung Kenntniß gegeben wird.
Berlin, 2. Sept. Anläßlich der Sedan-Feier ist die ganze Stadt beflaggt. Die Straßen sind außerordentlich belebt. Die Gymnasien und Schulen hatten besondere Feierlichkeiten mit Rede und Gesang veranstaltet. In fast allen Kirchen findet Gottesdienst statt. Die meisten Theater bringen patriotische Stücke zur
Kaiser von Rußland trifft mit dem Großsürsten-Thronfolger und dem Großfürsten Wladimir am 5. September, Nachmittags 2y2 Uhr, auf dem Ostbahnhofe, der Kaiser von Oesterreich am 6. September, Abends 6 Uhr, auf dem neuen Potsdamer Bahnhofe ein; ebendaselbst um dieselbe Zeit der Kronprinz von Sachsen, welcher von Dresden aus mit dem Kaiser von Oesterreich zusammen reist.
Berlin, 3. September. Der Redakteur der „Germania", Majunke, wurde gestern wegen des in seinem Blatte vom 5. Juli enthaltenen Leitartikels, dessen Inhalt gegen das Reich ober die Reichsregierung gerichtet war, zu 100 Thlr. Geldstrafe oder einen Monat Gefa'ngniß verurtheilt. Außerdem wurde auf Vernichtung der betreffenden Zeitungsnummer erkannt und dem Fürsten Bismarck als Beleidigten Vas Recht der Veröffentlichung des Urtheils zugcfprochen.
Berlin, 3. September. Prinz Max Emanuel von Bayern, Oheim des regierenden Königs, trifft heute Mittag ein und steigt im k. Schlosse ab. Der Großherzog von Baden langt morgen an, die Familie desselben ist bereits em- getroffen und im kaiserlichen Palais abgestiegen. Fürst Gortschakoff ist gleichfalls heute eingetroffen.
Fulda, 1. Sept. In mehreren Blättern ist die Ansicht ausgesprochen worden, daß der Bischof von Passau der am 17. d. M. dahier abzuhaltenden (Son* ferenz möglicherweise fern bleiben werde. Wie jedoch versichert wird, wollen die bayerischen Bischöfe — mit Ausnahme vielleicht des neuerwählten Bischofs von Speyer, welcher eventuell Hrn. Molitor schickt — vollzählig eintrlffen. Angemeldet sind von süddeutschen Bischöfen bis jetzt die von München, Würzburg, Rottenburg und Freiburg. Der Erzbischof von Breslau wird bei dem hiesigen Bischöfe, Hefele jedenfalls bei dem ihm enge befreundeten Domcapitular Dr. Reinerbing, mit dem er s. Z. die Honoriusfrage behandelte, Wohnung nehmen. Die übrigen Eminenzen wohnen nebst Kapläuen und Dienerschaft im geräumigen Priesterseminare. — Nächst dem Bischöfe von Limburg bezieht der hiesige die geringste Besoldung in Preußen. Wie man erfährt, soll demselben in Kürze eine beträchtliche Gehaltserhöhung zuerkannt werden.
Coblenz, 2. Sept. Gestern Abend fand im katholischen Casino (im großen Saale des Görresbaues) eine Versammlung statt, zu welcher auch die Katholiken, welche mcht Mitglieder sind, Zutritt hatten. Baudry und Dom-Capitular Thissen aus Köln sprachen in längerem Vortrage über die jüngsten Maßregeln gegen den Jesuiten - Orden, und forderten zum Anschlüsse an den Mainzer Katholiken- Verein sowie zur Unterzeichnung einer Dankadresse an die hiesigen Jesuitenpatres auf. Ein hiesiger Caplan hob sodann hervor, baß der Papst noch Niemanden
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da nun die Fleischtöpfe Aegyptens aus den Kriegszeiten vorüber, die PrusstenS in Metz so schlecht beköstigt würden und ihre Vorräthe immer zu spät kämen. So
sei denn befohlen worden, daß vom Tage nach der Ankunft Friedrich Karl's an jeder Militär auf Kosten seines Wirthes verköstigt werden müsse; die Bauern seien gutmüthig genug, ihre aufgezwungenen Gäste an den Tisch zu nehmen. „In der That, — heißt es dann weiter und dies ist der Zweck des ganzen Geschwätzes — diese unglücklichen Soldaten und besonders einige Bataillone Bruns- wickois, welche dankbar für das ihnen erwiesene Mitleid find, machen den Hausvätern ein schreckliches Gemälde von den schlechten Traktamenten, die dem preußischen Soldaten zugetheilt werten, und fordern sie mit lebhaften Vorstellungen auf, ihre Kinder nach Frankreich zu schicken, damit sie dieser Gefahr entgehen. Diese Rathschläge machen Eindruck und von allen Seiten zeigt sich neuer Eifer in der Option zu Gunsten der französischen Nationalität."
Paris, 30. Aug. Louis Veuillot tritt im „Univers" mit einer Vertheidi- gung der Bartholomäusnacht auf, in welcher er den Gefchichtskunbigen spielt. Diese Schreckensnacht war nach seiner Ansicht nicht so übel, wie ihr Ruf; man höre: Die Invasion des Protestantismus war eine Kriegserklärung gegen die Gesellschaft und folglich gegen die Religion, welche die Grundvefte des ganzen Gebäudes war.... Die Protestanten führten Krieg, hatten Schlachten verloren, waren rückfällig, trotzten der Justiz, die Bedeutendsten waren Contumazverurtheilte, fühlten sich aber stark genug, sich um die ausländische Königin und den unmündigen König wenig zu bekümmern. Die Pflicht der Regierung war, diese Schuldigen verhaften zu lassen, sie zu zwingen, ihre Contumaz anzutreten und sie dann im Falle der Derurtheilung kurz und hoch hangen zu lassen. Die Königin hatte aber Furcht, griff zur List, traf als eine durch Macchiavelli's und Calvin'S Schule gegangene Italienerin ihre Anstalten. Sie wurden, 25,000 an der Zahl, in ganz Frankreich erwürgt. Dies ist wenig im Vergleich zu dem, was die Revolution in einer einzigen Provinz that, wenn's ans Köpfen ging. — So die Geschichtsschreibung dieses frivolsten Heiligen; und nun die Nutzanwendung an die ultra- montanen Zeitgenossen: Die Religion ist unschuldig an allen Verbrechen, die in der Welt vorgehen, und es gibt nur dort Verbrechen, wo ihre Gesetze nicht erkannt oder nicht befolgt werden.... Nicht sie (die Religion) hat den Vernichtungsengel heraufbeschworen, nicht ihr Fehler ist es, wenn Gott denen, welche sich gegen ihn waffnen, eine Mission der Rache ertheilt. Im Gefolge des VernichtungSengels ist sie der Engel der Barmherzigkeit und des Troßes.... — Bei Veuillot und seinen Genossen ist Religion, Gott, Racheengel und Kirche, nämlich Kirche nach dem ultramontanen Begriffe, Eins und mit dieser Vermischung und Verwechselung ist alles möglich und alles zu beschönigen, ja zu rechtfertigen, wie man sieht.
Pans, 31. August. Da einige Organe der vorgeschrittenen Linken und unter ihnen neuerdings auch der „Siecle" nicht müde werden, über die politischen Verhaftungen, welche in der letzten Zeit zu Paris wieder in der beunruhigendsten Weise überhand nehmen und in eine neue Jagd auf Alles, was irgend welchen Antheil an der Communalbewegung genommen, ausgeartet wären, Klage zu führen, so ist der der Regierung nahe stehende „National" ermächtigt, Folgendes zu erklären:
Seit einem Monat beläuft sich die Gefammtziffer der wegen Handlungen, welche mit der Commune zusammenhängen, vollzogenen Verhaftungen auf 35. Wenn man erwägt, baß die normale Durchschnittsziffer ber Paris allein (monatlich?) verwirkten Verhaftungen zwischen 250 unb 260 schwankt, so wirb man zugeben, baß der Aufstand zu derselben nur ein geringes Kontingent stellt. Wir können ferner versichern, baß von nun an Niemand mehr wegen einer lediglich insurrectionellen Handlung verhaftet werden wird, wofern diese nicht durch gemeine Verbrechen, Raub, Brandstiftung und Mord, erschwert wird. Niemand wirb der Justiz diesen Vorbehalt verübeln, welchen die öffentliche Sicherheit und Moral von ihr erheischen.
Das dritte Kriegsgericht hat gestern den General Cluseret, den Föderirten- Oberst Razoua und das Commune - Mitglied Lefranyais in contumaciam zum Tode nerurtheilt.
Bei der ersten Kammer des Pariser Civilgerichts ist folgender Proceß anhängig gemacht: Buchhändler und Buchdrucker Henri Plon ccntra Se. Maj. Napoleon III., Exkaiser der Franzosen, wohnhaft ehemals im Tuilerienschlosse und gegenwärtig in ChiSlehurst, wegen Zahlung von 332,229 Frcs. 65 Cent, für Druck und Lieferung des Werkes: „Geschichte Julius CäsarS." Der Proceß wirb nach den Gerichtsferien zur Verhandlung gelangen.
Italien.
Rom, 1. September. Gutem Vernehmen nach hat der Papst den Ordens- generalen wiederholt die Versicherung gegeben, daß sie ihre Ordenshäuser, falls dieselben von der italienischen Regierung aufgehoben würden, rn den Vatican »erlegen können.
Neapel, 1. September. Die Betheiligung an den Municipalwahlcn ist eine sehr lebhafte. Die Wahlbureaux sind fast ausschließlich auS Mitgliedern der gemäßigt liberalen Partei zusammengesetzt; nur je zwei Wahlbureaux sind in clericalem resp. radikalem Sinne ausgefallen.
England.
London, 29. Aug. Die Königin wird Freitag 6. September Balmoral
Holland.
Haag, 2. Sept. Der Congreß der „Internationalen" wurde heute eröffnet. Die Versammlung beschäftigte sich mit der Prüfung der Vollmachten der Delegirten, wobei es zu lebhaften Debatten kam. Morgen findet eine öffeut-
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aufgefordert oder zugemuthct, „nach Canossa zu wallen", doch brauchten die Katholiken „nicht nach Berlin zu wandern", um sich dort die in jedem freien Lande gewährten Rechte und Freiheiten ihrer Religion zu erbitten.
Trier, 29. Aug. Gestern wurde, laut der „Codl. Volksztg.", den hiesigen , _ v _ ___________ ____________ ____________
Redemptoristen die bestimmte Weisung von der deSfallsigen Behörde, Trier bis dienstthuender Minister in Balmoral bei der Königin war, hat das Schloß kommendes Neujahr zu verlassen. verlassen.


