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Gießmcr Anzeiger.
Erscheint täglich, mit Ausnahme Montags.
Expedition : Canz leib era Ltt. B. Nr. 1.
Anzeige- imö Amtsölntt für den Areis Hießen.
Nr. 21.
MittUivch den 25. Jluuiar
1871.
Amtlicher
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Bekannt m a ch u n q.
Die Reinhaltung der Straßen betreffend.
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von °ttc u Bremen.
Ilnfere in das Anzeigcblatt aufqenommcne Erinnerunq an die, bezüglich der Reinhaltung der Straßen bestehenden Vorschriften, und die in der vorigen Woche stattgehabten zweimaligen Aufforderungen durch die Schelle hatten so geringen Erfolg, daß wir eine große Anzahl Einwohner wegen ungenügender Straßen-Reinigung zur Bestrafung haben anzeigen müssen. Wir werden fortfahrcn, jeden Tag, an welchem das Thauwettcr eine Reinigiing r'uläüt die Säumigen zur Bestrafung anzuzeigen. ö a ö p '
, Für diejenigen, welche geäußert, sie kämen billiger davon, wenn sie den Schmutz liegen und sich strafen ließen, sei die Bemerkung beigefüat daß nach §. 3bb M Bundesstrafgesetzes die Strafe für die unterlassene Straßen-Reinigung bis auf Zwanzig Thaler gesteigert werden kann
Gießen, den 23. Januar 1871. Großherzogliche Polizei-Verwaltung.
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Die Erneuerung des deutschen Kaiserthnms und die Annahme dcr Kaiserwürbe von Seiten des sicgrklchcn Trägers der preußischen Königsfront ist nicht eines jener überraschenden, tumultuarischtn Ereignisse, wie sie in Zeiten lkbdaster Bewegung und stürmischer Aufregung zuweilen wtlterschütternd den regel- Müßigen Verlauf der Dinge unterbrechen, sie ist vielmehr das naturgemäße, beucht gte Ergrbniß einer langjährigen, ohne Hast und Ucbereilung, aber stetig und unwiderstehlich vorwärts strebenden geschichtlichen Entwicklung. Sie ist der end- giltige, feierliche Abschluß des i866 zur Entscheidung gebrachten Kampfes zwischen dcm dlutschcn Rationalitaat Preußen und ter aus Deutschland hinausgewachsencn österreichischen Nationalitäten-Monarchie.
Der Gegensatz zwischen diesen beiden Mächten ist alt, tief begründet in der deutschen Geschichte. Er zeigt sich bereits in der Resormationszeit, und von der Regierung des großen Kurfülsten an dreht sich um ,hn ausschließlich und ohne Unterbrechung Deutschlands Geschichte.
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e. Vertrage bestanden ihre Probe; der Süden folgte dem Norden willig wo begeistert in dcn Kampf wider den alten Feind der deutschen Einheit, der Mc Macht vorzugsweise auf Deutschlands Zersplitterung und Schwäche begründet
rieb/ «Ugarv?
st" n Nordd. Allg. 3/* fctretbl: „Die dcfinitive Annahme der von den Fürsten unt freien Städten Deutschland« Er. Moj. t,m J)önig von Preußen anfltlragtnfn deutschen KaiserwLrde, welche tu.» die Proclamativn an da« deutsche Volk vollzogen ist, b.siegelt das inmitten de« Kriege« aufgebaute Werk der Onigung Deutschland«. Die von Er. Mas. dem Könige von Bayern an- geregte Wiedererrichtung de« deutschen Reiche« ist tatur» zu einer unumstbb- lichen Thatsache geworden und wird von nun an ihre segenbring.nde Kraft an unserem Bateilande b.thattgen, nach Auß.n die Unabbangigkeit desselben wahren und schirmen, im Innern die Rechte de« Reich« und aller seiner Glieder schützen durch treue« Festhalten an der Verfassung de« Reich«, welche von dcn Reaierun- gen und den berufenen Ve.tretern de« deutschen Volte'« geordnet ist
nn ter Geschütze, die gegenwaUtg vor Pari« da« Werk der Zerstörung voll.ie- schen"2"^"w"^"" Cr Eb?’U,t'fle S'""me de« deutschen Kaiser- mit Wün- scheu und Hoffnungen für dauernden Frieden. Denn e.n Reich de« Fried,n« Wille"?lein!7^b''b"'v1"-'' ®rT?fltn fcD tü# deutsche Reich sein nach dem Willcn sktnes Olkrhoupt.S, nach dem elnmüthig,n Willcn ter deutschen Reale-
und de« deutschen Volke«. Fern ab von nn« Allen liegen di. X ösischer'A^'abnn^durch" 'm un6 «'«'" bi» Erneuerung fran
W. h M n * . ®rt"»c" «'stützt, genügt Deutschland sich selbst:
de« llorbe r« den überhaupt Mit den kostdaren Blättern
orbr.r«, den ter Si.g verleiht, so reich geschmückt, bedürfen keiner neuen
h^tt. Unter Preußens Führung eilte die Wehrkraft des geeinigten Deutschlands von Sieg zu Sieg bis vor tie Hauptstadt des Feindes, deren, so Gott will, naher Fall uns einen baldigen ruhmvollen Frieden in Aussicht stellt.
3m Kampfe wider Frankreich bat der große Kurfürst den Grund zu der prevßi'ch-deutschln Macht gelegt, im Kampfe wider Frankreich hat König Wilhelm den Bau der deutschen Einheit vollendet. Anfang und Ziel des großen deutschen EntwicklungSprocisscS berühren sich in einem Pumte. Die Demüthigung des alten Feindes war die letzte That des mächtig der Einheit zustrebenden, aber noch unvollendetln Deutschlands. Die Siege Deutschlands haben unser Streben ium Ziele geführt.
Deutschlands Fürsten und Volker haben sich auf dem Boden der Tbatsachen, die dos Werk einer gewaltigen, wunderbaren geschichtlichen Entwicklung sind ge* stellt, indem sie dem Könige als dem Haupte des neuen deutschen Reichs- die alt, ehrwürdige Kaiserkone dargeboten haben. König Wilhelm bat in Anerkcnnuna eben dieser Thatsache, 170 Jabre nachdem sein Vorfahr die Königskrone auf sein Haupt gesetzt hat, die deutsche Kaiserkrone angenommen, und die Nation jubelt ihm, als dem ersten wahrhaft nationalen Kaiser, zu.
Auch Oesterreich stell, sich aus den Boden der Tha,fachen und e« thut wohl daran: e« ha, einen Rivalen verloren und einen Freund gewonnen. Da« deutsch Reich hat keine Ursache zur Eifersucht gegen Oeste.re.ch, so wenig wie Oest k» in dem deutschen Reiche einen Nebenbuhler zu sehen hat. Die zwischen u - . dem gebildetsten Theile der österreichischen Staatsangehörigen bestehende Stamme«. Verwandtschaft, wer, entfernt, Huben und drüben Gefühle der Eifersucht lu nädr n w"° °"d"rcn ,Reiche »i-Imehr mit dem festen Bande warmer Th.ilnahme und Sympathie umschlingen. c unv
an nCU2 t‘UlL‘te N"ch ist ein Reich de« Frieden«, eine Bürgschaft für den Weltfr.eden. So hofft e« da- Volk, so hofft e« Kaiser Wilhelm auch, wenn er nachdem er auf d.e Nothwend.gkeit, dem Reiche gesicherte Grenzen g7gen F?-n.
°ben bmg.w.esen hat, an. Schluffe seiner Proclama.ion an da« d.utsche Volk sagt. ,Un« aber und Unserem Nachfolger in der Kaiserkrone wolle G^t v.r.'ihen, allzeit Mehrer de« Reich« zu (tip, nicht an kriegerischen Eroberungen, Ä,
a- a?? a*n ^i-denbringer und Mehrer de« Reich« wird Deutschland seinen «ürruf*aft86^er htmPa n8hn' Ktnn " b'greich heimkchrt und dem Reiche al« S1■«.„Ä” £ — !■"**< «•«■*<...
Der Staat des Kurfürsten Friedrich Wilhelm war seit der Blüthe des Mittelalters die größte, ja, man darf wohl sagen, die einzige bedeutende politische Schöpfung des deutschen Genius. Im Innern brachte der gewaltige Fürst die wovernc Ltaotsidee dem in völlige Staatlosigkeit umgeschlagemn, aller LlbenSkraft ■ brraubten und nur noch zersetzend wirkenden mittelalterlichen Feudalismus gegen- Ükgreich zur Geltung. Nach Außen vertrat er an der Spitze feines jugend- lllll*'1 R __'lästigen, eben erst tem Chaos abgerungenen Staates die deutsche Sache, die von
——" unD Neich theils aus Schwache und Unfähigkeit, theils aus Eifersucht
-egen den mächtig emporstrebenden Brandenburger im Stich gelassen wurde. Er . vecksiß Mltte Deutschland vor der Gefahr, von den beiden erobernden Mächten Schweden
I. U. ill v int Frankreich als Beute getheilt zu werden.
' l'in Sohn und Nachfolger vor 170 Jahren am 18. Januar den
-----äönigst.iel annahm, entsprach durchaus den Verhältnissen; denn der große Kur» first hatte den Staat, den er neu geschaffen, zu der Mach, eint» in ganz Europa jto»tttcn Königreichs emporgehoben.
3n Friedrich Wilhelm I. sand das junge Königreich einen strengen Erzieher «d l..hrme.ster, der mit einem Organisationstalent ohne Gleichen die Staats- ---°uf 'herner Grundlage befestigte und etne Verwaltung in« Leben rief, nug inen Umrtsse noch in den Etnrichtungen der Gegenwart erkennbar sind und die preußischen Staate fein eigenartige« Gepräge aufgedrückt hat.
a 111 ti'f' Verwaltung nicht minder wie auf da« vom Vater hinterlassene
4'tr gestutzt, konnte Friedrtch der Große e« unternehmen, im gewaltigen Ringe« «t|t »teer den österreichischen Rivalen, dann wider die sämmtltchen großen Mi- It arstaaten Europa'«, Preußen zu dem Range einer europäischen Großmacht erster wtdeutung en pcrzuheb.n; und die öffentliche Meinung in dem besiegten deutschen oittch erkannte e« selbst an, daß da« siegreiche, sturmerprobte Preußen der Kern >°v Hort Deutschland«, ter deutsche Staat der Zukunst sei. B
Aber schä.fer und schärfer trat, je höher Preußen stieg, ter Gegensatz zwi- rt'n thm und Oesterreich hervor, und am schärfsten und peinlichsten gerate dann, *nn ein gemeinsame« Interesse die beiden Nebenbuhler veranlaßt hatte, sich zeit- die Hand zum Bunde zu reichen. Ein aufrichtige« tauernde« Bündniß 6flr 'ben bei dem Gegenfatze, der sie schied, nicht möglich.
Dte Lähmung Deutschland«, die Neutralisirung seiner nationalen Kraft war d, unve.metdliche Folge diese« Mißverhältnisse«. Da« Dasein zweier deutschen Goßmachte war für Deutschland eine Quelle ter Ohnmacht, ter nationalen und Ntutifoen vrntetrigung und Verkümmerung.
I)'r Jlan,Pf war unvermeidlich, und zum Heile Deutschland« führte er zu filitr ro|»en, vollständigen Entscheidung. Oesterreich, ohnehin seit Jahrhunderten »°n feinen wahren LebenSintereffen nach Osten gezogen, schied aus dem politischen -,,'u°nmitte!i. ^.'utschland, und Preußen gab zunächst dem Theile Deutschland«, b lf nMi ,* h fe nrr Mvchtsphare lag, eine sta.le politische Organisation und i iugl.tch tie nationale Verbindung mit Süddeutschland du.ch besondere Ver- nage uufreaiL


