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Preis diecreljährig 1 fl. 12 tr. mit Bringerlohn. Durch die Post oezogen vierteljährig 1 8. 27 fit.

Erscheint täglich, mu Aus­nahme Montags.

Expedition: Canzleiber, ßlt B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Nr. 122. Samstag den 27. Mai 1871.

Bestellungen auf den Gießener Anzeiger au<*

Brodpreife vorn 27. Mai bis 3. Juni 1871,

nach eigener Erklärung der Bäcker:

4 Pfund gemischtes Brod 21 fr. 2 Pfund gemischtes Brod lO1/2 fr. 4 Pfund Roggenbrod 18 fr. 2 Pfund Roggenbrod 9 fr.

A m t licher T h e L L.

Gefundene G e g e n st a n d e :

Ein Pelzkragen, angeblich am 10. December o. I. auf der Eiienbabn, neben der Weiche, zu Lang-Göns gefunden, ein brauner Henfelkorb, ein Maaßstab, einige Taschenmesser, ein kurzer dicker neuer Hohlschlüssel, mehrere große Schlüssel, drei mittelgroße Schlüssel und ein in Messingblech eingefaßtes rundes Spiegelchen in der Größe eines Thalers.

Die Eigenthümer werden aufgefordert, sich binnen 3 Wochen bei uns zu melden, widrigenfalls diese Gegenstände auf Verlangen an die Finder zurückgegebcn oder später zu Gunsten der Armenkasse weroen versteigert werden.

Gießen, den 26. Mai 1871. , Großherzogliche Polizei - Verwaltung der Provinzialhauptftadt Gießen-

Nover.

PoIit i s ch e r T h e t l.

26. Mai.

lieber die in englischen Blättern so viel besprochene Unterstützung, welch; die Dersaillcr bei ihren letzten Operationen seitens der deutschen Truppen erfahren hoben, liegen uns jetzt nähere Angaben vor, welche unsere an dieser Stelle aus­gesprochene Dermuthung bestätigen, daß diese Unterstützung keine dirccte, mit ter Waffe in der Hand sein könne. Die Hilfe beschränkte sich vielmehr darauf, daß die deutschen Truppen seit dem Abend des 21. Mai Pans im Norden abschlcssen, indem sie Niemand hinein, noch hinaus ließen.

Was aber folgt nun, wenn Herr Thiers mit seiner Regierung und ter Nationalversammlung in das durch seine eigenen Bürger verwüstete Paris ihren Einzug gehalten? Wird Herr Thiers seine schon in Versailles kundgegcbcne, Ab- sicht, nach dem Fall der Hauptstadt die ihm ert'heiltcn Vollmachten in die Hände der Nationalversammlung zurückzulegen, wirklich zur Ausführung bringen? Wird sich die Mehrheit der Stimmen auf einen Nachfolger einigen, oder wird Frankreich dos Schauspiel blutiger Parteikämpfe fortfetzen? Das sind Fragen, welche bei dem Charakter ter Franzosen, wie er sich in der letzten Zeit docomentirt hat, schwer zu beantworten sind, deren Entscheidung jedoch die nächste Zukunft in ihrem Schooße birgt.

Jedenfalls muß die junge Republik vor den Umtrieben und Jntriguen der Bonapartisten und Orleanisten auf der Hut sein. Wir wissen nicht, wie viel Wahres an dem Gerüchte ist, welches den General Mac Mahon, .den augenblick- lichen Oberbefehlshaber der Versailler Truppen, sein durch den Fall von Paris noch erhöhtes Ansehen bei der Armee und Bevölkerung zu Gunsten der bonapar- tistischen Partei ausbcuten läßt; wie wenig man aber an eine Anerkennung ter jetzt in Frankreich herrschenden Verhältnisse in Chiselhurst denkt, geht zur Genüge aus tcm imObserver" veröffentlichten imperialistischen Programme hervor, dessen Inhalt wir in ,Folgendem zusammenfassen:Die Anhänger teS Kaiserreichs Haden nicht aufgehört, ihrer Bereitwilligkeit Austruck zu geben und sie sind '.vgar jetzt Willens sich ihrer Rechte, auf welche sie sich haft tcr zu verschiedenen Zeiten zu Gunsten des Kaiserreichs stattgefundencn Plebiscite stützen, zu begeben, und das Kaiserreich wiederum dem Volksvotum zu unterwerfen. Wenn dieser Vorschlag nicht genehmigt wird, werten die Imperialisten thun was sie können, um die souveränen Rechte dlS Volkes zu vinticiren. Sie werden niemals eine Regierung anerkennen, die der Nation durch eine fremde Macht cclroyirt wirt. Sie werden niemals eine Negierung anerkennen, die nicht durch ein Plebieclt ge­billigt worden. Sie halten dafür, daß, bis ein solches Plebiscit stattgefunten, dasjenige vom Mai fortdauert zu Rtchr zu bestehen, da ein Plebiscit nur durch das Volk widerrufen werden kann. Um der Sache des Frittens, ter Ordnung und einer guten Regierung Willen halten es die Imperialisten für ihre Pflicht,' dabei zu beharren, daß Frankreich noch mrwer unter der Herrschaft der vom Volke erwählten Regierung steht."

Weber den schon erwähnten Angriff der Föderirten auf das Hotel des nord- amerikan.schen Gesandten Herrn Washburne in Paris wird jetzt bekannt, daß Pa­riser Nationalgardisten am 20. Mai in die Wohnung desselben eindrangen und erklärten, daß die Neutralität desselben und ter diplomatische Charakter des Ge­sandten ferner nicht mehr respectirt werden sollte. Da ter Vertreter der Vcr- einigten Staaten gegenwärtig zugleich die Interessen Deutschlands in Paris ver- tritt, so richtete in Folge dessen General v. Fabrice am 21. früh eine Sommation an cie Commune, in welcher die Auslieferung der betreffenden Nationalgardisten binnen 24 Stunden gefordert wurde. Pascal Grousset, der Deputate der Com- mune für die auswärtigen Angelegenheiten, antwortete, ^er habe, als er von oem Gewaltfchritt am 20. Mittags gehört, ohne Verzug einen Beamten mit dem De- fehl abgefchickt, man solle die Rechte ter Gesandtschaft heilig halten und die Ver­letzer derselben vor ein Kriegsgericht bringen. Jndcß häiten sich die schuldigen Nationalgarden glflüchtet, ohne daß man vorher deren Persönlichkeit Hobe fest- stellen können. Es sei ihm daher nicht möglich gewesen, eine von ihm entschieden'

und ausdrücklich gemißbilligte That zu bestrafen, und er habe sich darauf beschranken müssen, dem amerikanischen Gesandten sein Bedauern und seine tiefe Entrüstung über die ihm widerfahrene Behandlung in einem Schreiben auszusprechen.

Die französischen clerikalen Blätter predigen jeden M.orgen die Rtstauration ; ter Monarchie von Gottes Gnaden und der Dynastie, welche, wieLe Monde" , sich salbungsvoll ausdrückt,eine Geschichte von 900 Jahren hinter sich hat und mehr Garantieen der Stabilität bietet, als eine improvisirte Macht, welche mit den Wurzeln in Cer Dngangcnhnt steht und darin c:ne Festigkeit findet, welche die Gegenwart aÜtin nicht buten kann." Diese 900 Jahre haben aber die Juli- r?volutien so wenig verhindert; gegen den Einwand, dcß die Bourbons nur mit veralteten Institutionen nach dem Muster Ludwig'S XIV. oder des heiligen Ludwig anrückten, anlwortctLe Monde" mit tcm schlagenden Argumente:Deckt sich eine alte Eiche etwa, weil sie altehrwürdig ist, iw Frühjahre mit dürren Blättern?" DerMonde" verspricht den Franzosen, die Bourbons würden sich mit dem Glück cer Franzosen beschäftigen und den Bedürsnissin der Franzosen genügen, und zwar fo viel wie möglich". Was will man mehr?

Am Sonntag wurde Rochefort mit seinem Secretär Murot als (befangener in Versailles cingebracht, in einem zwcispännigen Omnibus fitzend und von vier Polizeiagenten umgeben. Den Wagen begleiteten zwei Schwadronen Gensd'armen und Chasseurs d'Asriquk. Um sich unkenntlich zu machen, hatte Rochefort den Schnunbart abgeschnittcn; doch konnte man ihn unmöglich verkennen. Die Straßen waren voll aufgeregter Menschen, die ihrem Zorne gegen den Gefangenen laut "ust machten. Einer wagte freilich,Es lebe Rochefort!" zu rufen; dafür wurde er aber von den Umstehenden mit Prügeln regalirt und mußte von der Polizei verhaftet werden, um nur vor der Wuth der Menge geschützt zu fein. Die Straßen CcS Reservoirs, de la Pompe und die Avcnue St. Cloud hindurch wurde Roche­fort mit dem unaufhörlichen Geschrei begrüßt:Nieder mit dem Mordgesellen! Heraus mit dem Räuber! Schlagt ihn todt!" Das Volk wollte ihn aus dem Omnibus herauLreißen, um Lynchjustiz an ihm zu üben; die G.ned'armen hatten genug zu thun, um ihn sicher ins Gefängniß zu bringen. Da hat der Agitator gefchen, daß cs auch andere Orte als Paris und andere Zeiten als die Aera der Mlßvcrgnügtheit während der Napoleonischen Herrschaft gibt, wo er auf den Straßen der gefeierte DolkSmann war.

Darmstadt, 24. fflai. Vom Sonntag den 28. l. M. ab, an welchem Tage tcr erste Militärzug fiüh 7 Uhr dahier eintrifft, wird die fünfte deutsche Armee (Schlesien), 73,000 Mar.n und 7000 Pferde stark, über Darmstadt auf einigen GO Zügen, in ihre Heimath zvrückl'efördert. Es verkehren wahrend 11 Tagen tägl.ch 6 befitzte und 6 leere Mrlrtär-Züge auf der Bahn. Am Pfingstsonntage wird Vormittags etwa stündlich ein Militärzug zu erwarten sein. In derselben Zeit wird die Garde ton Bingerbrück, theils über Köln, thcils über Gießen, in 120 Zügen nach Berlin birigin werden. (M. Z.)

Darmstadt, 23. Mai. Die heute erschienene Nr. 17 des Regierungsblattes enthält:

l. Bekanntmachung Großb. Ministeriums des Innern: die Erbauung einer Verbindungebahn zwischen der Riedbahn und der Bahnlinie Mainz-Darmstadt einerseits und der Bahnlinie Darmstadt-Aschaffenburg andererseits betreffend.

II Bekanntmachung Großh. Kreisamts Offenbach, die für das Jahr 1871 zur Bestreitung der Communalbedürfnisse in dem Voranschlag der Stadt Offen­bach vorgesehenen Umlagen betreffend.

Hl Ueberficht der für das Jahr 1871 genehmigten Umlagen zur Be­streitung der Bedürfnisse der israelitischen Reltgion-gemeinden des Kreises Schottern

IV. Deügl. des Kreises Bingen.

V. Desgl. des Kreises Heppenheim.

VI. Desgl. des Kreises Dieburg.