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Aus Baden, 29. Sept. Wenn Irgend etwas der altkatholischen Bewegung förderlich sein mutz, so ist eS der fanatische Uebereifer ihrer ultramontanen Geg­ner und ein Vergleich zwischen diesen und den Führern der Altkatholtken. Wie sehr wir selbst in Manchem eine Halbheit erblicken müssen, dem Ernste, tei Würde, der Begabung der altkatholischen Führer werben wir die Anerkennung nicht versagen können. Und nun halte man der Sprache bedeutender Männer, denen kein Einsichtiger die schuldige Achtung verweigert, das tolle Gebälfer, die bis zur Pöbelhaftigkeit herabsinkenven injuriösen Ausfälle der Ultramontanen ge­genüber! Das kühle Herbstwetter hat, wie es scheint, die hohe Temperatur für Wallfahrten noch nicht herabbrücken können. Für ben 6. October (also zu- sammenfallenv mit der grotzennationalen Wallfahrt" nach Lourdes) ist wieder ein allgemeiner Bittgang für den Papst nach der Wallfahrtskirche Engelwies (bei Mctzkirch) anberaumt. Ob diese Processionen nichtSnutzenven Falles auch bei Schnee und Eis fortgesetzt werden sollen ?! (Franks. Journ.)

Straßburg, 29. September. Die Regierung des Reichslandes hat einen neuen Beweis ihrer humanen Fürsorge und Liberalität in diesen Tagen abgelegt. Se. Exc^llcnz der Herr Ober-Präsident von Elsatz-Lothringen hat die bedeutenve Summe von 350,000 Fr. als Unterstützung der während des Bombardements der Stadt schwer verletzten, unbemittelten Einwohner aus LandeösondS angewiesen. Nach den angcstrllten Erhebungen ist die Zahl der Personen, weiche in Folge dcr Beschießung beschädigt wurden und hierdurch einen bhtbenben Nachtheil an ihrem Körper erlitten, ziemlich groß. Schon viel' Bedürftige, denen verschiedene Glied- maßen fehlen oder die erblindet sind, Haden sich zur Unterstützung gemeldet, unt] die ihnen verabreichten Geschenke werden gerade in den unteren Volkeclaffen, bei denen noch eine unverkennbare Erbitterung hauptsächlich, und wir möchten fast sagen: ausschließlich, in Folge des Bombardements besteht, zur Versöhnung der Gemüther viel beitragen. (Karlsr. Zig.)

Schweiz.

Gens, 28. Sept. Die Bischöfe Peter Joseph von Sitten, Stephan von Lausanne und Genf, Karl Johann von St. Gallen, Eugenius von Basel, Ste- phan, Bischof von Bethlehem, Abt von St. Moritz, und Kaspar, Bischof von Antipatris, Hülfsbischof von Chur, richteten unterm 24. d. ein Schreiben an Mermillod, Bischof von Hebron in Genf. In demselben erklären sie seine Sache für die ihrige, da er die Rechte der Kirche vertheioige. Die Bischöfe ermahnen Mermillod, standhaft zu bleiben. Alle Katholiken seien mit ihm, weil er, ge­treu den Worten der h.iligen Schrift, Gott mehr gehorche als ven Menschen.

Frankreich.

Paris, 30. Sept. In dem vom deutschen Botschafter in Paris nach Berlin gesandten oific cllen Berichte über die mit ThierS in vergangener Woche gepflo- genen mehrstündigen Conferenjen, confiatirt derselbe den wohlwollenden, fast herz­lichen Empfang seitens des Präsidenten und die hohe Befriedigung über die von Th erS ihm geschilderte Finanzlage des Landes, die Frankreichs Zahlungsfähigkeit und den Willen zu zahlen über jeden Zweifel erhebe. In die Staatskassen seien seit dem 28. Juli iy4 Milliarden eingezahlt worden und das Finanzgouverne- ment sei.bemüht, den vorläufigen Ueberschußsummen wieder nutzbringenden Abzug zu verschaffen. Seinerseits soll Arnim den Präsidenten auftragsgemäß versichert haben, daß nicht nur Deutschland allein, sondern auch die Staats- und Finanz­männer Gesammteuropas jede Rücksicht bis zur äußersten Grenze beobachten werden, um die bisher beispiellose Finanzoperation Frankreichs zu erleichtern und jeder möglichen Krise vorzubeugen.

Italien.

Rom. Die seit Monaten zwischen der italienischen und französischen Re­gierung herrschende Spannung nimmt einen immer akuteren Charakter an; es treten immer neue Streitpunkte auf, welche die auf anderen Gebieten bereits schwebenden Confl cte noch wkiter zu verschärfen droht. So hat jetzt Frankreich gegen Vie Einziehung der römischen Kirchengüter, soweit dieselben für Anlehen ver­pfändet worden, als deren Garant es eingerrelen, Protest erhoben. Italien aber gibt das Recht eines solchen Protestes nicht zu.Wir würden es lebhaft bedauern so lautet eine Stelle der letzten Depesche wenn ein Anspruch aufrecht erhalten werden sollte, dessen Berechtigung wir kraft der Unabhängigkeit der inneren Gesetzgebung niemals anerkennen können und werden."

Wenn diebedeutungsvollen" Nachrichten, welche ein Wiener Correspondent desNbg. K." aus dem Vatikan erhält, sich bewahrheiten sollten, so stände man in Rom am Vorabend einer Katastrophe. Der betreffende Correspondent schreibt: In der jüngsten Zeit ist der Papst ganz unnahbar geworden. Er ertheilt keine Audienzen, auch keine diplomatischen. Nur wenige Personen seiner vertrautesten Umgebung verkehren mit ihm. Für die Cardinäle, auch für den Staatssekretär Antonelli, ist er nicht mehr sichtbar. Er selbst äußerte, er müsse sich nunmehr auf seinen Tod vorbereiten. Unter diesen Umständen scheint Antonelli die projectirte Reise, die ihn auch nach Wien und Berlin geführt hätte, aufgegeben zu haben. Er kann eS nicht darauf ankommen lassen, beim Eintritt der Katastrophe von Rom abwesend zu fein. ______________________________________________

Vermischtes.

Ein herzergreifender Vorgang wird von den Londoner Blattern veröffentlicht. Am letzten Donnerstag stürzte sich namUch eine junge, elegant gekleidete Dame von der Waterloobrücke ans in die Themse und wurde, ungeachtet ziemlich rasch Hülfe bei der Hand war, tobt auS dem Wasser gezogen. Als der Coroner zur Besichtigung der Leiche schritt, fand man in der Rock­tasche der Ertrunkenen folgenden mit sauberen Schriftzügen geschriebenen Brief: London. 3. Sep­tember 1872. High St. Sbadwell. Das Verbrechen, das ich im Begriffe bin zu begehen und

für da« ich in der Ewigkeit zu leiden haben werde, findet seine Milderung in der Tiefe meines Glends. Ich b n allein und fremd in London, besitze nicht einen Penny und keinen Freund, der mir seine hülfreiche Hand reichen könnte. Ermattet von der völligen Nutzlosigkeit meiner An-- strcngungen, eine Beschäftigung zu finden, an Allem Mangel leidend, sind meine Füße eben so müde als mein Herz Ich ziehe es vor, zu sterben, als abermals eine traurige Nacht und einen noch traurigeren Morgen zu erleben. 3d) bin erst feit neun Wochen in England und reiste von Amerika mit einer Dame de Wyk als Gouvernante nach Schottland ab. Am Morgen nach meiner Ankunft wurde ich aus Laune entlassen; man weigerte sich, mir die Mittel zur Rückreise in meine Heimath zu geben, und ich besaß nur den Betrag meines SalairS mit 3 Pfund Sterl. 10 Schillingen. Als ich die Reise nach London bezahlt, blieben mir nur noch 5 Schillinge. Was thun ? Ich verkaufte meine Uhr, aber der elende Erlös dafür schwand rasch für Wohnung, Kost und Ausgaben für unnütze Fahrten zum Zwecke der Erlangung einer Beschäftigung hin. Jetzt habe ich nichts mehr; jeder Tag vergrößert mein Elend. Keinen Freund, keine Hoffnung und keinen Pfennig im Besitz! O Gott des Himmels, verzeihe einer Sünderin, die keine Hoff­nung mehr hat, wie ich gegen die Versuchung gekämpft, aber das Schicksal ist wider mich! Ich kann die Bahn des Lasters nicht betreten, denn meine arme tobte Mutter sieht aus bem JensritS auf mich herab. Ohne Vater, ohne Mutter, ohne Freund und kein christliches Herz, das mich versteht! Ich habe meinen vollen Verstand, und das Fieber, das mich verzehrt, lange vorauS- gesehen. Ich bitte Gott, vor dem ich bald erscheinen werde, mir zu verzeihen. Adieu, du schöne und doch so grausame Welt! Alice Blanche Oswald aus Pennsylvania, 20 Jahre alt.

Musikalisches Duell, lieber ein furchtbares, bis jetzt noch nicht dagewesenes Duell be­richten amerikanische Blätter Folgendes: Zwei Musikanten, von denen der eine den andern schwer beleidigt batte, haben sich auf PianinoS geschlagen. Der Kampf hat 48 Stunden gedauert. Ohne Essen und Trinken, ohne auch nur eine Minute zu pausiren, haben die beiden Widersacher während dieser ganzen Zeit auf ihren Instrumenten herumgebrosch.n. Tanzstücke waren dabei aus­geschlossen. Einer hat 580 Mal hintereinander daS Miserere auS bem Troubadour gespielt. AlS er eS zum 581sten Male herunterorgeln wollte, fiel er bei den ersten Tacten wie vom Blitz nieder­geschmettert, tobt zu Boden. Der zweite der Duellanten hat nach dem nächsten Spital gebracht werden müssen und befindet sich in Lebensgefahr. Sämmtliche vier Zeugen legen Symptome einer beginnenden GeisteSzcrrüttung an den Tag. Die Instrumente sind vollständig, was manzer­droschen" nennt. (Wahrscheinlich hat auch der Berichterstatter das Duell mit angehört.)

Handelsbericht.

Karlsruhe, 30. September. Bei der heutigen Gewinnziehunq der badischen 35-fl.-Loose fiel der höchste Treffer von 35 000 fl. auf Nr. 197712, der Treffer von 10 000 fl. auf Nr. 85042, bet Treffer von 5000 fl. auf Nr. 25126, bie 5 Treffer von je 2000 fl. fielen auf Nr. 186853, 243786, 292982, 3*2823, 64010, die 12 Treffer von je 1000 fl. auf Nr. 47414 64023, 100462, 120989, 144020, 147769, 2103*56, 280037, 294047, 337606, 393172, 397793.

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., 30. September. Nachbem schon seit etlichen Tagen die Ultimoregu- lirung die Aufmerksamkeit bet Börse beschäftigt hatte, ging dieselbe heute relativ leicht von statten. Geld war zwar noch gesucht, ließ fich jedoch zu circa 7 Procent willig finden. Sp.culationS- effecten, die heute sehr lebhaft umqesetzt wurden, ließen anfänglich etwas nach, befestigten fich aber später. Hinfichtlich des Verkehrs in Banken scheint eS fast, als ob der heutige Tag als der Anfang der lanqprophezeiten Hausse zu gelten hätte, wenigstens herrschte auf der ganzen Linie ent­schieden Kauflust, die zunächst den schweren Actien zu gute kam, indem namentlich Provinzial- diSconto und Darmstädter sehr gesucht waren und höher bezahlt wurden. Auch österreichische Nationalbank ging in die Höhe. Ferner waren Brüsseler und Deutsche Effectenbauk sehr gesucht, Deutsche Vereinsbank und die übrigen fest. In ReichScontinental-Actien entwickelte sich heute ein sehr umfangreicher Verkehr und gingen selbe circa 3 Procent höher. Von Bahnactien ist nicht viel zu melden. Elisabeth, Buschterader, Alsöld, Donau-Drau waren zwar gefragt, ein nennenS- werther Umsatz fand jedoch nicht statt. DaS Gleiche gilt von Prioritäten. Von deutschen Bahn­actien fanden Berbacher einige B achtung. Oesterreichische Renten und Loose ohne Geschäft. Pfandbriefe beliebt. 5procentige rheinische Eredit gesucht

Frankfurt a. M., 1- October. In Folge schlechter Wiener und schwächerer Berliner CourSmeldungen verstaute gestern Abend schon die Stimmung im allgemeinen und für Specula- t ionseffccten insbesondere, und der heutige Tag brachte nicht nur keine Besserung, sondern die drei HauptspeculationSwerthe setzten sogar unter gestriger Abendnotiz ein, wobei sich nur Lombarden, für welche feste Käufer da waren, fester hielten, während Staatsbahn circa 2 und Erebitactien circa 2/2 st- schlechter als gestern Mittag verkehrten. Banken hielten sich im Großen unb Ganzen fest, das Geschäft selbst war j.boch bebeutenb weniger umfangreich als gestern unb die Preise zeigen feine nennenswerthe Veränderung. ProvinzialdiSconlo, Darmstädter unb Vereinsbank etwa- schwächer. Bankverein zahlreich am Markt. Oesterreichisch-beutsche fest. Effectenbank eine Kleinig­keit besser. ReichScontinental ziemlich fest. In Bahnen so wenig Geschäft wie gewöhnlich. Amerikaner unverändert. Süd Missouri beliebt. Loose und Prioritäten geschästSIoS. Von StaatS- papieren wurden Bayerische und Nassauer zahlreich umgesetzt. Oesterreichische Renten bei einiger Frage. Napoleons offerirt.

Börsenaachmhten.

1 Oelber 1872. i ___________________________________________________________________________________________

I Preuss. 4*/»% Oblig. 1023/< Frankf. 3V3°/o ObL 86' 2 Nass. 4V,o/o ObL 99% Kurh-'ss. 4% 94 Gr. Hess. 5% Obi.

n 4% n WS/.

n SW/o ' 95

Bayer. 5°/o 100'/8

» 4Va°/o 1jährige 100 « 40/0 1jährige

Würtemb. -W/o ObL 99?/4 Raden 4Va% ObLo. E. L. 99' 8 Oeatarr. Silberrente 647/g Papierrente 59%

Spanier, neuest. 30/0 29'/z Amerik. Bonds 1881 r 987/e

1882r 953/4

1885r 97i/4

1887r 96Vs

Aetlen.

Frankf. Bank 1443/« Frankf. Vere-ns-Ka^ee 158 Darmfit. ßankact. 511 Wien Rankaotien 936 Oeat. Oreditaot. 354 Galisien 252

AesÄem.

50/0 öatr. F* St. E. B. 348'/r Lombard. Bahn 223/2 Ludwigsh.-Bexb&ob 202

Max bahn 145

Bayer. Ostbabu 1343/fl

Rhein-Nahebahn-A.ct. 5O'/2

Hess. Ludw-Igsb.-Act. 178*/2

Oberhessen Ä 803/8

Weetawel.

Amsterdam k. 8. 98'/8

Augabarg k. S. 100

Berlin k. 8. 104?/8

Bremen k. 8. 175'/8

Brüssel k. 8. 927/8

Hamburg k. 8. 87'/4

Leipzig k. 8. 105

London k. 8. 118V4

Lyon k. 8.

Paris k. 8. 92%

Wien k. 8. 1067/8

dittc m. 8. 106Vj

ditto !. 8. 106 Vs

Dlsconto 5 %

Geldeorteae.

fl. kr.

Pr. Friedrdor 9 5859 Pistolen . . 9 4042

doppelte 9 4042 Holl. fl. 108t. 9 53-55 Ducaten . . 5 3436 20 Frankens!. 9 2122 Engi. Borer. 11 47 49 Buss. Imper. 9 4244 Dollar In Gold 3 25 26

BBrloeeitä,i45Rs«

30/0 oster. Stab.-Prior. 573/4

3% öst. 0. Lombard 51*/2

30/0 Livorneaer 38%

50/o Tosoaner 615/g

5% Elisabeth.-Prlor 85

do. II. Emise. 84

AnlehenNlooMf).

Darmstädter fl.50Loose 203

» »25 # 54

Kurh. 40 Thlr. Loose Naeean 25 fl. Brannachwelgar 217/8 30/0 Oldenburg, ä 40Thlr. 38'/. 40/0 bayr. Präm.-Anl. 4% badische Leone Badische fl. 35 Loose 69*/« Oestr. ft. 250 v. 1854 86'/2 |1858r Prioritätsldose |1860r Loose 94'/, |1864r w 160

ASLgem einer A n z e i g e r.

Besondere Bekanntmachung.

4557) Das in den Districten Hochwarte und Wanne des Gießener Stadtwaldcs versteigerte Holz mnß in den nächsten acht Tagen abgefahren werden.

Gi-ßen, de» 1. October 1872. Großh. Bürgermeisterei Gießen.

Bogt.

Versteigerungen.

4502) Freitag den 4. October d. I., Nachmittags von 2 Uhr an, sollen bei der Stadt Gießen eine Parthie leihfällige und die der Stadt zugefallenen Bürgertrieboiertel, sowie ein Acker auf der Hohleiche, die Wiese am Wismarer Weg und ein Acker in der Schwarzlach, öffent­lich verpachtet werden.

Zusammenkunft am Nassauer Hof. Gießen, den 26. September 1872.

Großherzogltche Bürgermeisterei Gießen. Vogt-

Verpachtung von Lahn- fifckereien.

4572) Die fiscalischen Fischerei-Nutzungen in der Lahn i

1) vom Atzbach - Dorlarer Grenzgraben bis an das Garbenheimer Wehr,

2) im Mühlteiche der Altmühle vom großen Wehr bis zum Ausflusse des Mühlteiches in die Lahn,

3) vom alten Bachgraben bet Dutenhofen bis zur Großherzoglich Hessischen Grenze,

welche am 31. December er. pachtlos wer­den, sollen aus sechs Jahre, vom 1. Januar 1873 bis 31. December 1878,

Donnerstag den 10. October er., Vormittags 10 Uhr, bei Wirth Kahlert zu Krofdorf öffentlich an den Meistbietenden verpachtet werden.

Krofdorf, den 1. October 1872.

Der Königliche Oberförster: v. Meibom.

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