Deutschland.
Darmstadt, 27. März. Der von der Regierung den Ständen zur schleunigsten Beschlußfassung vorgelegte Gesetzentwurf wegen Abänderung der (Stoib dienstpragmattk, über welchen der Abgeordnete Kempff Bericht zu erstatten hat, lautet:
Art. 1. Jeder Beamte kann während der ersten fünf Jahre feiner An- stellung ohne Ruhegehalt entlassen werden. Jedoch kann ihm, wenn er während dieser Zeit durch einen unverschuldeten Unglücksfall dienstuntauglich geworden ist, eine Pension bis zu dem Betrag von 50 pCt. feiner Besoldung bewilligt werden. Art. 2. Wird ein Beamter nach zurückgelegtem fünften Dienstjahre in den Ruhe- stand versetzt, so erhält er als Ruhegehalt (Pension) 50 pCt. seiner Besoldung und für jedes weiter zurückgelegte Dienstjahr werden vom sechsten Dienstjahre an 2 pCt., und vom eilften an 1 pCt. zugesetzt. Wer nach zurückgelegten 50 Dienst- jähren in den Ruhestand versetzt wirb, erhält den vollen Betrag feiner Besoldung als Ruhegehalt. Art. 3. Mitglieder eines Justizcollegs können gegen ihren Willen nur wegen eingetretener Dienstunfähigkeit, und zwar nur auf den Grund eines diese Unfähigkeit bestätigenden Plenarbeschlusses unseres OberappellationS- und Caffationsgenchts, in Ruhestand versetzt werden. In Ansehung der Vorstände eine- JustizcollegS behält es jedoch bei den bestehenden Bestimmungen fein Bewenden. Art. 4. Den am Tage der Publikation dieses Gesetzes pensionS- berechtigten Beamten bleibt ihr nach den seitherigen gesetzlichen Bestimmungen an diesem Tage bestehender Anspruch auf PensionSgröße in der Art garantirt, daß die ihnen zu bewilligende Pension nicht unter dem Betrage bleiben darf, welcher ihnen unter Einrechnung der bisher von ihnen bezogenen ordnungsmäßigen Ra° turalienvergütung gebührt haben würde, wenn ihre Penstonirung am Tage der Publikation dieses Gesetzes erfolgt wäre. Haben sie am Tage ihrer wirklich erfolgenden Penstonirung nach Artikel 2 gegenwärtigen Gesetzes Anspruch auf höhere als die ihnen nach Vorstehendem garanlirte Pension, so findet diese günstige Bestimmung auf sie Anwendung.
Im Uebrigen soll es bei den seitherigen gesetzlichen Bestimmungen sein Be«
sehr viele Anhänger der letzteren waren erschienen, und eö kam zu einem Tumulte, der damit endigte, raß die beiden Parteien ihren Beweisgründen mit Tisch- süßen und Schemelbeimen auf den Rücken der Andersgläubigen Eingang verschafften.
Rußland.
Petersburg, 28. März. Der Khan von Khiwa hat einen Gesandten mit Geschenken an den Kaiser gesandt, um eine freundschaftliche Verbindung mit Rußland einzuleiten.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 28. März. Die bevorstehenden Feiertage, sowie Mingel an Specu- lationSlust überhaupt, verbunden mit der aus der Ultimo-Liquidation noch vorhandenen Mißstimmung machten, daß auch heute das Geschäft nnr ein sehr beschränktes war. Auf speculativem Gebiet that mach obendrein die abermalige Mindereinnahme der Staatsbahn von ca. 64,000 fl. ihr UebrigeS, um den Verkehr lahm zu legen. Indessen behaupteten sich die Course doch recht gut, was auch von Banken gilt, in denen mehr Umsätze stattfanden, Darmstädter gingen sogar ein paar Gulden höher, auf die Nachricht, daß die Darmstädter Bank im Verein mit der österreichischen Cceditanstalt den Rest dec Theißbahnprioritäten zu billigem EourS fest übernommen habe, jedoch ist eS fraglich, ob ne sich beeilen wird, damit an den Markt zu kommen, so lange die Börse kein anderes Bild bietet, als eben jetzt. Oesterreichisch-deutsche und Wechslerbank beliebt. Letztere ist im Begriff, eine Baubank zu gründen, deren übrigens gegenwärtig noch zwei in der Gründung begriffen sind, die eine davon unter den Auspicien der Vereinsbank. Bahnen wenig animirt, nur Elisabeth und Vorarlberg in Frage, auch bayerische Ost eine Kleinigkeit anziehend. Prioritäten dagegen lebhafter, Lioorneser anhaltend gesucht, 40%—%. Die Baltisch- Port-Priorttäten find kolossal überzeichnet worden, so daß eine starke Reduction eintreten muß, fie wurden heute mit 891/2 gehandelt. 1860er Loose matt, 92'/,. Köln-Mindener gefragt. Sonst wenig Verkehr in Loosen. Amerikaner fest.
Frischbäcker ?u Gießen.
Am 1. Ofterfciertagc. Christian Noll Wittwe in der Neustadt.
Am 2. Osterfeiertage. August Noll auf der Mäusburg und Louis Keil in den Neuenbäuen.
wenden behalten.
Darmstadt, 27. März. An Stelle des zurückgetretenen Abg. Huy wurde Bürgermeister Heidenreich von Affolterbach (fortschrittlich) einstimmig als Deputier für den Wahlkreis Wald-Michelbach gewählt.
Mainz, 27. März. Wie der diesige „Anzeiger" berichtet, hat der Groß- herzogliche Bürgermeister unserer Stabt, Herr Nack6, heute fein Amt niedergelegt.
Fulda, 26. März. Den Vorsitz bei der bevorstehenden bischöflichen Eon- ferenz, welche gleich der früheren geheim sein soll, wird der Erzbischof von Köln führen, lieber die Dauer der Conferenz ist noch nichts bekannt, dieselbe dürste jedoch kaum mehr als zwei Tage in Anspruch nehmen. Auch der Bischof von Mainz wird, wie man wissen will, der diesmaligen Bcrathung beiwohnen.
Fulda, 28. März. Auf der Tagesoidnung der nächsten Bischofs-Conserenz steht außer Maßregeln wegen des SchulaufstchtsgesetzeS auch die Frage der Ex- communicatron der Anti-Jnfallibilisten.
Berlin, 26. März. Der EultuSminister hat in Folge des Schulaufstchts- gefetzes angeordnet, daß sämmtliche geistliche Schul - Inspektoren durch die kompetenten Behörden auf den staatlichen Charakter ihres Amtes besonders hingewiesen werden sollen. Es geschieht dies, wie aus einem Erlaß der königl. Regierung zu Stettin zu entnehmen, dadurch, daß den Schul-Inspektoren eröffnet wird, sie seien zur Fortführung dieses ihres Amtes im Auftrage des Staates bestätigt. Es ist dadurch jeder Einzelne vor die Wahl gestellt, entweder auf die Ausübung der Schulaufstcht in der bisherigen Weise, wenn er sie mit seinem geistlichen Amte unvereinbar hält, verzichten oder seine unbedingte Unterordnung darin unter die Staatsgewalt anerkennen zu müssen.
Berlin, 26. März. Die Mitrailleusen sind in England und in Oesterreich von den maßgebenden Persönlichkeiten zur Einführung als Feldgeschütz bestimmt worden, wogegen im Deutschen Reiche kompetente Stimmen die Mitrailleuse, als „nicht dem Geiste unserer Taktik entsprechend", entschieden, wenigstens als ständiges Feldgeschütz, verwerfen.
Köln, 25. März. Gestern Nachmittag hat die Eonsiituirung der hiesigen altkatholischen Gemeinde durch definitive Annahme Der Statuten und Wahl eines Kirchenvorstandes ihren Abschluß gesunden. Die Wahl fand in der Pantaleonskirche unter reger Betheiligung statt.
Danzig. Ein hiesiger Geistlicher hatte in seiner Eigenschaft als Schul- Inspektor gegen die Bestimmungen des Magistrats eine Mädchenclasse schließen lassen, weil eine evangelische Lehrerfrau darin Strickunterricht ertheilte. Ma- gistratuS ließ sich das natürlich nicht gefallen, befahl den Unterricht sofort wieder zu eröffnen und verlangte von der Regierung, den Schul-Jnspector in Gnaden zu verabschieden. Die Regierung hat dem Anträge allerdings nur zum Theil willfahrt, nämlich dem Geistlichen einen Verweis ertheilt und ihm eine Ordnungsstrafe von 3 Thalern auferlegt.
Baden, 26. März. Die Königin von England wird fich demnächst nach Coblenz begeben, wo sie mit der Kaiserin zusammentreffen wird. (Schw. M.)
München, 25. März. Das ultramontane „Bayerische Vaterland" schreibt in edler Frechheit unterm 8. d., baß nach Zeitungsberichten bas Befinden des Königs von Preußen sehr „besorgnißerregend" sei, und fügt bei: „Es wäre doch jammerschade, wenn der König den Untergang des sogenannten Deutschen Reiches 1874 nicht mehr erleben würde."
Frankreich.
Paris, 25. März, lieber das Schicksal Bazaine's verlautet Widersprechendes. Hr Thiers möchte einen Scanval-Prockß vermeiden und sich, da ein Tadel nicht zu umgehen ist, mit einem Kammerbeschluß zufrieden geben, der den Marschall feiner Aemter und Würden entsetzte. Dagegen wünscht die republikanische Partei, und vor Allen Gambetta, daß Bazaine vor ein Kriegsgericht gestellt werde, das ihn selbst zum Tode verurtheilrn könnte.
England.
London, 25. März. Wie die Herren Social - Demokraten in Berlin es lieben, andersgläubige Arbeiter - Versammlungen mit Lärm und gar mit Knütteln zu sprengen, so fängt auch hier zu Lande die Internationale an, eine ähnliche Taktik zu verfolgen. In Cork war dieser Tage eine Arbeiter-Versammlung einberufen worden, um gegen die Wühlereien der Internationale zu protestiren; aber
Kirchliche Mu zeige
Der evangelischen Gemeinde zu Gießen.
Gottesdienst.
Am ersten Osterfeiertage, den 31. März:
Morgens: Pfarrer Dr. Seel.
Nachmittags: Mitprediger Freiensehner-
Am zweiten Osterfeiertage, den 1. April:
Morgens: Pfarrer Landmann.
Nachmittags: Mitprediger Drescher.
(Collecte für die Stadtarmen.)
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 31. März bis 6. April 1872 besorgt Pfarrer Dr. Seel.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getaufte.
Den 24. März. Dem Bürger und Kaufmann, Ludwig Limpert, ein Sohn, Rudolf Karl Emil, geboren den 8. Februar.
Den 26. März. Dem Bürger in Friedberg und Güterexpeditions-Gehülfen an der Cöln- Gießener Bahn dahier, Ludwig Wilhelm Karl Ritzel, eine Tochter, Eoa Karoline, geboren den 18. Februar.
Beerdigte.
Den 23. März. Emilie Wilhelmine Katharine Gmelin, des Bürgers und Kaufmanns zu Ludwigsburg in Württemberg, August Gmelin, eheliche Tochter, alt 14 I. 3 M- 10 T-, gestorben den 21. März
Den 24. März. Ein noch nicht getaufter Sohn des Bürgers und Kaufmanns, Karl Fuhr, alt 23 T-, gestorben den 23. März. ~
Den 25. März. Katharine Johannette Susanna Volp, geborene Kratz, des verstorbenen Bürgers und Schuhmachermcisters, Johann Heinrich Volp, Wittwe, alt 86 I. 7 M. 6 T-, gestorben den 23. März. v
Den 28. März. Georg Daniel Christian Martin Löber, Bürger und Spengler- meister, alt 62 I. 2 M- 3 T-, gestorben den 26. März-
Denselben. Eoa Karoline Ritzel, des Bürgers in Friedberg und (Suter? erpeditions-Gehülfen an der Cöln-Gießener Bahn dahier, Ludwig Wilhelm Karl Ritzel, eheliche Tochter, alt 1 M. 9 T., gestorben den 27: März.
Bßrsennachrichten.
28. März 1872.
Aetien.
50/0 östr. F. St. E. B. 4131/2
Lombard. Bahn 220 Vz
Ludwlgsh.-Bexbaoli 2071/4
Maxbaln 1501/4
Bayer. Ostbahn 1503/4 Rhein-Nahebahn-Aot. — Hess. Lndwigsb.-Aet. — Oberhessen w 867/s
Wechsel.
Amsterdam k. S. 98%
Augsburg k. 8. 99%
Berlin k. S. 104%
Bremen k. 8. 96%
Brüssel k. 8. 93%
Hamburg L 8. 87%
Leipzig k. 8. 105
London k. 8. 118%
Lyon k. 8. 93%
Paris k. 8. 93%
Wien k. 8. 106
ditto m. 8. —
ditto I. 8. 105%
Dlsconto 31/2 0/0
Preuss. 4%% Oblig. 103%
Frankf. 3%% Obi. 89
Nase. 4%% Obi. 100% Kurhess. 4% n 943/8
Gr. Hess. 50/0 Obi. 1033/4
» n 4% n 97«/2
„ 3i/ao/o fi 94i/2
Bayer. 5% T 100 ‘/a
„ 41/2% 1jährige 991/3 „ 40/0 1jährige 953/4
Würtemb. 41/3 o/g Obi. 997/a Baden 4i/2% Obi. 0. E. L. 100 Oesterr. Silberrente 64%
„ Papierrente 59 Spanier, neuest. 3% 30 % Amerik. Bonde 1881r 100%
_ „ 1882r 96
, n 1885r 971/4
„ „ 1887r 98% _
Aetien.
Frankf. Bank 145
Frankf. Vereins-Kasse 147%
Darmst. Bankact. 488
Wien Bankactlen 891
Oest. Creditaot. 368
Galizien 275
Prioritäten.
30/0 öster. Stsb.-Prior. 60
3°/0 öst. s. Lombard 51%
3O/o Livorneser 40%
50/o Toscaner 61%
50/0 Eüsabeth.-Prior. — do. H. Emlss. 831/4
Geldtorten.
fl. kr.
Pr. Friedrdor 9 57—58 Pistolen . • 9 40—42 „ doppelte 9 40—42
Holl. fl. 108t. 9 53—55 Ducaten . . 5 32—34 20 Frankenst. 9 21%—22</t Engi. Sover. 11 47—49 Buss. Imper. 9 40—42 Dollar in Gold 2 25%—26«/,
AnlehenelooHe.
Kurh. 40 Thlr. Loose 72% Nassau 25 fl. 45% Braunschweiger — 30/0 Oldenburg, ä 40Thlr. — 4% bayr. Präm.-Anl. II31/2 Ansbacher 7 fl. 13% 40/g badische Loose 113% Badische fl. 35 Loose 70% Oestr. fl. 250 v. 1854 84% 1858r Prioritätsloose 204 1860r Loose 93% 1864r w — Stadt Floren* 86
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