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Kuss. Imper. 9 47 49 Dollar in Gold 2 27 -28
genügen soll. Das BelagerungScorps war anfänglich, in Betracht der starken Festung, der es gegenüber steht, numerisch schwach zu nennen, ist aber nach und nach verstärkt worden. Es besteht zum grotzen Theile aus preußischen, zum ge- ringeren aus süddeutschen Truppentheilen, welche sämmtlich dem Oberbefehle des preußischen Generals v. Teeskow unterstellt sind. Dieses Belagerungscorps umschließt Belfort in erster Linie mit seinen Vorposten, in zweiter mit dem Gros seiner Truppen und sichert außerdem die nothwendige Etappenstraße. Die Vor» postenlinie dehnt sich etwa 30 Kilometer oder 5—6 Stunden aus und umfaßt die meisten der Festung zunächst liegenden Ortschaften. In diesen Kreis fällt die Aufstellung der Bclag.'rungSartillcrie, deren Batterien zur Zeit sich noch der Be» sprechung entziehen. Das westlich Belfort gelegene Dorf Ejsert wird größtentheils von den Kanonen der Festung beherrscht, aus welchem Grunde fast die ganze Bevölkerung des Dorfes nach Belfort oder in entfernter liegende Ortschaften geflüchtet ist. Es sind bis hier Geschosse von über 120 Pfund Gewicht geworfen worden, sogenannte Zuckerhüte, die Projectile von Marinekanonen, welche etwa 12,000 Schritt tragen sollen und von denen einige der FestungSartillcrie des Platzeangehören. Die Batterien des Belagerers werden von den Forts etwa 7500, von der Citadelle ungefähr 10,000 Schritte entfernt liegen. Der weitere Kreis, innerhalb dessen die Truppen des Gros cantonniren, hat einen Umfang von nahezu 50 Kilometer oder 9 — 10 Stunden. Diese in zweiter Linie liegenden Canton- nements sind meist armselige Dörfer, in denen außer der Kirche höchstens noch die Wohnungen des Pfarrers, des Maire und das Schulgebäude von der gc» wohnlichen elenden Bauart abweichen. Die beiden vorgenannten Linien werden gesichert durch die Eiappenstraße, welche etwa 16 Stunden lang ist und größten- theils Communal- und Departementalwege einnimmt, die ungeachtet ihrer sonst trefflichen Ausstattung durch die starke Benutzung wie in Folge des anhaltend nassen Wetters theilweife in sehr schlechten Zustand gerathen sind, welchem der jüngst eingetret'Ne starke Frost allervingS wesentlich abgeholfcn hat. Bei solchen Entfernungen und dem Umfange des BelagerungSraponS wird man sich einen annähernden Begriff der großen Schwierigkeiten machen können, welche behufs V^r- proviantirung der Truppen, behufs Heranschaffung der Geschütze und der Munition bei Belfort Vorlagen. Diese Schwierigkeiten aber wurden wesentlich dadurch erhöht, daß die Zufuhren des Eorps von Mühlhausen bis la Chapelle nur theil- weise auf der Bahn über Altkirch bis Dannemarie transportirt werden konnten, von da ab aber mittelst Achse befördert werden mußten. (St.-A.)
Telegraphische Depeschen.
+ Berlin, 18. Jan. Dem Abgeordnetenhaus? und dem Herrenhause geht durch den Grafen v. Jtzenblitz, als ältesten Minister, eine Proclamation des Königs aus Versailles zu, welche, an das deutsche Volk gerichtet, also lautet:
„Wir Wilhelm von Gottes Gnaden, König von Preußen verkünden hiermit: Nachdem die deutschen Fürsten und freien Städte den einmüthigen Nuf an Uns gerichtet haben, mit Herstellung des deutschen Reiches die feit mehr denn 66 Jahren ruhende Kaiserwürve zu erneuern und zu übernehmen, und nachdem in der Verfassung des deutschen Bundes die entsprechenden Bestimmungen vorge- sehen sind, bekunden W r hiermit, daß Wir es als Pflicht gegen das gesammte Vaterland betrachten, diesem Rufe der verbündeten deutschen Fürsten und freien Städte Folge zu leisten und die deutsche Kaiserkrone anzunehmen. Demgemäß werden Wir und Unsere Nachfolger in der Krone Preußen- fortan den Kaisertitel in allen Unseren Beziehungen und Angelegenheiten des deutschen Reiche- führen und hoffen zu Gott, daß es der deutschen Nation gegeben sein werde, unter den Wahrzeichen ihrer alten Herrlichkeit das Vaterland einer segensreichen Zukunft entgegenzuführen. Wir übernehmen die kaiserliche Würde in dem Bewußtsein der Pflicht, in deutscher Treue die Rechte des Reiches und feiner Glieder zu schützen, den Frieden zu wahren, die Unabhängigkeit Deutschlands zu stützen und die Kraft des Volkes zu stärken. Wir nehmen sie an in der Hoffnung, daß es dem deut» schen Volke vergönnt sein werde, den Lohn seiner heißen und opferwilligen Kämpfe in dauerndem Frieden und innerhalb der Grenzen zu genießen, welche dem Vater- lande die seit Jahrhunderten entbehrte Sicherheit gegen erneute Angriffe Frank- reich- gewähren werden. Uns aber und Unfern Nachfolgern in der Kaiserkrone wolle Gott verleihen, allzeit Mehrer des Reiches zu sein, nicht zu kriegerischen Eroberungen, sondern in den Werken des Friedens, auf den Gebieten der nationalen Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung."
+ Berlin, 18. Jan. Abgeordnetenhaus. Nach Verlesung der königlichen Proclamation durch den Minister v. Jtzenblitz erklärt Präsident Forckenbeck:
„Mitten in dem unserem Vaterlande zur Wahrung seiner Rechte und seiner Ehre und zur Vertheidlgung seiner Sicherheit aufgezwungenen Kriege, am Gedächt- n'ßtage der Krönung der preußischen Könige, empfangen wir tief bewegt soeben die königliche Botshaft. Wir hoffen, daß auch der letzte deutsche Stamm bald dem großen Vaterlande seine Schuld abtragen werde, daß zur Gewährung der Sicherheit Deutschland- der Zustand der Bedrohung aushören und die Zeit steten Friedens beginnen werde in einmüthiger Vereinigung aller deutschen Stämme unter der Leitung der Krone Preußens. In diesem Sinne fordere ich Sie auf, diesen Gefühlen Ausdruck zu geben in dem Rufe: Der deutsche Kaiser, unser allergnävigster König und Herr lebe hoch!"
Das Haus stimmt begeistert ein.
' 4- Berlin, 18. Jan Herrenhaus. Der Handelsminister Jtzenplitz ver
liest die Proklamation des Königs, welche vas Hau» stehend anhört. Rach Ver- lesung sagt der Präsident: Ich darf hier wohl Namen- des Hauses auSjprech^n, daß wir Alle mit tiefbewegtem Herzen die Proklamation des theuern Königs rernommen. Wir wissen, daß da- Band, welches uns mit ihm vereint, kein festeres werden kann, aber mit freudiger Zuversicht wollen wir im Aufblick auf die wunderbare Fügung Gottes von Herzen zustimmen und ausrufen: ,Unser König, der Kaiser von Deutschland, lebe hoch!" Das Haus stimmt begeistert ein und wiederholt den Ruf dreimal.
+ Karlsruhe, 17. Jan. Die Karlsruher Zeitung veröffentlicht folgendes Telegramm an den Kriegs-Minister:
4- Bern, 17. Jinuar. Nachdem Gränz - Eommandant Aubert bereit- gestern noch zwei jurassische Bataillone aufgeboten hatte, hat der BundeSrath heute weitere sechs Bataillone, zwei Batterien, eine Dragoner-Eompagnie und eine Sapveur-Eompaqnie Behufs Deckung der solothurnischen Gränze aufgeboten.
4- Bern, 17. Jan. Ein Telegramm des ^Bundes" aus Pruntrut vom 16. Jan. meldet: Heute den ganzen Tag Kanonade nordwestlich bei Montböliard. Die Oeutschen haben Nachmittags Eroix wieder besetzt. Abends 6 Uhr wurde das Feuer eingestellt.
4- ^nzciubttrg, 17. Jan. Eine Abtheilung luxemburgischer Chasseurs besetzte die Ortschaften Differdingen, Diederkorn, Rödingen, Pettingen bei Longwy. Die Altersklasse 1868 ist einberufen. Dem Vernehmen nach ist die luxemburgische Regierung einverstanden, daß ein deutscher Commissär für Luxemburg ernannt wird.
△ Luxemburg, 17. Jan. Das „Echo du Luxembourg" meldet: Bei Longwy hat ein Gefecht zwischen den Preußen und Franzosen stattgefunden, wobei es einige Todte und Verwundete aus beiden Seiten gab. Ebenso hat ein kleines Treffen bei Villers.le-Chevre stattgehabt. Die Sprengung der Brücke von Mont Saint Merlin verursachte einen furchtbaren Knall, dessen Wiederhall auf viele Stunden weit vernehmbar war.
△ Paris, 11. Jan. (pr. Ballonpost.) Depeschen von Gambetta und HavaS melden Siege über die Preußen bei Bapaume und Nuits. — Die Seineüberfahrt ist durch das Bombardement unterbrochen. — Rente ist gestern um 45 Centimes gestiegen.
A Lyon, 16. Jan. Die Brigade von Savoyen ist von Cbambery am 11. d. abmarfchirt. Als gemeine Soldaten gehören derselben an: Lansrey, der Geschichtsschreiber und Molin, der Director der „Gazette du Peuple" von Chambery.
4- Loudon, 17. Jan. Sir Henry Phillimore ordnete heute die Freilassung des Kabelvampsers „Internationale" an, weil die Anfertiguag de« französischen Kabels nur für Handelszwccke unternommen werde.
Offieielle militärische Nachrichten.
Versa il les., 18. Jan. Der Kaiserin Königin A ugusta in Berlin. Bourbaki hat nach dreitägiger Schlacht stch vor dem Werder'schen heldenmüthigcn Widerstande zurückgezogen. Werder gebührt die höchste Anerkennung und seinen tapferen Truppen.
Wilhelm.
Versailles, 18. Jan. Am 17. erneuerter Versuch Sour* baki's gegen den General Werder, der seine verschanzte und mit schwerem Geschüsze verstärkte Posttion siegreich behauptete und alle Angriffe abwies. Dieffeitige Verluste in- den dreitägigen Kämpfen werden auf etwa 1200 Mann geschätzt.
Vor Paris Fortsetzung der Beschießung mit guter Wirkung. Diesseitiger Verlust 2 Offiziere, 1 Mann todt, 1 Offizier, 6 Mann verwundet. v. Podbielöky.
Versailles, 18. Jan. Die Armee deS Generals Bourbaki ist na^ dem durch die 3tägigen siegreichen Kämpfe des Generals v. Werder vereitelten Entsatzoersu-he von Belfort in vollem Rückzüge, v. PodbielSky.
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Local-Notizen.
Gießen, 18. Ian. In,der gestrigen (ö.neralvertammlung d«s hi<stgen HandelSvereinS wurde eine »^rage zur Sprache gehra-t, weich' nicht nut vjtt großer Bedeutung für Handel und Industrie ist. sandern indirekt auch für dal Gesammtpublikum; nämlich der Güterverkehr auf den Eisenbahnen.
Während derselbe in ruhigen Zelten gar manche- zu wünschen übrig ließ, ist er mit Be» ginn deS Kriege- tn jeder Beziehung so mangelhaft geworden, daß Handel und Industrie empfind, lichei de n.
Man hoffte, er werde nach den Haupttruppentran-Porten wieder einigermaßen geregelt, aber da- Gegentheil bat stattgefunden.
Die (Kalamität wird täglich größer und es ist nicht abzusehen, wann, selbst im Falle deS Frieden-, eioe^Regelung dieser traurigen Verhältnisse eintreten soll.
Bei vermehrter Thätigkeit, bei entsprechender Energie, verbunden mit gutem Willen von Seiten der Eisenbahnverwaltungen, können wesentliche Besserungen eintret en, ohne Beeinträchtigung der Armeen und ohne schädlichen lLmfluß auf die Kriegszwecke.
Man beschloß deßhalb einstimmig, eine Deputation an daS norddeutsche Bundeskanzleramt zu schicken, mit dem Auftrage, an dieser hohen Stelle die Verhältnisse vorzutragen und um Abhülfe zu bitten.
WünschenSwerth wäre wohl, wenn dieser Schritt a ich andere V erelne und Korporationen veranlassen würde, thätig in diese wichtige Frage einzuzreifen.
Brevillier-, 16. Jan., 9 Uhr Abends. Gestern und heute unsere Stellungen vor Belsort gegen heftige Angriffe VeS FeinveS siegreich behauptet. Berhältnißmäßig geringer Verlust. v. Glümer.
4" Müllcheu, 18. Jan. Aus Versailles geht die Nachricht ein, daß dort heute eine große militärische Feierlichkeit anläßlich der definitiven Annahme der Kaiserkrone durch den König von Preußen stattsinden solle. Jedes Regiment soll durch Deputationen vertreten sein.
4- Bern, 17. Jan. Aus Pruntrut wird gemeldet: Heute wieder Kampf auf der ganzen Linie.


