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wir in dieser Richtung besorgen müssen, geben die Vorgänge von Meluu und Paris uns ein Zeugniß von der Stimmung auch der gebildeteren und wohlhabenderen Doltsklassen gegen Deutschland, welches auf unser künftiges Verhalten im Interesse unserer eigenen Sicherheit nicht ohne Einfluß bleiben kann. Wir müssen uns sagen, daß, obschon wir im vorigen Jahre von Frankreich ohne jede Provokation angegriffen wurden, doch die Erbitterung darüber, daß wir uns siegreich vertheidigt haben, bis in die Kreise hinauf, denen die Geschworenen, die Beamten der Staats- anwaltschaft, die Abvocaten und die Richter entstammen, eine so leidenschaftliche ist, daß wir in den Verhandlungen, welche uns mit Frankreich noch bevorstrhm, nicht blo» die Sicherstellung der Ausführung der Friedensbedingungeu, sondern auch die defensive Starke unserer Stellung innerhalb der von uns noch besetzten Departements werden in Erwägung ziehen müssen. Ew. Hochgeboren erinnern Sich, daß die letzten Verhandlungen mit Herrn Pouyer-Quertier in dem Ver- trauen geführt wurden, daß auch die Beseitigung des letzten Nestes unserer Occu- pation in einer kürzeren, als der im Frieden vorgesehenen, Frist durch gegenseitiges Uebereinkommen werde herbeigeführt werden können. Das Licht, welches die Vor­gänge in Melun und Paris auf die Stimmung und die Absichten auch der ge- bildeten Franzosen gegen uns werfen, hat dies Vertrauen verscheuchen müssen, um so mehr, als die Freunde des Rechts und der Ordnung in der Presse Frankreichs sich nicht stark genug gefühlt haben, daL Verhalten der Geschworenen, der rechts­kundigen Personen und des beifallspenvenden Publikums öffentlich zu verurtheilen. Die wenigen Stimmen, welche sich zu einer schüchternen Mißbilligung ermuthigt haben, begründen dieselbe nur mit der Rützlichk»itsrücksicht, daß die Deutschen durch ihre Occupation jetzt noch im Stande seien, Frankreich Schaden zu thun, keineswegs aber mit der Erklärung, daß die Art der R chttprechung, wie sie statt- gesunden, mit den ewigen Grundsätzen der Gerechtigkeit, der staatlichen Ordnung und mit dem Stande der heutigen Eivilisation unerträglich sei. Es scheint also, daß auch diese schwachen Zeugnisse für das Recht verstummen würden, sobald unsere Occupation beseitigt wäre.

Ew. Hochgeboren wollen gefälligst diese Btrachtungcn Herrn v. Remusat vortragen, ohne, wie ich wiederhole, denselben irgendwie eine Wendung zu geben, welche eine diesseitige Verstimmung gegcn die Regierung der Republik vermuthen lassen könnte. Ew. Hochgeboren wollen vielmehr vorzugsweise Gewicht auf das Bedauern und die Enttäuschung legen, welche wir darüber empfinden, daß un­mittelbar nachdem wir in den letzten Verhandlungen die unzweideutigsten Beweise von Entgegenkommen gegeben hatten, Erscheinungen zu Tage knien konnten, angesichts deren ich unsere Hoffnungen auf Wiederbelebung des gegenseitigen Ver­trauens leider als verfrüht bezeichnen muß.

(gez) Bismarck.

Berlin kommen, zu deren Ehren große Hoffestlichkeiten staltfinden sollen. Später dürste auch Kaiser Franz Joses in Berlin einen Besuch machen.

Berlin, 27. Dec. Wie verlautet, hat der König von Spanien dem Prinzen Friedrich Karl das goldene Vließ verliehen. Gestern trat das Staatsministerium zu einer Sitzung im auswärtigen Amt zusammen.

Köln, 20. December. Anfangs dieser Woche pasfirte eine Sendung von 139,000 unbearbeiteter Gewehrschäfte, von Rußland kommend und für Frankreich bestimmt, unsere Stadt. Wie wir hören, ist dieses die vierte derartige Sendung, woraus hervorgeht, daß unser Nachbarstaat bestrebt ist, sich hinsichtlich seiner Waffen allen Ernstes zu complettiren.

Aus dem Ober-Eisaß. DieHeid. Ztg." entnimmt einem Privatschreiben aus Kienzhcim folgende, für die Stimmung in den ländlichen Kreisen von Oder- Elsaß bezeichnende Stelle. Wir haben alle Ursache, zufrieden zu sein, daß wir Deutsche geworden, indem sich für unsere Lan^esprovukre solche Absatzwege öffneten, Die wir Anfangs nicht ahnten. So hat unter Anderm der hiesige und in der Umgegend gezogene Wein feine Abnehmer in Nordveutschland, und es sind hier­für sehr hohe Preise, btS zu 77 Fr. pr. 150Ltter, erlöst worden. Daß für das Schulwesen bei uns jetzt so viel geschieht, erkennt jeder überlegende Familienvater an. Die früheren Zustände hierin waren traurige und öffnen jetzt Manchem die Augen.

Paris, 27. Dec. DerMoniteur des CommuneS" nennt die Depesche des Fürsten Bismarck geeignet, das Land über die wahren patriotischen Pflichten in den gegenwärtigen Umstanden zu belehren und empfiehlt Mäßigung, Ruhe und Gerechtigkeitssinn. DerMoniteur verurtheilt ganz entschieden die Aufreizungen, welche die Lage ver occupirten Departements verschlimmerten und hierdurch Frank­reich neue Urbel zusügten. DieGazette des Tribunaux" veröffentlicht einen Brief des VertheivtgerS von Tounelet, Advocat Lachaud. Derselbe sucht darin Den Beweis zu führen, daß Tounel-.t nur deshalb freigesprochen worden sei, weil er sich im Zustande gerechter Nothwehr gegenüber einem deutschen Soldaten be­funden habe, der ihn nach vorausgegangenem Wortwechsel mit dem Säbel in der Faust angegriffen habe. Die französische Justiz sei also erwiesenermaßen ohne Makel geblieben.

London, 27. Dec. Die englischen Zeitungen verurtheilen einstimmig die Auffassung der Bismarck'-chen Depesche durch die französische Presse. DieTimes" erklärt: Fürst Bismarck maßte nothgedrungen die schärfsten Ausdrücke brauchen und konnte der ganzen Sachlage «ach die Note nicht zurückhalten.

Bukarest, 27. Dec. In der heutigen Kummersitzung erklärte der Minister­präsident, daß das Ministerium aus der Annahme des RegierungSprojectes in der Eifenbahnfrage eine CabinctSfrage machen müsse und sich eventuell feine Demission oder Die Auflösung ter Kammer vorbehalte.

Friedberg, 23. December. Am Mittwoch Abend, zwischen 5 und 6 Uhr, brach tn der Hosraithe des Gastwirths Reußzum golvnen Fäßchen" dahier Feuer aus und alsbald standen Scheuer und Stallungen in Hellen Flammen, welche sofort auch die Oeconomiegebäude des Nachbars, Bucksteinfabiikanten Ulrich, ergriffen und die anstoßenden Wohnhäuser aus's Ernstlichste bedrohten. Nur der angestrengtesten Thätigkeit und unermüdlichsten Ausdauer der rasch aus der Brand­stätte erschienenen Löschmannschaften aus Stadt und Umgegend, und ganz beson­ders unserer beiden Feuerwehren, ist zu verdanken, daß das Feuer auf seinen Herd beschränkt blieb und die Wohnhäuser gerettet werden konnten. Wie verlautet,

soll ein übelbeleumundeter, mehrfach bestrafter Bursche, welcher sich selbst bei der! Polizei als Brandstifter angegeben habe, gefänglich eingezogen worden fein. Die eingeleitete Untersuchung wird ergeben, inwiefern Die Angaben des Verhafteten be­gründet sind.

Aus Oberhessen. Dem Vernehme» nach hat die Köln-Mindener Bahn Den Bau Der Linie Aiöfeld-HerSfeld beschlossen, zur Herstellung der Verbindung zwischen der Oberhesstschen Bahn und Thüringen. Der Oberhessischen Bahn wird dadurch eine bedeutende Ausdehnung ihres Betriebs gesichert.

Darmstadt, 27. Dec. DieDarmst. Ztg." mdoei die durch Den Groß. Herzog erfolgte Verleihung von 21 Dekorationen an Offiziere; fämmtliche Mit­glieder des abtretenden KriegswinisteriumS seien besonders ausgezeichnet worben.

Darmstadt, 27. Dec. Zufolge einer Verfügung der Normal-AichungS- commijsion in Berlin ist, im Hinblick auf die dermalige Ueberlastung der Aich- ämter, die mit dem 1. Januar 1872 ablaufende Frist für Die Umstempelung Der seitherigen Landesgewichte bis zum 1. Juli 1872 verlängert worden. Von den Hohlmaßen, insbesondere den FlüssigkeitSmaßen, bezüglich welcher sich die Aich- ämter in einer beinahe noch größeren Verlegenheit befinden, ist in Der gedachten Verfügung nicht die Rede, und es wäre dringend zu wünschen, daß auch in dieser Beziehung Die festgesetzte Frist verlängert und der 1. Juli auch für die Flüjstg- keitSmaße als Präclusivtermin festgesetzt würde.

Darmstadt. Laut Erkenntniß der Anklagekammer des Hofgerichts wurde Der des Giftmords und Diebstahls beschuldigte Museumsconfervator Kerz nach etwa sechsmonatlicher Untersuchungshaft tn Freiheit gesetzt.

t Berlin, 22. December. Die Vossische Zeitung begeht im Februar näch­sten Jahre- das Fest ihres 150jährigen Bestehens, welches in größerem Maßstabe gefeiert werden soll. Im Jahre 1722 erhielt der Buchhändler Rüdiger die Er- laubniß zur Herausgabe einer politisch-gelehrten Zeitung; da er aber einige un- wahre Nachrichten über den preußischen Staat und Berlin brachte, wurde ihm im Jahre 1740 Die Herausgabe Der Zeitung untersagt und Das Privilegium Der Buchhandlung von Haude u. Spener übertragen. Im Jahre 1751 starb Rüdiger, worauf es feinem Schwiegersohn, Dem Buchhändler Voß, gelang, das Privilegium wieder zu erhalten. Seitdem gab es zwei politisch gelehrte Zeitungen in Berlin, und erst im Jahre 1819 trat zn Den beiden eine dritte politische Zeitung. Eine ganze Reihe von Jahrgängen Der Vossischen Zeitung zeigen ein bescheidenes Klein- Octavformat und bilden nur je einen mäßig starken Band. Die Vossische Zeitung hat seit ihrer Begründung nur Drei Mal ihr Format gewechselt, zum letzten Male bekanntlich am 1. October d. I.

Nach Den neueren Festsetzungen wird sich der Kaiser im März nächsten Jahres persönlich zur Begrüßung Des Kaisers von Rußland nach Petersburg begebe». Diese Reise ist als eine Gegenartigkeit für Die außerordentlich schmeichelhafte Auf­nahme und Auszeichnung zu betrachten, welche Die preußischen Prinzen und Ge­nerale gelegentlich des St. Gesrg-Ordensfestes in Petersburg gefunden und welche seitens des hiesigen Hofes mit großer Befriedigung wahrgenommen worden ist. Anderseits verlautet mit großer Bestimmtheit, im Februar künftigen Jahres würde eine größere Anzahl Deutscher Fürsten, u. A. auch Der König von Bayern, nach

Local-Notizen.

Gießen, 28. Dec. Nach dem amtlichen Personalbestand der hiesigen Universität nehmen in di^nr Scmeste. 306 Zuhörer an den Vorlesungen Theil. Jmmatri ulirt sind 280 Studenten. Von diesen sind 251 Inländer und 29 Ausländer. Auf die einzelnen Lehrfächer vertheilen sich dieselben fol­gendermaßen: Theologie 19; Rechtswissenschaft 65; Medicin 58; Thierarznelkunde 11; Eameral- wissenschaft 5; Architektur 14; Forstwissenschaft 16; Mathematik 11; Philosophie und Philologie 53; Pha-macie und (Lhemie 28. In Marburg befinden sich immatriculirte Studenten 403, darunter Mediciner 194.

Horgeuaachrichten.

27. December 1871.

Aetleet.

5O/o östr. F. St. E. B. 3931/4

Lombard. Bahn 206 */2

Ludwigsh.-Bexbaoh 200

Maxbahn 1431/4

Bayer. Ostbahn 145

Rhein-Nahebahn-Aot. 391/2

Hess. Ludwigsb.-Aet. 187

Oberhessen 79/2

Wechsel.

Amsterdam k. 8. 983/4

Augsburg k. S. 993/4

Berlin k. 8. 105

Bremen k. 8. 96

Brüssel k. 8. 925/8

Hamburg k. 8. 87

Leipzig k. 8. 1043/g

London k. 8. 1173/g

Lyon k. 8. 911/2

Paris k. 8. 911/2

Wien k. 8. 991/2

ditto m. 8.

ditto 1. 8.

Disoonto 4 %

Preasa. 4^2 % Oblig. 102 Frankl. 3^2% Obi. 87 Ve Nass. 41,/3 °/q Obi. 987/s Kurhess. 4% 92l/z Gr. Hess. 5% Obi. 103'/. » n 4% » 961/8 n » 31/8o/o 92

Bayer. 5% 100%

41/2% 1jährige 100

40/g 1jährige 95 Würtemb. 4i/2o/fl Obi. 995/s Baden 4/2o/o Obi. 0. E. L. 993/Ä Oesterr. Silberrente 61 */2

Papierrente 52

Amerik. Bonds 1881r 1011/1

1882r 961/4

1885r 98i/4

n » 1887r 991/8

Spanier, neuest. 3®/0 327/s

Prioritäten.

30/0 öster. Stsb.-Prior. 58

3°/o öst. s. Lombard 797/6

30/0 Livorneser 375/8

5% Toscaner 59

5% Elisabeth.-Prior. 8IV2 do. II. Emiss. 791/2

öeldsorteu.

fl. kr.

Pr.Friedrdor 9 57i/2581/g Pistolen . . 9 4042

doppelte 9 4042 Holl.fl. 108t. 9 53-55 Ducaten . . 5 3335 20 Frankenst. 9 1718 Engi. Sover. 11 4547 Kuss. Imper. 9 4143 Dollar in Gold 2 24*/a'25^

Anlehenslooae.

Kurh. 40 Thlr. Loose 68% Nassau 25 fl. 44

40/g bayr. Präm.-Anl. 112i/2 Ansbacher 7 fl. 121/0 40/g badische Loose HO Badische fl. 35 Loose 68 */2

3% Oldenburg, ä 40ThIr. 361/2 Oestr. fl. 250 v. 1854 79/2 1858r Prioritätsloose 190 1860r Loose 883/4 1864r n 1401/2 Braunschweiger 191/4 Stadt Florenz 83

Aetien.

Frankf. Bank 1381/4

Frankf. Vereins-Kasee 1241/2

Darmst. Bankaot. 461

Wien Bankaktien 810

Galizien 2561/4

Oest. Oreditact. 3267/s

Frankfurt a. M., 27. December. Börsenbericht. Nachdem die Weihnachtöfeiertage vorüber und fast Jedem zu diesem Feste eine kleine oder größere Ueberraschung und Freude be­reitet war, fand die heutige Börse auch eine Ueberraschung, aber nicht angenehmer Art; nnmltcy da« Geld für die bevorstehende Ultimo-Prolongatur zeigt sich ungewöhnlich knapp. Die seit Wochen befürchtete Kalamität ist eingetreten, Speculationspapiere finden nur äußerst schwierig em Unter­kommen, Speculanten zahlten heute willig 7 Proccnt Zinsen, um ihre Papiere zu versorgen. Day unter diesen Umständen von einer großen Geschäststhätigkeit nickt die Rede sein kann »st natür­lich dennock müssen wir die Tendenz der Börse als eine sehr feste schildern, da die (Sourse rroy der Geldnoth sich fest behaupteten.

Silberrente wurden bezahlt ä6V/4. Creditactien 326V2. Staatsbahn 393. ^ombatbe* 206Vr 1882er Amerikaner sehr offerirt, da man die Kündigung der HL u. IV. «Serie sur eie nächste Zeit sehr wahrscheinlich hält. ,

Von Wechseln London sehr offerirt 117Vt6. Wien 99$/«. Pari- 973/e.

Eoupons matt. Amerikaner fl. 2. 22%. Silberrente fl. 24. 21. ,

Frachtbriefe für die Main-Weser-, Cöln-Mindener und Oberhesslsche Eisenbahn, sowie fämmtliche zollamtliche« Formulare, sind zu haben bei W. Klee, am Markt.