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seitlgt und hierdurch das transformirte Chaffepotgewehr in die Reihe derjenigen Modelle gestellt werden kann, deren mechanische Handhabung durch zwei Griffe erledigt wird. Was die Präcistonsleistung betrifft, so genügt, wie aus München berichtet wird, die Werderpatrone, auö dem bayerischen Gewehr geschossen, allen Anforderungen. Auch bet den umgeänderten Chaffepotgcwehren leistet die Werder­patrone erheblich mehr, als die französische Originalmunition mit Papierhülse. Eine weitere Complication liegt darin, daß es nach der Ansicht vieler Fachmänner sehr erwünscht wäre, dem deutschen Heere auch sofort ein gutes Repttirgewehr, etwa nach dem schon so viel geprüften schweizerischen Modell von Vettcrli, in die Hand zu geben. Unsere Füsilier- oder Jägcrbataillone, oder beide und jedenfalls der größte Theil unserer Reiterei, dann noch etwa die Mannschaften der Colonnen und Trains, können gewiß nur zum Vorthcil der deutschen Wehrkraft mit einer Waffe ausgerüstet werben, welche auch vor dem besten einfachen Hinterlader gewisse eigenthümliche Vorzüge voraus hat. Die Construction einer ganz neuen deutschen Patrone, wodurch die Leistungen unserer Handfeuerwaffen noch erheblich über die­jenigen der besten fremden Modelle gestellt werden könnte, bildet ebenfalls einen Theil der so complicirten Gewchrscage. Man könnte, heißt es in einem übersicht­lichen Artikel derA. A. Ztg.", die Herstellung dieser neuen deutschen Patrone mit derjenigen des RepetirqewehreS Hand in Hand gehen lassen und sich vor­läufig im Provisorium mit der Munitionseinheit zwischen Werder und Chassepot begnügen. Die Dreyse'schen Modelle großen Kalibers müßten natürlich baldmög­lichst beseitigt werden, denn die vor dem Krieg in'S Auge gefaßte Umänderung oder Aooptirung der Zündnadelgewehre kann jetzt nicht mehr ernstlich in Frage kommen.

DasJournal de Belfort" schreibt: Die Festungswerke von Besancon und von Belfort, die in Folge der Abtretung unserer Festungen im Osten eine Haupt- Wichtigkeit erlangen, werden der Gegenstand von Arbeiten sein, die auf 28 Mtll. für Besancon und auf 31 Mill. Francs für Belfort geschätzt sind. ES handelt sich um Erbauung einer Reihe detachirter Forts, die durch unterirdische Gänge mit einander verbunden werden sollen, durch welche die Artillerie wie die Jnfanierle von einem Punkte der Angriffs oder Vertheidigungslinie zum andern, je nach den Bedürfnissen der Lage, sich begeben könnte. Der militärische Umkreis von Belfort soll auf 18 Kilometer gegen Osten, das heißt bis zur äußersten Grenze, aus­gedehnt werden. Die Compagnie der Osteisenbahn läßt gegenwärtig den Entwurf einer Zweigbahn nach Dattenricd prüfen. Von Dattenrieb würde diese Zweigbahn sich über Boron und Brebotte an die Paris-Mühlhauser Linie etwa zwischen Klein-Kreuz und Montrcux-Chateau anschlicßen, wenn die projectirte Zweigbahn mit dem nächsten Hafen des Rhone-Rheinkanals, das heißt mit dem Hafen von Bretagne, verbunden werden sollte. Die Verluste, welche die Ostcompagnie in Folge der Beschädigungen der Bahn, der Bahnhöfe oder verschiedener Kunstoauten erlitten hat, sind auf 30 Millionen abgeschätzt. Der Belforter CleruS verlangt von Rom, vom Straßburger Sprengel getrennt und mit der Diöcese von Besancon vereinigt zu werden. Bekanntlich ist ein Zollbureau für die Ein- und Ausfuhr der W'.aren in Belfort err.chtkt. Die Verrichtungen dieses Bureau's werden später bestimmt werden. Einstweiten tritt es an die Stelle des Bureaus von St. Louis und kann man daselbst alle Ein- und Ausgangsoperationen bewerk­stelligen, für welche dieses letztere geöffnet war.

Die Pariser Blätter bringen Mittheilungen über die Verbindung zur Be­freiung der Elsässer und Lothringer von deutscher Herrschaft, dieLiguc de la Dölivrance, Sociätd patriotique philanlhropique et fraternell des Alsaciens et Lorrains, wie Der osficielle Titel der Verbindung he>ßl. Am 15. Februar hat sich diese Liga bereits in Paris constituirt, ihr Zweck ist,an der Befreiung von Elsaß und Lothringen zu arbeiten mit allen Mitteln, die in ihrer Gewalt sind, indem sie durch ihre Propaganda das Andenken an Frankreich verewigt unter denen, die unter dem Joche der Eroberer geblieben sind, und indem sie durch die Bande der Brüderlichkeit und der Solidarität alle die vereinigt, welche, um diesem Joche zu entgehen, gcnöthigt sind, das Vaterland zu verlassen." Die Liga be- kennt sich zu folgenden Grundsätzen: 1) Regt geht über Gewalt. 2) Keine Macht kann über einen Theil der Menschheit verfügen ohne dessen Zustimmung. 3) Die durch die Eroberung unterjochten Bevölkerungen behalten das unbeschränkte und nie verfallende Recht der Wiedererlangung ihrer Nationalität. In den Statuten der Liga sind die Mittel, mit denen sie zu wirken beabsichtigt, auf'S ausführlichste angegeben, und sie sind scheinbar ziemlich harmlos, man will hauptsächlich durch Vereine und Verbindungen in den beiden Provinzen wirken und die französische Bildung dort fördern und erhalten, die französischen Schulen sollen unterstützt werden, dann sollen Schützenvereine, Turnvereine, Musikvereine, Kunstvereine u. s. w. gefordert werden, zugleich aber sollen die Compatrioten in Elsaß und Lothringen auf Vas energischste veranlaßt werden, nicht au-zuwandern, sondern auf bessere Zeiten zu warten, und die Auswandernden, ihr Eigenthum in den Provinzen zu behalten. An der Spitze der Verbindung wird ein Centralcomite von 64 Mit­gliedern, aus Elsässern, Lothringern oder ihren Nachkommen gewählt, stehen und in Pans feinen Sitz haben.

Als einer der eifrigsten Preußenfresser zeichnete sich der Maire von Havre am 6. August in einer Festrede aus, welche er bei der Vertheilung der Medaillen, die von einer Anzahl Pariser den freiwilligen Schweizern und Docksarbeitern, die während der Brände in Paris zum Löschen hingeeilt waren, hielt. Das .Journal du Havre" veröffentlichte diese Anrede, worin denn die Schweizer als die wahren Freunde Frankreichs den Deutschen gegenüberqestellr werden, um mit denselben für die Ligue antiprussienne Propaganda zu machen. Wie Männer, bei denen her Verstand schwächer als die Phantasie ist, sich gern in Bildern ergehen, so begann der Maire im Beisein des Präfecten seine Standrede wie folgt:

Wenn mitten auf dem Felde den Wanderer eines jener gemeinen Kriechthiere beißt, deren Anblick so abstoßend und deren Biß tödlich ist, und wenn er ihm das Haupt nicht zertreten will mit seiner Fußsohle, so wendet er sich mit Ver- achtung ab. Machen wir es also mit den Preußen. Möge ein Gesundheitscordon fte streng fern von diesen Herdfeuern halten, wohin sie Trauer, Infamie und Tod gebracht haben.

Friedberg, 15. August. Es wird den Landwirthen der Provinz und ins- sondere der Wetterau von hohem Interesse fein , zu vernehmen, daß der Aus- schuß des landwirthschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen in feiner gestrigen Sitzung zu Gießen die Errichtung einer Ackerbauschule zu Friedberg beschlossen hat. Es ist unzwelselhaft, daß ein Bedürsniß hierzu in Oberhcff-n vorgelegen! $at und daß die zu Darmstadt, Michelstadt und Worms bestehenden Ackerbau-!

schulen aus vielen Gründen nicht geeignet sind, demselben abzuhelfen. Die pro- jectirtc Schule wird, im Gegensatz zu der nur mit einer Unterstützung des Verein- früher dahier bestandenen Privatschule des Herrn Dr. Henkelmann, von dem Pro- vinzialvercin selbst auf seine Kosten errichtet und unterhalten werden. Zur Or­ganisation und Leitung derselben wird von dem VereinSpräsibium eine Schulcom- Mission bezw. ein Curatorium ernannt werden, deren Thätigkeit es wohl gelingen wird, so rasch die nöthigen Lehrkräfte zu gewinnen und die sonstigen Vorbereitungen zu treffen, daß die Schule mit Beginn des nächsten Winters eröffnet werden kann. An den jungen Landwirthen wird cs alsdann fein, durch zahlreichen Eintritt in die Ackcrbauschule und durch Bethätigung von Eifer und Fleiß dem Provinzial- verein den Dank abzustatten , dessen er sich durch das ins Leben zu ru ende gc- meiwnützige Unternehmen verdient gemacht hat. (£). A.)

V Mainz, 14. August. Eine ziemliche Sensation erregende Erscheinung bil- veten einige vorgestern hier durchgekommene ehemalige Kriegsgefangene, französische Liniensoldaten vom 56. Regiment, welche in der Schlacht bei Wörth gefangen wurden, also über ein Jahr in Deutschland bleiben mußten. Es waren Recon- valeScenten, kamen von Thorn, und äußerten sich auf die Frage nach der ihnen Mährend ihrer Gefangenschaft zu Theil gewordenen Behandlung höchst anerkennend. «Nous etions comme chez nous, comme en famille. Aufmerksam gemacht, was man in Frankreich über solche Dinge sagen höre, zogen sie die Achseln und meinten, sie würden die Wahrheit sagen, und fügten hinzu: nous sommes des Reformös.

t Berlin, 16. August. Die Veranstaltung einer Enquete über die bei der Ordnung des Münzwesens in Betracht kommenden Verhältnisse war im vorigen Jahre seitens des Bundesraths beschlossen worden und sollten dabei geeignete, von den einzelnen BundeSregicrmigen zu bezeichnende Sachverständige vernommen wer­den; das Collegium der hiesigen Kaufmannschaft vom HandelSminister aufgefordert, hatte sowohl mit Rücksicht auf das internationale Geld- und Wechselgeschäft, als auch mit Rücksicht auf das innere ZoüvereinSgefchäft geeignete Personen in Vor­schlag gebracht. Der Krieg brach kurz darauf aus, und die Enquete wurde bis auf geeignetere Zeit vertagt. Jetzt soll dem Vernehmen nach die Angelegenheit von Neuem in Gang gebracht werden.

t Berlin, 16. August. Die Mitglieder des Vereins der deutschen Eisen- bahnverwaltungen haben ihre Berathungen beendigt. Daß durch daS negative Resultat dieser Versammlung irgendwie Jemand überrascht werden wird, steht wohl nicht anzunehmen, denn es wird Niemand erwartet haben, baß unsere Eisenbahn- gesellschaften, die ihre Aufgabe darin suchen, hohe Dividende zu erzielen, etwa darauf sinnen werden, daß das Publikum sicherer, rascher, bequemer und billiger fährt. Der bisherige Tarif ist denn auch beibehalten,um ter freien Concurrenz keinen Eintrag zu thun". Der alte Schlendrian wird natürlich so lange fest erhalten werden, bis die Privat - Eifenbahnen sämmtlich in die Hände des Staats gebracht werden, und damit das Interesse der Allgemeinheit nicht das Privativtereffe einiger Unternehmer die Richtschnur für die Verwaltung der Eisen­bahnen bilvet.

DieProv.-Corr." bestätigt heute unsere frühere Meldung, daß von den Occupationstruppen zunächst die 2. Division (Danzig) und die 22. Division (Kassel), ferner die Festungs-Artillerie in die Heimath zurückkehren werden.

Berlin, 16. August. DieProvinzial - Correspondenz" bespricht in einem längeren Artikel die Zusammenkunft der beiden Kaiser. In der freudigen Theil- nähme der Bevölkerung offenbare sich das Bewußtsein, daß die Umarmung der beiden Herrscher nicht bloß den Ausdruck persönlicher Freundschaft enthalte, son­dern auch als ein Unterpfand für die guten Beziehungen zwischen den beiden Nachbarreichcn zu gelten hat. Der Artikel erinnert daran, daß Oesterreich wäh­rend des letzten Krieges aus den von der gesunden Einsicht vorgezeichneten Grenz- linien der ruhigen Neutralität nicht herausgetreten ist und wie die Herstellung des deutschen Reiches zum Austausch von Freundschaftsbeweisen mit Oesterreich geführt habe. Jene Kundgebungen erhalten jetzt die feierliche Bestätigung durch die Zu­sammenkunft der Monarchen. Das Wesen und die Bedeutung des neuen Ver­hältnisses zwischen den beiden Rüchen liege darin, daß es nicht durch die zwingende Nothwendigkeit der politischen Lage, sondern durch die Verwandtschaft der Ge­sinnungen und Bedürfnisse begründet sei. DaS Einverstänoniß zwischen Deutsch­land und Oesterreich, weit entfernt Gefahr oder Drohung für andere Mächte in sich zu schließen, entspreche dem beiderseitigen Verlangen nach einer dauernden Förderung der gemeinsamen Wohlfahrt. Die thatsächlichen Verhältnisse und der persönliche Charakter der Herrscher verbürgen, daß die Eintracht der beiden Re- gierungen zu der festen Stütze für den Frieden Europa'- werde. DieProv.- Correfp." schreibt ferner: Die Ausführung des Frankfurter Friedens nimmt nicht den schnellen regelrechten Fortgang, welcher umsomehr gehofft wurde, als Deutscher­seits die Verpflichtungen des Frievensvertrages gewissenhaft beobachtet und den Wünschen der französischen Regierung möglichst entgegengekommen wurde. Die Letztere wünscht die beschleunigte Räumung durch Zahlungsanerbietungen, welche eine Verkürzung der vertragsmäßigen Frist in Aussicht nehmen. Es müsse jedoch daraus gehalten werden, daß die angebotenen Zahlungsmittel volle Zuversicht bieten; auch bestehe die Vollendung des FriebenSwerkeS nicht ausschließlich in der Zahlung der Kriegskosten und der Vermindcrung des OccupationSheeres, es sei dringend nothwendig, die Frankfurter Friedenguntertzandlungen baldigst einer be­friedigenden Lösung cntgegenzusühren, und daß man in Frankreich die unablässigen Hetzereien zur Ruhe verweise, welche noch jüngst zu meuchelmörderischen Angriffen auf deutsche Truppen geführt und den bauernden Frieden gefährdet haben. Die Räumung des französischen Gebiets werde in dem Maße sortschreiten, als Frank- reich den Verpflichtungen des Frievensvertrages genüge. Da die französische Re­gierung sich erboten habe, schon in nächster Zeit Die dritte halbe Milliarde zu zahlen, so seien auf Befehl des Kaisers Vorkehrungen getroffen worven, eintreten­den Falles mit der Räumung de- französischen Gebietc- vorzugehen, und würde zunächst die 2. und 22. Division zurückkehren. Auch die Räumung der noch be­setzten Pariser Forts sei in Aussicht genommen, was die Räumung des noch da­selbst befindlichen Kriegsmaterials zur Folge hätte. Selbstverständlich sollen alle diese Anordnungen erst zur Ausführung gelangcn, wenn die entsprechenden Ver­pflichtungen französtscherseits regelrecht erfüllt sind. Der Präsident de< Reichs- kanzleramts, Staatsminister Delbrück, ist von einer Erholungsreise zurückgekehrt und hat seine Amtögeschäfte wieder übernommen.

Berlin, 16. August. Graf Arnim hat sich gestern zu den Friedensverhand­lungen nach Frankfurt zurückbegeben.

Karlsruhe, 13. August. Nach dem Vorgang von Mannheim hat sich i« Radolfzell ein VereinNur Deutsch" mit der Aufgabe gebildet, in Gesellschaft

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