Einzelbild herunterladen

Preis vierteljährig 1 fL 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 fr.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Montags.

Expedition: Lanzleiberg Ltt. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.

Ne. 1'11. Mittwoch den 21. Juni 1871.

IIMIIWWHL! 1..WPWaTOrBBBBBmUWm i IIM|

iöt Einladung Mm Abonnement

auf den

Gießener An zeige r.

Derselbe erscheint täglich, mit Ausnahme Montags, und beträgt der Abonnementspreis in der Stadt Gießen vierteljährlich 1 fl. 12 fr. frei in s Haus geliefert.

Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, das Blatt auch im III. Quartal 1871 zusenden und den Abonnementsbctrag wie früher durch Quittung erheben lassen.

Diejenigen, welche den Anzeiger Abends bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben ZN 1 fl. pro Quartal. Für alle außerhalb Gießen wohnenden Abonnenten beträgt der vierteljährige Abonnementspreis 1 fl. 27 fr. incl. Postaufschlags. Dieselben können nur bei der Post oder den Landpostbotcn abonniren. Damit wir nun in den Stand gesetzt sind, die Auflage des Blattes bestimmen zu können, ersuchen wir Alle, welche auf den Gießener Anzeiger noch abonniren wollen, dies sofort jetzt bei der ihnen zunächst gelegenen Postanstalt oder den Landpostboten zu thun, da wir uns sonst nicht verbindlich machen können, vollständige Exemplare zu liefern. Die Rcdaction.

20. Juni.

tSie haben nichts gelernt und nichts vergessen". Diesen Ausspruch, vcn ter erste Napoleon von den Bourbonen that, gilt Leut zu Tage von der Versailler Nationalversammlung, die mit der Ruckde^ufung der bourboni- schen Prinzen den ersten Schritt zur Reaction gegen die Revolution vom 4. Lep. tember that. Die Nationalversammlung von 1848 war ja auch gewesen, th als Sicherheitsmaßregel der Ordnungsmänner gegen den Juniausstand das Ver- bannungSdicret gegen die Prinzen Napoleon aushob, den ibr unklar vorschwkben- den Retter gegen die sotialistischen Revolutionsumtriebe; schon am 10. Deccmber war es geschehen, daß aus der Urne des allgemeinen Stimmrechts der Prinz mit enormer Stimmenmehrheit als Präsident ter Republik hervorging und am 2. De ccmber 1851 war jener unselige Staatsstreich erfolgt, dem das Kaiftrthum aus den Fersen fo§. UebrigenS ist heute die Reaction nicht mehr so aufzufaff n, als ob sie eine Versöhnung der Freiheit mit der Monarchie bideute, wie die Revolu­tion von 1830 und das Julikönigthum; nein, man verleugnet ja Louis Philipp und seinen Liberalismus, man will jenen alten Thron der Lilie wieder ausrichten, den Freund des Cleruß und des Absolutismus, den Erfinder derGloire" und desElans", den Feind aller Einheit und Volkssouvera'netät. Und abgesehen davon, wo fände man denn noch jenes Bürgerthum von 1830, das doch noch an ein eonstitutionelles Königthum glaubte und für dasselbe seine moralische Kraft einsetzte? Man wird es vergebens suchen. Frankreich bedarf heute mehr als je eine eiserne Hand. Aber wird der neue Monarch die Energie dazu mit sich bringen, diese eiserne Hand dem französischen Volke aufzuerlegen?

Die sogenannteKrönung des Gebäudes", wtlche Napoleon III. Frankreich in den letzten zehn Jahren seiner Herrschaft versprochen hat, aber schuldig geblie­ben ist, scheint dem Lande auch jetzt noch sehr schwer zu fallen. Es stehen so viele Männer da, die sich dem Geschäft der Krönung unterziehen wollen, daß die Freunde der Ordnung und Arbeit es am liebsten sähen, wenn jene Männer, von denen Jeder eine eigene Krone in B reitschaft hat, bei Seite blieben. Ein Noth. bau, ein Schuppen ist den Freunden der gediegenen Nationalarbeit lieber als die Erneuerung der eingeäscherten Paläste, in welche Könige und Kaiser zwar ein» gezogen sind, aus denen sie aber auch wieder eilig flohen und vor deren Ruinen die Kronprätendenten, wenn sie es mit ihrer Bewerbung ernst meinen, den Bürger- krieg von Neuem entzünden würden.

Ein solcher Nothbau, wie er per Gedrücktheit und Stimmung des jetzigen Frankreichs entspricht, ist der eigentliche Inhalt des Antrages, welchen Herr Baze in der Sitzung vom 15. eingcbracht hat, wonach die Nationalversammlung auf­gefordert wird, ihr Mandat auf zwei Jahre zu verlängern und die Vollmachten des Herrn Thiers auf die ganze Dauer der Legislaturperiode auszudehnen. Ein anderweitiger, zu gleicher Zeit eing brachter Antrag verlangt die Einsetzung einer Commission, welche einen Grs'tzentwurf über die Eonstituirung des Gouvernements ausarbeiten soll. Bis jetzt nämlich ist die Stellung des Herrn Thiers der Na- tionalversammlung gegenüber sehr prccär; die Würden eines Chefs der Executive und des Ministerpräsidenten gehen in ihm so ineinander, daß er als Haupt der Negierung wie ein Minister durch ein Votum der Versammlung gestürzt werden könne. Wahrscheinlich bezweckt jener zweite Antrag eine solidere Stellung des Haupts der Executive.

In der Provinz Hannover sind augenblicklich verschiedene Broschüren für tle Wiederherst.llung des Königreichs Hannover erschienen, die an allen Orten colportirt werden, ohne daß die Behörden dagegen einschreiten. So unangenehm uns auch das Gefühl ist, daß die Consolidtrung der Provinz trotz der großen Ereignisse der letzten Jahre noch mit so erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist, so freuen totr uns doch andererseits, daß die Regierung einer solchen Agitation ganz freien Lauf läßt, und dadurch den klaren Ausdrücken der hannover'schen Partikulansten über Preßoruck und Polizeiwirthschast die Spitze abbricht.

Zar Verherrlichung des großen Tage«, wo die siegreich hetmkthrenden Truppen in die Haupt- und Restvenzstadt Berlin eingezogen, hat der Kaiser eine große Reihe von Gnadenbewetsen gegeben. Zunächst für die Truppen selbst: 1) den-

jcnigcn Truppcntheilen, deren Fahnen resp. Standarten im Feuer gewesen und dos Eiserne Kreuz bereit- führen Fahnenbänder in dkr Farbe des Bandes des Eisernen Kreuzes iv.il dem Kreuze darin; 2) denjenig n Truppentheilen, deren Fahnen resp. Standarten im Feuer gewesen sind und das Eiserne Kreuz noch nicht lübren, das Kr.uz in der Fahnen- resp. Standartenspitze; 3) diejenigen Truppen­teile, weiche mit ihren Fahnen resp. Standarten, ohne daß diese im Feuer ge­wesen sind, vor dem 2. März d. I. die französtsche Grenze überschritten haben, das Band der neuen Denk ünze für Eombattanten.

Wie der N. St. Z." aus Köslin geschrieben wird, haben sich nach dem Tode des vor einigen Tagen dort verstorbenen Directors der Pommerischen Hypo­thekenbank, Lieutenant n. D. Hentze, durch denselben verübte Betrügereien herauS- gestellt, deren Höhe auf die Summe" von 70,000 Thalern bezffirr wird. Hentze batte nämlich Quittungsbücher anfertigen lassen, in denen er die Bedingungen der Geldannahme (Spareinlage) den Statuten gemäß zum Abdruck brachte, jedoch unter Weglassung desjenigen Paragraphen, nach welchem über den Empfang der Gelder das Direktorium quittiren muß. Der Verstorbene hatte nun fortdauernd (Selber angenommen und einseitig über den Empfang quittirt, ohne die Beträge eintragen zu lassen. In dieser Weise verfuhr er mindestens vier Jahre lang, ohne daß der Betrug an-Licht kam. Der Verlust soll größtentheil- arme Leute treffen. Der berüchtigteZeuge Hentze" hat also einen seiner würdigen AuSgang g-habt, und die Belohnung, die ihm die Reaction zu Theil werden ließ, übel verdient. DieN. St. Z." bemerkt dazu: Schon heute umsteht das Bankgcbäude weinend und fluchend ein Theil jener armen Leute, deren sauer ersparte Gelder dieser Elende frech sich aneignete und verpraßte. Und auf das Zeugniß einer solchen Creatur hin, welche schon damals Jedermann für einen feilen, meineidigen Schurken hielt, wurden im Jahre 1853 hochachtbare und charactervolle Männer zu den schimpf­lichsten Strafen verurteilt und büßten ihre politische Ucberzcuqung mit lang­wieriger Zuchthaushast, während ihre Familien daheim in Kummer und Elend vergingen. Daß ein solcher Mensch, dessen ehrlose und käufliche Gesinnung offen­bar war, seitdem nicht bloS in ehrenhafter Gesellschaft verkehren durfte, sondern daß ihm von Parteigenossen sogar Vorschub geleistet und ihm eine behagliche Existenz bereitet wurde, wird ein beständige- Brandmal bleiben für die Partei, die solcher Werkzeuge zum Kampfe gegen politische Gegner bedurfte, denen sie aus ehrliche Weise nicht beizukommen vermochte. Von den auf du« Zeugn ß des Hentze Verurteilten sind mehrere im Zuchthause zu Grunde gegangen.

DerEvangelisch.lutherischen Kirchenz itung" meldet man, daß achtundzwanzig Pfarrer und Predigtamtsdiener der evanglisch-lutherischen Kirche in Elsaß-Lolhrin- gen eine Adresse an den Reichskanzler gesandt haben, worin sie bemjelben ihre Gedanken über Mittel und Wege zur gedeihlichen Ausgestaltung der kirchlichen Angelegcnhtiten darlegen. Im zweiten Paragraphen beißt cS:Da die evangelisch, lutherische Kirche eine Bekenntnißkirche von allem Anfang gewesen, noch ist und immer sein wird, so folgt für sie, daß sie ihres Glaubens müsse leben können und ihrem Glauben gemäß, das ist nach Wort und Geist ihres Bekenntnisse«, regiert werden. Dieser Kirche die Lehr-, Abendmahls- und Regimentsgemeinschaft mit Andersgläubigen ausnöthigen, heißt sie in ihrem eigensten Liben schädigen, wo nicht tödten." Und weiter wird verlangt, daß das Regiment der lutherischen Kirche dem Bekennlniß der Kirche unterstellt und an Wort und Geist desselben gebunden sei", und endlich, daß die Diener und Glieder der Kirche in dem Bekenntniß, alsdem objektiven Glauben der Kirche",stehen und aus ihm leben und handeln." Herr Schneegans, Vicepräsident des GirichteS erster Instanz von Straßburg, ist zum Rath am kaiserlichen Appellationshofe in Ranzig ernannt worden.

Ein Berliner Correspondent desUngarischen Lloyd" theilt ein Gespräch des Fürsten Bismarck mit Klapka über die zukünftige Politik Oesterreich-UngarnS mit. lieber die Veranlassung zu dieser Unterredung de« Fürsten mit dem General Klapka theilt das genannte Blatt Folgende« mit: General Klapka hatte geschäft­liche Beziehungen, die ihn nothigten, auf seiner Reise nach der Schweiz den Weg über Berlin zu nehmen. Durch einen Berliner Bekannten de« General« hatte Fürst Bismarck von dieser Absicht Kenntniß erhalten. Er ließ ihn wissen, daß c«