seit beinahe 17 Jahren im Dienste der Pforte. Ließt und erklärt: so lange auf seinem Posten
er. verharren zu wollen, bis ihm zum
mindesten die Genugthuung einer motioirten Amtsenthebung gewährt sein werde.
em-
daß Die
Konstantinopel. Unter denjenigen Beamten, die aus angeblichen Ersparungs- rücksichten plötzlich ihres Dienstes enthoben sind, befindet stch auch Dr. A. D. Mordt- mann, gegenwärtig Rath am kaiserlichen Appellationsgerlcht zu Konstantinopel und ■* ~ " *■ . Er hat jedoch Verwahrung ein-
de Ladmkrault.
Paris, 31. December. Die Republique Frar^aise will wissen, der General Chateaud-Latour, Präsident des Festungscowites, habe seine Entlassung gefordert und werde auf dieser Stelle durch den General Frossard ersetzt werden. Sie tadelt diese Wahl und spricht bei der Gelegenheit vom Buche des Exevmmandanten der zweiten Rheinarmee, das die Niederlage bei Forbach den Generalen Montandon und Castagny zuschreibt. Die letzteren haben mit Bewilligung des Kriegsministers eine Broschüre herausgegeben, in welcher sie ihrerseits den General Frossard anschuldigen und sich weiß zu waschen suchen.
Aus Algier, 29. December, werden folgende Einzelheiten über den von den Gum- am 23. davongetragenen Erfolg telegraphirt: „Si-Alla soll getodlet und Si-Kaddur verwundet sein. Der letztere wird gegen Südosten von den Gums verfolgt. Alle mit dem Marabut fliehende« Stämme sind umzingelt. Vollständiger Erfolg."
Paris, 1. Januar. Officiöö ist in Abrede gestellt worden, daß in Vltry- le-Francols eine Verhaftung durch die Preußen vorgenommm worden sei. Rach einer Erzählung im „Soir" hat aber in der That eine solche stattgefunden, die eines Gymnasialvorftehers, der beschuldigt wurde, beleidigende Aeußerungen über den deutschen Kaiser gebraucht zu haben, während er seinerseits das in Abrede stellt und über Gewaltthätigkeiten preußischer Soldaten klagt. Ernsthaft sieht die
Amerika.
Newyork, 19. December. Nachrichten, die von Neddo der Dampfer Great Republic mitbrachte, sagen, daß die Gesandtschaft, die heute von Iokohomo ab- segelt und bis zum 18. Januar hier eintreffen dürfte, die bedeutsamste sein wird, ere jemals eine orientalische Nation nach Amerika oder Europa geschickt hat. Sie wird auf Befehl des japanestschen Parlaments und des Mikado abgesendet, damit die herrschenden Klaffen selbst die westliche Civilisation studiren können und nicht mehr von den Berichten untergeordneter Individuen abhängen mögen, wie dies seither der Fall war. Sie werden, wenn sie in San Francisco ankommen, über Land nach Washington gehen, die Hauptstädte Amerikas besuchen, Europa be- reisen und dann die Tour um die Wit herum machen. Der amerikanische Ge- sandte De Long wird sie nach Washington begleiten. Charles Walcott Brooks, japanestscher Consul in San Francisco, hat die Weisung erhalten, diese Gesandt- schäft um die Welt herum zu begleiten. — In Mexiko sieht es ernst aus. Die Katastrophe von Saltillo bestätigt sich; die Regterungstruppen mußten dort an die Insurgenten capituliren. In Matamoras ist Den fremden Kaufleuten Seitens der Regierung eine Contribution von 60,000 Dollars auferlegt worben, einfach, weil Geld zur Bezahlung der Truppen da fein muß, und man es nimmt, wo man's findet. Freiwillig wird natürlich das Geforderte nicht geleistet. — Auf Cuba scheint man jetzt den „Volontärs" etwas schärfer begegnen zu wollen. Der General Balmaseda kündigt ihnen an, daß es Sünde sein würde, ihnen noch länger die Besetzung der Forts zuzumuthen und daß sie dort von den regulären Truppen abgelöst werden sollten. Es kommt nun darauf an, ob sie sich ablösen lassen; früher wollten sie nicht und der Gouverneur mußte ihnen willfahren. Diese Volontärs sind Spaniens Janitfcharen und damit ist das Ende angedeutet, welches sie nehmen müssen, wenn nicht Alles darauf gehen soll.
Dache nicht aus. *
Paris, 2. Jan. Aeußerungen Pouyer. Quertier'ö lassen befürchten, das Deficit des Budgets weit bedeutender ist, als man bisher vermuthete. Majorität beabsichtigt, das Kriegsbudget um 100 Millionen zu revuciren.
Italien.
(Eingesandt)
Die letzte Stunde des alten Jahres hat üb.r eine achtbare Familie in Heuchelheim bitteres Lew gebracht. Der 17jährige hoffnungsvolle, brave Sohn derselben, Wilhelm Gernand, wurde durch grobe Fahrlässigkeit und unverzeihlichen Leichtsinn durch einen Schuß, der ihm das Gesicht auf entsetzliche Weise verstümmelte, lebensgefährlich verwundet. Noch in der Nacht wurde der Bedauernswerthe nach Gießen in die Klinik gebracht, wo er am 2. M. durch den Tod von feinen Leiden erlöst wurde. Der bezeichnete Thätec soll gestern gerichtlich vernommen worden fein.
Auch in anderen benachbar-len Gemeinden foll-n Unzlück-^fälle durch das NeujahrSschießen voraekommen sein.
Wann endlich wird die Unsitte dcS tollen Schießens in der Sylvesternacht ein Ende finden? Wann werden die Eltern mit Strenge diesem rohen Vergnügen ihrer Söhne endlich entgegentreten? Wenn man bedenkt, daß weitaus die Mehrzahl der Sylvesterschützen mit Sckießwaffen durchaus nicht vertraut ist, so ist cö fast zu verwundern, daß nicht noch mehr Unglücksfälle vorkommen. Gerade in Heuchelheim sollen viele kaum der Schule entwachsene, ja selbst noch schulpflichtige Jungen sich mit dem Schießen beschäftigt haben.
Möge der vorliegende Unglücksfall eine ernste Mahnung und Warnung für künftig« Tage sein. —-B
Aufopferung über alles Lob erhaben sei.
England.
London, 29. December. Vor einiger Zeit wurde milgetheilt, daß die französische Regierung einen Zehnerausschuß ernannt habe, um das neue Projekt einer Riesenvampffähre zwischen England und Frankreich zur Besörverung ganzer Bahn- züge zu begutachten. Diese Commission hat ihre Berathungen in Arras gehalten, und das Resultat geht Dahin, Daß sechs sich für, und vier gegen das Projekt aus- sprachen. Was nun weiter geschehen wird, bleibt abzuworten. — Eines Dir größe- ren hauptstädtischen Spitäler, das London-Hospital, hat von einem Anonymus Die reiche Schenkung von zehntausend Pfd. Sterl. erhalten.
London, 31. December. In Sandringham hat eine Consultation zwischen Sir William Jenner, Dr. Gull und Sir James Paget bezüglich der Hüftgelenk- Affection stattgefunden, an welcher der Prinz von Wales seit einigen Tagen leidet. Wie das medicinische Fachblatt „Lancet" mittheilt, war das Resultat dieser Be- rathung günstig, und wurde festgestellt, daß der Prinz nicht allein im Allgemeinen einigen Fortschritt gemacht hatte, sondern daß auch die Entzündung bereits ansehnlich nachgelassen habe.
Handelsberichte.
Darmstadt, 2. Januar. Bei der heute Morgen üattgehabten Ziehung der Großherzogl. Hessischen Fünfzig-Gulden.-Loose wurden gezogen: Nr. 19,199 mit 10,000 fl., Nr. 14,321, 79,037, 98,158 mit je 1000 fl., Nr. 51,026, 57,651 mit je 400 fl.
Frankfurter Bank. Der Ausweis vom 31. December zeigt eine Vermehrung der Disconten um fl. 2,718,400, des Lombards um fl. 779,400, der fremden Wechsel um fl. 561,400, der Banknoten-Circulation um fl. 715,900 und der Giro-Guthaben um fl. 2 318,800; dagegen eine Verminderung des Baarvorrath s um fl. 901,600 und der verschiedenen Aktien um fl. 50,400. Die bedeutenden Erhöhungen der Ziffern, besonders der Disconten hängen mit den starken Geld- anjprüchen für den Ultimo zusammen. Die Giro Guthaben erreichten die ungewöhnlich hoh« Summe von nahezu 171/2 Millionen Gulden, welche im laufenden Monate wohl zum grüßten Theile dem Verkehre wieder zugeführt werden dürften. Die Banknoten-Circulation übersteigt die Baarvorräthe nur um circa 70,000 fl., während die Noten-Reserve sich auf fl. 3,676,700 reducirt hat.
Landwirthschaftliche Creditbank in Frankfurt a. M. Die Baak hat ein Circular erlassen, dem zufolge dieselbe mit dem heutigen Tage ihre Geschäftothätigkeit beginnt. Die Direction bilden die Herren Jacob Wilhelm Günther und vr. jur. Friedrich BorgniS. Stellvertretende Directsren find die Herren Philipp Friedrich Behrends und Lodwig Wilh. Baist.
Frankreich. '
Paris. Wenn man liest, wie die Parteien in Frankreich sich untereinander . behandeln, kann man sich über ihre Schimpfereien auf die Deutschen kaum noch , munDetn. So hat Herr v. Segur, eines Der Häupter Der schwarzen Internationale, , wie er von seinen Gegnern genannt wirD, eine Schrift veröffentlicht, worin er , Die CanDidatur Heinrich'- V. empfiehlt. Das „Sucle" gibt Daraus folgende ; Auszüge: Die Republik, äußert Der Mann Der Kirche, ist eine Familienmutter, , welche zwei Sorten von KinDern hat, Galgenstricke und Schafsköpfe, Die Repa- blikaner füllen ihre Taschen unD Die ihrer FreunDe, intern sie hie Staatskassen leeren, sie sind alte Füchse, Die auf Hühner Jagd machen und in Der Kunst Des Rupfens geübt sind. In ihrem Munde bedeuten die Worte Gleichheit unD Brü- Derlichkeit Mord und Raub, davon abgesehen, fügt der ehrwürdige Prälat hinzu, Daß vielleicht von Fünfzigen nicht Einer vorkommt, Der nicht ein vollkommen gemeines Privatleben führt.
Paris, 30. December. In den Straßen von Paris ist folgende Verord. nung angeschlagen worden: .. x
Der Gouverneur von Paris, kraft der Gewalten, welche lym der Belagerungszustand überträgt; in Anbetracht des Gesetzes des 9. bis 11. August 1849; in Anbetracht, daß man Zeichnungen und Embleme, welche geeignet sind, Den öffentlichen Freden zu stören, in Den Läden feil bietet und auf Den Straßen col- portirt, — verorDnet: Art. 1. Die Ausstellung, Das Feilbieten unD Die Colpor> tage aller Photographien, Zeichnungen oder Embleme, Die geeignet sind, den öffent- liche» Frieden zu stören, ist verboten. Es sind namentlich verboten Die Ausstellung, der Verkauf oder Die Colportage der Portraits Der JnDividuen, welche wegen ihrer^ Thkilnahme bet den letzten insurrectionellen Ereignissen in Verfolgung stehen oder yerurtheilt worden sind. Art. 2. Das Zuwiderhandeln gegen Die gegenwärtige Verordnung wird von Beamten der gerichtlichen Polizei, von den Agenten Der öffentlichen Gewalt constatirt unD bann Den kompetenten Gerichten vorgelegt werden. Paris, 28. December 1871. Der Generalgouverneur von Paris:
Rußland.
Petersburg. In Petersburg starb Der Verweser der Diöcese Mohilew und Präsident des römisch-katholischen Collegiums, Bischof Joseph Staniewöki. Derselbe war Der eifrigste Anhänger Der russischen Regierung und befand sich wegen seiner Betheiligung an Der von derselben eingesetzten obersten katholischen Kirchen- behörde im päpstlichen Bann. — Eine Anzahl katholischer Geistlicher im Gouver- nement Wolhynien ist wegen ihre- hartnäckigen Widerstandes gegen die von Der Regierung angeordnete Einführung der russischen Sprache beim Gottesdienst aus Befehl des Generalgouverneurs Fülsten Dondukow-Korsakow des Landes ver- wiesen worden. Jeder derselben erhielt ein Reisegeld von 25 Silberrubel unD wurde in Begleitung eines Polizeibeamten bis an die galizische Grenze tranS-
Nom. Der Papst hat das diplomatische Corps am WeihnachtStage langen. Graf Harcourt, französischer Botschafter, unD sein Personal wurden zuerst vorgelaffen. Nach Den Vorstellungen richtete Der Papst in französischer Sprache VaS Wort an die Diplomaten und Seeleute, die Harcourt mitgebracht hatte. Er sagte, er sei glücklich, in ihnen das theure und unglückliche Frankreich zu segnen, dessen Wiederauferstehung er in feinem täglichen Gebete von Gott verlange; er segne mit Inbrunst Frankreich und sein berühmtes Oberhaupt, indem er Den Allmächtigen bitte, beide zu erleuchten und ihre Anstrengungen fruchtbringend zu machen; er segne auch in ihnen die ganze französische Armee, welche er so lange an seiner Seite gesehen, namentlich die Marine, deren Geist, Mannszucht und
Petersburg, 31. December. Wie Petersburger Blätter melden, werden die Führer Der altkatholischen Bewegung in Deutschland, die Professoren Michelis in Brauneberg und Friedrich in München, in nächster Zeit in Petersburg erwartet, wo sie die Lehren, Gebräuche und Eincichtunzen der orthodoxen Kirche aus eigener Anschauung kennen lernen und zu diesem Zwecke nähere Verbindung mit der ortho- doxen Geistlichkeit anknüpfen wollen. Beide sind zu diesem Besuch von Dem Pro- feffor Osinin, Der sich stark für die Vereinigung Der katholische und russisch, orthodoxen Kirche interessirt, dringend eingelaüen worden. — Ein kaiserlicher UkaS befreit sämmtliche Psarr- und andere ausschließlich für kirchliche Zwecke bestimmte Gebäude tm Königreich Polen von der Rauchfangsteuer.
Rumänien.
Bukarest, 2. Jan. Die Kammer beendigte in ihrer heutigen Sitzung Die Berathung über die Vorlage, die Eisenbahn-Convention betreffend, durch Annahme des ganzen Gesetzentwurfes. Der Vertreter der Berliner Gesellschaft legte in den letzten Tagen Verwahrung ein gegen jede Bestimmung, welche den Ausbau der Bahnen und deren Betrieb verhindern könne.
Türkei.'
und Landwehrmänner bald erfolgen würden. Der Minister erwiderte, daß die Regierung Die Angelegenheit möglichst beschleunigt.
Oesterreich.
Mr, 2. Jan. Das ultramontane „Volksblatt" schreibt unterm 30. v. M.: Wir können mit Bestimmtheit melden, daß Der hiesige Carmeliter-Convent schon gestern mit einem hiesigen Advocaten Rücksprache gepflogen Hat , um gegen die Redaction Der „Tagespost" wegen des in ihr erschienenen Artikels: „DaS Ber- brechen im Beichtstühle" eine Ehrenbeleidigungsklage anhängig zu machen. Heute hören wir, daß derselbe, nachdem verlautet, daß die Staatsanwaltschaft selbst einzuschreiten gedenkt, bis auf Weiteres Die Klage sistirt hat.


