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ihm angenehm sein würde, ihn bei dieser Gelegenheit zu sehen. Am Mittwoch nach Pfingsten machte der General dem Fürsten seinen Besuch. Sie kamen sofort auf die Stellung Oesterreich-Ungarns im Allgemeinen und Ungarns im Besonderen zu der europälschen Politik, insbesondere zu Deutschland, zu sprechen.

Der deutsche Reichskanzler soll auf das von Klapka entworfene Bild geant» wertet haben:Dieses Programm ist ein ZukunftSprogramm, und die Ungarn haben schon in diesem Augenblick einen großen, belebenden Gedanken für ihr po­litisches Handeln. Sie müssen vor Allem danach trachten, die österreichisch- ungarische Monarchie und die eigene Stellung zu befestigen und sich zum Kern der Viessälligen Bestrebungen zu machen. Machen Sie dies zu ihrer besonderen Auf­gabe, so werden Sie s hr bald und zwar im besten Sinne den Schwerpunkt der Monarchie nach Ofen verlegt haben. Man geht sehr fehl", äußerte sich der Reichs­kanzler im weiteren Verlaufe des Gesprächs,wenn man uns gegenüber den deut­schen P.ovinzen Oesterreichs Annexionsgelüste zafchrelbt. Wir streben nicht nach Erweiterung unserer äußeren Grenzen, und wir haben schon seit dem Jahre 1867 nicht danach gestrebt.

Die Gewalt der Ereignisse, nicht unsere Absicht, hat uns mit den Süd­deutschen zusammengebracht, uns Elsaß und Lothringen zugeführt. Bei den deut­schen Provinzen Oesterreichs liegt die Sache noch ganz anders. Wir bedürfen eines starken, ungeteilten Oesterreichs, weil in thm eine der Bürgschaften des europäischen Friedens liegt. Mr wollen mit Oesterreich in Frieden und Freund­schaft leben. Unsere historischen Erinnerungen weisen unö aus Oesterreich-Ungarn, als den natürlichsten Freund und Bundesgenossen des deutschen Reiches, hin; baß unsere Sprache in den Grenzen der Monarchie fast durchweg verstanden wird, baß wir so zu sagen die Cultur gemeinsam haben, ist ebenfalls ein mächtiges Bindemittel."

Die Beziehungen des deutschen Reiches zu Rußland kamen in dieser Unter­redung ebenfalls zur Sprache.Kaiser Alexander", äußerte sich der Kanzler, hat uns stets eine Loyalität bewiesen, Vie uns zu Dank verpflichtet; so lange er lebt, ist das gute Einvernehmen zwischen Rußland und dem deutschen Reiche und von Vieser Seite auch Der Friede nicht gefährdet. Was Oie Zukunft in ihrem Schooße birgt, läßt sich nicht im Voraus berechnen."

Friedberg, 19. Juni. Die Ersatzcompagnie des 1. Jägerbataillons ist heute Morgens 4y2 Uhr unter Führung ihres CommandeurS, Hauptmann Euler, nach der Residenz Darmstadt abmarschirt. Die Stadt Friedberg hat somit faktisch ausgehört, unter die Garnisonsstädte des Großherzogthums zu zählen, nachdem dieselbe länger als 60 Jahre sich dieser Bevorzugung erfreuen konnte. Zu den Dienstleistungen während der Dauer der Anwesenheit S. K. H. des Großherzogs ist em Detachement des 2. Infanterie-Regiments commandirt und in einer Stärke von 65 Mann gestern Nachmittag schon von Gießen eingetroffen. (O. A.)

Mainz , 17. Juni. Von hessischen Truppen sind bis jetzt hier eingetroffen die Ersatzcompagnie des 2. Jägerbataillons (seither in Offenbach) , das Ersatz­bataillon ves 4. Infanterie-Regiments. Die Mannschaft des letzteren ist fett gestern zum gewöhnlichen Dienste in Bewachung rc. herangezogen worden. Das Regiment selbst hat in den mehr gegen Rhein und Main liegenden Gemeinden des Kreises Großgerau Cantonnements bezogen, da es vorerst faktisch unmöglich ist, die Mann­schaften hier unterzubringen. Schon die oben bezeichneten liegen in Außenforts. Das 19. Regiment dürfte in acht Tagen abmarschiren und dann bas 4. Regiment einrücken. Während der Durchmarsch der 18. Division noch im Gange ist, sind auf den 20. b. bereits die Vortruppen des sächsischen Armeekorps im Kreise Bingen angemelvet. Mit dem heute abgehenden Transporte wirb das hiesige Depot der französischen Kriegsgefangenen gänzlich geleert und bleiben nur noch etwas über hundert Kranke zurück.' (F. I.)

Mainz, 18. Juni. Nachdem gestern am Tage die Leichtkranken adgegangen > waren, fuhr am Abend ein Zug mit noch gegen 400 Mann nach Luneville mit ^ben letzten Gefangenen des hiesigen Lagers ab, dessen größter Bestand 29,000 Mann war, welches aber während den IOV3 Monaten feiner Dauer wohl Vie doppelte Anzahl beherbergt hat. Während morgen dec Rest ber 18. Division in cem 84. Regiment hier passtren wirb, sind gestern Abenb bereits Quartier­macher Der 21. Division (G.-L. v. Schachtmeyer, 41. und 42. Jnf.-Brigade ober Jnf.-Regimenter Nr. 34 und 80, 82 und 88) eingetroffen. Der Anmarsch der Vortruppen wird übermorgen erfolgen. Der Verband der Division wirb wohl hier gelöst werden, da eines der Regimenter zu unserer künftigen Friebensgarnison gehört. Einige Tage später wird das jetzt noch zur 22. Division zählende hessische Felvartillerie-^egimenr Nr. 11 zu erwarten sein. Dasselbe ist hierher, nach Frank­furt und Wiesbaden, für den 5ruDen dislocirt und wirb, wie die 21. Division, sehnlichst in diesen Städten erwartet. Auf ber Eisenbahn passirt seit einigen Sagen das 4. Armeccorps, seit gestern die 8. Division (Thüringen, Sachsen, Alt­mark und Holstein).

Berlin, 17. Juni. Heute Nachmittag um 4 Uhr ist Galadiner von 630 Gedecken im Schlosse. Geladen sind alle Fürstlichkeiten mit ihrem Gefolge, D;e Ho.chargen, die aktiven Minister, alle bei den Friedenöverhandlungen tätigen Be­amten, vie Generale sremdherrlichen Militärs, bas Neichstags-Pmsidium und die Senioren des Eisernen Kreuzes. Abends ist Festoorstellung tm Opernhause. Die Abreise der Kaiserin Augusta ist auf den 19. Juni Abends festgesetzt.

Berlin, 17. Junj. DerKarlSr. Ztg." wird osficiös geschrieben: Nach­richten aus Paris machen es wahrscheinlich, daß Mitschuldige der Pariser Com- mune auch auf preußisches Gebiet kommen. Besonders dürften sich solche Indi­viduen nach der Provinz Posen wenden. Dem Vernehmen nach ist angeorvnet, daß gegen preußische Untertanen dieser Kategorien eine gerichtliche Verfolgung eintritt. Ausländer werden verhaftet, um sich ihrer Person zu versichern. Als- dann wird Deren Auslieferung an ihre zuständigen Behörden von Verhandlungkn mit Den betreffenden Cabinetten abhängig sein.

-Berlin, 19. Juni. Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Sachsen, Prinz Luitpold von Bayern und die weimarischen Herrschaften sind heute ab- gereist. Die Kaiserin Augusta reist heute Abend IO1/» Uhr nach Baden- Baden.

Aus Thüringen, 16. Juni. Ueber die Rückkehr der 22. Division erhält dieEisenacher Zeitung" folgende vom 13. Juni Datirte Nachricht aus Lagny: Den vielfachen einander geradezu widersprechenden Gerüchten gegenüber, welche! über die Rückkehr der 22. Division in der letzten Zeit in deutschen Zeitungen zu finden waren, bin ich in Der freudigen Lage, Ihnen mittheilen zu können, daß wir gegenwärtig gegründete Aussicht haben, die Heimalh bald wieder zu sehen.!

Wie ich aus guter Quelle höre, wird die Einschiffung der Division jedenfalls mit dem 26. d. beginnen, unD sveciell werden wir daher wahrscheinlich zu Ende dieses oder in den ersten Tagen des nächsten Monats daheim eintreffen. Wie groß unsere Freude und wie brennend unser Wunsch ist, daß dieselbe nicht auch dies­mal wieder zu Wasser werden möge, können Sie sich denken. Uebrigens kann ich nicht umhin, zu bemerken, baß unser Aufenthalt hier in Lagny gegenwärtig ein sehr angenehmer ist. Die von ben mannichfaltigsten Reizen geschmückte Gegend, Die namentlich durch das herrliche grüne Wasser der hindurchziehenden Marne einen besonderen Zauber gewinnt, strahlt jetzt seit einigen Tagen im schönsten Sonnenscheine und erscheint und daher jetzt in ganz anderem Lichte, als an Den kalten regnerischen Tagen, welche uns die erste Zeit unseres Aufenthaltes hier ver- leibeten. Freilich, Die Berge Der Heimath kann uns auch Die schönste Gegend Frankreichs nicht ersetzen. Also auf baldiges Wiedersehen!" (F. I.)

Troppau, 16. Juni. Der LandeSschulralth untersagte den Ober-Real­schülern Die Unterschreibung der BcglückwünschungS-Abreffe an Den Papst, welche vom Religionsprosessor Eichler im Schullocale selbst aufgelegt würbe. (Pr.)

Brussel, 17. Juni. DieJnbepenbance" meldet aus Paris von gestern: Die Wahlliste derInternationale" enthält die Namen von Gambetta, Victor Hugo, Floquet, BeSlay und anderen mehr oder minder der Commune nahestehen­den Männern. Ein Befehl aus Versailles verfügt, der Prinz Napoleon sei auf Grund verläumderischer Angriffe auf die Republik zu arretiren, sobald er nach Frankreich käme.

Brüssel, 19. Juni. Der Etoile sagt, es seien gestern besondere Corps Der Bürgergarde genöthigt gewesen, zur Aufrechthaltung der Ordnung einzuschreiten, und hätten von ihren Bayonetten Gebrauch machen müssen, um sich Die Menge vom Leibe zu halten. Es scheint, daß Mitglieder Der Internationale sich unter bas Volk gemischt hatten. Mehrere Personen wurden verwunvet.

Versailles, 14. Juni. Die Reserve-Armee ist aufgelöst. Genera! Vinoy, welcher sie commanbirte und welcher vorher schon zum Großkanzler Der Ehren- .egion ernannt worden war, scheibet aus Dem aktiven Dienste aus.

Versailles, 18. Juni. Das officielle Journal Meldet, daß Graf Bourgoing zum französischen Gesandten im Haag ernannt ist. In demselben osficiellen Journal wird ein Artikel veröffentlicht, welcher constatirt, daß (eit Beginn beS Krieges ein Tyeil der englischen Presse sich durch eine systematische Heftigkeit hervorthat. Es heißt in dem Artikel:Injurien und Verleumdungen wurden so weit getrieben, daß es leicht war, die käufliche Quelle zu errathen, wo jene Blätter gegen Be­zahlung ihre traurigen Inspirationen geschöpft haben. Nach der Unterzeichnung oes Friedens wendet ihre Wuth sich gegen Die Regierung von Versailles. Diese Journale haben Die Verbrechen Der Commune entschuldigt, sie verleumden unsere Soldaten und nehmen zum Losungswort die vorgeblichen summarischen Executionen, von denen sie behaupten, baß sie jetzt vollzogen würden. Sie haben den Muth, zu brücken, daß zur Stunde, wo wir schreiben, man Gefangene zu Versailles er­schieße und Frauen auf dem Vendome-Platze ermorde, nachdem man sie entehrt."

Das officielle Blatt sagt:Wir ertheilen diesen erbärmlichen Verleumdungen Die Strafe, baß wir dieselben zur Kenntniß von ganz Europa bringen." Weiter­hin brandmarkt das Journal die kalte unD feige Schlechtigkeit von Schriftstellern, Die schimfliche Löhnung gewinnen, indem sie infame Erfindungen gegen eine ver­bündete Regierung veröffentlichen. Das Journal citirt endlich einen in der Morning Post am 12. Juni publicirttn Brief unD bemerkt:Es ist unbekannt, welche Per- sönlichkeiten Die Unterzeichner Der Artikel repräsentiren, welche einzig als Vorwand für die nieprigsten Handlungen dienen, welche begangen werden können. Die öffentliche Verachtung möge hier ihr Werk thun!"

Loudon, 15. Juni. Napoleon hat sich von seinem jüngsten Gichtanfalle wieder so weit erholt, daß er in Der Nachbarschaft seiner bescheidenen Residenz in Chiselhurst häufig Spaziergänge unD Spazierfahrten macht.

Rom, 16. Juni. General Beriole-Viale hat den^Cardinal Antonelli ersucht, dem Papste Die Glückwünsche Des Königs von Italien überbringen zu Dürfen. Antonellt empfing den General in zuvorkommenDster Weise und erwioerte, er würde dem Papste sein Ansuchen mittheilen. Heute fand Die feierliche Enthüllung Der Inschrift zur Erinnerung an Das Jubiläum Des Papstes statt. Die Stadt ist sehr ruhig.

Florenz, 17. Juni. DerGazetta D'Jtalia" wird aus Rom geschrieben: Die Königin von England zeigte dem Papst in einer Depesche an, daß sie zu Ehren Sr. Heiligkeit ein Fest veranstaltet und angeordnet habe, dasselbe am 16. Juni im ganzen Königreiche zu feiern. (?!)

Die Opinione sagt, baß gestern Abend ein Sekretär Antonelli's zu Bertole- Viale gekommen sei, um ihm Die Rührung, welche Se. Heiligkeit über die Auf­merksamkeit des Königs von Italien empfunden, auezudrücken und ihn gebeten habe, beim Könige Dolmetsch dieser Gefühle des Papstes zu fein. Se. Heiligkeit habe bereits alle ihm zu Gebote stehende Zeit für den Empfang von Deputationen vergeben und könne daher Bcrtole-Viale nicht empfangen. Er betrachte aber nichts­destoweniger die Mission desselben als erfüllt. Bertvle-Viale ist heute früh nach Florenz zurückgekehrt.

Telegraphische Depeschen.

A Paris, 18. Juni. Herr Pouyer-Quertier ist seit einigen Tagen krank. In seiner Abwesenheit versteht der universelle Thier« interimistisch sein Amt und beschäftigt sich mit der finanziellen Frage, der wichtigsten des Augenblick«. Vor- gestern hatte Herr Thiers eine lange Conferenz mit dem Comite der franzöfischen Lank im Ministerium des Auswärtigen. Gestern sollte an demselben Ort eine neue Zusammenkunft stattfinden, va indeß Thiers in Versailles zurückhaltend war, so Haven sich die Mitglieder ces Comite's zu ihm begeben. Es scheint jetzt ge­wiß, daß Roulanv seinen Posten als Bankgouverneur behalten wird.

A Paris, 18. Juni. Die Internationale hat sür Paris als Candidaten Malon, Tolain, Trivon, Rochat, Serraillier, Delerd und Silvent ausgestellt. In Marseille wurden auf ben Verdacht eines Complots, welche« Brandstrstungen ve- zweck.n sollte, Verhaftungen vorgenommen. Zwei ber gravirtesten Verhafteten sind Leiter der dortigen Section der Jnternationaic.

A Paris, 18. Juni. Der Finanzminister hat der Kammer seinen neuen Bcsteuerungsplan und die summarische Aufstellung ber vorgeschlagenen Vermehrun- gen in ben verschiedenen Zweigen ber Einnahmen (wodurch dieselben aus 660 Millionen erhöht würden) vorgelegk. In dieser trockenen und endlosen Nomen- dafür gibt jede Ziffer zu denken. Wir können vorläufig über die ministeriellen Projekte nur mit Reserve urtheilcn. Pouyer-Quertier muß es selbst überlassen