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Preis vierteljährig 1 fl- 12 ft. mit Bringerlohn. Durch die Vost bezogen vierteljährig 1 fl. 27 ft.
Erscheint täglich, mit Au-, nähme MontagS.
Expedition: Canzleiberg Sit. B. Nr. 1.
Anzeige- und AmtsKtatt für den Areis Kielen.
Nr. 27«.
Sonntag dm 19. November — — IIIW WWWMWMWWMMWWM ■ I
1871.
18. November.
Die „Provinzialcorrespondenz" bespricht den Rücktritt des Grafen Beust in Wien und hebt bervor, daß die auswärtigen Beziehungen Oesterreichs dadurch nicht berührt, nameallich die freundnachbarlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich keine Beeinträchtigung erfahren würden; dafür bürge auch die Persönlichkeit des neuen Ministers Andrassy, welcher sowohl durch seine Stellung während der vorjährigen Ereignisse wie durch seine Betheiligung an den neuesten diplomatischen Besprechungen bekundet habe, daß er nicht minder als Beust von der Angemessenheit und Nothwendigkcit freundlicher Wechselbeziehungen zwischen Oesterreich und Deutschland im beiderseitigen Interesse überzeugt sei.
-j- Dem preußischen Landtage wird ein Gesetzentwurf über eine Anleihe von 30 Millionen Thaler vorgelegt werden, die zur Herstellung folgender Eisenbahnen verwendet werden sollen: 1) der Bahn von Memel nach Tilsit, 2) der sogen. Moselbahn, d. h. der Bahn von Eoblenz nach Trier und Diedenhosen auf directem Wege, 3) der Bahn von Harburg über Stade nach Cuxhafen. Die Herstellung dieser Schienenwege hat eine hohe strategische Bedeutung; nicht nur, daß in der gewaltigen Schienenkctte, welche sich längs der hundertfünfzig Meilen langen deutschen Küste von Memel bis Emden hinzieht, und deren sämmtliche Häfen und Handelsplätze mit einander verbindet, die bisher noch vorhandenen Lücken ausgefüllt werden; auch die militärischen Linien auf dem linken Rhcinufer werden nach Vollendung der Moselbahn auf directestem Wege sowohl untereinander als mit den gesammten übrigen deutschen Eisenbahnen verbunden sein. Die gewaltigsten Bollwerke im äußersten Osten und Westen Deutschlands, Posen und Metz, sind durch die Herstellung der Märkisch-Posener Bahn, der Berlin-Lahrter Bahn und der Moselbahn einander so nahe gebracht, daß die Truppentransporte von der einen Festung nach der andern innerhalb 20 Stunden effectuirt werden können.
Die Deutsche Panzerflotte hat durch die neuen Torpedoboote einen eigen» artigen, noch bei keiner Marine eingeführlen Zuwachs erhalten. Diese Bote sind nämlich durchaus aus Eiscnplattcn construirt, welche stark genug sind, um der Besatzung selbst gegen aus nächster Nähe abgefeuerte Kartätschlagen und Flinten- kugeln einen zuverlässigen Schrtz zu gewähren. Der Form nach ähneln sie dabei einer Cigarre, in deren vorderen spitzen Enden sich das Steuer und eine in ihrem oberen Theil drehbare Röhre eingesugt befindet, ^welche letztere eine etwa ihaler- große Oeffnung als Ausguck für den Mann am Steuer besitzt. Aus dem Hinteren stumpfauslaufenden Theil ragt der Schornstein empor, der zum Schutz wider das Eindringen der Wogen überdeckt und kaum drei Fuß hoch ist. Außerdem liegen in diesem Theil des Boots die Räume für das Feuerungsmatcrial, die Maschine und der Aufenthaltsort für die Mannschaft, welche aus drei bis vier Köpfen be- stehend angegeben wird. Die Länge dieser Fahrzeuge beträgt etwa 40 die Breite wenig über 6 Fuß. Das außer jener Brobachtungörohre und dem Schornstein allein über dem Wasserspiegel aufragende Deck ist durch einen doppelt starken Panzer geschützt. Der graue Anstrich des Ganzen entzieht diese auf eine blitzschnelle Be- wegung eingerichteten Boote im noch erhöhten Maaße der Beobachtung. Im Mittelraum befindet sich der Aufbewahrungsraum für die Torpedos, deren Der- wendungsart noch als Geheimniß behandelt wird. Das Auslaufen dieser Fahrzeuge soll immer bei Nacht erfolgen, um ihnen dadurch um so mehr eine möglichst nahe Annäherung an die vor einem deutschen Hafen kreuzenden feindlichen Schiffe zu gestatten. Im Ganzen sollen sechs solcher Boote gebaut werden, wovon drei in Danzig thcilS schon fertig gestellt, thells nahezu vollendet sind; der Bau von drei anderen ist für Kiel bestimmt. Die Heizung erfolgt bei den ersten drei Booten durch Petroleum, während die anderen drei für Kohlenfeuerung eingerichtet werden sollen. Die wirkliche Verwendungsfähigkeit dieser Boote darf wohl bei dem gleich o großen Umfang ihrer Aufstellung als zuverlässig angesehen werden.
In der Antwort des Kaisers auf die Adresse der preußischen Bischöfe ist die Erklärung enthalten, daß der Kaiser eine eingehende Würdigung der von den Bischöfen gegen die Regierung erhobenen Vorwürfe dcr Regierung selbst überlasse. Die Vertheidigung der preußischen Regierung wird sich zugleich auch auf daS in der Adresse erwähnte Promemoria der Bischöfe erstrecken müssen. Wie die „Fr. Pr." hört, ist die Antwort der preußischen Regierung, wenn sie auch noch nicht an die Adresse befördert sein sollte, nunmehr sestgestcüt.
Dem Vernehmen nach, wird aus Wien gemeldet, ist der deutsche Gesandte angewiesen, den Grafen Beust, allerdings mit dem Ausdruck der vollen Ueber- zeugung, daß sein Nachfolger im Amt die von ihm inaugurirten Beziehungen Oesterre'chs zu Deutschland in demselben Sinne herzlichen Vertrauens fortzusetzen bedacht sein werde, das tiefe Bedauern, daß die Umstände ihn aus seiner Stellung abgerufen, in der er so aufrichtig und selbstoerläugnenv für die Wiederaufrichtung eines Verhältnisses thätig gewesen, dessen Störung nirgends lebhafter als in Berlin beklagt worden, sowie die Versicherung auszusprechen, daß bei seinem Scheiden aus dieser Stellung ihm die Achtung aller Derer folge, die auf ein Zus.immcn- gehen der beiden Staaten und Regierungen stets den höchsten Werth gelegt.
Darmstadt, 17. Nov. Dem Vernehmen nach hätte Richard Wagner der Direction de» hiesigen Hoftheaters Anerbietungen gemacht, welche Aussicht auf Annahme haben sollen. Im Fall der Annahme würde das Theater während der Sommermonate Richard Wugner zur Verfügung stehen.
f Berlin, 16. November. Deutscher Reichstag. 21. Sitzung. Vicepräsi
dent Fürst v. Hohenlohe-Schillingsfürst eröffnet die Sitzung um lj/4 Uhr. Am Tische des Bundesraths: Fürst Bismarck, Minister Delbrück, v. Prctzschner, v. Lutz, und Andere.
DaS Haus tritt sofort in die Tagesordnung ein.
1) Zweite Lesung des Reichshaushaltsetat pro 1872. Gruppe II. Auswärtiges Amt.
Bundeecomm'ffar Reg.-Rath v. Bülow giebt einige Erläuterungen der Vorlage. Im gegenwärtigen Etat seien die früher getrennten Gesandtschaften und Confulate vereinigt aufgeführt, die Erhöhung desselben resultire zumeist aus dem Zutritt der Süvstaaten. Weggefallm seien die Gesandtschaften in München, Karlsruhe, Stuttgart und Darmstadt, neu errichtet die in Peru, Mexico und Venezuela, <crner die Gesandtschaften in London und Petersburg zu Botschafterposten erhoben und in London, Petersburg und Peking Legationssecretäre hinzugekommen. Im Vergleich zünden übrigen Staaten sei die Besoldung der deutschen Gesandten auf'S Knappste bemessen. Neu sei die in Tit. 15 ausgesetzte Summe für amtliche Aus- gaben bei unbesoldeten Beamten, denn man könne den Consuln, welche vielleicht nur 70 Thlr. jährlich für Gebühren einnehmen, unmöglich die Tragung dieser Ausgaben zumuthen. Die Entwicklung von Handel und Verkehr erfordere die Errichtung von neuen Consulaten und werde damit auch in entsprechender Weise fortgefahren werden müssen. Hieraus ergebe sich die Nothwendigkeit eines Dispositionsfonds.
Mosle (Bremen) weist als Commissar des Hauses für diesen Etat ebenfalls aus die geringe Besoldung der Gesandten hin, erklärt, daß die Commiffarien zwar einen Antrag auf Erhöhung der Besoldung nicht gestellt hätten, indessen müsse er darauf aufmerksam machen, daß den Ge,andten doch die Mittel gewährt werden müßten, die Interessen des Reiches würdig zu vertreten; Redner wünscht, daß mit der Ereiruug von Fach-Consulaten immer mehr vorgegangen werde.
Dr. Löwe. Nach der Darstellung des Vorredners erscheine es, als ob vollkommenes Einverständniß unter den Commiffarien darüber bestanden hätte, daß cs angemessen erscheine, diesen Etat zu erhöhen. Dies sei nicht der Fall. Allerdings sei von der knappen Besoldung der Gesandten gesprochen, es sei aber über die Nothwendigkeit der Erhöhung des Etats kein Einverständniß erzielt. Es frage sich nun aber, ob der aufgestellte Rahmen dieses Etats durchaus notbwendig fei, ob namentlich so viele Gesandtschaften zu halten seien. Der Herr BundeScom- missar habe bereits ausgcführt, daß der ganze auswärtige Dienst sich mehr und mehr centralisire, er möchte wünschen, daß diese Centralisation immer noch mehr gefördert werde, so daß immer noch eine Reihe von Stellen eingehen könnte. Dadurch könnte eine Beschränkung des Etats erzielt werden, und au einzelnen Stellen Gehaltserhöhungen eintreten. Er wolle den Vorredner an das Wort des großen Königs erinnern, der da sagte: „Wer eine solche Macht hinter sich hat, repräsentirt genügend, auch ohne besondere Mittel." Besonders auffällig fei der Gesandtschafts- poften in Rom; er wünsche, daß diese Sielle unter die Colonne „künftig weg- fallend" gesetzt werde.
Fürst Bismarck. Ich bin dem Herrn Vorredner sehr dankbar, daß er einer Erhöhung der Gehälter der Gesandten das Wort geredet. Es liegt in der That in den Geld- und in den politischen Verhältnissen, wenn der Etat des auswärtigen Amts seinen Höhepunkt noch nicht erreicht hat. Einmal hat sich der Werth des Geldes vermindert, außerdem aber steigt der Anspruch auf eine würdige Vertretung mit der Vergrößerung des Reiches und schon aus diesem G.'sichtspunkte !möchte ich bitten, daß der vom Vorredner zitirte Ausspruch Friedrichs des Großen jein für allemal zu Grabe getragen werde. Ich behaupte, daß der Einfluß eines Gesandten nothwendtg mit der Höhe seines Gehaltes steigt; den großen Massen gegenüber ist es nicht gleichgiltig, ob der amtliche Vertreter des großen Deutschen Reichs den Eindruck mache, ob er große oder kleine Mittel hinter sich habe. Der Titel bezieht sich vielmehr auf den Rang der Diplomaten unter sich, er kommt z. B. bei dem Empfange in Betracht, wo der Gesandte warten resp. abtreten muß, sobald ein Botschafter erscheint. In den öffentlichen Blättern habe ich sehr viel von den Gefahren gelesen, welche in den Privilegien der Botschafter liegen sollen. Dies beruht auf einem Jrrthum, namentlich haben die Botschafter nicht das Recht, ohne Vermittelung des auswärtigen Ministers mit dem Monarchen zu verkehren. Daß die Zahl der GefandtschaftSpostcn vermindert werden könne, glaube ich kaum; ich weiß wirklich nicht, welche Stillen dem Vorredner dabei vorfchweben. Die Frage der Aufhebung der Gesandtschaft in Rom bleibt der Zukunft Vorbehalten; verlegt der König von Italien seine Residenz dorthin, so wird ihm der deutsche Gesandte dahin folgen. — Nach einigen auf die GrsandtfchaftSprediger in London und Nom bezüglichen Bemerkungen werden die Ausgaben-Positionen dieses Etats genehmigt.
Die Einnahme beziffert sich auf 56,380 Thlr. Bei Tit. 1: Bon der preußischen Regierung Aversional - Entschädigung für die Besorgung specull preußischer Angelegenheiten 30,000 Thlr., entspinnt sich der alte, alljährlich im Reichstage wie im preußischen Abgeordnetenhause wiederkehrende Streit. Dr. Löwe beantragt Die Streichung Der Summe, während Fürst Bismarck die Nothwendigkeit derselben nachveist. Nach einiger Debatte wird der Antrag Löwe abgelehnt und sämmtliche Einnahmc-Positionen genehmigt.
2) Petitionen. Die Petition des Verwaltungs-Ausschusses, des Gesammt- Vereins deutscher Geschichts- und AlterthumsVereine, Dem römischen germanischen Centralmuseum in Mainz zur Pflege seines wissenschaftlichen Zwecks einen jährlichen Zuschuß von 3000 Thlr. aus Reichsmitteln zu bewilligen, wird Dem Reichs-


