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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hieben.
Ne. 136._________________ Donnerstag den 15. Juni 1871*
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Amtlicher T h e i l.
Beka n n t m a ch u n g.
Die Generalversammlung der Mathildenstiftung für Oberhessen hat beschlossen, für Kleinkinderschulen der Provinz, insbesondere znm Besten der Lehrerinnen, die Summe von 250 fl. zu verwenden. Indem man dieß zur öffentlichen Kenntniß bringt, werden die Vorstände solcher Anstalten welche bei der Vertheilnng berücksichtigt zu werden wünschen, eingeladen, ihre Anmeldung, in welche über Ausdehnung, Mittel und Bedürfnisse der Anstalt'ausführliche Auskunft zu ertheilen wäre, bis zum 20. August d. I. hierher gelangen zu lassen.
Gießen, den 10. Juni 1871. Der Vorstand der Mathildenstifkintz für die Provinz Oberhessen.
P o i i t i s ch
14. Juni.
t Die Heerführer, denen Dotationen gegeben werden sollen, weil sie zum glücklichen Ausgange des Krieges hauptsächlich beigetragen, sind die Generale von Manteuffel, v. Fransccky, v. Kirchbach, v. Gäben, v. Voigt-Rh.ktz unc der bayerische General v. Tann. Außerdem die Generale v. Moltke und v. Roon, letzterer, veil er die nationale Wehrkraft für den vorliegenden Entscheidungskampf gefestigt hat. Von den acht oben genannten Generalen ist einem jeden eine halbe Million Thaler zugedacht, demnach wäre also General v. Manteuffel dem General v. Moltke gleichgistellt.
Durch die Vorlage der beiden Dotationsgesetze ist die Hoffnung, daß der Reichstag am nächsten Donnerstag seine jetzige Session beenden werde, wieder illusorisch geworden. Der Schluß steht jetzt frühestens Mitte nächster Woche zu erwarten.
Die Allgemeine Zeitung schreibt: Die Kaiserin Augusta hat am 5. Juni durch den Abgesandten des Königs von Sachsen, Generalmajor und Oberstall- meister v. Thielau, die Insignien des königlich sächsischen Sidonien-OrvenS empfangen.
In militärischen Kreisen erwartet man, r< werde im Laufe der nächsten Monate in der Verleihung der eisernen Kreuze eine Ausgleichung dahin eintreten, daß mit diesem höchsten Kriegsorden noch viele Gemeine bedacht werden. Das bisherige Verhältniß in der Verleihung war ungleich. Vor dem Friedensschlüsse waren mit dem Kreuze 97 Proc. Offiziere und 3 Proc. Gemeine decorirt worden. In neuester Zeit find von letzteren so viele vorgeschlagen, daß das Vcrhältniß von 90 zu 10 fich ergibt.
Die „Opinione nationale" schreibt: Die Budgetcommission hat folgendermaßen die Besoldung der hohen Würdenträger bestimmt: Chef der exekutiven Gewalt 40,000 Franken monatlich, Minister 50,000 Franken jährlich.
In d' N Cloaken von Paris sind in den letzten Tagen viele Föderalisten, die fich dort hingeflüchtet hatten, festgenommen worden. Gestern Abend sand man in denselben fünf Leichen, nämlich vier Rittonalgarden mit einem Offizier. Sie waren nicht mehr zu erkennen, da die Natten sie zerfressen hatten. Massen und Munition werden dort noch täglich im Wasser aufgefunoen.
Die Kaufleute und Fabrikanten, welche der Commuzze Petroleum und anderen Zündstoff lieferten, sollen jetzt als Mitschuldige bei den Brandstiftungen in Paris verhaftet werden. Wie gemeldet, darf jetzt in ganz Frankreich ohne Ermächtigung der Behörden kein Petroleum «ehr verkauft werden. In Folge dessen sind die Preise des Oels und der Kerzen bedeutend gestiegen.
Auch in England sieht man die Verlängerung der Autorität des Hrn. Thier» als das Beste für Frankreich an. „Wenn Hr. ThierS und die Versammlung gegenseitige Nachsicht üben können", sagt die „Times", „scheint die Verlängerung der bestehenden Negierung das weiseste Verfahren zu sein. Möge kein Legitimist glauben, daß sein gesetzlicher König in diesem Augenblick mit Sicherheit zurückkehren könnte. Die Deutschen würden nicht aus dem Lande sein, ohne daß der Glauben vorherrschen würde, daß Heinrich V. in Wirklichkeit von Bismarck zurückgebracht sei, und auf dem üppigen Boden der französischen Leichtgläubigkeit würbe die Fabel um sich greifen, bis sie universal geworden. Die Royalisten mögen sicher sein, daß ein bourbonischer König in jedem Falle die heftigsten Antipathien erregen würde. Haß und Hohn würden sein Loos seitens der gesammten republikanischen Partei sein, die in diesem Falle nicht bloS die Visionen und den Fanatismus der Demokratie bedeuten wird. Er wird auch auf's Höchste die gelehrten und literarischen Claffen, Alle, die beanspruchen, intelligent und vorgeschritten zu sein, gegen sich haben, und die Zungen wie die Federn der Pariser Opposition werden in ihm und seinem Hofe einen unfehlbaren Gegenstand für Kritik und Gespött finden ... Ein Interregnum, benutzt zur Wiederherstellung der Ordnung und Industrie und Abfindung des Feindes, wird — schließt die „Times" — keine verlorene Zeit für die Nation sein."
Wie der „Times" geschrieben wird, beklagen sich die Pariser, daß die Ge- schäfte wett langsamer in Gang gerathen, als sie erwartet haben, und daß die
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vielen Fremden, welche nach der Hauptstadt kommen, diese sofort wieder verlassen, so bald sie die Zerstörungen gehörig besichtigt haben. Das Wetter ist abscheulich. Paris hat seine alten Anziehungskräfte noch nicht wledergewounen und ist schrecklich langweilig. Alles Interesse gipfelt in Versailles. Den Bewohnern des zweiten Arrondissements ist die Warnung zugegangcn, daß Jedermann, der seine Waffe nicht abliefert, vor das Kriegsgericht gestellt werden kann. Die Zahl der Communisten, welche zur Internationale und anderen ähnlichen Gesellschaften gehören, wird auf 120,000 geschätzt.
Aus den letzten Tagen der Commune wird der „N. fr. Pr." folgendes Detail erzählt: Eine der Li-blingSunterhaltemgen der trauriaen Persönlichkeiten, welche als Gefängnißwärter in MazaS fuugirten, bestand darin, daß sie tim Gefangenen mitten in der Nacht aufweckten, sie in den Hof hinabgehen hießen und eort gegen die Mauer stellten, wie um sie zu erschießen. Eine Laterne war zu ldren Füßen hingestellt und ein Peloton Föverirter gas sich, das Gewehr an die Wange gedrückt, den Anschein, auf sie zu zielen. Einem jungen Jesuiten von Daugirard flößte dieses grausige Spiel so große Furcht ein, daß er daran starb. Ein Verwandter Odilon Delima'S, vom „vengeur", der in MazaS als Ausreißer saß, wurde darüber wahnsinnig.
Nach einer Mittheilung des ultramontanen Journals „de Tyd" wird zum Jubelfeste des Papstes am 16. Juni eine Deputation von acht Personen aus den angesehensten niederländischen Familien nach Rom gehen, um dem heiligen Vater eine Adresse der niederländischen Katholiken zu überreichen. Die Adresse und die Unterschriften füllen 12 starke Foliobände. Zugleich ist eine Summe von mehr als 100,000 fl. aus Opfergaben zufammengevracht, welche die Herren ebenfalls überreiche» werde».
Darmstadt, 10. Juni. Hinsichtlich der Dccorirung der Residenz bei dem Einzug der hessischen Division liegt nun ein vollständiger Plan vor. Der Einzug der Truppen findet durch das Neckar - Thor statt. Die Stadt läßt dort einen Tuumphbvgen errichten. Auf Kosten der Bewohner werden ebenso Triumphbögen in monumentalem Style am Rhein- und Main-Thor erbaut. In Entfernungen von je hundert Schritt sollen in der Rheinstraße venctianisch? Flaggenmaste auf- gstellt werden. Zwischen diesen erheben sich Fichtenbäume, au welchen vergoldete Schilde mit den Namen der Siege angebracht sind. Guirlanden verbinden Maste und Fichten. In derselben Weise wird der schöne Luisenplatz, die Neckar- und Promenadestraße und der Paradeplatz oecorirt, und cs soll, mit den räumlichen Verhältnissen entsprechenden Abänderungen die Ludwigs- , Ernst- und Alexander- straße m ähnlicher Weise geschmückt werden. Einen sehr malerischen Anblick dürften die engen Straßen der Altstadt varbicten. Um VaS LudwigS-Monumcnt wird die gesummte hessische Kriegsbeute ausgestellt und über den eroberten Geschützen sollen zwei kolossale Dictorlen von Rauch angebracht werden. Der Triumphbogen am Neckar-Thor wird nach dem Plane des StadtbaumeisterS Hechler, diejenigen am Rhein- und Main-Thor nach den Entwürfen des Architekten Hermann Müller von Offenbach ausgeführt. Der Letztere Hal auch die Dccorirung der Straßen der Neustadt bis zur Ernst-Ludwigs-Straße einschließlich übernommen.
Darmstadt, 12. Juni. Seine Großherzogliche Hoheit der Prinz Ludwig wird heute zurückerwartet und begiebt sich am 14. mit Ihrer Königs. Hoheit der Frau Prinzessin nach Potsdam, zu ihren Geschwistern dem Kronprinzen und der Frau Kronprinzessin, um von dort aus, der Einladung Sr. Majestät des Kaiser- zufvlge, dem Einzug der Truppen in Berlin beizuwohnen. Seine Großherzogliche Hoheit der Prinz Wilhelm trifft zu gleicher Zeit ein und begiebt sich ebenfalls nach Potsdam.
Darmstadt, 13. Juni. Seine Großherzogliche Hoheit Prinz Ludwig ist gestern dahter angekommen und wird morgen früh abreifen, um dem Einzug der Truppen in Berlin beizuwohnen.
Darmstadt, 13. Juni. Die gestern erschienene Nr. 19 des Großherzoglicheu Regierungsblattes enthält:
I. Bekanntmachung Großh. Ministeriums der Finanzen, die Steuervergütung


