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Freitag dm 15. September

Nr. 21«.

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Preis vierteljährig 1 fl- 12 h. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 lr.

----~~ T.r. Ä äswerden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Eanzleiberg B. 1, als auch CSSlf den GieHeNee Mnzelge^ bei allm Post-Expeditionen unb den Land-Postboten entgegen genommen.

Erscheint täglich, mit AuS nähme Montags.

Expedition: Eanzleiberg Lit. B. Nr. 1.

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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kießen.

" 1871.

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Herrin? zur & -a-'igm Zfjtilntigr rcdjnai, isrt gj&s' H'nn HoigM in «nmelbungen p Ubanfdt bis zu ds

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Gefundene Gegenstände:

Em Beutelchen mit 8 fl. Geld, eine sehr schöne Brieftasche (raih), -in DoppeNchlüff-l mit Gewerbe, ein sehr großer Schlüssel, zwei Farbzeichen, drei kleme Schlüssel- O=" (äÄZXernwSei?ea4Befortert,' K^binmn 3°Wochen,u melden, widrigenfalls diese Gegenstände auf Verlangen an di- Finder znrückgegeben oder später zu Gunsten der Armenkasse werden versteigert werden.

Zugelaufen: Ein Wachtelhund (Männchen.) Großherzoaliche Polizei-Verwaltung der Provinzialhauptstadt Gießen.

Gießen, den 14. September 1871. I. B. d. P.: Wagner.

Polizeiliche Bekanntmachung.

, t m . ~4,,h eLrMecfiker ihre Scckcn, sofern sie nicht an Wiesen grenzen, in jedem Frühjahre auf fünf Fuß

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Nachachtung in Erinnerung gebracht. Großberzoaliche Polizei-Verwaltung der Provinzialhauptstadt Gießen.

Gießen, den 13. September 1871. N I. P. d. P.: Wagner.

Po I i t i fcher

T d e i l.

14. September.

Schilde führt. _ , ,,

In einer Betrachtung über die Beziehungen zwischen Frankreich und Italien gibt dieTime-" zwar zu, daß unter den geänderten Derhältn'ssm eine Verände- rung in der diplomatischen Vertretung am Orte und daß zwischen den beiden Mächten mancherlei Grund zum Unfrieden sei; doch verhehlt sie nicht, daß Italien mehr Grund zur Klage habe als Frankreich.Hundert kleine Acte mehr oder weniger vorbedachter Feindseligkeit heißt es am Schluffe Huben bei den Italienern die Ueberzeugung geweckt, daß Frankreich einen Streitgrund bei sich nährt, den cs nur im gegenwärtigen Augenblicke nicht wohl offen verwerrhen kann. Die Franzosen auf der anderen Seite sind durch ihr Mißgeschick erbittert und ge­neigt, ihre unangenehme Stimmung an all' ihren unschuldigen Nachbarn auszu- lassen. Sie werden nicht müde, gegen die ungeheuerliche Undankbarkeit loszuziehcn, welche von den Italienern an den Tag gelegt worden sei, uno feinden sie an, weil sie sich mit Deutschland und Oesterreich zu einer sogenannten FriedenSliga ver- bunden hätten, welche nichts anderes als eine Erneuerung der heiligen Allianz bezwecke. Es wäre vielleicht zu viel, eine mildere oder versöhnlichere Stimmung auf beiden Seiten zu erwarten. Allein beide Parteien sollten dock zu dem Ge­fühle kommen, wie wenig Würde darin liegt, daß man nickt im Stande ist, eine ( Feindschaft zurückzuhalten, welche man nicht offen zur Geltung bringen kann. ! Italien kann keinen Wunsch haben, mit Frankreich Streit zu suchen; Frankreich i ist nicht in der Verfassung, mit irgend Jemandem Händel zu beginnen. Niemand , hat Grund, über eine FricdenSliga aufgebracht zu sein, es sei denn, er habe Ab- lcht, den Frieden zu stören; und wie tief auch der Groll sein mag, den Frank- reich gegen seine Ueberwinber empfindet, so müssen doch viele Jahre vergehen, ehe cs hinreichend materielle Kraft sammeln kann, um mit Aussicht auf E.solg zu Felde zu ziehen. Daß Italien, wie so viele andere Nationen, sich alten Ver­lockungen zur Einmischung in dem Kampfe widersetzte, geschah nach den Grund- latzcn der Politik, welche einen Kampf verkürzt, indem sie ihn lokalisirt. Es i|t Cie höchste Zeit, daß der Händelsucher sich von Allen vermieden und verabscheut sehen sollte. Er sollte, wenn er zu Felde zieht, zu der Uebcrzeugung^kommen, daß er auf eigene Gefahr daS Spiel unternimmt, daß er all.in ferne ^^lachten schlagen muß, und daß Niemand ihm Unterstützung leihen oder guten Erfolg

lieber die angeblich schlechten Beziehungen zwischen Frankreich und Italien spricht heute schon Niemand mehr. Ritter Nigra, den man mehrseitig hatte han­delnd austreten lassen, war acht Tage lang abwesend und kehrte erst am 7. d. nach Paris zurück. Er begab sich im Laufe des Tages nach Versailles, wo er aller- dinas eine längere Unterredung mit Thiers hatte. Der Gegenstand derselben soll indeß weniger die angebliche Zustimmung Italiens zu den Basen der in Gastein entworfenen Friedenspolitik gewesen sein, als vielmehr auf den kleinen Conflict Bezug genommen haben, der sich zwischen den städtischen Behörden von Rom und dem Chef der französischen Gesandtschaft beim Papste, Herrn d'Harcourt, neuer- dings erhoben hat. Man weiß, daß dieser Diplomat einer städtischen Commission die architektonische Ausnahme zweier Klöster verweigerte, die angeblich unter sran- zösischem Schutze stehen. ES ist wahrscheinlich, daß Herr d'Harcourt sich zu Ent­schuldigungen wird h.'ibetlaffen müssen. Nach dem Schluffe der Session gedenkt Herr Nemusat eine Reihe von Ernennungen im diplomatischen CorpS in aller Ruhe

So ungemein herzlich auch jetzt Die Begrüßung des Kaisers Wiih-lrn «on Deutschland von Seiten des Kaiser« von Oesterretch gewesen ist, so kalt und echrosf ablehnend haben sich einige Erzherzoge und besonders auch mehrere Mttgfteter der höheren österreichischen Aristokratie während der Anwesenheit des Ersteren tm Kaiserstaaie benommen. Sowobl in Ischl und Gastein al« auch m Salzburg v r- ließen mehrere Mitglieder des Kaiserhauses und einige Dutzend ost-rr-ieb>sche Für­sten, Grasen und alte wie neug-schaff-ne Freiherren sofort Den Ort, al« die Aw fünft res Kaisers Wilhelm bekannt wurde, um nicht mit diesem z^ammenkommen in müssen. Besonder« mehrere bekannte Damen der österreichischen Ailstokratie haben ärmlich etwas darin gesucht, ihren wuthenden Preußenhaß zu zeigen. Der ! König von Preußen gilt in den Augen dieser komisehen Exemplare des weiblichen Geschlechtes noch immer als ein Parvenü, ein glücklicher Eroberer und legitimen Principe. Im Gegensätze zu dieser Gesinnung sind am 7. oder 8. Sep­tember mindestens 67000 Bauern aus dem Salzburgifchen, Pinzgau-^yrol und besonders auch aus Bayern in Salzburg anwesend gewesen, bloS um den Kaiser, der den Napoleon so brav verkloppt habe, zu sehen. ,

Die von Vertretern der preußischen, österreichischen und bayerischen Negierung beschickte Mainrer Eisenbahnconferenz zur Sicherung resp. Beibehaltung der gegen- wärtigen Beförderung der englisch-ostlndischen Post auf dem Wege durch Itallen und über den Brenner nach Deutschland hat sich dahin geeinrgt, daß wahrschelm lich vom 1. October d. I. an ein direkter Extra-Schnellzug zwischen Ostende und Brindisi wöchentlich hin und zurück eingerichtet werden soll, der insbesondere auch eine erhebliche Fahrzettabkürzung ermöglichen wird. In den Extrazug sollen aus erster Lmie Reisende aus England, Belgien und den Rheinlanden ausgenommen werden und solche aus den anderen Trunsitländern erst dann, wenn Platze vor- Händen sind. Es besteht die Absicht, eigens eingerichtete Schlafwaggons diesen Zügen emzuverleiben. Von Ostende bis Brindisi soll der Weg in 5. Stunden zurückgelegt werden und auf diese Weise eine würdige Concurrenz der Mont-CenlS-

<$« intereffirt vielleicht, was für schreckliche Dinge em Münchener Corr-spon- tent der ultramontanenDonaujeitung" »on Dollinger zu berichten wetß ; Der­selbe, fügt er, sei nicht mehr ter gelehrte Einsiedler, der nur innerhalb seiner Folianten Hause, sondern jetzt sei er unermüdlich thatlg in der Ag'.tution, und sein Ziel sei die Nationalkirche; mit der protestantischen Geistlichkeit unterhalte er einen regen Verkehr, und nicht selten komme es vor, daß ein armer protestant.scher V.car seinen Besuch erhalte. Er hoffe in der That, es zuwege zu bringen, daß vor der Opposition aller Gebildeten und vor der Feindseligkeit der Staatsregierungen flch die katholische Kirche zurückziehe und namentlich ^ie römische Curie ihre bean­spruchten Prärogative aufgebe; dann sei, so denke er, die Zelt des Ausgleichs für die verschiedenen Confessionen gekommen. .....

Die auswärtige Politik des Herrn Thiers beschäftigt neuerdings die Dlattcr wieder lebhafter. DasSiecle" verlangt nun, daß, nachdem ThlerS in feiner Botschaft vom 1. September versprochen, da- Land von der Invasion der Feinde zu befreien, und jetzt so rasch die That auf die Zusage folge, er nun auch daran gehen möge, Frankreichwieder geehrt und geliebt von- den Kationen beider Welten zu machen"! DaSSiecle" gibt zu verstehen, daß Thier-Allianzplane mit Ruß­land einerseits und den Vereinigten Staaten andererseits habe", und fordert ihn auf, jetzt ernstlich an die neue Besetzung der diplomatischen Posten zui gehen, deren gegenwärtiger Bestand nirgends auf der Höhe der jetzigen Bedürsniffe Fran reich

! Umschwung in ter auswärtigen Politik in Folge ter Wahlerfolge Hohenwart'S | fonemen. Allerting« wirt dieReorganisation des diplomattschen Corps der fran­zösischen Republik", der in den letzten Tagen die Blätter vorzuarbetlen sia> be- mühen, einen Blick auf die auswärtige Politik thun lassen, die Thier« im