Gießener Anzeiger
Donnerstag den 29. Juni
1871
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allen Teilnehmern der Mir zu-
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Preis vierteljährig 1 fl 12 fr. mit Bringer lohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 fr.
„Nus Veranlassung des am 16. d. M. stattgehabten Einzuges der siegreichen deutschen Truppen in Meine Haupt» und Residenzstadt Berlin, und der am 18. d. M. abgehaltenen kirchlichen Friedensseier sind Mir aus den verschiedensten Theilen Deutschlands von Gemeinden, Fcstgenoffcnschasten und einzelnen Personen, und welche außerhalb des Vaterlandes weilen, herzliche Glück-
t Der „Reich-. Anzeiger" veröffentlicht nachstehendes kaiserliche Dank- chreiben:
Erscheint täglich, mit Ausnahme Montags.
Expedition: Lanzleiberg Stt. B. Nr. 1.
Der Kaiser wird Freitag, den 30. Juni, Vormittags, Berlin per Extrazug verlassen und über Magdeburg, Oschersleben und Braunschweig nach Hannover fahren, wo er im GeorgSgarten Absteigequartier nimmt. Am Sonnabend Vormittag wird die Besichtigung der Truppen stattfinden und der Vorbeimarsch der- selben am ^tandegarten erfolgen. Um 11 Uhr desselben Vormittag- wird der Kaiser die Rerse über Kreiensen, Cassel, Gießen nach EmS fortsetzen, woselbst er um 8 Uhr Abend- eintrifft.
_ t Dom 1. Juli c. ab können bei jeder Postanstalt des Elsaß und Lothringens Packete ohne Werthangabe, sowie Packete, mit Werthangabe (Geld- und Wirty- Sendungen) zur Beförderung nach allen anderen Postorten des Elsaß und Lothringens angenommen werden. Auf die Sendungen kommen die in der Verordnung vom 25. April c. enthaltenen Tarife in Anwendung.
Allerhöchste EabinetSordre vom 14. Juni c. bestimmt, daß die be- stehende Elnthnlung der deutschen Reichsarmee in Armee-Abtheilungen künftig fort- fallen soll und dafür Armee-Jnfpektionen zu bilden sind, welche sämmtliche Corps des deutschen Retchsheere« umfassen, und zwar: die 1. Armee-Jnspcktion das 1., a* ""d 6. Armeecorps, die 2. Armee * Inspektion das 4., 7. und 9. ArmeecorpS, 3. Armee-Inspektion das 8., 12. (königlich sächsische) , 14. und 15. Armee- cDrl)« , die 4. Armee - Inspektion das 11. und 13. (königlich württembcrgische) ttrmeecorps , auch soll dem General - Inspekteur dieser letztern die periodische In- piztrung des 1. und 2. königlich bayerischen ArmeecorpS übertragen werden, zu welchem Zwecke diese beiden Corps der 4. Armee-Inspektion zugetheilt sind. Die Ernennung der Armee-Inspekteure, welche den Titel „General-Jnspekteure" führen, owie die denselben zu ertheilenden Befugnisse, ist weiterer kaiserlicher Entschließung Vorbehalten. Das 2., 3. und 10. ArmeecorpS sind vorläufig einer Armee-Jnspektion noch nicht zugewiesen.
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wehren, so darf man nicht zu Repressivmaßregeln greifen, sondern muß im Gegen- (heil die freie Bewegung auf allen Gebieten des geistigen, wie wissenschaftlichen Lebens fördern, die Presse von ihren Fesseln befreien, die Schule von der Kirche trennen u. s. w., mit einem Worte: gerade das Gegentheil von dem thun, was der preußische Cultusminister v. Mühler bisher gethan bat. Die Regierung kann nur durch Gewährntig wirklicher Freiheit, nicht durch eine Scheinfreiheir, wie wir sie überall zu beklagen haben, mit Erfolg den Kampf mit den geistigen Gewalten aufnehwen, sie muß die Massen für sich zu gewinnen suchen, nicht aber von sich zuruckstoßen und am Ende in die Arme der Katholiken führen.
Letztere werden jetzt ihre ganze Kraft und ihren ganzen Einfluß daran setzen, um da« Gros des katholischen Bolle« an sich zu fesseln, ja, cs wäre nicht un- möglich, daß die dentale Partei den Kampf um ihre Stellung im Staate in das rem politische Gebiet verlegte und die Forderungen der entschieden freisinnigen Parte, aus'« Eifrigste unterstützte. Sagt doch die „Germania" heute schon: „Nur durch die Thaten auf politischem Gebiete können sie (die Katholiken) die Vor- uriheile und Anschuldigungen widerlegen, die man täglich gegen sic erhebt. Dfe befle Deckung ist der Hieb und die schlagendste Widerlegung sind Thatsachen."
Die Wühlereien der Clericalen werden also mit erneuter und verstärkter önergie betrieben werden und hoffentlich wird für un« daraus ber Bortheil reful- ttren, daß der freiheitlichen Entwickelung bei uns mehr als bisher Vorschub qe. leistet wird. Nur unter dieser Vorbedingung würde die Regierung die Erwach, i'gung erlangen, die Agitation der Clericalen, soweit sie sich nicht in den Grenzen ber Verfassung halt, rückstchlslo« zu verfolgen.
Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Hießen
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Also mehr als zwei und eine halbe Million Soldaten würden sich bei einem künftigen Krtcge, dessen Localistrung nicht zu ermöglichen ist, über Mitteleuropa ergtetzen, das immer die Knegsbühne eines großen Welt- und Völkerkricges ber- geben muhte. -Lafc die Freiheit dabei keine Seide spinnen kann, braucht nicht erst nachg'wieftn zu werden, und leider können wir eine solche Katastrophe auch nicht dadurch von uns abwenden, daß wir zur Abminderung unserer Hcereslasten schreiten, denn das wäre unter den heutigen Umständen nichts anderes als eine ormliche Einladung an die auswärtigen Mächte, uns mit Krieg zu überziehen. Wir icbcn nun einmal in einem militärischen Zeitalter. Wir sind mit Natur- nothwendigkeit darauf angewiesen, moralische Eroberungen zu machen, so miß- creditirt dtcse Bezeichnung in der letzten Zeit auch ist, und schon vor der Zeit Europa eine solche Gestaltung zu geben, daß die auswärtigen Mächte, selbst wenn sie vereint gegen uns stehen sollten, uns nicht schaden können, und eben aus diesem Grunde davon abstehen, kriegerische Actionen gegen uns einzuleiten.
Der Weltfrieden kann nur durch ein freies und einiges Deutschland dictirt werden.
1 n ** *** in »,r Sind, E«ß,n -i--„,jährlich
Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestelluna erkolat tm III. Quartal 1871 zuscnden und den Abonnementsbetrag wie früher durch Quittung erheben lassen f 9 '
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f „ außerhalb Gießen wohnenden Abonnenten beträgt der vierteljährige Abonnementsvreis 1 fl. 27 kr incl Pollauffcklaa-
SfaS seLpOnnCn nttf- bet bcrr oi)et0 fcen Landpostboten abonniren. Damit wir nun in den Stand gesetzt find, die Auflage äs Blattes bestimmen zu können, ersuchen wir Alle, welche auf den Gießener Anzeiger noch abonniren wollen dies sofort iekt bei hrr^ifmpn
^Ofian|laIt °bet ben ^"kpostboten zu thun, da wir uns sonst nicht verbindlich machen können, vollständige Erem/larc
f Die Redaktion.
. _ , t Die Stärke der stehenden Heere
m Europa konnte schon vor dem Jahre 1866 eine außerordentliche genannt wer- den, in Zukunft aber wird sie eine wahrhaft furchtbare Macht darstelltn. Wir wollen bei der Aufzahlung der einzelnen Heeresftarken die Kontingente der kleineren unb mittleren (Staaten gar nicht in Betracht ziehen, obwohl auch diese wesentlich vergroßett sind, sondern nur die activen Armeen der großen europäischen Continental- machte, Rußlands, Frankreichs, Oesterreichs, Italiens und des deutschen Reiches in s Auge fassen, um den obigen Ausspruch zu begründen.
. 1866 verfügten die genannten fünf Mächte zusammen über kaum andert-
ljait> iKtatonen Feldsolbaten, und zwar kamen davon auf Preußen 350,000 Mann, auf Oesterreich 350,000, auf Frankreich 300,000, auf Rußland 300,000, die es außerhalb seiner Grenzen verwenden konnte, und auf Italien 200,000 Mann.
^nnnnr?™ flber .W°" to<rfc Srankreich eine reguläre Feldarmee von min- Men« 500,000 Mann wieder ausgerüstet haben, die au« 30 Divisionen besteht, M Division allein an Infanterie 13,000 Mann in vier Regimentern
6 Bataillonen und ein Jägerbataillon stark sein wird. - Rußland verfügt ”ad> kem neuesten Organisationsplan über 47 Infanterie-Divisionen mit 188 Re. f"*1''"111 40 Jägerbataillonen; e« wird davon schon in fünf Jahren immer- M mmbe^en« 32 Divisionen zur Operation im Felde verwenden können, jede Division etwa 16,000 Mann stark, also in runter Summe eine halbe Million. toel*7 ,1'1 Seg'nwartig die Durchführung einer Heere«organisation beschlossen, 400 oon m Victor Emanuel'« ermöglichen wird, im Falle eine« Kriege«
si-b da« feine" ®nnje" ’u concentriren. - Oesterreich hat, e« läßt
ordentliche A ^"kennen, seit dem Jahre 1866, zumal in der letzten Zeit, außer- , in weit kürzerer Frist al« früher eine zahl- i
iftflfl4 , allerdinas aüch"?»"r!.".' ^^m« im Felde aufzustellen; seine Landwehren werden ueui,eyiand« von Ge halten kennen ^,«"r ae» / nlemals t,n vergleich mit den deutschen au«, selbst von Deutschen, , material baiu' ’ gegenwärtig auch an allem nöthigen Kriegs- wünsche zu dem mit Gottes Hilfe nun beendigten glorreichen Kriege "telearavbisch
kann nicht auf dem Felke der au^Swär^genVolM^sondern auf dem Gebiete der Sei» rnttTeii-ct 'wnt^Über^eme" balb^Milli "Z Ca6 d-utschk
SÄ 6,r Ullramonianen ^Umstanden 800,000 Mann außerhalb" der'Gnnze"n De7t°schland« verwendet


