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Gießener Anzeiger

Anzeige- und Amtsblatt für den Ireis Kielen

Nr. 17

Freitag den 20. Januar

1871

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Preis vierteljährig 1 ft- t2 kr. mit Bringerlohn. Durch die Poft bezogen vierteljährig 1 ff. 27 kr.

dcr Nation zu theilen. Statt dessen sehen wir, daß die Presse in Frankreich als Monopol einer gcwaltthäligcn Negierung nur zur Entstellung der Ereignisse, zur Fälschung dcr Situation und zur Ausbeutung dcr Vorthnle benutzt wird, welche die französische Etaatscrziehung den Franzosen bezüglich ihrer Ucberlegcnheit und ihres Anspruchs auf Herrschaft über andere Völker systematisch anerzogcn hat.

Die Negierung der nationalen Vertheidigung regt die BolkSleidenschasten

: öksucht,

'Mt Anzeige, Lcblofferei-

lungcn gestatten und sogar Vorsctristen geben, in denen alle Kriegssitte christlicher Völker und jedes militärische Ehrgesühl verleugnet ist. Während bei den übrigen curoyäischen Völkern ter Soltat eine Ehre darin setzt, sich als das, was er ist, als Feind, dem Feinde kenntlich zu machen, hat z. B. ter Präfect des Departc- nitnr Este d'Or, Lucc-Villiard, am 21. November v. I. an die Unterpräfecten und Mair.S ein Circular erlassen, in dem der Meuchelmord durch Nichtuniformirte empfohlen und als Htldenmuth gefeieit wird.

Das Vaterland", heißt es darin,verlangt von Euch nicht, daß Ihr Euch in Massen versammelt und Euch dem Feinde offen entgegenstcllt; es erwartet von Euch, daß drei oder vier ent'chleffene Männer jeden Morgen von ihren Com- munen ausgehen und sich an einem durch die Natur selbst bezeichneten Orte eta- bliren, von wo sie ohne Gefahr auf die Preußen schießen können. Vor allem muffen sie auf feindliche Reiter schießen, deren Pferde sie an dem Hauptort des Arrontissements abzuliefcrn haben. Ich werde ihnen eine Prämie ertheilen und ihre heldenmüthige That in allen Departemental-Zeitungen und imJournal osfi- ciel" bekannt machen lassen."

Eine Verleugnung nicht nur des militairischen Ehrcnpunktes, sondern auch der gewöhnlichsten Rechtlichkeit ist an den gegenwärtigen Machthabern wahrzu- nehmen in Bezug auf den Chrenwortsbruch französischer Offiziere, über den ich Mich in a einem Circular vom 14. Decewber ausgesprochen habe. Wie dort be­merkt, kommt cS weniger darauf an, eine verhältnißmäßig geringe Anzahl von Individuen des französischen OsfizierstandeS zu beurtheilen, welche ihr Ehrenwort brechen, nachdem sie sich durch Verpfandung desstlben die Freiheit der Bewegung innerhalb einer deutschen Stadt erschlichen haben, sondern es kommt hauptsächlich daraus an, das Verfahren einer Regierung zu würdigen, welche einen Ehrenworts- bruch durch Ausnahme des Wortbrüchigen in die Armee thatjächlich gutheißt, ihn durch Agenten und Prämien fördert. In den letzten Lagen haben wir den Be- weis irhaltcn, daß ter gegenwärtige Kriegsminister den Wortbruch ausdrücklich guthe'ßt, dazu ermuntert und ihn durch Baarzahlung zu belohnen verheißt. Ein in die Hande unserer Truppen gefallener Erlaß des Kriegsministers vom 13. No­vember, (tesirant encourager les ofliciers ä s^chapper des mains de lennemi, verheißt jedem aus Deutschland Entflohenen, abgesehen von der nach älteren Be- st'mmungen zulässigen Entschädigung für erlittene Verluste, eine Gratifikation von 750 Franken.

Eine Regierung, welche darauf rechnete, unter regelmäßigen Zuständen an ter Spitze des Lances zu bleibcn, würde solche Maßregeln im Interesse ter Zu­kunft ihres Vaterlandes verschmähen. Die Diktatur aber, welche sich in Frank­reich der Gewalt durch einen Handstreich bemächtigt hat, und welche weder von den europäischen Machten, noch von dem französischen Volke anerkannt ist, rechnet mit der Zukunft tes Landes nur nach Maßgabe ihrer eigenen Interessen und Leidenschaften. Die Machthaber in Paris und Bordeaux unterdrücken das im Volke laut gewordene Verlangen nach dcr Möglichkeit einer Willenserklärung ebenso gewaltsam, wie jede freie Meinungsäußerung in Wort uid Schrift; durch eine Schreckensherrschaft, wie sie so willkürlich in keinem anderen europäischen Lande möglich wäre, zwingen sie das Volk zur Hergabe seiner Geld- und Streitmittel und zur Verlängerung d»s Krieges, weil sie vorauSsehen, daß dessen Beendigung auch ihrer Usurpation ein Ende machen würde. Eine solche Regierung bedarf, um zu b.stehcn, ter sortdauernten Erregung der Leidenschaften und ter gegen­seitigen Verbitterung ter beiden kämpfenden Nationen, weil sie der Fortdauer des

19. Januar.

Schluß der Depesche des Grafen Bismarck (Versailles den 9. Jan.)

Auch im Seekriege setzen sich die Franzosen ebenso über das Völkerrecht hinweg. Dcr französische KriegsdampserDesaix" hat drei deutsche Kauffahrcr, die er aufgebracht hatte,Ludwig",Vorwärts" undCharlotte", anstatt sie in einen französischen Hascn zu führen und den Spruch eines PriscngerichtS herbei- zusühren, auf hoher See durch Verbrennen, beziehungsweise Versenken, zerstört. Die deutschen Schiffe werden deshalb zu Repressalien gegen französische angewiesen werden.

Es kann nicht befremden, daß Machthaber, welche für Gesetz und Vertrag so wenig Achtung haben, noch weniger Anstand nehmen, sich von ter Sitte dcr heutigen Völker loSzusugen und zu VerfahrungSweisen längst vergangener Cultur- perioden zurückkehren, ja Dinge billigen, die in allen Zeiten und bei allen Völkern, welche irgend einen, wenn auch noch so eigenthümlichen Begriff von Ehre haben, für besonders schimpflich gehalten worden sind.

vorbereitet werden konnten, daß sie in den militärischen Traditionen Frankreichs keine allgemeine Verurthcilung mehr findet. Wenn cs in der Absicht der Macht­haber in Frankreich läge, nicht den Haß der beiden kämpfenden Nationen zu steigern, fondrrn ihncn die Herstellung dcs Friedcno zu ermöglichen, so würden sie dem sranzösischcn Volke die Möglichkeit gewahren, aus dem unfehlbaren Wege freier Presse die Wahrheit zu erfahren und seine Meiniingtn zu äußern, und sie würden sich beeilen, die auf ihncn lastende Verantwortlichkeit mit den Vertretern

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Montags.

Expedition : Canz leib erg Lit. B. Nr. 1.

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Gefundene Gegen st a n d e :

Ein Portemonnaie mit einigen Kreuzern Geld, zwei Taschenmesser mit mehreren Klingen, ein Lesebuch für Elementarschüler und einige Ellen Hosenzeua

, j,, D" Eigenthümer werden aufgefordert, sich binnen 3 Wochen bei uns zu melden, widrigenfalls diese Gegenstände auf Verlangen an die Finder zurückgeaeben oder später zu Gunsten der Armenkasse werden versteigert werden. ° uun

Netzen, den 19. Januar 1871. Grobherzogliche Polizei-Verwaltung der Provinzialhauptftadt Gießen.

__ 9t o v e r.

Wie die französischen Gcfangencn, deren wir eine beispiellose Menge unter- tubri'ngcn haben, die verwundeten und kranken wie die gesunken, in Deutschland behandelt werden, darüber haben Krankenpfleger aus neutralen Staaten aus eigener Anschauung öffentlich und mit Nennung ihrer Namen unaufgefordert Zeugniß ab­gelegt. Die deutschen Gefangenen irt Frankreich, obwohl sie nicht den zehnten Theil jener Zahl erreichen, sind an manchen Orten mit unmenschlicher Härte und Vernachlässigung behandelt worden. Ein Transport von ungefähr 300 in den Lazarethen von Orleansgefangenen" bayerischen Kranken, dre meisten entweder von Typhus und Dyssenterie befallen oder verwundet, wurden in Pau in den 3?Dfn und Gängen des Gefängnisses zusammengepfercht, mit einem Strohbündel als Lager, und erhielten sechs Tage lang keine andere Nahrung als Brod und Wasser, bis deutsche und englische Damen sich ihrer annahmen, mit eigenen Mit- tcln zutraten und die widerstrebenden Behörden zu einiger Fürsorge bewogen. An anderen Orten, insbesondere bei der Armee des Generals Faicherbe, weiden die Gefangenen, bei einer Kälte von 16 Grad, in unheizbaren Bodenräumen gehalten und nicht mit Decken, nicht einmal mit warmer oder ausreichender Nahrung ver­sehen, wahrend in Deutschland alle zur Ausnahme von Kriegsgefangenen bestimmten Gelasse beim Eintritt des Winters mit Oefen versehen worben sind. Die Mann­schaften deutscher Kauffahrer werden nicht allun als Kriegsgefangene festgehaltcn, sondern wurden zu Anfang wie Verbrecher behandelt, zwei und zwei mit Ketten zusammengeschloffen, von Ort zu Ort transportirt, und erhielten eine Nahrung, tu nach Beschaffenheit und Menge zu der Ernährung eines Menschen unzureichend war. Einem rechtswidrig zum Gefangenen gemachten Civilistcn wurde auf seine Beschwerde über Zurückhaltung dcs für ihn eingesandten Geldes schriftlich dcr amtliche Bescheid, es höre jede Rücksicht gegen die Gefangenen auf. Gegen mipörende Mißhandlungen der durch Städte transportirten Gefangenen durch die Bevölkerung werten letztere außerhalb Paris noch heute nicht beschützt. In Deutschland dürste kein Fall vorgekommen sein, daß die Bevölkerung auch nur einem kränkenden Worte die Achtung verletzt hätte, welche das Unglück bei tzebildetkn Volkern findet. Ungeachtet der von TurkoS begangenen Barbareicn ist keiner derselben in Deutschland beleidigt oder gvr mißhandelt worden.

Die von den TurkoS und Arabern an Vlrwundetcn verübten Grausamkeiten und geschlechtlichen Bestialitäten sind ihnen selbst nach dem Grade ihrer Civilisa- !'°n weniger anzurechnen, als einer europäischen Regierung, welche diese asrikani- chen Horden, mit aller Kenntniß ihrer Gewohnheiten, auf einen europäischen Kriegs-

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i k* U n . n on Cie neuerdings gebildeten afrikanischen Svldtruppen, die Gums, n tln£jbnen einen Einfall in Deutschland empfehlen, folgende Ansprache: llnA nr"^lr lkNNln Euch, wir schätzen Euren Muth, wir wissen, daß Ihr energisch, «n-ejltim, unternehmend seid; geht und schneidet Jlbpft ab; je mehr, desto hoher L'"!"' 2^'ung vor Euch fldfltn. Fort mit dem «Lrbarmcn! fort mit ji suhlen der Menschlichkeit! Die Gum« werden Ehre «inlegen, wenn wir thmn tu ilosung geben: Tod, Plünderung, Brand!"

f,hhn 16 fluf Hauung der Türke« schreiben, daß nicht nur Leichen, K ,J < ®erh,ntdtn dem Dorfe Cvulour« bei A.lleneuve le Rei die Trrfe bei Tro-c« und anderwärts Nasen und Ohren angeschnitten worden sind.

'b t4 der langjährigen Bkjiehung zu Algier und den Nuchkommen ttr Barbaresken jujuschreiben, dsß sranjosiiche Behörde» ihren Mitbürgern Hand-

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toduM.h ffikw " ^"nnintlz ihrer Gewohnheiten, auf einen eurepaijchc» Strieg«. Kriege« bedarf, um sich tie Herrschaft über ihre Mitbürger j>, erhalten. Diesem übl unv Lin' X) »30Urnal lt« I6bale' b"' l>ch so diel menschliches Wt- Zwecke dient eine Art der Striegiührung, welche den sittlrchen Begrrffen de« Jahr- k.rwund.un >! Um Rüstung darüber zu äußern, daß Turko« den hundert» widerstrebt, und für welche, abgesehen von den eingeborenen afrikanischen

trncken «L hu die Augen au« dem Kopse Elementen des sranjösifchen Heeres, wefentleche Bestandthetic desselben nur durch

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