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wenn man ihr die Macht der Conspiration und Vernichtung des Bestehenden zu- erkennt, aber die politische SchöpfungSkrast bestreitet, wenn man in der ganzen Frage nicht ein großes politisches Princip sieht, sondern eine auf niederen Beweg- gründen basirente Erhebung. ,

Das neueste Bundesgesetzblatt veröffentlicht das vom 16. April datlrte Ein- führungsgesetz zur Verfassung des Deutschen Reiches. Letztere tritt oarnach mit dem 4. Mat d. I. in Kraft.

Den bei den Feldposten beschäftigten Postbeamten, welche sich mit der Aus­sicht schmeichelten, nach Entbindung von ihrem gefährlichen und beschwerlichen Dienste einen Urlaub bewilligt zu erhalten, wird es zwar nicht sehr angenehm, aber wünschenSwerth sein zu erfahren, daß das Gesuch eines Feldpostbeamten, ihm nach der Demobilmachung einen mehrwöchentlichen Erholungsurlaub zu bewilligen, dem Generalpostamte Gelegenheit gegeben hat, die Feldpostanstalten und Feldpost­relais allgemein darauf aufmerksam zu machen, wie das Interesse des Dienstes es aufs Dringendste erfordert, daß alle auf dem Kriegsschauplätze im Feldpostoienste beschäftigt gewesenen Beamten sofort nach der Entbindung von ihrer dortigen Beschäftigung bezw. nach der Demobilmachung an ihren FriedenSstationSort zu- rückkehren.

Amtlich werden die Betheiligten darauf aufmerksam gemacht, daß nur die Staatsbehörden und diejenigen einzelnen Beamten, welche eine Staatsbehörde ver­treten, berechtigt sind, sich zur Frankirung ihrer Dienstsendungen der Dienstfrei- marken zu bedienen, Communalbehörden dagegen dieselben nicht anwenden dürfen.

In Folge allerhöchster Anordnung ist eine Commission gebildet, welche die Vorschläge zur Verleihung des gestifteten Verdienstkreuzes für Frauen und Jung- frauen einzuleiten und zu begutachten hat. Diese Commission besteht aus dem Militärcommissar für die freiwillige Krankenpflege, aus den Mitgliedern des Central- comite's der deutschen Pflegevereine und aus dem Ordenssecretär. Von Seiten der Commission ist an Ihre Majestät die Kaiserin-Königin Bericht zu erstatten. Die Vorschläge wegen Verleihung des Verdienstkreuzes haben sich aus den ganzen Umfang des deutschen Reiches zu erstrecken

Nach den bestehenden Bestimmungen ist es den Truppentheilen zur Pflicht gemacht, vor dem Verkaufe auSrangirter Militärdienstpferve deren Untersuchung in Bezug aus ansteckende Krankheiten stets mit größter Sorgfalt zu bewerkstelligen und jedes nur irgend verdächtige Thier lieber zu tocten, als durch Verkauf des­selben den Krankheitsstoff durch Uebertragung weiter zu verbreiten. Bei der Be- sorgniß, daß unter den aus Frankreich zurückkehrenden Pferden, selbst bei aller Sorgfalt der Commandeure und der Roßärzte, dennoch verdächtige Krankheiten eingeschlcppt werden können, sind den Truppentheilen und Admintstrationsbehörven, sowie Trains, die obigen Bestimmungen mit der Maßgabe in Erinnerung gebracht, die Pferde nicht nur vor dem Rückmärsche, sondern auch nach ihrem Eintreffen und vor dem Verkaufe der strengsten thierärztlichen Untersuchung zu unterwerfen und hinsichts der irgendwie verdächtigen nach Obigem zu verfahren.

ImJournal osstciel" der Commune vom 11. dS. findet man einen pathe- tischen Aufruf einerGruppe von Bürgerinnen von Parts" an ihre Schwestern, welche nach dem großen Cafe de la Nation in der Rue du Tempes zu einer Be- rathung eingeladen werden, deren Zweck die Organisirung einer bewaffneten Action der Frauen für die Vertheivigung von Paris wäre, in dem Falle, daß die Neaction mit ihren Gensd'armen sich der Hauptstadt zu bemächtigen suchen sollte. In diesem Actenstück heißt es:

Paris ist belagert, Paris wird beschossen. Bürgerinnen, wo sind unsere Kinder und unsere Brüder und unsere Gatten? Hört ihr das Grollen des Ge­schützes und die Sturmglocke, welche den heiligen Appell läutet? Zu den Waffen! Das Vaterland ist in Gefahr! . . . Bürgerinnen von Paris, ihr Enkelinnen der Frauen der großen Revolution, welche im Namen des Volkes und der Gerechtig» leit nach Versailles zogen und Ludwig XVI. abführten, wollen wir, die Mütter, Frauen und Schwestern des französischen Volkes länger ertragen, daß Elend und Unwissenheit unsere Kinder zu Feinden unter einander machen, daß der Vater gegen den Sohn, der Bruder gegen den Bruder unter unseren Augen für eine Laune unserer Bedrücker kämpfen, die da Paris vernichten wollen, nachdem sie es dem Feind ausgeliefert haben? Bürgerinnen, die entscheidende Stunde ist gekom- men. Der alten Welt muß ein Ende gemacht werden! Wir wollen frei sein! Uno nicht nur Frankreich erhebt sich, alle gebildeten Völker haben ihre Blicke auf Paris gerichtet und warten nur auf unseren Sieg, um sich auch ihrerseits zu be- sreien. Das nämliche Deutschland selber, dessen sürstliche Armeen unser Vaterland verwüsteten, da sie seinen demokratischen und socialistischen Tendenzen den Tod ge­schworen hatten, ist von dem Hauch der Revolution ergriffen und bewegt. Daher ist es auch seit sechs Monaten in Belagerungszustand und seine dem Arbeiterstand angehörigen Vertreter schmachten im Kerker. Rußland selbst sieht seine Vertheioiger der Freiheit nur hinsterben, um ein neues Geschlecht zu begrüßen, welches wiederum bereit ist, für die Republik und die sociale Umwandlung zu kämpfen und zu sterben. Irland und Polen, die nur verscheiden, um mit neuer Energie aufzustehen. Spanien und Italien, die ihre verlorene Kraft wieder finden, um an dem inter­nationalen Kampfe der Völker theilzunehmen. Oesterreich, dessen Negierung gleichzeitig die Empörungen des Landes selbst und der slavischen Gewalten nieder- halten muß. Diese beständigen Zusammenstöße zwischen den regierenden Classcn und dem Volke, bedeuten sie nicht, daß der durch 100jährigeS Blutvergießen be­fruchtete Baum der Freiheit endlich seine Früchte trägt? Bürgerinnen, der Hand- schuh ist hingeworsen, wir müssen siegen oder sterben! Vor die Thore also, auf die Barrikaden, in die FaubourgS! Sehen wir, ob die Nichtswürdigen es wagen werden, wehrlose Frauen zu maffakriren u. s. w.

Nach einem Erlaß der russischen Regierung vom 26. Februar dürfen Mon- tirungsstücke von im französisch-deutschen Kriege gefallenen Soldaten und Sammet (Plüsch) oder Tuch aus Waggons, die zum Verwundeten- und Krankentransport gedient haben, in Rußland nicht eingeführt werden.

Die amerikanischen Waffensendungen nach Frankreich, welche am 3. Sep­tember v. I. ihren Anfang nahmen und bis 28. März d. I. dauerten, umfaßten neunzehn complete Dampferladungen, repräsentirten den zollamtlichen Aufstellungen zufolge einen Gesammtwerth von 14,617,886 Doll, und bestanden aus: 609,531 Musketen, 95,350 Büchsen, 41,751) Carabinern, 35,860 Pistolen, 21,760 Ne- volvern, 116,982,954 Patronen, 10,800 Säbeln, 10,925 Bayonnetten, 420,000 Zündschnüren rc., 91 Feldbatterien, 109 Kisten Artilleriestücken, 13,382 Kisten Munition, 4775 Kisten Sattelzeug und 80,040 Tornistern.

Berlin, 21. April. Bei der gestrigen, prtnctpiell so überaus wichtigen Abstimmung des Reichstages über die Diätensrage gingen die Conservativen, die

Fortschrittspartei, die deutsche Reichspartei und die Polen streng geschlossen vor; aus den Reihen der Conservativen und der deutschen Reichspartei, den ehemals Freiconservativen, fiel nicht ein einziges Ja, aus eenen der Fortschrittspartei und der Polen nicht ein Nein. Die übrigen Fraktionen dissentirten in erheblicher Weife, am wenigsten noch das Centruin (Katholiken), denn von den 57 Mit­gliedern desselben stimmten nur 8, und zwar Ballinger, Blcll, Borowski, Freytag, Grosmann (Stabt Köln), Frhr. v. LandSbcrg, Frhr. v. Lov und v. Savigny, gegen, alle anderen für Diäten. Bei der sog. liberalen Reichspartei war der Dissens am stärksten, sie ging so ziemlich halb und halb; von 28 Mitgliedern erklärten sich 10 gegen den Diätenabzug. Das Gros der 114 Nationalliberalen stimmten mit Ja, nur 33 Wirten abweichend. Von den 36Wilden" endlich stimmten 11 gegen Diäten. Gruppirt mon die Votantm nach ihren Wahl­kreisen in Landsmannichaften, so ergibt sich nachstehendes Resultat: Provinz Preußen 18 Nein, 4 Ja; Brandenburg 16 Nein, 8 Ja; Posen 3 Nein, 7 Ja; Schlesien 22 Nein, 7 Ja; Sachsen 10 Nein, 6 Ja; Schleswig-Holstein 1 Nein, 5 Ja; Hannover 9 Nein, 6 Ja; Westfalen 3 Nein, 9 Ja; Hessen-Nassau 4 Nein, 6 Ja; Königreich Baiern 5 Nein, 25 Ja; Sachsen 4 Nein, 17 Ja; Württemberg 7 Nein, 7 Ja; Großherzogthum Baden 5 Nein, 7 Ja; Hessen 2 Nein, 6 Ja; Mecklenburg 7 Ja; Weimar, Oldenburg, Meiningen, Altenburg, Coburg, Rudolstadt, Sondershausen , Waldeck, Reuß j. L., Lippe, Lübeck und Hamburg 19 Ja; Braunschweig, Reuß ä. L., Schaumburg-Lippe, Lauenburg und Bremen 7 Nein; Anhalt 1 Ja, 1 Nein. Bedürfen diese Ziffern auch noch der Vervollständigung, so erhellt daraus doch schon jetzt, daß die Einiührung der Diäten für Preußen allein nicht möglich, für den ehemaligen norddeutschen Bund noch höchst zweifelhaft war, daß vielmehr erst Sübdeutschland mit seinen 45 Ja und nur 19 Nein den Ausschlag gab. Also auch für den freiheitlichen Ausbau Deutschlands erweist sich die Zusammenschmelzung der nördlichen und südlichen Stämme segensreich, und bleibt nur zu wünschen, baß Der Reichstag auf dem so frisch eingeschlagenen Pfade rüstig sortschreite.

Berlin. In der K. Münze ist man jetzt mit der Prägung der broncenen Kriegsdenkmünzen beschäftigt, die an alle Combattanten vertheilt werden sollen. Dieselben werden ganz in der Weise der Denkmünzen von 18131814 gefertigt werden, auf Der einen Seite nur Das eiserne Kreuz, auf Der anderen die Jahres­zahl enthaltend. Getragen werden sie am schwarz-weiß rothen Bande.

Cincinnati. Am 26. März ist in Cincinnati ein langjähriges Mitglied der deutsch-amerikanischen Presse, August Becker, gestorben. Er war 1814 zu Hochwiese im Großherzogthum Hessen geboren, besuchte die Universität Gießen, lag theologischen Studien ob und war eifriger Burschenschafter. Im Jahre 1835 gerieth er wegen feiner politischen Thätigkeit mit den Behörden in Con- flict. Nach 4jähriger Untersuchungshaft in Darmstadt wurde er wegen Be­theiligung an geheimen Verbindungen und aufrührerischen Bestrebungen zu einer achtjährigen Zuchthausstrafe verurthe'lt, bald darauf aber begnadigt. Er begab sich nach der Schweiz, wo er von 1839 bis 1848 lebte. Kurz vor Der Februar- Revolution febrte er nach Gießen zurück, reDigirte Dort ein freisinniges Blatt Der Jüngste Tag" und wurde zum Abgeordneten für Den hessischen Landtag gewählt. Doch bald wanderte er nach Den Ver? Staaten aus, wo er fast be­ständig als Journalist thätig war (Baltimore Wecker, Cincinnati Repualicaner, N. I. Demokrat, Cincinnati Volksblatt und Courier). Während Des Rebellions- Kriegs Diente er als Caplan im Steuben-Regiment.

Telegraphische Depeschen.

Berlin, 22. April. Die badische Regierung soll beabsichtigen, ihre Ge­sandtschaften im AuSlande noch im Laufe dieses Jahres einzuziehen.

Paris, 21. April, Abends. Das Bombardement ist heftiger denn je und bei Neuilly fand auch heute wieder ein starkes Gefecht statt. Die Föderirteit suchten vergeblich die Brücke bei Asnieres wieder zu nehmen. In Der Nähe des Triumphbogens ist eine Batterie errichtet, welche das Feuer Des Mont Valerien erwiedert. Dir Commune ließ Das Silberzeug ans dem Jnvalidendome wegnehmen. Die Preußen bereiten Die Räumung von Charenton vor.

Paris, 21. April. Cluserct veröffentlicht einen Befehl gegen unnöthigk MunitionSoerschwendung. Für Die Zukunft sollen Die Forts nur die bestimmte Zahl von Geschossen zur Vertheidigung erhalten.

+ Paris, 22. Aprrl. Das pariser osncielle Journal veröffentlicht einen Brief von Felix Payt, worin Dieser Die Absicht Der Commune taDelt, Die letzten Wahlen für rechtsgültig zu erklären; er werde, wenn Die Commune auf Diesem Entschlüsse beharre, aus derselben austreten. Aus demselben Grunde nahm No« gearD seinen Austritt. Das Mot D'Ordre und Der Rappel taDeln ebenfalls Di< Willkür Der Commune.

+ Paris, 22. April, Abends. Französische GenDarmen versehen Den Dien>! an Der Eisenbahn-Station von St. Denis. Man versicherte heute, Daß DU Preußen St. Denis geräumt und Die französischen Truppen Dasselbe besetzt hätten, Es heißt, die Regierung habe 500 Millionen an Die Preußen bezahlt, welch« heute Die NorDforts räumen würDen.

Die Verite sagt, Die Franzosen würDen morgen Die Forts von Charentes unD Double-Couronne besetzen.

Die Commune ließ im Bureau Der Gas-Compagnie Haussuchung halte« ui.D nahm 200,000 Frcs. weg.

Paris, 22. April. DasSoir" meldet: Die Forts Charenton unk Double Couronne werden heute von Den Deutschen geräumt und sofort von den Truppen Der versailler Regierung besetzt werden. Die Räumung und Besetzung der übrigen Forts erfolgt von Sonntag Den 23. April ab. Die Regierung von Versailles wirD sich gegen Paris defensiv verhalten und sich auf strenge Ein- schließung Der Stadt beschränken. Die erste halbe Milliarde wurde am Frei­tag Deh Deutschen zugeftellt.

A Versailles. 21. April. Die Truppen von Versailles haben das recht« Seineufer besetzt. Die Einschließung Der Insurgenten zwischen linkes Ufer unü Die Südforts ist wahrscheinlich. Pouyer Quertier hat von Fabrice Die Erlaubnis erhalten, so viele Truppen anzusammeln, als nöthig, um Die Jnsurrection zu unter- Drücken. Die Zahlung Der ersten halben Milliarde Kriegsentschädigung soll prompt geschehen. Die Insurgenten sollen angeblich Die Forts Vanvrcs und Jffy geräumt haben. Ducrot ist in Versailles mit 8000 Mann unD Clinchant in Poiffy mit 32,000 Mann. Thiers versprach in Der Fünfzehnercommission zwei entscheidende Angriffspläne auf Paris vorzulegen.

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